Tuesday, October 31, 2006

Magenverstimmung, Hasenkostüme und andere Abscheulichkeiten

Listening to: Feel Good Inc. - The Gorillaz
Weather: Clear
Mood: Annoyed by patients, annoyed by Halloween, deeply in love

Halloween holt oftmals das Seltsamste aus den Menschen heraus.
Und auch ich hole im Klinikdienst an Halloween oft das Seltsamste aus den Menschen heraus....
Heute war das erste, was ich aus Körperöffnungen holen musste, die Zuckerstange, die sich ein kleiner Junge in die Nase gesteckt hatte. Kaum war sie draußen, nahm er mir das rotzbeschmierte Ding ab und kaute es weiter. Ekelerregend, aber konsequent.

Dann war da noch das Mobile, das jemand in seinem Hintern stecken hatte. Nach dem iPod bin ich ja schon einiges gewöhnt und wundere mich über nichts mehr...
Über die Kostüme jedoch könnte ich mich jedes Jahr vom Neuen wundern! Vampire, Hexen, Kürbisse, Corona-Flaschen, Toastscheiben...die Phantasie der Feiernden kennt keine Grenzen, ebensowenig wie die Schambefreitheit.

Stacy z.B. läuft im knappen Kittelchen als 'Sexy Krankenschwester' durchs PPTH und sollte sich um Himmels Willen den ganzen Tag nicht setzen! Und bitte auch nicht mehr bücken! Zumindest nicht vor meinem Büro.
Sie hatte ihren Block fallen lassen und gab den Blick auf Tigertanga und Wildwuchs frei. James meinte hämisch, das sei nichts, was ich nicht kenne, aber er hat Unrecht. Tigertanga und Wildwuchs kenne ich nicht! Und ich wollte das auch nicht kennenlernen. Mir wurde schlagartig übel und ich musste mich in meinen Papierkorb übergeben. (Was er mir noch nicht mal abnehmen wollte!)

Dann war da noch unser altbekannter Anwalt Brandon Still, der im rosa Hasenkostüm auf der Suche nach Allenby war und ihn laut James offensichtlich gefunden hatte, da er sie knutschend im Park entdeckte, als er aus dem Fenster sah.
Das abscheuliche Hasenkostüm war sogar nochmal vertreten hier...der Mann tat, als sei er wirklich ein Hase, und zwar der Blasehase... Ich habe ihn in den 6. Stock geschickt - dort hatten sie sicher viel Spaß mit ihm.

Debbie hat sich unterdessen rührend um James gekümmert und ihm erst ein Truthahnsandwich gebracht und danach einen Schokoladenpudding. Zucker!
Das hat genagt und gebohrt an mir - ich könnte ausrasten, wenn ich das mitbekomme.
Auf dem Rückweg von seinem Büro steckte sie das erste Mal, seit sie hier arbeitet ihren Kopf in mein Büro. Sie habe sich James' Ring noch einmal angesehen.
"Und was soll ich Ihnen sagen, Dr. House? Es ist tatsächlich der gleiche, den Sie tragen! Ist das nicht ein netter Zufall?"
"Jetzt fall ich aber gleich vom Stuhl!", entgegnete ich bloß und sie zog achselzuckend von dannen.

Der Ring. Ich schaue ihn mir schon den ganzen Tag an, drehe ihn am Finger, schaue ihn wieder an und denke an gestern Abend.
Kein Wunder, dass allen auffällt, dass es der gleiche ist:

Das ist aber wirklich Zufall. Schließlich hatte ich keine Ahnung, dass er auch einen gekauft hatte. Und schon gar nicht, welchen im Speziellen.
Foreman kam in einem solchen Moment herein zu mir - ich hatte ihn gar nicht anklopfen hören. Und so sah er mich mit einem verklärten Grinsen im Gesicht, denke ich, aber er ließ sich nichts anmerken.

Debbie habe ich übrigens noch zur Schnecke gemacht und dabei Angst und Schrecken in der Eingangshalle verbreitet. Der Pudding war wohl verdorben und James hat sich eine ganze Weile nur noch übergeben. Ich habe meinen Stock auf die Rezeption sausen lassen, sie angeblafft und zum Heulen gebracht bis Cameron mir schließlich den Stock abnahm. "Bevor Sie noch jemanden verletzen!", meinte sie, was mich noch wütender machte. An ihrem Arm musste ich dann in mein Büro zurückhumpeln, wo sie mir den Stock erst zurückgab. Unglaublich! Ich bin froh, dass ich Ihr Lunch vernichtet habe, hören Sie?

Der Ärger ließ nicht auf sich warten und nahte in Gestalt von Cuddy und Stacy, die ihre Gesichter zu Fäusten geballt hatten. Glücklicherweise (oder auch nicht), war James zu dem Zeitpunkt bei mir und übergab sich über Stacys Kostüm... Soviel zum Effekt, den es hat!
Und was ist? Er wollte nicht nach Hause...

Ich muss mal sehen, wie es ihm geht und eventuell den Tisch für heute Abend absagen. Das wäre zwar schade, aber ich mache es ihm auch gerne kuschlig daheim...Essen gehen können wir auch morgen.
Die Entchen sollen sich auch einen Termin überlegen, damit wir alle mal weggehen und den Neulingen auf den Zahn fühlen. Das stelle ich mir jetzt schon spaßig vor...

Canada ist auch geritzt. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich darauf freue. Leider habe ich den Link zu unserer Unterkunft nicht hier, aber eventuell zeigt James sie ja.
Ich werde mal zu ihm rübergehen - ich fühle mich grade danach mich einfach an ihn dranzuhängen.

Happy Halloween


Auch das PPTH hat sich dem Rummel nicht entzogen. Überall stehen Jack O'Lanterns herum (vor der Tür ein besonders großer und dicker, den wir bereits Vogler getauft haben) und man weiß kaum noch, wer ein Patient mit einer ekligen Krankheit ist und wer einfach nur kostümiert herumläuft.
Bei all den blutübertrömten Gestalten wird es in der Notaufnahme reichlich Verwirrung geben heute.

Selbst Debbie an der Rezeption läuft als eine Mischung aus Hexe und Kürbis herum. Ich warte bloß drauf, dass Cuddy in einem Latex-Hexenkleid über die Gänge stöckelt - aber dieser Anblick bleibt uns wohl erspart. Vielleicht kommt Stacy ja als Mumie heute...

Ein willkommener Anlass eigentlich, in sämtlichen Büros auf unserem Gang mit Trick or Treat zu nerven und die Kühlschränke der Kollegen zu plündern.
Momentan bin ich aber versorgt und futtere den bagel with schmier, den ich mir schnell geholt habe als James schonmal eincheckte hier. Kaffee ist dank 'Ginny' auch genug da - was will ich mehr?

Meine Gedanken hängen noch dem gestrigen Abend nach und ich erfreue mich bereits zu dieser frühen Stunde an der geistigen Minderbemitteltheit meiner Mitmenschen.
Als ich an der Rezeption eincheckte, meinte Kürbis-Debbie:
"Oh, das ist ja lustig. Dr. Wilson trug auch so einen Ring heute früh!"
Er trägt ihn, er trägt ihn, er trägt ihn, er trägt ihn!
"Ja - ist das nicht erstaunlich?"
Nicken. "Da haben Sie wohl den gleichen Geschmack."
Naja, den hatten wir anscheinend tatsächlich.

Monday, October 30, 2006

Was für ein Tag...

James und ich haben uns noch ein wenig angezickt, nachdem er Duschen war.
Er war wirklich sehr gereizt und das steckte mich an, weil ich ständig das gefühl hatte, irgendwas falsch zu machen.
Trotzig meinte ich irgendwann, ich würde nun einkaufen, die Luft würde mir gut tun.
Und was macht James?
"Ja, ich fahre auch einkaufen. Fahren wir beide. Getrennt!"
Perplex nickte ich bloß, schnappte mir Jacke und Autoschlüssel und fuhr los.

Immer noch mit der irrationalen Hoffnung im Hinterkopf, James könne ganz spezielle Gründe haben, morgen abend essen gehen zu wollen, kaufte ich dann auch eine Flasche Champagner ein.
Bei einem Juwelier blieb ich am Fenster stehen und besahmir gedankenverloren die Ringe. Erschreckt wurde ich gewahr, dass im Laden jemand stand, der aussah wie James und verkrümelte mich erstmal, um später wieder herzukommen.

Nun...wir haben uns "vertragen", als wir beide heimkamen. Ich wurde ziemlich...romantisch muss ich sagen und plötzlich stand eine kleine Box vor mir...
Der Abend wurde noch viel romantischer und James bekam ebenfalls eine kleine Box...

Blau

Wir machen blau...
Nein, natürlich nicht.
Wir sind selbstverständlich krank heute - alle beide!

Nachdem ich laut Jim heute Nacht erst Seidenraupe und dann Kuschel gegeben habe, erwachte er wie gerädert. Außerdem hatten wir auch noch verschlafen.
Ich brauchte dann auch nicht lange, um ihn zu überreden - ganz erstaunlich. Er rief Cuddy an und log ihr vor berichtete ihr, dass wir uns gestern an chinesischem Essen den Magen verdorben haben.
Ich kann Ihnen sagen...das ist wirklich unangenehm!

Ich habe Bagels zum Frühstück geholt (ja, die haben wir vertragen...es geht schon wieder...) und einen sehr nachdenklichen und irgendwie gereizten James beobachtet. Ich traute mich kaum an ihn heran, weil ich das Gefühl hatte, ihm auf die Nerven zu gehen.
Die Zeitung durfte ich immer noch nicht wegwerfen und irgendwann ging er duschen und knallte sie mir hin, ich solle doch selber lesen. Er ging derweil duschen und ich rief ihm hinterher, dass ich keine alten Zeitungen lesen.
"Dann lass es bleiben!", blaffte er aus dem Bad. "Dann gehen wir auch nicht essen!"
(Er wollte morgen Abend essen gehen...zu einem gemütlichen, kleinen Mexikaner, wie er sagte.)
"Was zur Hölle hat das denn mit der dämlichen Zeitung zu tun?", rief ich zurück, erhielt aber außer dem Rauschen der Dusche keine Antwort.
"Okay, ich lese die verdammte Zeitung!" fügte ich hinzu und blätterte sie durch.
Mein Herz blieb fast stehen, als ich diesen Artikel las.
Konnte er die Zeitung deshalb aufbewahrt haben?

Unsinn...wieso sollte er sich nochmal binden wollen? Und dann auch noch an jemanden wie mich...Eben erst sagte er mir, es sei nichts Neues, wenn ich ihm auf die Nerven gehe. Ich würde jeden nerven. Und er war so missgelaunt...ich hatte richtig Angst, dass er mich schon über hat und es bereute, hergekommen zu sein.
Besser ging es mir aber, als er maulte, ich habe ihn den ganzen Tag noch nicht geküsst...das zeigte mir dann, dass er mich offensichtlich nicht über hat.

Er hat sich alles mögliche ausgenalt über Stacy und mich und hatte deshalb wohl schlechte Laune. Er muss sich wirklich keine Gedanken machen. Ich liebe ihn - so sehr! Manchmal habe ich Angst aufzuwachen und alles ist wie zuvor.
Er ist so nachdenklich...Und ich habe Herzpuckern, wenn ich an das Essen morgen denke.
Ich sollte nicht zuviel erwarten - wahrscheinlich gehen wir einfach bloß essen...

Nichts ist so alt...

...wie die Zeitung von gestern.
Hier liegt eine von Mittwoch auf dem Tisch!

Naja...aber wir wollen ja chronologisch bleiben. Die Zeitung hab ich schließlich erst gestern Nachmittag gefunden und stehengeblieben sind wir hier...Samstagnacht.

James Racheaktion war anfangs ziemlich erschreckend und ich muss zugeben, dass mir immer noch das Bein höllisch weh tut. Unter James' kritischen Augen hat sich mein Vicodin-Konsum erhöht seit gestern - aber was soll ich denn machen? Es ist ja auch nicht als Dauereinrichtung gedacht. Trotzdem gab es vorwurfsvolle Blicke, ein Nachzählen der Tabletten und das Wort "Junkie".
"Das ist nicht fair!", maulte ich.
"Greg, ich mach mir bloß Sorgen um dich..."
"Dann bind mich nicht zu lang in der Dusche fest!", grinste ich ihn an, was ihm ein noch breiteres Grinsen entlockte. Seitdem habe ich meine Ruhe, wenn ich eine Tablette einwerfe.

Aber ich habe himmlisch geschlafen in dieser Nacht. Zwar leicht betrunken und das Bett hat sich gedreht, aber es hat sich aus noch anderen Gründen mehr gedreht als wegen des Alkohols.

James meint, ich habe drei verschiedene Arten zu schlafen:
  • Krake: Hierbei nehme ich einen Anteil des Bettes ein, den ich aufgrund meiner Körpergröße eigentlich gar nicht einnehmen könnte. Das stört ihn aber nicht, da mein Bett immer noch groß genug ist.

  • Kuschel: Wie der Name schon sagt. Hierbei drücke ich mich im Schlaf so eng es nur geht an ihn. Das mag er am liebsten.

  • Seidenraupe: James hasst es. Ich schnappe mir im Schlaf die gesamte Decke und rolle mich so fest darin ein wie in einen Cocon. Zerren an der Decke resultiert in noch festerem Einwickeln.


  • Die Nacht zum Sonntag war es "Krake". Ich hatte Arme und Beine weit von mir gestreckt, lag auf dem Bauch und hatte das Gesicht zu James gewandt. Das weiß ich, weil ich irgendwann in den frühen Morgenstunden wach geworden bin.
    Ich öffnete verschlafen die Augen und blinzelte direkt in die von James.
    Hatte er mich etwa beim Schlafen beobachtet?
    "Hallo, Schatz!",lächelte er mich an.
    "Grmpf", gab ich verschlafen von mir und blinzelte nochmals, um eine klarere Sicht zu bekommen.
    James lag auf der Seite, hatte seinen Ellenbogen aufgestützt, den Kopf auf die Hand gelehnt und schaute mich weiterhin an. Ich setzte mich auf und rieb mir die Augen.
    "Machst du das schon lange?"
    "Was?", fragte er.
    "Mir beim Schlafen zugucken..."
    "Seit du eingeschlafen bist."
    Ich schaute auf die Uhr. Es war vier Uhr früh. "Das muss ja ein Erlebnis sein, wenn du das so viele Stunden aushältst, ohne selber einzuschlafen...", wunderte ich mich.
    James seufzte. "Ich habe was überlegt."
    Interessiert blickte ich ihm ins Gesicht. "Hoffentlich nicht, ob du mich schon über hast..."
    Er lächelte und schüttelte den Kopf. "Ich denke nicht, dass du mich nochmal los wirst."
    Eine wohlige Wärme breitete sich in meinem Bauch aus und ich fühlte mich wieder einmal sehr anhänglich. Also wollte ich "Krake" mit "Kuschel" austauschen, aber James war aufgestanden und tapste aus dem Zimmer. Da er sich nicht mehr angezogen hatte, bot er einen sehr reizvollen Anblick.
    "Wo gehst du hin?", rief ich noch leicht verpennt hinter ihm her.
    "Ich mach uns einen Kaffee."
    Gut, dann tranken wir eben um vier Uhr früh zusammen Kaffee im Bett.

    Nach einer Weile kam er mit zwei dampfenden Bechern wieder und reichte mir einen davon.
    "Hast du wirklich noch überhaupt nicht geschlafen?", fragte ich James nach meinem ersten Schluck.
    Er schüttelte bloß abwesend den Kopf.
    Ich räusperte mich. "Ist auch alles in Ordnung?"
    James wandte den Kopf zu mir und strahlte mich regelrecht an. "Aber ja."
    Ich drehte die Tasse in meinen Händen und sah ihm forschend ins Gesicht. "Was hast du dann gegrübelt?"
    James zuckte bloß mit einem unergründlichen Lächeln die Achseln und blätterte in der Zeitung, die er aus dem Wohnzimmer mitgebracht hatte. Plötzlich sah er wieder auf und fasste mich leicht beim Arm. "Ich habe darüber nachgedacht, was du von Silvester 1999/2000 erzählt hast."
    "Die ganze Nacht?"
    "Nein...ich hab auch darüber nachgedacht, was meine Mutter gesagt hat und wie blind wir waren...Und wieviel eher wir hätten aufhören können, uns zu quälen. Und wie sinnlos meine Ehen waren."
    Ich nickte und lächelte ihn an. "Okay...das ist natürlich Stoff für eine halbe Nacht..."
    Wir stellten unsere leeren Kaffeebecher ab und James legte sich auf den Rücken und starrte die Decke an. Ich übte mich in "Kuschel" und war rasch wieder eingeschlafen.

    Sonntagfrüh hüpfte James munter unter die Dusche, während ich zerknautscht meine Zähne in Zeitlupe putzte. "Du bist es doch, der kaum geschlafen hat...wieso bin ich dann so verdammt müde?", nuschelte ich unter der Zahnpasta hervor.
    James steckte den Kopf hinter dem Duschvorhang her und grinste mich mit einem Augenzwinkern an. "Du hast mehr getrunken. Wie immer!"
    "Wie fast immer", grunzte ich zurück und stubste ihn beiseite, damit ich mitduschen konnte. (Wirklich bloß duschen!)
    Ich trocknete mich grade ab, alsJames schon gefönt, angezogen und mit dem Schlüssel in der Hand in der Badezimmertür stand.
    "Wenn du weiterhin so langsam bist, bist du nichtmal angezogen, wenn ich mit den Bagels zurück bin..."
    Ich schenkte ihm ein ironisches Grinsen und er winkte mir kurz zu.

    Ich war grade beim Aufräumen, als ich Stimmen vor der Tür hörte. Neugierig wie ich bin, schaute ich selbstverständlich durch den Spion. Die alte Dame von nebenan sprach James gerade an.
    "Hallo, junger Mann!"
    Er wollte grade aufschließen und hielt inne. "Guten Morgen?"
    "Ihr...Mann kann schlecht laufen, richtig?"
    Räuspern. "Ähm...ja..."
    "Ja, manchmal sieht er aus als habe er Schmerzen. Ich hab das hier noch...Habe ich bekommen, als ich mir den Fuß gebrochen hatte. Vielleicht kann ers ja brauchen."
    Damit reichte sie ihm ein beinahe volles Glas Vicodin und ich konnte ein Strahlen nicht verhindern. Schnell entfernte ich mich von der Tür und deckte den Frühstückstisch fertig.
    James schloß die Tür auf und trat kopfschüttelnd ein.
    Er reichte mir das Glas. "Hier...von der Nachbarin..."
    Ich grinste breit. "Ich sag doch, sie wurde geblitzdingst!"
    Damit nahm ich mir einen Stapel Altpapier und war im begriff, nach draußen zur Mülltonne zu humpeln.
    "Warte mal bitte!"
    James inspizierte den Stapel und zog die New York Times von Mittwoch wieder heraus.
    "Die bitte nicht."
    Ich schaute ihn verwundert an. Immer, wenn ich diese Zeitung wegwerfen wollte, verschwand sie auf mysteriöse Weise oder wurde von ihm gegriffen.
    "Du kennst aber schon den Spruch der Verlagskaufleute?"
    Jim schaute mich erwartungsvoll an. "Nein?"
    "Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern...."
    Er zuckte die Achseln und klemmte die Zeitung unter den Arm. "Ich hab sie noch nicht durch."
    Gut, brachte ich bloß das andere Zeug raus.

    Als ich wieder reinkam, schenkte James uns grade Kaffee ein. Zufrieden setzte ich mich an den Tisch und schnappte mir einen Bagel.
    Beim Frühstück wurde ich nachdenklich und war wieder in dieser verdammt anhänglichen Stimmung. Ich schaute James an, wie seine Haare ihm leicht ins Gesicht fielen, wie seine Augen aufleuchteten, wenn er mich ansah und wie...schön er ist.
    Es fühlte sich an wie eine feste Faust ums Herz, mein Magen zog und ich wunderte mich über mich selbst, wie lange ich es ausgehalten hatte, das alles beiseite zu schieben.
    James hielt im Buttern seines Bagels inne. "Hast du was?"
    Ich schluckte kurz und schüttelte den Kopf. Dann nickte ich. "Ich liebe dich."
    Er lächelte und die Faust zog sich fester zusammen. Der Wunsch, er möge immer bei mir bleiben war deutlich größer als der nach einem gesunden Bein.
    "Möchtest du wirklich bloß ein paar Wochen bleiben?", fragte ich ihn.

    Sunday, October 29, 2006

    Mein Silvester zum Millenium

    James hat mir davon erzählt, in seinem Blog davon berichtet und meine Erinnerungen aufgewühlt.
    Und gestern haben wir uns noch lange darüber unterhalten.
    Also...wenn er so ehrlich ist, ist es bloß fair, wenn ich auch darüber schreibe.


    Stacy war schon seit anderthalb Stunden im Bad, stylte ihre Haare und malte an ihrem Gesicht herum. Ungeduldig schaute ich zum wiederholten Mal auf die Uhr.
    "Was ist denn nun?"
    "Gleich, Honey..."
    "Das hast du vor einer halben Stunde schon gesagt! Es ist neun..."
    Ich joggte auf der Stelle, um sie zur Beeilung zu animieren und sie warf eine Puderquaste nach mir.
    "Hey! Soll das eine Anspielung auf meinen Teint sein?", fragte ich indigniert.
    Sie seufzte und sprühte sich irgendwas von Yves Saint Laurant auf. "Ich bin soweit."
    Ich sah sie von der Seite her an. "Wozu verbringst du anderthalb Stunden im Bad, wenn du danach genauso aussiehst wie vorher?"
    Sie boxte mir in die Seite. "Charmant wie immer!"

    Wir eilten hinaus, wo das Taxi schon wartete. Die Feier war schon im vollen Gange, wenn man von den hell erleuchteten Fenstern und der Musik ausging, die herausscholl.
    Als ich ausstieg und am Fenster zahlte sah ich, dass James mit seiner noch recht frischgebackenen Ehefrau Nummer 1 auch gerade angekommen war.
    Susan war ganz nett, denke ich, aber sie hielt sich ungern in meiner Nähe auf. Ich war ihr irgendwie unheimlich oder unangenehm, glaube ich.
    "Hey, James!", rief ich ihm zu und winkte.
    "Hi, Ihr beiden! Auch zu spät?", grinste er uns entgegen. Stacy verdrehte bereits die Augen, sie wusst, dass ich ihr die Schuld geben würde. (Sie war schließlich Schuld..)
    Ich grinste zurück und zog eine Braue hoch. "Du weißt ja, wie das ist...", deutete ich hinter ihrem Rücken auf sie. Das musste sie gerochen haben (oder sie hatte Augen am Hinterkopf), denn sie rammte mir ihren Ellenbogen in die Rippen.
    "Ouch!", krümmte ich mich zusammen. James lachte leise. "Dann wollen wir mal."

    Im Hotel angelangt schauten wir uns erstmal um und ich merkte, dass Susan sich nicht eben wohl neben mir fühlte. Was hatte sie nur immer?
    Nun gut, selbst James hatte mich für ein selbstgefälliges Arschloch gehalten, als wir uns vier Jahre vor diesem Silvester auf einem Medizinerkongreß begegnet waren. Das änderte sich aber schon am gleichen Abend, als wir uns an der Bar ein paar Drinks genehmigten und uns dabei die größten Stories über die Teilnehmer einfallen ließen. An diesem Abend begann unsere Freundschaft und vertiefte sich über die Jahre. So kam uns der Zufall gelegen, dass wir schließlich beide am PPTH landeten.

    "Alles klar, Schatz?", fragte James seine Frau, da er ihre Unbehaglichkeit anscheinend auch gespürt hatte. Sie nickte ihm zu und ich entdeckte die Pokertische.
    "Hey, James wollen wir ein Spielchen wagen?"
    Er versicherte sich mit einem kurzen Blick bei Susan. "Wieso nicht?!" meinte er dann lachend und wir machten es uns an einem der Tische bequem. (Damit meine ich das Bestellen von Scotch...)
    Die Einsätze waren lächerlich gering, außerdem floss alles, was wir verloren, einem guten Zweck zu. Also blieben wir dort sitzen, bis kurz vor Mitternacht Susan an den Tisch kam um James zu kidnappen. Wir hatten gar nicht gemerkt, wie die Zeit verging und ich war schon etwas angeschickert.
    "Lass aufhören, es ist bald Mitternacht und wir wollen doch nicht das Millenium spielend beginnen, oder?", fragte James.
    "Na gut, ich bin eh am verlieren", entgegnete ich mit leicht schwerer Zunge und wir beendeten unsere Partie.
    Als wir aufstanden wurde deutlich, dass James ebenfalls etwas viel Alkohol hatte, denn er stolperte und wäre längst aufs Gesicht gefallen, wenn er nicht gegen mich gekippt wäre und ich ihn nicht aufgefangen hätte.
    Ich zog ihn etwas an mich, um ihn zu stabilisieren und roch den dezenten Duft von Fahrenheit. Er war warm in meinen Armen und fühlte sich...richtig an dort. Es war, als hätte ich mir das schon lange gewünscht. Mein Herzschlag beschleunigte sich, mein Magen zog auf eine extrem merkwürdige Art und Weise und ich schluckte leicht, als ich seinen Blick bemerkte.
    "Spinnst du?", fragte ich mich im Stillen und schaute leicht besorgt zu, wie James in den Knien einknickte und sich am Tisch festhielt.
    "Alles okay mit dir?", fragte ich ihn und er nickte benommen. "Ja, ich hab wohl nur zu viel getrunken" winkte er ab.
    Ich klopfte ihm auf die Schulter. "Du verträgst nichts Jim!" Dieser lächelte mich leicht gequält an und schlug dann vor, langsam mal die Frauen zu suchen.

    Wir fanden sie draußen auf dem Balkon mitten im Gespräch mit Cuddy. Im Vorbeigehen grabschte ich zwei Gläser Sekt vom Tablett des Kellners - eigentlich beide für mich um dieses seltsame Gefühl abzuschütteln, aber Stacy nahm mir eines ab.
    Ich versuchte noch, Cuddy ins Gespräch über meinen aktuellen Fall zu verwickeln, aber weder sie noch James wollten am Silvesterabend knapp vor dem Jahreswechsel darüber reden. "Du bist unmöglich", lächelte Stacy mich an und gab mir einen Kuss zum neuen Jahr.

    Als ich mich zu James umdrehte, fand ich ihn vertieft in einen Kuss mit Susan, was mir einen seltsamen Stich versetzte. Also stubste ich ihn unsanft in den Rücken. "Hey, das ist unhöflich!"
    James drehte sich lachend um, umarmte Stacy und prostete Cuddy zu. Wir grinsten uns an und nahmen uns kurz in den Arm, um uns ein gutes neues Jahr zu wünschen. Dieser kurze Moment verwirrte mich wieder ungemein und James fluchte plötzlich unterdrückt. Hatte er am Ende etwas bemerkt? Ich kannte mich selbst nicht.
    "Alles klar?" fragte ich und schaute in seine braunen Augen. Er winkte ab, er habe bloß zuviel getrunken und ich nahm ihm lachend sein Glas ab.

    Daheim wollte Stacy das neue Jahr gerne im Bett begrüßen, aber ich wandte mich leicht mürrisch ab.
    "Ist irgendwas?", fragte sie verwirrt.
    Ich zuckte die Achseln und rief mir ein Taxi ins PPTH - ich musste mich ablenken. Und was war besser geeignet dazu als der Fall, den ich hatte?

    Wie man auch bei James lesen kann, rief ich ihn noch ins Krankenhaus, um mich zu unterstützen. Eigentlich wollte ich ihn bloß sehen und meine Reaktion darauf testen. Was sich bei mir tat, erschreckte mich und ich drückte ihm einige Tests in die Hand.

    Als der Morgen dämmerte, öffnete ich leise die Tür zu seinem Büro. Dort saß er, den Kopf in die Hände gestützt und wahrscheinlich sehr müde.
    "Hey", rief ich ihm leise zu. Er sah auf, bedachte mich mit einem seltsamen Blick und stand auf, um sich auf das Sofa in seinem Büro fallen zu lassen.
    Einen Arm hatte er über die Lehne gelegt und ich ließ mich neben ihn fallen und gab mich der Illusion hin, er habe den Arm um mich gelegt.

    Statt bei Stacy zu sein, ging ich gleich nachdem wir unsere Arbeit beendet hatten joggen und versuchte, die Gedanken, die in meinem Kopf kreisten zu verdrängen.
    Von da an hängte ich mich sehr in die Beziehung zu Stacy und klammerte mich an die Normalität und Vertrautheit, die sie vermittelte. Umso schlimmer traf mich, was sie schließlich tat. Ich zog mich fast vollkommen in mich zurück und schob dieses Gefühl so erfolgreich beiseite, dass ich beinahe vergessen hatte, dass es da war.

    "Ben Affleck" kann kochen

    Ich ließ Jim am Bett festgebunden und beeilte mich, nochmal unter die Dusche zu kommen. (Festgebunden? Ja, warum, steht in seinem Blog...)
    "HEY!", rief es hinter mir her.
    "Was denn?", fragte ich mit einem breiten Grinsen aus dem Badezimmer heraus.
    "Mach mich wenigstens schonmal los!"
    Als Antwort stellte ich die Dusche an.
    "GREG! Das ist...entwürdigend!"
    Ich stellt die Dusche wieder aus und lugte um die Ecke. "Entwürdigend? Eher...ziemlich sexy...Und überaus verführerisch...Wollen wir nicht doch noch absagen?"
    James schüttelte den Kopf und zerrte an der Krawatte.
    Also tappte ich zurück ins Bad und duschte erstmal in aller Ruhe.

    Als ich in meinem Bademantel zurück ins Schlafzimmer kam, verdrehte James angenervt die Augen. "Belieben der Herr, auch mal wiederzukommen?"
    Ich machte ihn los und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn. "Sei nicht böse...war nur Spaß."
    James richtete sich auf. "Ja, ich fands auch total komisch...Warte nur, bis wir wieder hier sind!"
    Ich sah ihm nach, als er ins Bad stapfte. "Ist das ein Versprechen oder eine Drohung?", rief ich hinter ihm her, bekam aber nur ein Knurren zur Antwort.
    Also wandte ich mich gutgelaunt dem Kleiderschrank zu und zog meine neuen Sachen heraus, die ich mir gestern Mittag gekauft hatte, als ich heimlich zwischendurch das PPTH verließ.
    Ein dunkler Anzug mit Weste und ein rosa Hemd. (Hey! Rosa Hemden sind in, okay?!) In Gedanken an James hatte ich das Zeug auch schon mit Weichspüler gewaschen, zusätzlich sprühte ich mir etwas von meinem Halston Z-14 an. Ich hatte keine Ahnung, ob James das mochte, aber es war das einzige, was ich hatte.
    Dann ging ich ins Wohnzimmer, um dort bei einer Runde Spongebob auf James zu warten.

    Er fönte sich wieder mal eine halbe Ewigkeit und ich sah auf die Uhr. Mittlerweile würden wir ungefähr eine Viertelstunde zu spät kommen. Was solls, dachte ich und goß mir einen Fino ein. Schließlich verstummte der Fön, ich hörte ein Sprühen (nahm er etwa Haarspray?) und dann rumpelte es am Schrank - wahrscheinlich legte er sich seine Klamotten raus. Ich musste grinsen und seufzte. Er war zu schnuckelig um wahr zu sein.

    "Okay, von mir aus können wir!"
    Ich schaute über die Schulter zurück und klappte den Mund zu. James trug wieder eine schwarze Hose, ein anthrazitfarbenes, leicht changierendes Hemd, wie üblich eine Krawatte (auch schwarz) und hatte sein Jacket über die Schulter geworfen.
    "Umpf", entfuhr es mir bloß und ich stand auf.
    James pfiff leise durch die Zähne. "Meine Güte...Greg...Du siehst...toll aus!"
    Ich räusperte mich, "Dito...", und zog mein Sakko über.
    Auf dem Weg zur Tür zog James mich am Ärmel zurück und deutete auf meine Schuhe.
    "Du wirst diesen grandiosen Anblick nicht mit Sneakern zerstören! Auch, wenn sie schwarz sind!"
    Ich rollte die Augen und seufzte. "James...ich kann in Sneakern aber am besten laufen."
    "Du kannst in gar keinen Schuhen gut laufen!", schoss James trocken zurück und schwenkte meine schwarzen Schnürschuhe. "Die hier, oder ich schlafe auf der Couch..."
    "Das ist Nötigung..."
    "Nein...das ist eine Option!"
    Ich schloss kurz die Augen, seufzte tief und humpelte mit den Schnürschuhen zum Sofa zurück um sie dort anzuziehen.
    "Ich bekomme dich schon noch erzogen", grinste James und ich streckte ihm trotzig die Zunge heraus.

    Ich war grade fertig, als das Taxi auch schon vor der Tür hupte. (Natürlich ein Taxi! Was für eine blöde Frage! Wer sollte sich denn opfern und nichts trinken?)
    Als James die Tür abschloss und ich grade schon die Tür des Taxis öffnete, kam mal wieder unsere Nachbarin (unsere? Oh mein Gott...wie das klingt...) mit ihrem fetten Mops vorbeispaziert.
    "Sie beide sehen aber gut aus heute Abend!"
    Verdutzt starrte ich sie an.
    "Hrm...danke.."
    James lächelte ihr freundlich zu und wünschte ihr einen schönen Abend.
    "Was ist denn mit der los? Hat das FBI ihr eine Gehirnwäsche verpaßt oder wurde sie geblitzdingst?", fragte ich ihn fassungslos.
    Er hob die Schultern und grinste. "Ich weiß auch nicht...sie war gestern schon so nett..."
    Wahrscheinlich noch ein Alien-Entführungsopfer...genau wie mein Vater. Chase, ich glaube, die Körperfresser sind mitten unter uns!
    Auf der Fahrt legte James seinen Arm um mich und es wurde wohlig warm in mir. Ich lehnte mich an ihn und freute mir insgeheim ein Loch in den Bauch, dass er sich an den neugierigen Blicken des Fahrers gar nicht störte.

    Ganze zwanzig Minuten zu spät klingelten wir schließlich bei Louis. Er öffnete und starrte mich mit offenem Mund an.
    "Nabend...", meinte ich bloß und James grinste ihm zu.
    "Ähm...hallo, Ihr beiden. Schön, dass Ihr da seid."
    Er schüttelte James die Hand und umarmte mich eine Spur zu lang, was dem Ben-Affleck-Verschnitt, der mit verschränkten Armen im Wohnzimmer stand, nicht entging.
    Ich hatte das so satt...
    Trotzdem kam er freundlich lächelnd auf uns zu.
    "Guten Abend, ich bin Brandon!"
    Wir schüttelten uns die Hände. "Gregory..." "James."
    Er schaute sich zur Küche um. "Nun, ich bin noch nicht ganz fertig...es ist immer etwas schwierig, sich in einer fremden Küche zurechtzufinden. Setzen Sie sich doch schonmal..."
    Er schien sich jedenfalls schon ziemlich zu Hause zu fühlen bei Louis, wenn er schon den Gastgeber spielte. Aber hey, immerhin war er es auch, der gekocht hatte.
    "Wollt Ihr schonmal was trinken?", fragte Louis und schwenkte eine Flasche Portwein.
    Ich nickte begeistert und Jim stubste mich in die Seite. "Suffkopp", flüsterte er mir zu, lächelte mich aber zärtlich an.
    Louis sah den Blick und schlug kurz die Augen nieder, bevor er uns geschäftig eingoß.

    Nachdem ich den ersten Schluck genommen habe, raunte ich James zu "Ich hoffe, es gibt kein Curryhühnchen..."
    Er verschluckte sich leicht an seinem Port und schüttelte den Kopf. "Sicher nicht..."
    "Es kann losgehen", rief Brandon auch schon aus der Küche und begann, die Vorspeise aufzutischen, die ziemlich nach Frühlingsrollen aussah. Ich war zufrieden und humpelte zum Esstisch herüber.
    "Gibt es eine Sitzordnung?", fragte ich. Brandon sagte "Nein" und wisperte mir dann zu "Solange ich neben Louis sitzen kann..."
    "Hey, kein Ding!", flüsterte ich zurück, setzte mich und klopfte auf den Stuhl neben mir.
    "Kommst du, Honighase?"
    Louis hustete und James setzte sich neben mich. "Aber sicher, Schatz..."
    Brandon reichte uns allen einen Pflaumenwein und prostete uns dann zu. "Also dann...auf einen netten Abend. Louis hält große Stücke auf Sie beide und wollte unbedingt, dass ich Sie kennenlerne..."
    "Wie wäre es dann mit einem du?" schlug James vor. Er ist einfach zu freundlich...

    Die Vorspeise war wirklich gut und verlief mit allgemeinem Geplänkel über unsere Arbeit. Brandon war Anwalt und bat, sich Anwaltswitze zu ersparen. Leider kannte er einige unsagbare Chuck-Norris-Witze Marke Chase...
    Es war schwer zu übersehen, wie sehr er sich um Louis bemühte - augenscheinlich hatte es ihn schwer erwischt. Und auch, wenn Louis mir immer noch ab und an sehnsüchtige Blicke zuwarf, schien er auch nicht gänzlich abgeneigt.
    Am meisten gefiel mir, dass James jedes Mal, wenn er einen solchen Blick bemerkte, mir entweder kurz durch die Haare strich, den Arm um mich legte oder deutlich sichtbar mein Knie drückte.

    Nach der Vorspeise hatte Brandon noch in der Küche zu tun und ich zog eine Zigarre aus der Innentasche meines Sakkos und ging hinaus auf den Balkon. James folgte mir.
    "Ein bißchen siehst du aus, als wolltest du zur Snooker-Meisterschaft...", grinste er mich an.
    Ich schwenkte meinen Stock. "Meinen Queue habe ich schon dabei!"
    "Ich auch..."entgegnete James, trat auf mich zu und küsste mich langanhaltend und intensiv, so dass ich mir wieder sehnlichst wünschte, mit ihm zu Hause zu sein.
    Louis gesellte sich zu uns und räusperte sich leise.
    James legte den Arm um mich und drückte mich an sich.
    "Ihr...passt wirklich gut zusammen", meinte Louis zögerlich. "Ich...freu mich für Euch," fügte er mit einem leicht traurigen Seitenblick auf mich hinzu.
    "Danke, das ist sehr nett von dir", antwortete James. "Nun, du hast hier ja offensichtlich einen sehr interessierten Verehrer..."
    Louis lächelte schüchtern. "Mhm...das stimmt..."
    Ich grinste. "Vielleicht sollten wir dann nicht allzu lange bleiben, was? Oder übernachtet er nicht hier?"
    Louis wurde rot. "Ähm...das hatte er nicht vor."
    Ich zuckte die Achseln. "Heisst nichts...ich hatte vor ein paar Tagen auch nicht vor, James in seinem Büro zu sagen, dass ich ihn liebe..."
    "Aaaach, Schatz", seufzte James und drückte mich feste an sich.
    In dem Moment wurden wir auch schon reingerufen.

    Das Hauptgericht war thailändisch und recht scharf - einfach lecker! Zuvor bekamen wir einen Reisschnaps gereicht und futterten zufrieden und bei netten, aber belanglosen Unterhaltungen, was ich nach dem Essen zu ändern gedachte.
    Die obligatorische gebackene Banane mit Honig bildete den Abschluß und wir zogen mit Weingläsern in der Hand zum Wohnzimmertisch um, während Louis Spülmaschine den Abwasch erledigte.
    "Ich wüsste noch was, das ich gerne mal mit Honig probierte", wisperte ich James zu und bekam mal wieder einen Schag auf den Hinterkopf.

    "Nuuuun?", beugte ich mich vor. "Wie steht es denn nun mit Euch beiden?"
    "Ähm...Was meinst du?", fragte Brandon.
    James verdrehte die Augen und ahnte Böses.
    "Naja", machte ich eine Handbewegung, die Louis und Brandon einschloss. "Hier brennt doch die Luft..."
    Beide wurden rot.
    "Du bist ziemlich direkt!", meinte Brandon, als er sich gefangen hatte.
    Grinsend lehnte ich mich zurück in James' Arm, der mich schon erwartete. "Dafür bin ich wohl bekannt..."
    Ich nahm einen weiteren Schluck Wein. "Also?"
    Louis schaute unbehaglich zur Seite, aber anscheinend hatte ich Brandon angespornt.
    "Tja...also...ich denke, Louis hat bereits gemerkt, dass ich...Interesse habe..."
    "Hab ich das?", fragte der zurück.
    Brandon legte kurz den Arm um ihn. "Das dachte ich zumindest."
    Und wieder einen Stein ins Rollen gebracht...
    Wir schauten diskret zur Seite, als er sich vorbeugte, um Louis zu küssen, der ziemlich perplex war, aber augenscheinlich sehr zufrieden.
    "Wenn die Welt mich nicht hätte", flüsterte ich James zu.

    "Sag mal...hast du in der Hinsicht Erfahrung?", wandte ich mich dann mit einem interessierten Lächeln an Brandon.
    "Hm...etwas", entgegnete er.
    "Wunderbar! Ich hätte da ein paar Fragen!"
    Jetzt sollte der lustige Teil des Abends beginnen. Zu meiner Enttäuschung wollte Brandon meine Fragen auf dem Balkon besprechen, aber einem Menschen den Abend peinlich zu gestalten war besser als gar keinem.
    Ich zündete mir meine Zigarre wieder an und blies einen Kringel in die Luft.
    "Nun, um ehrlich zu sein sind James und ich erst einige Tage zusammen. Und keiner von uns beiden hat Erfahrungen in dieser Richtung."
    "Aha?"
    "Ja. Und deshalb hätte ich da mal ein paar Fragen zum Sex."
    Brandon verschluckte sich an seinem Wein. "Wollt Ihr das nicht lieber einfach...ähm...ausprobieren?"
    Ich grinste. "Ein wenig vorbereitet wäre ich schon gerne..."
    Und damit begann eine peinliche Dreiviertelstunde für Brandon, in der er über Gleitgel, Stellungen und Techniken ausgequetscht wurde.

    Und ich überlegte währenddessen, ob James es mir wirklich noch heimzahlen wollte. irgendwie wünschte ich mir, er hätte es vergessen.

    Saturday, October 28, 2006

    Ein wunderbares Essen und ein wunderbarer Abend

    James ließ sich nicht dazu überreden, den Abend jetzt schon schön einzuleiten und sprang auf, um Einkaufen zu fahren.
    Und es hat sich gelohnt, es war ein unglaublich gutes Essen, was er da gezaubert hat. (Die Menüfolge kann man in seinem Blog ja nachlesen.) Er ist ein echter Künstler in der Küche, sagenhaft! Und er hat alles so wunderschön hergerichtet...ich konnte bloß noch nach Luft schnappen, als ich den Tisch sah. Sogar Rosen hat er mitgebracht. In jedem Film hätte ich es kitschig und klischeehaft gefunden, aber hier hat es mir am Herzen geziept.
    Ich ließ mich auf den Stuhl an meinem Klavier sinken und besah mir fassungslos den wunderschönen Tisch.
    "Bereit?", hörte ich James dann fragen.
    Ich blickte auf und lächelte ihn an. Er sah fantastisch aus in seinem schwarzen Hemd und der schwarzen Hose. Ich frage mich, wieso er auf der Arbeit immer in diesen hellen Farben herumlief. Aber wer weiß...eventuell war das ja besser so. Ich konnte mich ohnehin immer schwer zurückhalten in den letzten Tagen...
    "Gut", meinte er dann und schenkte uns Portwein an. Als er mir das Glas reichte, schaute er mir tief in die Augen. "Auf einen schönen Abend!"
    Mir wurde ganz anders und am liebsten hätte ich ihn nach nebenan gezerrt.

    James rückte einen Stuhl für mich ab. "Na dann...setz dich, Schatz!"
    Ich liebe es, wenn er das sagt und mein Herz hüpfte wie bei einem verliebten Teenie. Ich wurde glaube ich sogar ein bißchen rot und setzte mich schnell hin.
    Kaum zu glauben, James hatte sich die Reuben Sandwiches gemerkt, die - ohne Pickles - ein Entrée bildeten.

    (Ich bin grade etwas abgelenkt...denn James hat mich nach Kaffee gefragt und ich meinte zu ihm "Bei Kaffee und dir heißt es immer 'ja'." Daraufhin meinte er "Also wenn ich jetzt zu dir rüberkäme, deine Hose aufmachen würde und dich dann ganz langsam nehmen würde, dann wäre das okay für dich?" Oh du meine Güte! Natürlich! Naja...jetzt habe ich eine dampfende Tasse Kaffee vor mir...auch...schön.)

    Das ganze Essen über konnte ich nicht verhindern, verzückte Laute von mir zu geben. Ich habe bisher in keinem Restaurant jemals so gut gegessen wie an diesem Abend. James lächelte nur und meinte, es sei ja auch mit viel Liebe gekocht...
    Ich könnte ihn immerzu an mich drücken, er ist einfach...einfach James.

    Beim Nachtisch hätte ich am liebsten die Schale ausgeleckt, besann mich aber im letzten Moment auf meine guten Manieren.
    James beugte sich beim Abräumen über mich und fuhr mit seiner Zunge über meinen Mundwinkel. "Du hattest da noch was..."
    Flatternd öffnete ich die Augen wieder und grinste ihn an. "Schon wieder?"
    "Greg!", rief er nur aus und schüttelte den Kopf.

    Als er aus der Küche zurückkam stand ich auf und stellte mich vor ihn.
    "Ähm...was?"
    "Das...", entgegnete ich nur und zog ihn an mich, um ihn erst liebevoll und dann ziemlich leidenschaftlich zu küssen. Sein leises Stöhnen ließ mir Punkte vor den Augen tanzen und wäre ich etwas besser zu Fuß gewesen, hätte ich ihn aufgehoben und ins Schlafzimmer getragen. So musste ich ihn schieben.

    Das ging etwas langsamer von statten, hatte aber den Vorteil, dass ich ihm auf dem Weg schon das Hemd aufknöpfen und abstreifen konnte. Und wie immer merkte ich nicht einmal, dass er bei mir genau dasselbe tat. Wie macht er das bloß?
    Ich bemerkte es erst, als ich seine warme Haut an meiner spürte.

    Ich drückte ihn sanft ins Kissen - unser Atem ging schon schneller - und riss mich zusammen. So langsam es nur ging, streifte ich ihm seine restliche Kleidung ab und entledigte mich nebenbei mehr oder weniger elegant meiner eigenen Sachen. James' Pupillen waren geweitet als sei er auf Drogen, aber meine Augen haben sicher nicht viel anders ausgesehen.

    "Ich liebe dich", flüsterte ich ihm ins Ohr, was ihm einen tiefen Seufzer entlockte. Ich erschauerte, als ich seinen heißen Atem an meinem Hals spürte.
    In Erinnerung an den Abend zuvor wollte ich ihn das gleiche erfahren lassen, was er mit mir angestellt hatte und ich merkte schon bald, wieviel Selbstbeherrschung ihn diese Langsamkeit gekostet hatte.
    "Greg", seufzte er und schickte mir damit eine Gänsehaut über den Rücken.
    Er schien auch in das Kissen hineinzuschmelzen, aber ich hatte auch das Gefühl zu zerfließen.

    Lange lagen wir eng aneinandergeschmiegt einfach nur da, küssten und streichelten uns ab und zu und sagten einfach nichts. Es brauchte keine Worte, so einfach war das.
    James küsste mir eine Träne von der Wange und ich strich mit meinem Finger sanft eine unter seinem Auge weg.
    "Hättest du mich nicht weggeschubst, hätten wir das höchstwahrscheinlich schon...in der Badewanne in Point Pleasant haben können...", meinte ich dann zögerlich und etwas peinlich berührt.
    James sah mich aus großen Augen an. "Dann habe ich mir das nicht eingebildet?"
    Ich küsste ihn auf die Nasenspitze. "Hast du nicht...und ich wäre am liebsten im Erdboden versunken."
    James schüttelte verwirrt den Kopf. "Aber...du hast doch deutlich gemerkt, was bei mir los war..."
    Ich seufzte. "Ich dachte, das sei eine Reflexreaktion..."
    James lächelte mich zärtlich an. "Wir sind schon zwei Hornochsen...was haben wir es uns lange schwer gemacht..."
    "Mehrere Jahre, denke ich..."
    "Ungefähr sechs", antwortete James leise und erzählte mir dann etwas stockend von der Silvesterfeier 1999/2000.
    Fassungslos hörte ich zu...horchte in mich hinein und schüttelte den Kopf.
    Ein etwas kitschiger Satz fällt mir nun dazu ein...aber er will geschrieben werden. Und wenn mich einer von Ihnen, liebe Kollegen, dafür auslacht, gnade Ihnen Gott! Ich bin immer noch derselbe und immer dazu fähig, Ihnen das Leben zur Hölle zu machen!

    Mein Herz hüpft so hoch, dass meine Augen überschwappen!

    Ist es Lupus?

    Herrlich!
    Dieser Freitag war wirklich...herrlich!

    Ausgerufen wurde ich wie gesagt wegen eines neuen Falls - keine Sau ist auf die Idee gekommen, mich anzupiepen. Oder in Wilsons Büro anzurufen. Neiiiiiin. Warum auch? Wo es doch viel wahrscheinlicher war, dass ich mal wieder auf dem Weg nach draußen war und irgendwo versuchte, mich an der Rezeption vorbeizuschleichen. Immerhin war es Freitagmittag...

    Es handelte sich um eine junge Frau mit Ausschlag im Gesicht, rheumatischen Beschwerden, Fieber und allgemeiner Abgeschlagenheit.
    Ich kritzelte ihren Namen an Whiteboard, die Symptome und nahm einen Schluck Kaffee aus meiner roten Tasse.
    "Und? Erste Ideen?", drehte ich mich dann zu den neuen und alten Entchen um.
    Grüblerische Gesichter, Schweigen.
    Ich schaute zum Whiteboard und trommelte mit dem Marker dagegen.
    Dann wandte ich mich wieder um und fragte "Könnte es Lupus sein?"

    Chase spuckte lachend seinen Kaffee gegen Foremans Rücken und ich musste meine Tasse abstellen, um vor Lachen nichts zu verschütten.
    Alle anderen schauten uns an, als hätten sie Wahnsinnige vor sich. Aber sie konnten ja auch nicht wissen, dass Chase und ich uns Mittwochabend köstlich darüber amüsiert hatten, dass bei beinahe jeder Differentialdiagnose jemand fragte, ob es nicht eventuell Lupus sei.

    "Hey, alles in Ordnung", meinte ich dann mit erhobenen Händen. "Foreman, wollen Sie sich rasch einen neuen Kittel holen?"
    Mit mürrisch verzogenem Gesicht und einem bösen Blick zu Chase stand Foreman auf und verließ das Büro.
    5 Minuten später schloß er sich uns wieder an und ich schaute in die Akte. "Okay, sie hat eine Nierenentzündung..vielleicht ist es tatsächlich Lupus...Vielleicht hat sie aber auch eine Allergie und die Antikörper spielen verrückt..."
    Foreman und Chase tauschten unheilvolle Blicke.
    "Genau!", bestätigte ich sie. "Und genau dafür habe ich meine Herausfinder...ab in die Wohnung, Foreman und Chase. Foreman, Sie knacken das Türschloß, Chase, Sie schauen sich die Putzmittel, Wände etc. an. Und nehmen Sie Cameron mit. Sie kümmert sich um die Lebensmittel..."
    Seufzend standen die Drei auf. "Das Türschloß knacken, ja?", meinte Foreman mürrisch.
    Ich nickte. "Und wenn Sie eine Flasche Single Malt oder Scotch finden, bringen Sie sie mit."

    An Dorian, Reid und Granger gewandt meinte ich dann "Und Sie testen, ob es nicht wirklich Lupus ist...antinukleärer Antikörper im Blut, anti-ds-DNA, Anti-Sm, Antiphospholipid, ZNS-Befall, Ulzera, blahblahblah..."
    Sie schauten mich an als warteten sie auf was.
    "Na hopp!"
    Und - zack! - waren sie unterwegs.

    Meine Herausfinder brauchten ziemlich lang, die Tester waren schneller, mussten aber auch keine 35 Meilen fahren, bevor sie mit ihrer Arbeit beginnen konnten.
    Nein, es war kein Lupus.
    Aber als es schließlich 17 Uhr war, wollte ich auch nicht mehr auf die Gang warten und machte mich daran, einzupacken.
    Kurze Zeit später stand auch schon James in der Tür um mich abzuholen.

    Auf dem Weg ins Parkhaus zu seinem Auto unterhielten wir uns noch kurz über unsere Fälle heute, verfielen dann auf der Fahrt aber in zufriedenes Schweigen. Das freie Wochenende stand vor der Tür, zwei ganze Tage nur für uns (es sei denn, Jim hatte Allenby inzwischen zugesagt) und heute Abend ein Wilson-Dinner.

    Im Flur knallte ich den Rucksack in die Ecke und hängte mich gleich an James.
    "Du bist ziemlich schmusig seit gestern", grinste er und schüttelte mich sanft ab, um erstmal Kaffee aufzusetzen.
    Ich fläzte mich auf die Couch und zappte durch die Programme.
    "War das X-Factor?", kam es aus der Küche.
    "Hm...war jedenfalls Johnathan Frakes..."
    "Schaltest du zuück? Ich seh das gerne..."
    Lächelnd schaltete ich zurück und schaute über die Schulter in die Küche, in der James grade Kaffee in zwei Tassen goß. Er war einfach zu...wunderbar.
    Er kam zum Sofa, reichte mir eine Tasse und schaute mich an. "Ist was? Du strahlst so.."
    Kaum saß er, als ich mich auch schon wieder an ihn herankuschelte. Ich war wirklich anhänglich seit diesem Abend..
    "DU bist."
    James drückte mir einen Kuss aufs Haare. "Und du riiiieeeechst schon wieder..."
    Ich grinste, weil ich an das "Sie riecht gut" von Donnerstagabend dachte.

    Eine Weile saßen wir zufrieden so auf dem Sofa und ich fühlte mich ein wenig an die Gewitternacht in Point Pleasant erinnert, als James es mir wahrscheinlich schon gesagt hatte, der Donner es aber ärgerlicherweise verschluckte.
    "Schatz, weißt du was?", fragte James und küsste meine Schläfe.
    Er hatte mich schon wieder Schatz genannt...
    "Hmmmm?"
    "Das ist unser erster Abend nur für uns alleine, seit wir...zusammen sind..."

    Friday, October 27, 2006

    Dumm ist der, der Dummes tut

    Frei nach Forrest Gump habe ich mich eben benommen....
    Ich hatte eine kurze Nachricht von James bekommen, ich könne ihm jetzt zeigen, wie anhänglich ich sei - sein Patient sei nun weg.

    Ich sprang mehr auf als dass ich aufstand und humpelte so schnell es mir möglich war den Gang hinunter zu James' Büro.
    Vorsichtig lugte ich zur Tür hinein, es hätte ja immerhin sein können, dass dennoch wieder ein Patient da war und er noch keine Möglichkeit gehabt hatte, mir Bescheid zu geben.
    Aber James war alleine im Büro und stand mit dem Rücken zu mir und schaute aus dem Fenster. Leise schloss ich ab und trat hinter ihn, um ihn zu umarmen.
    "Da bist du ja schon", murmelte er, wandte mir den Kopf zu und küsste mich. Ich drückte ihn feste an mich und hätte tagelang so stehen bleiben können.
    (Gut...mein Bein hätte das nicht mitgemacht, aber gewollt hätte ich schon...)

    "Lass uns doch rüber zum Sofa gehen", schlug James vor und wir setzten uns in Bewegung. "Möchtest du einen Kaffee?"
    Ich nickte. "Danach musst du nie fragen. Es reicht, wenn du mir einen gibst..."
    Er grinste. "Richtig..."
    Dann setzte er sich zu mir und wir tranken einträchtig unseren Kaffee. "Gott, Greg...musst du eigentlich immer fast alles schreiben? Ich habe eben beinahe den ganzen Abend nochmal durchlebt. Und ich muss dir wohl kaum sagen, wie es mir danach ging..."
    Ich stellte meinen Kaffee ab und ein Gedanke machte sich in meinem manchmal leicht kranken Hirn breit. "Es wollte einfach raus, Liebling..."
    Ich nahm ihm den Becher ab und stellte ihn auf den Tisch. Dann beugte ich mich über ihn und küsste ihn lang und intensiv. James entfuhr ein langgezogener Seufzer und wie beiläufig öffnete ich seine Hose und glitt vom Sofa hinunter.
    Er riß die Augen auf. "Was..."
    Er verstummte, als ich ihm mit einem Ruck seine Hose und seine feine Microfasershorts gleichzeitig herunterzog und mit dem begann, was ich vorgehabt hatte.
    "Greg!", kam es erstickt von oben und kurz war er versucht, mich wegzustoßen, zog dann aber meinen Kopf näher zu sich heran. Ich schaffte es sogar, in meinem Tun kurz zu grinsen, obwohl es meinem Bein absolut nicht gut tat, so vor ihm zu knien.
    James wurde ziemlich laut und ich fragte mich, was wohl diejenigen dachten, die grade an seinem Büro vorbeigingen.

    Halb im Delirium lag er auf dem Sofa, ein Stück heruntergerutscht und mit glühenden roten Punkten auf den Wangenknochen. Ich schaute auf und grinste ihn an. "Ich musste mich doch noch revanchieren für das letzte Mal auf diesem Sofa..."
    "Gott..." brachte er bloß heraus.

    In diese Moment wurde ich ausgerufen - anscheinend wartete ein neuer Fall auf mich. Vor Schmerz leicht aufstöhnend rappelte ich mich auf und warf zwei Vicodin ein, während James sich hektisch richtete. "Du bist verrückt..."
    Trotzdem umarmte er mich, bevor ich ging.

    Auf dem Gang begegnete ich Allenby und musste innerlich hysterisch lachen, aber äußerlich war ich ruhig. "Hallo, Greg! Wisst Ihr schon was wegen Samstag?"
    "Hm...frag James, ich muss jetzt zu einem Fall..."
    "Ja, ich habs gehört, du wurdest ausgerufen. Ach..warte mal...du hast da was", sagte er und deutete auf seinen Mundwinkel.
    Ups...
    Ich grinste nur. "Ja?"
    Er nickte. "Ach! Ich sehe schon, du hast diese neuen Milchshakes in der Caféteria ausprobiert. Was war's denn?"
    Ich fuhr mir mit der Zunge über den Mund um die...Reste zu entfernen. "Vanille!"

    Damit war ich in meinem Büro und brach erstmal mit einem Lachkrampf vollends zusammen.

    Was hab ich denn hier gefunden?

    James mal ohne seine Kontaktlinsen...Sehr süß!

    Die Fortsetzung des (zum Teil) grauenvollen Abends

    In einem kurzen Anflug von Galgenhumor dachte ich, dass es ziemlich gut war, in einem Hotel zu sein und nicht in einem Fastfood-Restaurant. Dort wäre es ziemlich unangenehm, sich auf der Toilette einzuschließen. Hier aber blitzte es und roch nach Seife.

    Ich hatte mich bestimmt eine Viertelstunde dort verschanzt als ich hörte, wie die Tür geöffnet wurde. Schritte näherten sich und stoppten vor meiner Tür.
    "Greg?", hörte ich James fragen.
    Ich antwortete nicht und sah auf meine Schuhe herab. James zuliebe heute Abend keine Sneaker, sondern Schnürschuhe.
    "Greg...ich kann deine Füße sehen. Ich weiß dass du da drin bist...."
    Ich seufzte bloß.
    "Bitte, mach auf..."
    Widerwillig legte ich das Schloß um und James trat zu mir in die enge Kabine. Dass ich keinen schmutzigen Witz riss, zeigte ihm wohl, dass ich wirklich fertig war.
    Er stand vor mir und küsste mich sachte auf die Stirn.
    "Schatz, komm...wir gehen wieder rein. Sie haben sich beruhigt und du kannst nicht ewig hier bleiben..."
    Er hatte mich 'Schatz' genannt...
    "Kann ich wohl...", entgegnete ich mit einem Anflug von Trotz.
    James hob mein Kinn an. "Ich sage doch...sie haben sich beruhigt... Bitte, lass uns wieder reingehen. Ich habe dir eine Zigarre bestellt..."
    "Zur Feier des Outings?"
    "Zur Beruhigung."
    Ich atmete tief durch. "Okay..."
    Langsam hatte ich eingesehen, dass ich es hier nicht aussitzen konnte. Sie würden sich nicht eher aus dem Restaurant herausrühren, bis ich nicht wieder aufgetaucht war. Und Fenster gab es hier keine, bloß eine Lüftung.
    James küsste mich sanft, nahm mich dann beim Arm und zog mich aus der Kabine heraus.
    Er hielt ihn immer noch, als wir am Tisch schließlich wieder auftauchten.

    Ich ließ mich wortlos auf meinen Stuhl sinken und zündete mir die Zigarre an, die nun neben meinem Weinglas lag.
    Alle Blicke ruhten auf mir, aber ich konnte Schweigen ganz gut aushalten und konzentrierte mich voll und ganz auf meine Zigarre.
    Überraschenderweise war es mein Vater, der plötzlich kurz meinen Arm drückte. "Doch nicht so hoffnungslos, wie ich dachte...Zwar auf eine andere Art, als ich mir zunächst gewünscht hätte...aber...ich freu mich, dass du nicht alleine bist."
    Ich bekam einen Hustenanfall und ertränkte diesen in einem großzügigen Schwall Wein.
    "Was?!", krächzte ich mit tränenden Augen.
    "Ich sag dir doch, er meint es nie so", liess sich meine Mutter vernehmen. "Wir mögen James...Und...wir freuen uns für Euch, wenn Ihr glücklich seid."
    James lächelte mich von der Seite her an. "Ja, das kann man sagen...das sind wir..."
    Mein Vater sah uns nachdenklich an. "Irgendwie passt Ihr zusammen. Und Sie, James, scheinen einen guten Einfluss auf ihn zu haben. Er trägt weder Sneaker noch so ein Rocker-T-Shirt..."
    Fassungslos schüttelte ich den Kopf. Das konnte doch alles nicht wahr sein. Ich hatte erwartet ein "Du bist nicht mehr mein Sohn" zu hören, enterbt zu werden oder erschossen.
    Meine Mutter nahm mich kurz in den Arm. "Nun...ich denke, das war genug Aufregung für diesen Abend...Wir gehen jetzt zu Bett. Wir telefonieren die Tage noch, ja?"
    Ich nickte benommen und sah meinem Vater beim Bezahlen zu - meine Rechnung hatte er auch übernommen.

    Auf der Heimfahrt war ich noch wie betäubt aber James war schon wieder gut gelaunt und äffte mich nach. "War doch gar nicht so schwer, oder?"
    Ich liess meinen Kopf zur Seite rollen und sah ihn bloß an und schnaufte.
    James fuhr die Einfahrt hinauf, parkte mein Auto zu und öffnete mir mit einer galanten Verbeugung die Tür. "Guten Abend, der Herr!"
    Ich blinzelte nur und stieg aus, ich war noch nicht ganz da.
    James legte den Arm um mich, als ich in Richtung Tür hinkte und sagte mir leise "Und jetzt machen wir es uns schön" ins Ohr, was mir unweigerlich eine Gänsehaut das Rückgrat herunterschickte.
    Die ältliche Nachbarin mit dem nervigen Hund sah uns argwöhnisch beim Aufschließen zu, aber James störte sich zur Abwechslung nicht daran.

    Drinnen angelangt ließ ich mich nur noch aufs Sofa fallen und kickte die ungewohnten Schnürschuhe von mir. James hantierte irgendwo im Hintergrund, während ich mit geschlossenen Augen vor mich hin dämmerte.
    "Komm...wir ziehen um!", meinte er plötzlich und fasste mich leicht an der Schulter. Ich öffnete die Augen. "Hm?"
    Er zog mich vom Sofa hoch und ich konnte durch die geöffnete Schlafzimmertür sehen, dass er dort Kerzen aufgestellt hatte und Barrique für uns beide bereitstand. Es lief leise Musik und es sah sehr gemütlich und angenehm aus.
    James nahm mir das Sakko ab und hängte es in den Schrank.
    "Setz dich aufs Bett..."
    Folgsam setzte ich mich - James setzte sich neben mich und knöpfte mir mein Hemd auf.
    "Ich denke, du hast dir nach alldem eine Massage verdient."
    "Hmmmm...wunderbar...", meinte ich, beugte mich vor und küsste ihn leicht.
    "Noch nicht", grinste James und streifte mir das Hemd ab.
    Ich legte mich bereitwillig bäuchlings aufs Bett und genoß die Massage. James hat da wirklich Talent.

    Fast wäre ich dabei eingeschlafen, bis er mich plötzlich umdrehte und ich aus meiner Lethargie erwachte. "Hm?"
    "Das war genug Rückenmassage", schaute er mich aus leicht verschleierten Augen an und ich bemerkte, dass wir beide nichts mehr anhatten.
    "Wie...", begann ich, aber meine Frage wurde in einem langen, anhaltenden und sanften Kuss erstickt. Meine Augen schlossen sich wie von selbst und mit einem "Hmmmmmmmmm" erwiderte ich den Kuss. James Lippen lösten sich von meinem Mund und wanderten langsam den Hals entlang, zum Schlüsselbein, wo er mit einem kurzen Biss verweilte, zur Halsbeuge und dann die Innenseite meines Armes herunter, nur um an meiner Seite mit der Zungenspitze wieder heraufzuwandern.
    Ich zitterte und wunderte mich selber über die vielen veschiedenen Arten von Seufzern, die er mir damit entlocken konnte. Seine Hand streichelte an meiner anderen Seite empor und ich fühlte mich einer Ohnmacht nahe und gleichzeitig fast erstickt vor lauter Liebe zu ihm.
    Im Hintergrund sang Tori Amos passend Silent all these years, aber ich nahm es kaum wahr. Alles was zählte war James und ich fuhr durch seine Haare, wollte ihn küssen. Aber er sagte bloß "Shhhhh" und fuhr in seinem langsamen Tun fort.
    Und er tat alles sehr langsam und ich glaubte, mein Herz müsse nun bald überquellen und brachte bloß noch ein "Jaaaames" heraus.
    Er ließ sich nicht unterbrechen und machte mich halb wahnsinnig, aber andererseits genoß ich diese Langsamkeit ungemein.
    "Ich liebe dich", flüsterte er mir ins Ohr und ich spürte, wie mir eine Träne aus dem rechten Auge lief. Diese stahl sich aber keineswegs aus Trauer dort hinaus.
    Er entlockte mir sämtliche Arten von Stöhnen, Kieksern und Seufzern bis ich schließlich ganz verstummte. (Hrm...naja....bis zum Schluß...da wurde es etwas lauter...)
    Er blieb bei seiner Langsamkeit, obwohl er sich wohl selber dazu zwingen musste und zu guter Letzt wußte ich nicht, ob ich explodierte oder ins Kissen hineinschmolz. So musste sich wohl ein Terminator der zweiten Generation fühlen, wenn er sich verflüssigte.
    James sah mich an und ihm stand selber das Wasser in den Augen. "Gott, ich liebe dich, Greg!", flüsterte er heiser und küsste mich.

    Ich muss kaum sagen, dass wir zwar spät, aber sehr gut geschlafen haben.
    Ich bin immer noch ganz weggetreten und ziemlich anhänglich, wenn wir uns begegnen.

    Ein grauenvoller Abend! (zum Teil...)

    Wie ich befürchtet hatte, hat James sich nicht darauf einlassen wollen, meine Eltern in der Bronx auszusetzen. "Und wenn du 100mal den Abwasch machst, das geht nicht!"
    Er war ziemlich entsetzt, als es ihm dämmerte, dass ich das tatsächlich ernst meinte.
    Schmollend setzte ich mich also zu ihm ins Auto und hatte mich dazu überreden lassen, mich einigermaßen schick zu machen, falls wir später wirklich noch essen gehen würden. Also entschied ich mich für etwas ähnliches wie gestern Abend. Immerhin hatte ich ja noch im Hinterkopf, wie gut das James gefallen hatte...
    Im Auto legte ich missmutig Eyes without a face ein, die Version von Tori Amos, und sprach auf der Fahrt zum Flughafen ziemlich wenig.

    Auf dem Weg zum Terminal betrachtete ich mich nochmal kurz in einer Fensterscheibe und zupfte an meinen Haaren rum.
    "Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, du möchtest gut aussehen, wenn du deine Eltern triffst", meinte James trocken und sah mich von der Seite her an.
    Ich schüttelte den Kopf. "Ich möchte bloß gut aussehen, wenn ich mit dir unterwegs bin. Du sollst dich ja nicht schämen müssen..."
    "Das würde ich niemals..."
    Wir lächelten uns kurz an, dann seufzte ich wieder. "Können wir nicht einfach wieder fahren?"
    James packte mich am Arm und zog mich weiter. "Können wir nicht. Was würdest du denn sagen, wenn du nicht abgeholt würdest?"
    Ich schnaufte. "Ich würde mir ein gottverdammtes Taxi nehmen und niemandem auf die Nerven fallen!"
    "Greg, sie haben dich bestimmt schon zwei Jahre nicht mehr gesehen!"
    "Es kommt mir vor, als wäre es erst gestern gewesen..."
    "Ach, komm weiter jetzt!"

    Wir bogen grade um die Ecke, als ich sie auch schon mit ihrem Gepäck aus der Ankunftshalle rollen sah. Mein Vater, der ewige Marine - er sah immer noch aus, als trüge er seine Uniform und der Haarschnitt war schon seit eh und je derselbe. Ich glaube, er hatte bereits nach meinem ersten Atemzug beschlossen, mich zu hassen... Immer geradeheraus, immer ehrlich und schwer zu ertragen. James meinte vor einigen Jahren mal, wir wären uns eigentlich gar nicht sooo unähnlich, woraufhin ich ihm fast eine geklebt hätte.
    Meine Mutter hatte uns erspäht und winkte uns fröhlich zu. "Greeeeeg! Hallooooooo!" Ich musste wider Willen lächeln, meine Mom war...in Ordnung.
    Mein Vater blickte muffig auf und liess sich zu einem Nicken hinreissen. Oh Wunder! Aber er hatte James zugenickt, nicht mir.
    Als sie bei uns angelangt waren, wurde ich von meiner Mutter fast erdrückt mit ihrer Umarmung, dann hielt sie mich ein Stück von sich weg. "Gut siehst du aus...Ist irgendwas passiert, von dem ich wissen sollte?"
    Ich zog es vor zu schweigen und zog bloß eine Braue hoch. "Hi, Mom..."
    "Aber sag mal...isst du auch vernünftig?"
    Da war es wieder.
    Sie wandte sich an James und schüttelte ihm herzlich die Hand. "Dr. Wilson! Jaaaames! Wie schön, Sie wiederzusehen!"
    Er nickte ihr mit einem herzerwärmenden Lächeln zu. "Hallo, Blythe."
    "Sagen Sie, isst Greg auch vernünftig?"
    Mein Vater schnaufte, "Woher soll er das wissen?", und schüttelte Jim dann die Hand. "Nett Sie wiederzusehen, James."
    Dann wandte er sich an mich und nickte bloß, was James zu einem besorgten Seitenblick zu mir veranlasste. Aber dieses Verhalten störte mich schon lange nicht mehr.
    "Wir wohnen im Nassau Inn in Princeton", knarzte er mir dann zu. "10 Palmer Square."
    Ich nickte. "Dann wollen wir Euch da mal hinbringen..."
    Damit humpelte ich voraus in Richtung Auto. Hoffentlich würden sie einfach in ihr Hotel gehen und das wars.

    James war in Smalltalk verwickelt und sprach mit meinem Vater, während meine Mutter an meine Seite huschte.
    "Greg, es ist wirklich schön, dich wiederzusehen. Wir sehen uns viel zu selten. Ich habe dich vermisst."
    "Ich könnte gut auf ihn verzichten!", knurrte ich bloß.
    Meine Mutter seufzte. "Er liebt dich, Gregory...egal, wie er sich verhält."
    "Du weißt verdammt gut, dass er mich nicht ausstehen kann..."
    Da wir nun am Auto waren, ließ ich es dabei bewenden und schaute James erwartungsvoll entgegen. Bloß schnell das Gepäck verstauen, meine Eltern ins Auto packen, rauswerfen und abhauen.

    Die Fahrt wäre schweigsam verlaufen, wenn meine Mutter nicht geredet hätte wie ein Wasserfall. Am Hotel angelangt kam das Verderben über mich.
    "Wollen wir nicht zusammen essen? Es ist nett hier, das Hotel hat sicher auch ein gutes Restaurant. Komm, John, wir laden die beiden ein...Oder haben Sie noch einen Termin, James?"
    James öffnete den Mund, aber ich war schneller. "Sicher eine Menge glatzköpfiger Krebspatienten... Er wird keine Zeit haben...Und ich..."
    "Greg, wir haben beide nichts vor!", fiel er mir ins Wort und lächelte dann meiner Mutter zu. "Ich würde mich freuen, aber Sie müssen uns wirlich nicht einladen."
    Mom klatschte in die Hände. "Wie schön! Doch, das wollen wir aber, nicht wahr, John?"
    Mein Vater zuckte die Achseln. "Dr. Wilson. Greg kann für sich alleine bezahlen."
    "Mit Vergnügen!", schoss ich dazwischen und James sah unbehaglich von einem zum anderen.

    Meine Eltern checkten ein und James und ich warteten derweil an der Bar. Ich brauchte erstmal einen Scotch und kippte ihn in einem Zug runter.
    (Die Bar jedenfalls ist ganz nett dort:
    )
    "Woher du das bloß hast...", sinnierte James und grinste mich aufmunternd an.
    "Wenn du noch einmal versuchst anzudeuten, dass mein Vater und ich uns ähnlich sind, schläfst du auf der Couch..."
    Gespielt ängstlich biss er sich auf die Finger. "Alles, nur das nicht!"

    Meine Eltern hatten sich ein wenig aufgefrischt und ich wunderte mich über Moms betroffenes Gesicht. Als wir uns einen Tisch zuweisen liessen, nahm sie James am Arm.
    "Oh, das tut mir so leid! Eben hat Ruth mich auf meine Mobile angerufen...Julie hat Sie verlassen?"
    Ich lehnte mich innerlich zurück und sah James beim Herumdrucksen zu. "Ja...vor ein paar Tagen...Sie hat jemand anderen."
    Wie erwartet, klopfte mein Vater ihm aufmunternd auf die Schulter. "Keine Sorge, Junge! Ein Kerl wie Sie bleibt nicht lange allein. Aber das wissen Sie ja selber."
    Mit einem abschätzigen Blick zu mir fuhr er fort "Was ich von ihm hier nicht behaupten kann! Als Stacy weg war, wussten wir beide, er wird den Rest seines Lebens allein bleiben!"
    James griff unter dem Tisch nach meiner Hand und ich drückte sie dankbar. "Wenn du wüßtest, alter Zausel", dachte ich bloß grimmig und wandte mich der Speisekarte zu.
    "Sie haben keine hohe Meinung von Ihrem Sohn, John...", begann James und ich war erstaunt.
    "Er ist ein Arschloch, James, das müssten Sie doch am besten wissen", meinte mein Vater, als würde er über jemanden reden, der gar nicht da ist. "Er hat von klein auf die Leute genervt und ich frage mich, wie Sie es so lange mit ihm aushalten. Aber ich rechne es Ihnen hoch an. Das ist eben Freundschaft."
    "John!", rief meine Mutter dazwischen und James sagte im gleichen Moment "Er ist ziemlich brillant. Und ein sehr guter Freund."
    Mein Vater sah mich an und verzog das Gesicht. "Ob brillant oder nicht - Arschloch bleibt Arschloch. Dann ist er eben ein brillantes Arschloch, stört mich nicht. Gut für seine Patienten."
    Meine Mutter beugte sich vor und drückte mir mit einem "Er meint es nicht so"-Gesicht die Schulter. Ich grinste sie ironisch an und bestellte Rehrücken, als die Bedienung an den Tisch kam. Dazu gleich eine ganze Karaffe Barrique, damit ich mich abschießen konnte.
    James schüttelte leicht fassungslos den Kopf. Ich glaube, er verdrängt immer recht schnell, wie das Verhältnis zwischen meinem Vater und mir wirklich ist. Meine Hand hielt er immer noch, was die Bedienung mit einem irritierten Lächeln bemerkte, als sie seine Bestellung aufnahm. Schnell ließ er los und zupfte verlegen an seiner Krawatte herum.

    Als wir dann bereits mit Getränken versorgt waren, fuhr Mom natürlich sogleich fort. "Allerdings hat Ruth mir auch gesagt, dass da jemand wäre..."
    James nahm einen großen Schluck von seiner Cola Light. "Hat sie?"
    Mein Vater grinste jovial. "Hab ichs nicht gesagt? Sie hatten doch schon wen im Auge, stimmts?"
    Wider Willen stahl sich ein mehr als strahlendes Lächeln auf James' Gesicht und meine Mutter schaute ihn warmherzig an.
    "Ruth sagte mir, dass das schon seit vielen Jahren so geht. Wie kann das nur sein, dass Sie sich nie an diese Person herangetraut haben?"
    "Ähm...", begann Jim, während ich meinen Rehrücken fixierte als ob der Stein der Weisen irgendwo darin versteckt sei. "Ich...weiß auch nicht. Es...war schwierig..."
    "Und?", fragte mein Vater. "Hat's geklappt?"
    Ja, hat's! Und ich habe jetzt sogar eine Art Schwiegervater...und der mag mich sogar!
    Ich schwieg weiter und schaute nicht von meinem Essen auf. James neben mir nickte und legte mir heimlich seine Hand aufs Knie.
    Meine Mutter juchzte ein wenig auf. "Ja, Ruth hatte angedeutet, dass es nun endlich geklappt hat."
    "Wie sieht sie denn aus?", fragte mein Vater interessiert.
    Ich rollte eine Krokette auf meinem Teller hin und her und wünschte mich weit weg.
    James räusperte sich. "Also...sie...ähm...die Person..."
    "Na?", kam es weiter aufmunternd von meinem Vater.
    "Gut..also...groß, schlank...braune, leicht wellige Haare und sehr blaue Augen..."
    Ich wünschte mir, unter mir möge sich ein Loch im Boden auftun.
    "Klingt doch gut!", polterte Dad. "Langbeinig?", grinste er hinterher.
    James nickte. "Ziemlich..."
    "Wie heißt sie denn?", wollte meine Mutter wissen, was James zum Husten brachte. Die Wendung, die der Abend genommen hatte, gefiel mir gar nicht.
    "Sie...hm...riecht gut...", meinte James ablenkend und ich spürte, wie ich feuerrot anlief.
    "Was hast DU denn jetzt?!", fragte mein Vater abfällig und sah mich kopfschüttelnd an.
    "Nichts", krächzte ich und hob abwehrend die Hand. "Alles bestens..."
    Er grinste und legte den Kopf kurz in meine Richtung. "Neidisch isser...Der hoffnungslose Fall..."
    Meine Mutter trat ihn unter dem Tisch gegen sein Schienbein und eine Weile aßen wir schweigend weiter und ich kippte ein Glas Wein auf Ex herunter, zwei Vicodin hinterherschickend.
    "Du solltest die wirklich nicht mit Alkohol einnehmen...", meinte meine Mutter.
    "Meist schluck ich sie trocken", entgegnete ich, was meinem Vater ein Kopfschütteln entlockte.
    "Junkie!"
    Wir hatten unser Essen fast beendet, als meine Mutter schon wieder anfing. "Also, James, wie heißt sie denn?"
    "Mom!"
    "Was denn?", fragte sie mich erstaunt. Und dann, an James gewandt: "Arbeitet sie auch bei Ihnen im Krankenhaus?"
    "Ja..."
    "Und wie ist ihr Name?"
    "Mom!"
    "Nun lass das doch mal, Greg! Ich will doch nur den Namen wissen."
    "Lass es doch einfach, Mom!"
    "Wieso? Dazu gibt es doch keinen Grund!"
    James schaute unbehaglich in seine Cola und schwieg, während ich mit meiner Mutter diskutierte.
    "Du bist zu neugierig, Mom..."
    "Nun hab dich doch nicht so."
    "Lass es doch dabei bewenden. Weißt du nicht schon genug?"
    "Ich will doch nur den Namen hören..."
    Ich schnaufte. "Gregory! Okay? Zufrieden?"
    Meine Mutter schaute mich an wie ein verwirrtes kleines Kind.
    "Liebling...nicht deinen Namen...den von James neuer Freundin..."
    Ich stützte kurz die Stirn auf die Hand.
    "Mom...es ist keine Freundin..."
    "Sei nicht abern. Er hat uns doch eben gesagt, dass es endlich geklappt hat..."
    "MOM! Es ist keine Freundin...Ich bin es!"

    James neben mir räusperte sich leise, mein Vater hustete und meine Mutter sah mich mit offenem Mund an.
    "Du hast eine kranke Art von Humor", meinte mein Vater dann.
    "Ich meine das todernst!"
    Meinem Vater dämmerte, dass ich nicht log. Das machte ich an der Art fest, wie seine Gesichtszüge entgleisten.
    "Ich muss pinkeln!", meinte ich dann und humpelte so schnell ich konnte zu den Toiletten. Dass ich James damit in der Höhle des Löwen alleine ließ, kam mir in meiner Verzweiflung gar nicht in den Sinn.
    Ich schloß mich in einer Kabine ein und lehnte mich gegen die Wand. Was für ein grauenvoller Abend!

    Wird fortgesetzt...ich gehe kurz James in seinem Büro besuchen...

    Thursday, October 26, 2006

    Konzentrationsprobleme und "Familienglück"

    Meine Güte!
    Heute fällt es mir schwer, mich auf die Arbeit zu konzentrieren.
    Ständig denke ich an gestern abend bzw. heute morgen und grinse wie ein Idiot vor mich hin.
    Da konnte mich noch nicht einmal der Anruf meiner Eltern schrecken, die ankündigten, in die Stadt zu kommen und darum baten, heute abend vom Flughafen abgeholt zu werden.
    Morgen reisen sie schon weiter und ich hoffe, es bleibt beim Abholen und sie wollen nicht noch mit mir essen gehen oder sowas in der Art.
    Ich habe mich schon ziemlich auf einen Abend zu Hause gefreut, mit gutem, von James gekochtem Essen und...naja...kuschliger Stimmung.
    Wenn ich an meinen Vater denke, könnte ich kotzen!
    Wir haben uns mein Leben lang nicht gut verstanden und ich habe nicht die leisteste Lust, heute mit ihm ein paar Worte zu wechseln.
    Ich soll doch meinen Freund, den netten Dr. Wilson mit zum Flughafen bringen, wenn er mag, meinte meine Mutter.
    Ich muss mögen!
    Er auch. Alleine lasse ich mich darauf nicht ein.
    Außerdem passen sie nicht in die Corvette, da brauchen wir Jims Auto.

    Ich könnte natürlich anrufen und sagen, dass ich sie nicht abholen kann, weil ich keinen Platz für sie im Auto habe... Das klingt ganz gut.
    Oder ich fahre mit James hin, wir nehmen ihren Koffer, stellen die irgendwo ab und machen uns aus dem Staub, während sie auf das Auto warten.
    Oder wir lassen sie an irgendeiner gottverlassenen Ecke der Stadt aussteigen, sagen, ich wohnte dort, holen die Koffer aus dem Auto, setzen uns schnell wieder rein und hauen dann ab.
    Sie auszusetzen würde mir wohl am besten gefallen. Mal sehen was "der nette Dr. Wilson" dazu sagt.

    Meine Eltern haben einen absoluten Narren an ihm gefressen, seit sie ihn das erste Mal gesehen haben. Ich wette, das ist der Sohn, den sie sich eigentlich gewünscht hätten. Gutaussehend, smart, freundlich, mit einem großen Schlag bei Frauen.
    Ein halbes Jahr, nachdem meine Beziehung mit Stacy in die Brüche gegangen ist, haben sie es aufgegeben, mich nach "der Liebe" zu fragen. Und natürlich geben Sie auch mir die Schuld, dass es mit ihr nicht geklappt hat. Es juckt sie gar nicht, was sie getan hat. Noch ein Grund, sie irgendwo auszusetzen heute abend.

    Sollten sie doch essen wollen, hat sich mein Part an dem Abend ohnehin spätestens dann erledigt, wenn sie erfahren, dass Julie James den Laufpass gegeben hat. Dann wird er bemitleidet und aufgemuntert werden und meine Mutter wird ihm noch im Restaurant mögliche neue Kandidatinnen zeigen. Mein Vater wird ihm aufmunternd auf die Schulter klopfen mit diesem "Das wird schon wieder, Junge"-Gesicht und mich verachtend ansehen, weil ich natürlich keine Beziehung habe, die kaputt gehen könnte. (Zumindest keine, von der sie wissen! Nein, überhaupt keine, die kaputt gehen könnte! Ich werde mir alle Mühe geben, denn das ist mir wirklich wichtig.)

    Ich bin doch für Abhauen oder Aussetzen. Unbedingt! Und dann den Abend mit James genießen und ihm beim Kochen helfen. Wenn er ins Aussetzen einwilligt, werde ich sogar spülen. Dann müssen wir nur noch mein Mobile ausschalten und das Telefon ausstöpseln.

    Foreman und Cameron scheinen übrigens sehr erstaunt zu sein, dass weder Chase noch ich irgendwelche Wunden, Würgemale oder Kratzer haben seit gestern abend. Dass es nett war, haben sie uns auch nicht abgenommen.
    Und ich glaube, Foreman hat bereits in James Blog gelesen, denn es kam ein TUMP aus seinem Büro heraus, als sei jemand hinterrücks mit seinem Stuhl umgekippt. Und er sieht mich nicht an, wenn wir miteinander reden. Wer weiß, in welchen Situationen er mich dann sieht.
    Naja, er wird sich schon wieder fangen...

    Das Sushi-Essen mit James heute mittag jedenfalls war ausgesprochen...schön. Er hat tatsächlich echtes Sushi probiert dieses Mal, mich nicht mit Paprikas geärgert und es hat ihm sogar geschmeckt. Das beste war, dass wir eine nette kleine Nische für uns hatten, in der ich mich ungestört vorbeugen konnte um ihn an der Krawatte zu packen, über den Tisch zu mir herzuziehen und zu küssen. Dumm nur, dass in dem Moment grade Cuddy an unserer Nische vorbeikam...Aber was solls.

    Zwei Bilder von gestern Abend

    Die hat mir Chase eben gemailt...
    Und ich wundere mich, dass er das zweite mit dabeigepackt hat...

    Hier der Beweis, dass wir tatsächlich Spaß hatten, falls einige Kollegen das nicht glauben wollen:



    Und so sieht Chase ein paar Mojitos später aus...und das Sakko wird über den Stuhl geworfen:

    Ein ereignisreicher Abend

    Irgendwie habe ich es geschafft, bloß 10 Minuten zu spät zu kommen.
    So wie es aussah, war Chase auch grade erst angekommen, denn er packte grade sein Portemonnaie ein, als ich aus dem Taxi stieg.
    "Hi, House!", rief er mir zu und hob die Hand.
    "Hi", antwortete ich und bezahlte den Taxifahrer.
    Als ich schließlich fertig war, wurde ich Chase' Blicks gewahr.
    "Was?"
    Er musterte mich. "Sie sehen irgendwie...anders aus."
    "Wie anders? Habe ich auf einmal drei Augen?"
    Er schüttelte den Kopf. "Nein, ich kann nicht sagen, was es ist - aber Sie sehen anders aus..."
    Ich hob die Schultern. "Was auch immer..."
    Unser Blick fiel auf die Reklame am Kino gegenüber. Invasion of the Body Snatchers
    "Wow!", entfuhr es Chase. "Den hab ich lang nicht mehr gesehen! Dass der hier im Kino läuft...."
    Ich zog eine Braue hoch. "Sagen Sie bloß, Sie haben auch eine Vorliebe für kranke B-Movies..."
    Chase grinste. "Bei Horrorfilmen auf jeden Fall!"
    Kaum zu glauben - wir hatten eine Gemeinsamkeit gefunden.
    Er sah mich zweifelnd an. "Hm...wollen wir?"
    Jetzt war es an mir zu grinsen. "Aber sicher!"
    Wir also nichts wie rüber zum Kino. Wir hatten Glück, der Film lief grade an und wir hatten lediglich die Werbung verpaßt. Chase trieb mich mit seinem Nacho-Gekaue zwar teilweise fast in den Wahnsinn, aber es war ziemlich lustig, den alten Schinken im Kino zu sehen. Es ist beinahe rührend, wie unfreiwillig komisch so ein damals sicherlich Angst und Schrecken auslösender Film wirkt.

    Nach dem Kino gingen wir dann rüber ins Hemingway's, etwas später als geplant und es war rappelvoll. Chase blieb im Eingang stehen. "Stylish", meinte er und sah sich um, was wohl ein Kompliment für den Laden war. Die ersten weiblichen Gäste verrenkten sich den Hals nach unserem Down Under Hair Wonder und ich musste grinsen.
    "Ja, es ist nett hier", entgegnete ich und suchte den Ort nach einem freien Platz ab.
    Chase war drauf und dran, auf die Bar zuzusteuern, hielt aber mit einem Blick auf mein Bein inne. "Das wär' wohl nicht so gut, wenn Sie den Rest des Abends stehen müssten, oder?"
    Ich zuckte die Achseln. "Ich denke, es wäre auszuhalten..."
    "Aushalten ist nicht meine Definition für einen gelungenen Abend..." Damit hob er den Kopf und versuchte, auf die Galerie zu spähen. "Ich glaube, da oben ist was frei", meinte er schließlich und deutete mit dem Finger in Richtung des Platzes.
    Also kämpften wir uns durch die Menge - einige der weiblichen Gäste im Schlepptau - und nahmen auf der Galerie Platz.
    Verwunderlich, dass der Tisch noch frei war. Er war gleich am Geländer, so dass man runterschauen konnte und das Getümmel unten perfekt beobachte konnte. Wahrscheinlich waren die Leute, die zuvor dort saßen, eben erst gegangen. Ich spähte nach unten, während Chase die Karte zur Hand nahm. "Gut! Hier gibts auch Burger! Ich habe noch nichts gegessen seit heute Mittag!"
    Ich nickte. "Keine schlechte Idee. Mir geht's nicht anders."
    Er blickte verwundert auf. "Aber Sie sind doch relativ früh gegangen?"
    Ich zuckte die Achseln und war dankbar, dass man bei den vorherrschenden Lichtverhältnissen wahrscheinlich nicht sah, dass ich ein wenig rot wurde. "Hrm...ja..äh..ich hatte irgendwie keine Zeit zum Essen. Ich denke aber auch oft nicht dran."
    Also bestellten wir erst jeder einen dicken Burger mit Fries und side salad, dazu ein Bier. Beim Essen gingen wir die B-Movies durch, die wir kannten und erinnerten uns an Swamp Thing, The Thing from another World, grauenvolle japanische Godzilla-Filme, It - The terror from beyond space, Wasp Woman und diverse Zombiefilme.
    Ich kann es kaum glauben - ich saß da mit Chase und wir kamen tatsächlich aus dem Lachen kaum heraus. In Anlehnung an Dawn of the Dead nahmen wir von der Galerie aus Leute aufs Korn und bedachten sie mit Namen von Schauspielern, denen sie entfernt ähnelten. Und immer, wenn Chase nicht darauf achtete, klaute ich ihm einige Fries.
    Als die Burger vernichtet waren und von einer Bedienung weit und breit nichts in Sicht war, erbot Chase sich, eben an er Bar was zu trinken zu holen. Das hieß zwar, dass er dort auch gleich bezahlen musste, aber wenn er gerne wollte, würde ich ihn nicht aufhalten. Ich orderte also einen Mojito (wenn die Bar schon Hemingway's heißt...) und er kämpfte sich nach unten durch.
    Während ich ihm dabei zusah, glaubte ich kurz, James gesehen zu haben, war mir aber nicht ganz sicher.
    Als Chase mit zwei Mojitos die Treppe heraufbalancierte, sah sein Gesicht hochkonzentriert aus und ich musste kurz lachen, weil ich an die Willkommensfeier für die beiden Austauschärzte dachte. "Verschütten Sie bloß nichts", ermahnte ich ihn und erntete einen Hahaha-Blick.
    "Was ist los mit Ihnen, Chase?", fragte ich ihn, als er sich wieder zu mir setzte und einen Mojito vor mir abstellte. "Sie beklagen sich darüber, immer alleine schlafen zu gehen und ziehen hier einen wahren Rattenschwanz an interessierten Damen hinter sich her...Gelegenheit hätten Sie genug." Ich zog eine Braue hoch und grinste ihn an.
    Er zupfte an dem Minzzweig in seinem Cocktail herum und hob unbehaglich eine Schulter. "Ja...ich weiß auch nicht...", meinte er dann mit einem Blick nach unten.
    "Was ist eigentlich mit den beiden Neuen?", wechselte ich das Thema. "Kommen Sie Drei mit denen zurecht?"
    "Hm...schon...allerdings verkrümeln sie sich auch oft, wenn sie uns sehen."
    "Seltsam", meinte ich nachdenklich. "Ich bin ja gewohnt, dass sich die Leute verkrümeln, wenn ich auftauche, aber Sie?"
    Chase zuckte die Achseln. "Manchmal sind sie was komisch...Sie scheinen irgendwie Angst vor uns zu haben."
    Ich grinste fies. "Ich für meinen Teil hätte eher Angst vor Typen, die mit toten Hunden zusammenwohnen..."
    Chase schauderte kurz. "Mann, der ist vielleicht freaky! Total unheimlich...sieht komisch aus..."
    "Vielleicht", dachte ich nach, "sollten wir mal alle zusammen mit ihnen einen Abend weggehen..."
    "Was ist los heute? Werden Sie sozial?"
    "Ich habe bloß das Gefühl, dass sie was aushecken. Und dazu will ich ihnen keine Gelegenheit geben."
    Chase grinste kurz. "Stimmt...Naja, ich war schon öfter mit Cameron und Foreman weg...warum nicht die beiden, Sie und Wilson noch dazu packen?"
    Als er "Sie und Wilson" sagte wurde er ziemlich rot, so dass ich es selbst in dem Dämmerlicht der Bar erkennen konnte.
    "Ja, warum nicht?", meinte ich nur.

    Wir verlegten uns aufs Krankheiten raten, dichteten den Gästen alle möglichen Symptome an und unterhielten uns über Gott und die Welt.
    "Du bist mit Chase hier und er Abend ist nett", wunderte ich mich nochmal.

    Irgendwann zwischendurch sah ich James und Dr. G die Treppe hochkommen. Letzterer hatte den Arm um James gelegt, was ich mir mit schmalen Augen besah. Sie hatten sich anscheinend auch irgendwo hier oben einen Platz gesucht und ich dachte nicht daran, "zufällig" an ihnen vorbeizulaufen. So unterhielten Chase und ich uns einfach weiter, bis nach einiger Zeit plötzlich ein Tumult ausbrach.
    "Ich glaub, da gibt's 'ne Schlägerei!", meinte Chase und ich stand auf, da ich jemanden kannte, der das Talent hatte, manches Mal dumme Situationen wie magisch anzuziehen. Ein Blick über die Köpfe der anderen Gäste hinweg zeigte mir einen riesigen Typen, der James in den Magen boxte und ich sah rot.
    Warte, Freundchen...
    Ich kämpfte mich zum Ort des Geschehens durch - James hatte mich inzwischen gesehen und war nicht mehr der Punching Ball, sondern hatte dieses Schicksal endlich an seinen widerlichen Studienkumpel abgegeben, der mich bei deviantART seit einiger Zeit mit unverschämten Kommentaren nervt.
    Nichtsdestotrotz schwang ich meinen Stock und liess ihn schwungvoll in das Gesicht des Angreifers sausen. Es gab ein ekelhaftes, knackendes und irgendwie schmatzendes Geräusch, das Arschloch fiel um und gab den Blick auf seine gebrochene Nase frei. Ich widerstand der Versuchung, über meinen Stock zu pusten wie über einen Revolver und sah James fragend an. Es schien ihm relativ gut zu gehen, denn er nickte nur.
    Ich humpelte zu ihm herüber, fasste ihn am Arm und half ihm auf.
    "Du solltest schon darauf achten, in welche Gesellschaft du dich begibst", flüsterte ich ihm ins Ohr. Damit schoß ich noch einen Todesblick in Richtung Mr. G, der sich grade aufrappelte, während die Rausschmeißer den Kerl mit der zerschmetterten Nase in Schach hielten.
    Inzwischen hatte sich Chase zu uns durchgekämpft. "Was ist passiert?" fragte er und sah zu meinem Stock, von dem ich mit dem Tischtuch grade etwas Blut wischte.
    "Oh...Teatime...nichts sonst, Chase...Arme Socke, hast den ganzen Spaß verpaßt..."
    "Und wir sprechen uns zu Hause noch", wisperte ich dann James zu, der nur benommen nickte.
    Die Türsteher legten uns nun nahe, zu verschwinden. Wir nickten bloß und James bedankte sich doch tatsächlich bei seinem Kumpel Daniel...
    "Ich wars nicht, der den Tag gerettet hat", knurrte der nur.
    "Nein, es war der Krüppel, der dir den Arsch gerettet hat!", schoß ich in seine Richtung und erinnerte mich an eine ausgesprochen fiese Bemerkung seinerseits.
    "Sicher!", grunzte Daniel zurück. "Einen Typen von hinten niederzuschlagen ist auch überaus edelmütig!"
    "Ich hätte ihn auch gerne dabei belassen, deine Fresse zu Brei zu schlagen", dachte ich nur bei mir, blieb aber stumm.
    James seufzte und sah zu Chase rüber. "Lasst uns gehen, bitte."
    Daniel und ich sahen uns an und öffneten gleichzeitig den Mund, wurden aber von James gestoppt, der meinte, wir sollten uns nicht wie zwei Gockel im Hühnerhaus benehmen. Was auch immer er damit meinte.

    Draußen verabschiedete sich Mr. G und ich riet dem blaß gewordenen Chase, sich auch ein Taxi zu rufen. "Das nächste Mal suchen wir uns eine Lokalität mit weniger asozialen Gästen", grinste ich ihm noch zu als er ins Taxi stieg.
    James wandte sich um und war überrascht, mich alleine zu sehen.
    "Und jetzt, Mr. Punching Ball?", fragte ich ihn. "Ab in die nächste Bar, eine weitere Schlägerei anzetteln?"
    "Wo ist Chase?", fragte er nur.
    "Ach weißt du, zuviel Aufregung ist nicht gut für ihn - ich habe ihn nach Hause geschickt. Also, was ist? Nächste Bar? Irgendjemanden zusammenschlagen? Ich müsste mein Handicap verbessern." Mit diesen Worten schwang ich meinen Stock wie einen Golfschläger.
    Aber James wollte bloß noch nach Hause und ich dachte darüber nach, wie ich ihm den Abend wohl noch versüßen konnte.

    Einige alberne Tests, die ich bei Cameron gefunden habe

    Sie hatte sie in ihrem Blog veröffentlicht und so langsam frage ich mich wirklich, welches kranke Hirn sich die ausdenkt.
    Ob es am Ende Cuddy ist?

    Not that surprising..

    You are Dr. Gregory House. You are the God of Snark. Life has given you lemons so you cut them in half and squeeze lemon juice in people's eyes to get your jollies. Although underneath it all you are really just a damaged person who can't deal with emotions, especially your own. The good news is you're brilliant!
    Take this quiz!


    What House M.D. Character Are You?



    Dr.Gregory House
    You are the king of medicine! You are mean, snarky, and downright brilliant. People admire you, and sometimes think your a total bastard. Oh well, you dont really care!
    Take The Quiz Now!Quizzes by myYearbook.com

    Wednesday, October 25, 2006

    Im Nebel ruhet noch die Welt...

    Durch eine glückliche Fügung sind wir heute früh nach Hause...
    Cuddy hat James wegen seiner Überstunden nach Hause geschickt und ich habe mich an ihrem Büro und der Rezeption vorbeigeschlichen.

    James war die ganze Zeit in einer überaus seltsamen Stimmung und sprach nicht viel. Seine Bemerkung, ich solle aufhören "so gut zu riechen" zeigte mir, dass ich nun ohnehin nichts richtig machen konnte und dass auch Nichtstun seine Stimmung verschlimmerte. Also sagte ich auch nichts mehr und dachte über den Grund seiner Laune nach.

    Sein Blick, als ich ihn auf der Treppe zur Haustür kurz streifte liess es mir dann wie Schuppen von den Augen fallen und ich beglückwünschte uns im Stillen, endlich zu Hause zu sein. Drinnen angelangt ließ ich meinen Rucksack in die Diele fallen und ging schnurstracks in die Küche, um uns jedem einen Fino einzuschenken.
    "Meinst du, du kannst einen trinken?", fragte ich James, der grade seine Jacke aufhängte.
    Er nickte. "Sicher...So vollgepumpt bin ich heute nicht."
    Ich reichte ihm das Glas und unsere Finger berührten sich dabei kurz. James biß sich auf die Lippe und ich musste innerlich lächeln. Es gefiel mir doch sehr, solche Reaktionen bei ihm hervorzurufen. "Vielleicht solltest du nur unterwegs nicht allzuviel Alkoholisches zu dir nehmen", warnte ich ihn. Wenn ich daran denke, dass der Medikamentencocktail dich gestern so plötzlich außer Gefecht gesetzt hat..."
    James seufzte und nahm einen Schluck Sherry - wir standen immer noch mitten im Wohnzimmer. "Heute gab es bloß 2 Vicodin...Aber ich passe schon auf..."
    Zwei nur? Wie schaffte er das bloß? Ich hatte mit Sicherheit schon...egal wie viele...
    Ich beugte mich zu ihm vor und küsste ihn sanft. Seine rechte Hand, die kein Sherryglas hielt, wanderte sogleich zu meinem Nacken und zog mich näher zu sich.
    Als ich wieder ein Stück zurücktrat schaute ich ihn bloß an und fragte leise "Ein bißchen Zeit haben wir noch, oder?"
    Er nahm mir wortlos das Glas ab und stellte beide Gläser auf dem Wohnzimmertisch ab.
    Sein Blick ließ mir die Knie ziemlich weich werden, aber ich schaffte es, ihn mit einem Arm zu umfassen, gleichzeitig zu küssen und ihn humpelnd rückwärts in Richtung Schlafzimmer zu schieben.
    Ich sah nicht genau, wo wir langgingen, so dass James in den Knien einknickte, als er gegen die Bettkante stieß und wir beide darauf niederplumpsten. "Ups..." meinte ich nur und ließ meinen Stock zu Boden fallen. James schaute mich aus ziemlich verschleierten Augen an und sah aus, als würde er gleich entweder bewußtlos werden oder aber über mich herfallen. Variante zwei wäre mir deutlich lieber gewesen und ich begann, seinen Hals zu küssen, bevor ihn womöglich eine Ohnmacht übermannte.
    Mit der Reaktion, die folgte, hatte ich nicht gerechnet. Ich erschreckte mich fast vor dem lauten Stöhnen und dem Ruck, mit dem mein Hemd zerriss. Das Himmelblaue. Dahin war's...
    Aber das war mir herzlich egal in diesem Moment, auch wenn ich mir bei seinem Hemd mehr Mühe gab, während James mir ungeduldig das T-Shirt über den Kopf zog.
    Innerhalb dem Bruchteil einer Minute lagen unsere sämtlichen Klamotten rund ums Bett verteilt und wir waren schon ein ganzes Stück weiter als da, wo wie gestern aufgehört hatten.
    "Oh mein Gott, du riechst so gut!", keuchte James und ließ meinen Magen Achterbahn spielen, als er meinen Rücken streichelte und an meinem Ohrläppchen knabberte bzw. schon fast schmerzhaft mit den Zähnen daran herumriss.
    Ich war mir kaum noch bewußt, wo wir waren und wie spät es überhaupt war und außer James konnte ich gar keinen klaren Gedanken fassen.
    Ich weiß nur, dass unsere Befürchtungen oder Bedenken mehr als...grundlos waren und alles so ziemlich wie von selbst ging. Als er sich in meinen Rücken krallte und mir atemlos ins Ohr keuchte fragte ich mich eine Millisekunde lang, ob Julie noch ganz bei Sinnen war, ihn zum Teufel zu schicken, aber ich plante auch, ihr ein großzügiges Dankeschön dafür zukommen zu lassen.
    Während einer der kurzen Pausen, die wir uns gönnten, schaute James beiläufig zur Uhr.
    "Wann triffst du dich noch gleich mit Chase?"
    "Um 7..."
    "Es ist halb..."
    "Mist!"
    Am liebsten wäre ich gar nicht mehr aufgestanden, aber ich flitzte unter die Dusche und machte mich fertig, so schnell ich konnte.
    James hatte ja noch etwas mehr Zeit, so lag er träge auf dem Bett und belustigte sich über meine Hektik. Als ich ihn zum Abschied küsste, grinste er mich an und meinte "Bete, dass dieser Glanz gleich aus deinen Augen verschwunden ist...Chase weiß sonst ganz genau, was eben noch vorgefallen ist..."

    Im Taxi dachte ich noch kurz darüber nach, ob Mr. G wohl erfreut sein würde, Chase und mich am gleichen Ort vorzufinden, an dem er sich mit James traf.... Aber diese Bar war nicht eben klein, es konnte gutmöglich sein, dass wir uns gar nicht über den Weg liefen. Und ich hoffte sehr, nicht am Ende ausgerechnet beim Pinkeln neben dem Typen zu stehen!
    Und ich dachte darüber nach, wie wir nach unseren Treffen noch den Abend gestalten würden...

    Nach Hause?

    Ich frage mich grade, ob ich mir einfach James irgendwie unter den Arm packen soll und mit ihm heimfahre...
    Wir haben ja noch etwas Zeit, es uns vor unseren Verabredungen..äh...gemütlich zu machen.
    Mal sehen, was er dazu sagt.

    Ein Hoch auf Wechselsachen

    Nachdem mir gestern sämtliche Wechselsakkos, die ich im PPTH bereit liegen hatte, vollgerotzt wurden und eines den Arm in blutigen Fetzen hatte, habe ich heute morgen meinen Vorrat an Wechselsachen aufgestockt. Als Arzt wird man vermutlich öfter versaut als auf einer Baustelle.

    Natürlich dachte ich nicht daran, nach meiner Lunchpause eine neue Jeans zu benötigen. Aber ich hatte nicht mit Wilson gerechnet.
    Er hat in seinem Bericht ja gnädig abgebrochen und ist zum Klinikdienst gegangen...

    Wie auch immer, er tat also was er tat und ich dachte irgendwo weit entfernt im Hinterkopf, wie überaus egal es mir war, ob er shmekl, putz oder petsl sagte, wenn er bloß nicht aufhörte mit seiner derzeitigen Beschäftigung.
    Seine Lippen verzogen sich kurz zu einem Grinsen, als mir ein leises Stöhnen entfuhr und mit noch mehr Energie als zuvor fuhr er fort.
    Als er mich sacht in den Nacken biss, machte ich mir noch kurz Gedanken darüber, ob man mich wohl vor der Tür hatte hören können, aber der Gedanke waberte so schnell weg wie er gekommen war und ich packte James am Kragen und zog ihn näher zu mir.
    Inzwischen war er geschäfig dabei, mein Hemd zu öffnen und das T-Shirt hochzuschieben. Ich wünschte mir mehr als alles andere, zu Hause zu sein, fasste ihn im Nacken und küsste ihn.
    Als ich mein Bein anwinkelte, bemerkte ich erneut eine Beule in James Hose und musste kurz grinsen. Er konnte nicht mehr leugnen, dass sein eigener "Witz" langsam außer Kontrolle geriet und er drauf und dran war, mir auf dem Sofa in seinem Büro die Klamotten runterzureissen.
    "Das was nicht ausgemacht", keuchte er dann auch und wich ein Stück zurück, ließ seine Hand aber in ihrer Bewegung fortfahren.
    Ich schluckte und sah ihn an. "James...hör auf...."
    Er grinste und dachte nicht daran. "Hör auf..."
    "Du kannst doch aufstehen!"
    Konnte ich nicht. Ich wäre vollkommen bescheuert gewesen, jetzt aufzustehen. Aber es war auch vollkommen bescheuert, ihn zu bitten, aufzuhören. Aber ich wußte, dass das peinlich enden konnte...
    "Bittebittebittebittebittebittebittebitte hör auf...."
    James verstärkte seinen Druck und beobachtete mich bloß mit einer Mischung aus Belustigung und irgendwas anderem.
    Zu spät. Mir entfuhr ein langgezogenes "Ooooooooooooh" und James' Belustigung wandelte sich in Überraschung und Ungläubigkeit. "Ups..."
    Ich konnte mich zunächst nicht rühren und wäre fast in hysterisches Gelächter ausgebrochen, als Jim ungläubig seine Hand betrachtete.
    "Gib mir mal den Mangosaft", sagte ich schließlich.
    "Was?! Wie kommst du jetzt auf den verdammten Saft?"
    "Her damit!"
    James reichte mir die Flasche und ich kippte mir ordentlich davon über die Hose.
    "Was machst du da?"
    "Was soll ich schon machen?", fragte ich ihn mit einer hochgezogenen Braue. "Irgendwie muss ich hier rauskommen und mir eine neue Hose anziehen...und mit dem Fleck traue ich mich eher auf den Gang hinaus...."
    James blinzelte kurz und musste dann lachen.
    "Witzig", knurrte ich.
    Er beugte sich vor und schnurrte mir ins Ohr "War das nicht besser als eine Banane zum Nachtisch? Und vielleicht mache ich heute Abend wirlich dort weiter, wo ich gestern aufgehört habe..."
    Ich war immernoch etwas sauer, aber seine Stimme verursachte mir eine Gänsehaut im Nacken. "Tu dir keinen Zwang an", brummte ich und stand auf. Ich sah unmöglich aus, aber es war definitiv Mangosaft, was zu sehen war.
    Leise drehte ich den Schlüssel im Schloss und trat auf den Gang. "Bis später dann..."
    James winkte mir zu und lachte immer noch.

    Es war auch vollkommen logisch, dass Allenby mir mit seinem Mittagsdate auf dem Gang begegnen würde.
    "Hallo, Greg!"
    Ich nickte den beiden zu, "Hi", und wollte machen, dass ich in mein Büro kam. Mr. Still deutete auf meine Hose. "Was um alles in der Welt ist das? Patientenkotze?"
    Allenby beugte sich vor und ich war drauf und dran, ihm eine zu kleben. Er inspizierte meine Hose, gottverdammt!
    "Mangosaft, oder? Du hast mit James Pause gemacht..."
    Ich nickte. "Exakt! Und nun würde ich mir gerne eine neue Hose anziehen."
    "Ah...ja...sicher...", meinte Louis entschuldigend. "Ähm...eine Frage habe ich noch..."
    Ich wandte mich zu ihm um. "Und?"
    "Hm..also...hättet Ihr dieses Wochenende Zeit? Brandon..also..."
    "Also ich", meldete sich Mr. Ich-sehe-aus-wie-Ben-Affleck.
    "Ja..also...Brandon und ich...wir..also..."
    "Jaaaaa?", fragte ich mit Engelsgeduld.
    "Wir würden Euch gerne einladen. Brandon kocht..."
    Verdutzt hielt ich inne.
    Na großartig! Eben hat dir Wilson zum ersten Mal einen runtergeholt und schwupps, werden wir zum schwulen Pärchenabend eingeladen!
    "Ich...Hm...Ich glaube schon...Frag doch James später auch mal. Aber...evtl. erst in einer halben Stunde..."
    Beide nickten und endlich konnte ich weiter zu meinem Büro.

    Bevor ich die Tür aufstoßen konnte, begegnete mir noch Foreman.
    "Großer Gott, House! Was ist das?!"
    Der überraschte Ausruf rief auch Chase und Cameron auf den Plan, gefolgt von Granger, Reid und Dorian.
    "Sollte ich wohl Eintritt nehmen?", fragte ich barsch.
    Ginger grinste fast im Kreis, hätten ihre Ohren sie nicht abgehalten. "Ist das Saft?"
    Die Art, mit der Chase und Cameron fassungslos auf meinen Schritt starrten, gefiel mir nicht.
    "Mangosaft!"
    "Nur Mangosaft? Oder soll der was anderes verstecken?", fragte sie weiter und Foreman warf ihr einen verstörten Blick zu. Im Stillen beglückwünschte ich sie für ihre Unverfrorenheit, warf ihr aber lediglich meinen Todesblick zu und stieß die Tür zu meinem Büro auf.
    "Ich ziehe mich jetzt um. Wenn einer von Ihnen zusehen will, kostet ihn das 30 Dollar!"

    Bist meshugeh?

    Es ist zu süß, wie Jim manchmal ins Jiddische verfällt, wenn er sehr aufgeregt ist....
    Bevor ich das hier aufschreibe, muss ich mir erst einmal einen Kaffee holen und jemandes Sandwich klauen - wir machen heute etwas später Lunchpause, da immer noch Grippepatienten auf uns lauern.

    So...es kann losgehen. Ich fange immer wieder das Lachen an, wenn ich daran denke und Dr. Reid hat mich besorgt angesehen eben, als ich beim Eintreten in mein Büro wieder von einem unterdrückten Lachkrampf geschüttelt wurde. Sie denkt sicher, mit mir stimmt was nicht.
    Vielleicht ist auch der Medikamentenmix von eben ein wenig Schuld daran, aber wohl viel eher die Situation in Jims Büro vor einer halben Stunde.

    James hat mich geärgert. Erst hatte ich ein wenig Sorge, er wäre sauer wegen irgendwas, aber es ist alles okay. Jedenfalls meinte er zu mir, ich wisse ja gar nicht, was er gestern noch vorgehabt hatte.
    Daraufhin meinte ich, er solle es mir sagen, aber er beharrte darauf, ich solle ihm lieber zeigen, was meine Vermutung war.

    Gut...das habe ich eben getan.
    Ich hinkte de Gang entlang zu seinem Büro und lauschte kurz an der Tür, ob er auch keinen Patienten hatte. Außer Tippen und Blättern war nichts zu hören, also trat ich ein.
    James sah auf und lächelte mich an (und mein Herz hopste wieder aufdringlich).
    "Das kannst ja nur du sein, ohne anklopfen..."
    Ich zuckte die Achseln und lehnte mich an die Tür, um heimlich abschließen zu können. "Ich hatte Sehnsucht nach dir..."
    James stand auf und zog eine Braue hoch. "Ja, das hast du mir eben geschrieben. Aber mir geht es auch nicht anders."
    Unhörbar drehte ich den Schlüssel im Schloß und trat ein paar Schritte auf ihn zu. "Eine kleine Pause auf deinem Sofa?" fragte ich und grinste ihn anzüglich an.
    Unbedarft zuckte er die Achseln. "Gerne..."
    Damit kam er um den Schreibtisch herum und wir setzten uns.

    "Geht es dir besser mit der Allergie?", fragte James und musterte mich ein wenig besorgt.
    "Wie weggeblasen", grinste ich immer noch etwas zugedröhnt und kicherte wegen "blasen", was mir einen irritierten Blick einhandelte.
    "Das Zeug macht dir aber ganz schön zu schaffen, oder?"
    Ich blinzelte kurz. "Nööööööööö....das ist schon okay."
    Dann legte ich einen Arm um ihn und schaute ihn ganz ernsthaft an. "Du hast doch gesagt, 'Vielleicht zeigst du mir mal was du dachtest dass ich vorhatte'... "
    James wurde leicht rot. "Ähm...ja...aber das war nicht so..."
    Weiter kam er nicht, weil ich ihn rückwärts aufs Sofa gedrückt hatte und schon auf ihm lag. Seine Augen wurden weit. "Was hast du vor?!"
    Statt einer Antwort küsste ich ihn und löste gleichzeitig seine Krawatte und ich bin sicher, dass das leise Stöhnen, das ich hörte, kein Protest war.
    So geschickt wie er war ich wohl nicht, aber ich knöpfte einen Knopf nach dem anderen auf und küsste jeden Zentimeter freiwerdender Haut, während er mir durch die Haare fuhr.
    Ich wunderte mich schon, dass er nicht protestierte, aber das kam noch. Und zwar just in dem Moment, als ich seine Hose öffnete und mit meiner Hand hineinglitt.
    "Bist meshugeh?", rief er aus und versuchte sich von mir freizumachen. "Was, wenn einer reinkommt!"
    Ich ließ mich nicht beeindrucken, sondern erstickte seine Einwände mit einem Kuss und machte derweil weitere Bekanntschaft mit einem Körperteil, das mir seit dem Bad in Point Pleasant schon entfernt bekannt war.
    "Hrrrrmmmmmmm", gab James von sich und mir wurde warm. Kurze Zeit später jedoch begann er zu zappeln und fluchte. "Du roshe, du Titus! Schluß damit! Die anderen...A zof! A zof!"
    Sein 'shmekl' unter meiner Hand jedoch schien sich ganz wohl zu fühlen und strafte seine Worte Lügen, was James aber nicht daran hinderte, zu versuchen, sein Knie in empfindliche Regionen meinerseits zu rammen.
    Flugs nahm ich meine Hand aus seiner Hose und stand auf, so schnell es mir möglich war. James bot allerdings eine grandiosen Anblick: Das Hemd offen, die Krawatte lose um den Hals, die Hose offen und eine deutliche Beule im Schritt. (Oh, er wird mich dafür töten, dass ich das hier schreibe...Aber wer weiß...Vielleicht mache ich ja auch nur Witze?)
    Viel anders sah ich wohl auch nicht aus, zumindest war mein Haar zerwühlt und mein Hemd teilweise aus meiner Hose gezuppelt, aber das hatte ich schnell behoben.
    So schnell, wie James Brust sich hob und senkte, wußte ich nicht genau, ob er schweinewütend war oder ob das von der 'Beule' kam.

    "Kush mir in tokhes!", rief er mir zu und ich grinste.
    "Gerne, aber du lässt mich ja nicht..."
    Er schaute sich um und schien etwas zu suchen, mit dem er nach mir werfen konnte, also humpelte ich schnell zur Tür, schloß auf und machte mich davon.

    Rotznase adé

    Hey, es ist keine Erkältung.
    Es ist eine scheiß Allergie!
    Und das um diese Jahreszeit! Kräuterpollen und Ragweed - ich hasse sie!

    Eben habe ich mir dagegen einen guten Mix aus Diphenhydramin und Antihistamin gegeben und James war leicht irritiert, dass ich mir das Zeug gleich durch die Nase gezogen habe. Jetzt fühle ich mich etwas seltsam, aber wenn man sich ins Gedächtnis ruft, welchen Effekt Diphenhydramin haben kann, wundert mich das nicht:
    "In höheren Dosierungen, durchschnittlich ab 200 mg aufwärts, kann Diphenhydramin sehr stark halluzinogen wirken. Der Rausch gleicht in seiner Intensität und seinen Effekten grösstenteils dem von Nachtschattengewächsen ( Atropin etc. ). Typisch ist das Auftreten imaginärer Personen und Kreaturen, die vom Berauschten nicht als Sinnestäuschung erkannt werden können. Unter Umständen tritt totaler Realitätsverlust ein.
    Da die verursachten Halluzinationen sehr real wirken können, ist der Konsument oft nicht mehr in der Lage, Realität und Halluzinationen auseinander zuhalten. Daher wird vom Missbrauch dringend abgeraten."


    Hätte ich's mal abgewogen, was? Jedenfalls sollte ich in diesem Moment nicht Auto fahren, aber ich muss ja ohnehin noch ein wenig bleiben.
    Inzwischen habe ich auch einen vernünftigen Kaffee vor mir stehen und Besuch in Form von Allenby war ebenfalls da.
    Das zaghafte Klopfen konnte auch nur eine Person bedeuten.
    Er wollte sich für die Störung gestern Abend entschuldigen. Für was entschuldigt er sich eigentlich nicht?
    Heute Mittag entschuldigt er sich vielleicht sogar noch dafür, uns die Luft wegzuatmen...
    "Ich wußte ja gar nicht, dass es James so schlecht geht...Sonst hätte ich bis heute gewartet..."
    Ich grinste leicht bedröhnt. "Es ging ihm nicht schlecht...er war high!"
    Louis zuckte verlegen mit den Schultern. "Naja, wie auch immer, er war jedenfalls so kaputt, dass er keinen Besuch gebrauchen konnte...Deswegen habe ich auch verstanden, weshalb du mich so schnell loswerden wolltest."
    Ich verdrehte die Augen und schwieg.
    Er war schon draußen, als ihm noch was einfiel, also öffnete er die Tür gleich wieder und trat erneut ein.
    "Ach, Gregory...?"
    Ich seufzte. "Ja, Inspektor Columbo?"
    Er fingerte an seiner Krawatte herum. "Woher wußtest Du, dass Mr. Still...also...dass ich die Sachen wegen ihm hab fallen lassen?"
    Ich lehnte mich mit einem überlegenen Grinsen zurück. "Weil er vorher bei mir war."
    Louis wurde blaß. "War er? Was...was wollte er?"
    "Er hat mich eine Menge seltsamer Dinge gefragt...", meinte ich mit geschlossenen Augen und in den Nacken gelegtem Kopf.
    "Zum Beispiel?"
    Ich öffnete die Augen und ließ den Kopf wieder nach vorne sinken. "Ob ich Interesse an Dir habe!" Das Grinsen konnte ich mir grade noch verkneifen und ich bemühte mich um einen erstaunten Gesichtsausdruck.
    "Was?!"
    Ich zuckte die Achseln. "Merkwürdig, nicht wahr?"
    Abwesend nickte Allenby und verabschiedete sich dann.

    Ich wandte mich dann nochmal Andis Akte zu - sie wird heute entlassen und ich schaue schon die ganze Zeit hinaus und erwarte Luftballons, Clowns und Akrobaten oder sowas. Ich denke, ich werde mich nicht ins Abschiedskommittee einreihen.

    Wow, das Zeug macht müde und gleichzeitig ziemlich leicht. Wenn es James gestern Abend annähernd genauso ging ist es bewundernswert, wie lang er durchgehalten hat.
    Nachdem er versucht hatte, mich zu verarschen habe ich uns erstmal was zu Essen besorgt und wir haben zu Akte X ein italienisches Menü gefuttert. Heute führt kein Weg daran vorbei, einzukaufen - James besteht darauf.
    "Wenn du allein bist, isst du wohl gar nichts, oder?" meinte er irgendwie vorwurfsvoll. Den Satz kenne ich bereits von meiner Mutter...

    Apropos Mutter - Ruth hat sich tatsächlich nochmal gemeldet. Jims Mobile klingelte und ich schaute auf das Display.
    "Mom", grinste ich ihn an und hielt ihm sein Handy hin.
    James winkte ab. "Nein ich will jetzt nicht!"
    Grinsend nahm ich das Gespräch entgegen.
    "Ja? ... Ja Ruth hier ist Gregory..."
    ....
    "Doch er ist hier! ... Ja er ist bei mir."
    James verdrehte die Augen. Sicherlich hätte er mich jetzt gerne erwürgt. Aber das "Sieh dich an, du hast einen Stock und dich kann keiner leiden" nach meiner Bemerkung, dass man immer geliebt wird, wenn man stirbt wollte ich ihm nicht so einfach durchgehen lassen.
    "Ja Moment ich geb ihm das Telefon, er liegt nur gerade hier so und konnte nicht dran kommen." Damit grinste ich gemein in seine Richtung und James warf genervt und mit einem bösen Blick die Hände in die Luft.
    "Für dich, deine Mutter", meinte ich laut zu ihm, drückte beiläufig die Mithören-Taste und bekam ein grummeliges "Danke" geflüstert.
    "Hi Mom!", meldete er sich endlich.
    "Oh Jim! Ich habe ja schon heute mit Gregory kurz gesprochen..."
    James zog eine Braue hoch und sah mich an, ich zuckte aber nur grinsend die Achseln.
    "Ja und er meinte du hättest es ihm endlich gesagt! Oh mein Junge, wie geht es dir denn jetzt?"
    James seufzte und räusperte sich. "Nun - Julie und ich wir haben uns getrennt ..."
    Ich konnte hören, dass Ruth Nathan oder wem auch immer, vielleicht ja auch Rachel, etwas hektisch zuwisperte.
    "Oh mein Junge, wie hat sie es aufgenommen?"
    James schaute etwas genervt und hustete leicht. "Wir haben uns getrennt - Sie hat eine Affäre."
    Wieder Gewisper.
    "Oooh, ich hab es ja schon immer gewusst."
    "MOM!"
    "Ja ist doch wahr, ach mein Sohn - Kopf hoch! Lass dich von Gregory etwas aufmuntern."
    Das Kichern, in das sie einfiel, deutete an, dass es Rachel war, die neben ihr saß.
    James verdrehte die Augen gen Himmel und Ruth fuhr fort. "Wohnst du jetzt bei ihm? Ich meine ..."
    "Ja Mom, ich wohne vorübergehend bei Greg, er war so nett und hat mich aufgenommen."
    "Sehr schön, lieber Junge ..."
    Pantomimisch äffte James das lieber Junge nach, ich verdrehte die Augen, musste aber in mich hineinkichern und hatte fast Angst, meinen Fino zu verschütten.
    "Also wie geht es bei Euch denn so weiter?", fragte sie dann ausgesprochen neugierig und James stöhnte auf, was er aber gleich auf seinen Fuß schob.
    "Oh Gott, ist es schlimm? Soll ich runtergeflogen kommen?"
    Jim beeilte sich, das abzuwehren. "Nein, nein - es ist nicht so schlimm. Es ist nur eine leicht Disruption und ich bin hier am PPTH ja in guten Händen."
    "Na gut, du hast wohl Recht. Aber wenn du so Schmerzen hast, dann telefonieren wir lieber ein anderes Mal wieder, ja?", meinte Ruth dann nach einem kurzen Zögern.
    "Das ist lieb Mom!"
    "Ikh hob dikh lib, James", scholl es aus dem Hörer und jetzt wußte ich, was es bedeutete. James lächelte und legte mit einem "Ich dich auch" auf.

    "War doch gar nicht so schwer, oder?", grinste ich James von der Seite her an. Er schnaufte bloß als Antwort und ich hob mein Glas Fino zum Mund. Doch grade, als ich es ansetzen wollte, wurde es mir aus der Hand genommen und James beugte sich mit einem unergründlichen Lächeln vor.
    "Wolltest du mir nicht im Schlafzimmer zeigen, was dir noch gut steht?"
    Ich grinste. "Ja, das hatte ich vor!"
    Ich hatte ihn noch nie so schnell flitzen sehen und war angesichts seines kaputten Fußes sehr erstaunt.
    Als ich ins Zimmer gehumpelt kam, saß er schon auf dem Bett und machte sich an den Knöpfen seines Hemdes zu schaffen.
    "Hey!", rief ich ihm zu. "Ich habe gesagt, was mir gut steht, nicht dir!"
    Verwirrt hielt er inne und blickte auf. "Äh?"
    Ich öffnete den Kleiderschrank. "Hier sind sicher noch eine ganze Menge anderer Dinge drin, die mir gut stehen", grinste ich ihn an und sah zu, wie sich seine Wangen purpurn verfärbten.
    Doch er hatte sich schnell wieder gefangen, trat hinter mich und meinte "Versuchs mal mit dem roten Hemd."
    Ich streifte das schwarze Jeanshemd ab und zog das rote über. "Und?"
    James trat einen Schritt zurück. "Perfekt..."
    Während ich meinen Kopf in die Tiefen des Kleiderschrankes steckte, hatte er sich seinen Pyjama übergezogen, denn er trug ihn, als ich mich wieder zu ihm umdrehte.
    "Ah! Da ist ja wieder Snoopy auf der Tasche!", griemelte ich ihn an.
    James zwinkerte mir zu und trat wieder neben mich. Er äugte in den Schrank und zog einen roten Pyjama heraus. "Den kenn ich ja noch gar nicht...", meinte er und ließ die Brauen wippen. "Anziehen!", fügte er hinzu und wuselte ins Wohnzimmer und wühlte dort herum, während ich mich umzog.
    Mit 3 Stumpenkerzen, meinem Glas Fino und einer Flasche Guavensaft für sich bepackt kam er wieder und arrangierte alles, bevor er sich wieder an mich wandte. "Wunderbar", meinte er mit einem Schnurren in der Stimme, das meinen Magen dazu veranlasste, sich mit einem gedehnten Ziepen zu melden. "Setz dich doch zu mir", klopfte er dann aufmunternd neben sich auf das Bett und hielt mir mein Glas hin.
    Folgsam setzte ich mich und trank von meinem Fino, während James an einem Glas Guavensaft nippte. Er blickte mich unergründlich an, stellte sein Glas ab, nahm mir meines weg und stellte es daneben. Dann drückte er mich nach hinten ins Kissen und beugte sich über mich - mir schwanden fast die Sinne.
    Nach einem Kuss auf meine Schläfe murmelte er dicht an meinem Ohr "Mmmmmmm....Weichspüler, Shampoo und Zedernholz..."
    Wie von selbst legten sich meine Arme um ihn und wir führten unsere "Diskussion" aus Behandlungsraum 2 fort und bald wußte ich kaum noch, wo wir uns befanden.
    James hat augenscheinlich durch drei Ehen und diverse Affären einiges an Übung, denn mein Oberteil war verschwunden, ohne dass ich es überhaupt bemerkt hatte... Und schon bald hatte er das gleiche vor wie am vorigen Abend, nur dass ich dieses Mal absolut nicht im Sinn hatte, ihn aufzuhalten.
    Das hätte ich nichtmal gemusst, wenn ich es tatsächlich gewollt hätte, denn kurze Zeit später wurde er von seinem Medikamentenmix übermannt und schlief auf mir liegend ein.
    "Verdammte Scheiße", waren meine letzten Worte gestern Abend.

    Ich bin gespannt, ob wir heute Abend Gelegenheit haben werden, herauszufinden wie es weitergeht....Nach unseren Verabredungen.

    Ein neuer Tag am schönsten Ort auf Erden...

    Das PPTH hat uns wieder.
    Es gibt immer noch verrotzte Patienten, aber der große Ansturm hat etwas abgeflaut.
    Irgendwer von diesen ganzen Idioten hat mich angesteckt und ich niese schon den ganzen Morgen, fühle mich dösig und meine Nase hört nicht auf zu laufen.
    Unglaublich nervig - ich denke, ich werde das so bald als möglich mit einer Radikalkur kurieren. (Und ich hoffe, dass James das dann nicht mitbekommt...)

    Cameron war ziemlich erstaunt, dass sie heute ans Whiteboard durfte. Mit was für Kleinigkeiten man die Menschen doch erfreuen kann...
    Fürsörglich drückte sie mir gleich nach meinem Eintreten meine Tasse in die Hand. Ich freute mich auf einen Kaffee, trank den ersten Schluck und hätte am liebsten alles wieder ausgespuckt. Walnuß-Ingwer-Tee, eine ganz ausgesuchte Abscheulichkeit. Den Rest kippe ich gleich in die Palme auf dem Gang, spüle meine Tasse durch und nehme mir erstmal einen ordentlichen Kaffee.

    Tuesday, October 24, 2006

    Lasciate ogni speranza, voi ch' entrate

    Das hätte man heute in großen Lettern über die Tür des PPTH schreiben sollen.
    3 Meter hoch und in Neon.
    Zumindest was James und mich betrifft.
    Wir sind ein seltsames Duo heute. Ich mit Stock, meinem ewigen Hinken und nun auch noch einem verwundeten Arm, er mit seiner Krücke und einem dicken Fuß.
    Den Einkauf, den wir für heute geplant hatten, schrieben wir erstmal in den Wind und waren froh, endlich zu Hause zu sein. Allenby ist aber auch ein Vollidiot! Ich möchte wissen, was ihn veranlasst hat, die Akten fallen zu lassen. Und dann auch noch gleich auf Jims geprellten Fuß...
    Seine Lebensgeister sind alerdings nicht geprellt...Er sprach mich an auf meinen Kommentar, dass mir auch andere Dinge gut stehen würden...Was ich wohl meinte.
    Ich sagte ihm, dass wir das gemeinsam im Schlafzimmer herausfinden würden heute abend.






    Schließlich steht dort mein Kleiderschrank!

    Das zweite Foto

    ...aus der "Aufzug-Reihe"...Kurz bevor die Tür sich schloß und ich alleine zur Apotheke bin - ohne Stopp-Knopf natürlich...

    Einladung in den Aufzug

    Ich habe inzwischen ein Wechselhemd gefunden - eine Jacke habe ich leider nicht mehr hier, also muss ich jetzt so rumlaufen.
    Ich war eben auf dem Weg in die Apotheke, als ich James am Aufzug traf. Ich lehnte meinen Stock in die Ecke und hielt einladend die Tür auf.
    "Sssst! James!"
    "Hm?", fragte er und schaute mich an.
    "Komm rein...ich kann zwischen zwei Stockwerken den Stopp-Knopf drücken...", grinste ich ihn an, aber er machte bloß ein Foto.

    Immerhin verdeckt das Hemd meine Wunde am Arm.

    Verrückte, Halbidioten und Volltrottel

    Andere Arten von Patienten gibt es heute nicht. Wie geruhsam und angenehm war es eben noch im Sushi-Restaurant... Und jetzt heißt es schon wieder Klinikdienst.
    Dem Schwall Rotz, der sich auf mein letztes Wechselsakko zu entladen drohte, bin ich relativ elegant ausgewichen und er traf auf Chase' Kittel.
    Dafür konnte ich nun wirklich nichts - ich konnte doch nicht ahnen, dass er just in diesem Augenblick zu mir ins Behandlungszimmer treten würde. Ansonsten wäre die grüngelbe Masse lediglich auf dem Fußboden gelandet.

    "Upsch...duht mir leid", näselte der total vergrippte junge Mann, der für den Blob verantwortlich war. Ich drehte mich zu Chase um und verzog das Gesicht.
    "Oh mein Gott! Das Zeug sieht aus, als würde es jeden Moment lebendig werden! Wechseln Sie schnell den Kittel, bevor es sich durchfrißt!"
    Angewidert sah Chase an sich herunter, der grüne Rotz begann schon, sich in einem langen Faden von seinem Kragen abzuseilen.
    "Hnghwüääärks" oder so ähnlich sagte er und streifte in Rekordtempo seinen Kittel ab.
    Anerkennend pfiff ich durch die Zähne. "Da jammert er, dass er so lange keinen Sex mehr hatte und ist noch so gut in Übung..."
    Er verdrehte nur die Augen.
    "Ja...also eigentlich bin ich nur hier, um Ihnen zu sagen, dass es von mir aus morgen um 19 Uhr klar geht, House."
    Ich grinste. "Fein. Falls Foreman sich einsam fühlt, kann er ja mitkommen und vermitteln, falls wir uns statt einer Aussprache gegenseitig erwürgen wollen."
    "Ich denke, meine Mail an Sie macht die Aussprache doch überflüssig. Ich wollte wirklich bloß was trinken gehen mit Ihnen."
    Ich zuckte die Achseln. "Fein."
    Chase hob seinen Kittel hoch. "Ja dann...werde ich den mal wechseln."
    Ich hob zum Abschied die Hand und wandte mich wieder dem Patienten zu.

    Grippale Infekte langweilen mich.
    Wie abwechslungsreich war doch da der Teenie, der sich Sorgen machte, weil er mit Psilocybin experimentiert hatte. Er hatte seinen Freund mitgebracht und die beiden sahen aus, wie aus einem Gangsta-Rap-Video entstiegen.
    "Und?", fragte ich gelangweilt. "Wieso haben Sie das gemacht?"
    Er zupfte an seiner Wollmütze. "Ey yo ey...weilsch fand dassis geilo, ey..."
    Mit hochgezogenen Brauen sah ich seinen Freund an. "Redet er immer so?"
    Der nickte bloß.
    "Okay", wandte ich mich an meinen besorgten Patienten. "Kein Grund zur Panik. Da ist nichts vorhanden, was durch Psilocybin beschädigt werden könnte..."
    Ich wollte ihn schon entlassen, als er plötzlich einen total irren Blick bekam und augenscheinlich verspätet halluzinierte. So schnell, dass ich kaum gucken konnte, griff er in die Instrumentenschublade und fuchtelte mit einem Skalpell vor mir herum.
    Einige Male zischte er damit knapp an meinem Gesicht vorbei und hielt es dann mit der klaren Absicht, mich abzustechen vor sich. Als er damit vorschnellte wehrte ich mit der einen Hand ab, ballte mit der anderen eine Faust und verpaßte ihm einen Hieb aufs Kinn, der ihn k.o. setzte.
    Sein Freund starrte uns beide entgeistert an und schaute dann mit weit aufgerissenen Augen auf meinen Arm. "Ey, entschuldigung, Mann!"
    Ich beachtete ihn nicht sondern schnappte mir meinen Stock und ging hinaus, um den Typen vom Sicherheitspersonal herausschaffen zu lassen.
    Ich wunderte mich noch, dass ich so seltsam angeschaut wurde und einige entsetzt aufschrien, bis ich an mir herunterschaute und sah, dass ich aus dem Arm blutete wie ein abgestochenes Schwein.
    Die Tür des Behandlungsraumes neben mir schwang auf und ich hörte ein entsetztes "Greg!!!" Benommen schaute ich den Weg zurück, den ich gekommen war - es sah wüst aus...Ich hatte eine Spur hinterlassen wie in einem schlechten Horrorfilm.
    "Oh mein Gott, oh mein Gott, oh mein Gott", stammelte James und zog mich in den Behandlungsraum herein.
    "Was ist denn passiert?", fragte er mich und schaute sich meinen einige Zentimeter hoch aufgeschlitzten Arm an. Seine Hände zitterten und eine Träne lief ihm über die Wange.
    Ich schüttelte kurz den Kopf, um klar zu werden und erzählte ihm von dem Psilocybin-Typen. Ein Blick aus dem Fenster zeigte mir, dass das Sicherheitspersonal sich seiner schon angenommen hatte und ihn immer noch halb bewußtlos aus dem Krankenhaus schleifte.
    "Mein Gott, er ist so knapp an der Arterie vorbei", hauchte James mit zittriger Stimme und zeigte mit den Fingern ein paar Millimeter an. "So sieht es schlimmer aus als es ist...Ich muss dich nähen."
    Ich nickte. "Verdammt, das war mein letztes Wechsel-Sakko!", fluchte ich.
    Jims Kopf schnellte hoch. "Sonst hast du keine Sorgen?"
    Ich schaute ihn groß an und er schüttelte kurz den Kopf. "Schon okay, du bist sicher unter einem leichten Schock..." Damit begann er, die Wunde zu vernähen.

    Er war grade fertig, als Cuddy aufgeregt hereinstürzte. "House?" Sie sah sich meinen Arm an. "Um Himmels Willen!"
    Ich zuckte die Achseln. "Ist schon okay..."
    "Wollen Sie nach Hause?"
    Ich musste wirklich nicht ganz beisammen sein, denn ich schüttelte den Kopf.
    Sie seufzte. "Gut...dann haben Sie nun aber wieder Bürodienst..."
    Ich nickte ihr zu und sie stöckelte hinaus und rief dem Reinigungspersonal, das grade mein Blut aufwischte, Anweisungen zu.
    James beugte sich vor und nahm mein Gesicht in seine Hände. "Mein Gott, du hast mich vielleicht erschreckt..."
    Dann wurde ich mit einem langen, sanften Kuss belohnt (der mir ein "Hmmmmmmmmmm" entfahren ließ) und was noch besser war - einem "Ich liebe Dich" danach. Benommen und mit wackligen Beinen stand ich auf.
    "Wir sollten an genau dieser Stelle heute abend weiterdiskutieren."
    Damit hob ich die Hand und hinkte in mein Büro, einen kopfschüttelnden James hinterlassend.

    Kaum dort angekommen und grade mit Kaffee versorgt, wurde ich schon wieder von einem Klopfen gestört. "Ja?" seufzte ich und schaute genervt zur Tür.
    Allenbys Interessent trat ein. "Sind Sie Dr. House?"
    Ich wedelte zur Tür. "Was steht denn da dran?"
    Er wandte sich tatsächlich um und las vor "Gregory House MD."
    "Wow", meinte ich beeindruckt. "Also, wen erwarten Sie dann in diesem Büro?"
    Mit einem Achselzucken trat er an meinen Schreibtisch heran.
    "Darf ich mich setzten?"
    Ich wies auf den Besucherstuhl. "Wenn Ihr Anliegen länger dauert..."
    Er setzte sich und deutete auf meinen Arm. "Sieht böse aus..."
    "Ja, das war...unerfreulich. Also, was wollen Sie?"
    "Dr. Allenby!"
    "Ah, interessant. Ich fragte aber nicht wen wollen Sie sondern was wollen Sie...Allenby werden Sie hier nicht finden."
    Er seufzte. "Ich weiß. Ich möchte bloß sicher gehen...Also...Sie haben kein Interesse an ihm, oder?"
    Ich lehnte mich im Stuhl zurück. "Sind Sie wahnsinnig? Natürlich nicht! Ich schätze ihn als Kollegen und er ist auch wirklich ein netter Kerl eigentlich...aber das wars auch schon!"
    "Gott sei Dank! Haben Sie ihm das mal gesagt?"
    "Wieso sollte ich herumlaufen und mich jedem erklären, an dem ich kein Interesse habe? Ich käme ja zu nichts anderem mehr."
    Er verzog ein wenig peinlich das Gesicht. "Ach so...er hat Ihnen gar nichts gesagt..."
    "Sie sind kryptisch", knurrte ich und wandte mich meiner Kaffeetasse zu.
    Er stand auf und reichte mir die Hand. "Es tut mir leid, Ihre Zeit gestohlen zu haben..."
    Ich schüttelte sie kurz und wandte mich dann an den Computerbildschirm, damit er sich endlich trollte, was er dann auch tat.

    Kaum hatte ich Mahjongg aufgerufen, als mein Handy schon wieder klingelte.
    "Ja?"
    "Gregory? Hier ist Nathan...Ruth kann Jim nicht erreichen..."
    "Ja, er hat Klinikdienst..."
    "Sie liegt mir in den Ohren, dass ich dich nochmal fragen soll..."
    "Fragen? Was denn?"
    Ein Seufzen am anderen Ende der Leitung. "Ob er's dir inzwischen gesagt hat..."
    Ich grinste. "Hmmm...gesagt, Nate? Was denn?"
    "Nun tu nicht so! Du weißt verdammt genau, was ich meine. Wer es ist, für den er so...schwärmt..."
    "Ach das meint Ihr. Ja, das hat er!"
    "Hat er?!" Im Hintergrund hörte ich Ruth aufkreischen und sie entriss ihm anscheinend den Hörer.
    "Greg? Ich bins!"
    "Hi, Ruth..." Nathan fluchte im Hintergrund, er hatte sich, so wie es klang, Kaffee übergekippt.
    "Und????"
    "Was und?", fragte ich und wußte, dass ich sie damit aufregte.
    "Hatte ich Recht?"
    "Womit?"
    "Mit meinem Verdacht!"
    "Ruth, du hast mir nie gesagt, wen du da in Verdacht hattest. Vielleicht versuchst du es gleich einfach nochmal bei James. Die Verbindung wird auch grad ganz schlecht...."
    Ich machte mit den Zähnen ein pfeifendes Geräusch und knisterte mit einem Schokoriegelpapier vor dem Hörer rum, bevor ich auflegte.

    Ich bin froh, wenn dieser Tag vorbei ist und wir zu Hause sind. Und ich würde unsere Unterhaltung wirklich gerne dort fortführen, wo James aufgehört hat.

    Verabredung im Park

    Grinsend nahm ich den Aufzug und fuhr nach unten. James hatte sich wirklich gewundert, dass er offensichtlich eine (nichtexistente, aber woher sollte er das wissen?) Verabredung verschwitzt hatte.

    Ich schlenderte so nonchalant es mir mit meinem Hinken möglich war in den Park hinaus und hielt auf besagten Baum beim Brunnen zu. James war noch nicht zu sehen - gut!
    Da er aus der selben Richtung kommen musste wie ich stellte ich mich auf die andere Seite des Baumes und lugte vorsichtig ums Eck. Da!
    Da kam er angehetzt, mit wehender Krawatte, suchendem Blick und einem Sandwich in der Hand. Ich grinste in mich hinein und war wieder einmal erstaunt darüber, welche Reaktionen sein Anblick in mir verursachte.

    James stand nun knapp vor mir, nur der Baum trennte uns, und blickte suchend umher und zwischendurch auf seine Uhr. Er seufzte und ich trat leise hinter ihn und hielt ihm die Augen zu.
    "Es gibt nur eine Person, die ich kenne, die in der rechten Hand einen Stock hält....", murmelte James und drehte sich zu mir um.
    "Erwischt!", grinste ich und winkte ihm mit dem Stock zu.
    James trat einen Schritt zurück und schüttelte den Kopf.
    "Weisst du, was du mir damit angetan hast? Ich fand es ganz furchtbar, dich den ganzen Vormittag nicht zu sehen und dann noch nichtmal zum Lunch bei dir vorbeikommen zu können!"
    "Solche Sehnsucht?", fragte ich ihn mit hochgezogener Augenbraue und machte einen Kussmund.
    "Ja", sagte er nur und jegliche Ironie fiel von mir ab. Ich trat einen Schritt auf ihn zu, aber er wich zurück.
    "Greg...wir sind im Park!"
    In gespielter Überraschung blickte ich mich um. "Tatsächlich? Das ist mir doch verdammt nochmal nicht aufgefallen..."

    Wir schauten eine Weile den flanierenden Patienten und ihren Angehörigen zu, dann legte ich einen Arm um James Hüfte und drückte ihn kurz an mich. Wieder blickte er sich gehetzt um, was mich dazu reizte vor ihn zu treten, ihn gegen den Baum zu drängeln und zu küssen. Erst war er drauf und dran, mich wegzuschubsen, liess sich dann aber vollkommen in den Kuss fallen.
    Ich habe keine Ahnung, wie lange wir so da standen, aber hätte ich nicht die Stimme von Cuddys Assistenten hinter uns gehört, hätte ich wohl noch Jims Hose geöffnet und mich mitten im Park zu ziemlichen Dummheiten hinreissen lassen. (Ich höre fast das entsetzte Lufteinziehen einiger Leser...Und auch von James...)

    "Ähm...", erklang es zaghaft hinter uns und James schubste mich vor Schreck doch endlich etwas von sich weg.
    Wir wandten uns dem feuerroten Milchgesicht zu und blickten ihn erwartungsvoll an.
    "Hrm...also...Dr. Cuddy meinte, das sollen Sie sich bitte für Ihre Büros oder zu Hause aufsparen...", stammelte er.
    Ich nickte und grinste. "Klingt vernünftig....Hier würden wir uns ohnehin bloß einen nassen Hintern holen", deutete ich auf das feuchte Gras.
    "Greg!!!", rief James aus und sah aus, als wolle er am liebsten im Erdboden versinken.
    Ich zuckte die Achseln und Cuddys Assistent machte sich auf den Weg zurück in sein Vorzimmer.
    "Du bist wirklich unmöglich", stieß James zwischen den Zähnen hervor.
    Unschuldig blickte ich ihn an. "Wieso? So viel Ehrlichkeit halten die meisten Menschen für einen Witz..."
    "Wollen wir es hoffen", seufzte er.
    Ich konnte mich nicht zurückhalten und drückte ihm noch einen schnellen Kuss auf, bei dem ich ihm kurz mit der Zungenspitze über die Unterlippe fuhr. James erschauerte und seufzte leise.
    "Mir ist es ehrlich gesagt egal, was sie von mir denken", wisperte ich dicht an seinem Ohr und trat dann einen Schritt zurück.
    "Hier...gegen die Schmerzen", sagte ich und bot ihm von meine Vicodin an, während ich selber eine einwarf.
    Er schüttelte den Kopf. "Die...die sind weg..."
    Ich grinste. "Bleibt noch der Hunger..."
    Dann, mit einem Blick auf die Uhr "Meine Planung hat hingehauen, jetzt kommen wir absolut pünktlich..."
    Er blickte mir verwirrt in die Augen. "Pünktlich?"

    "Magst du Sushi?", fragte ich und zog ihn mit mir, denn ich hatte uns einen Tisch reserviert.

    Rotznasen, Husten, Fieber und Verabredungen

    Was für ein mieser Tag!
    Halb Plainsboro hat einen dämlichen grippalen Infekt und heute hätte ich mir glatt einen Kittel gewünscht. Ich musste schon dreimal das Sakko wechseln, weil mir draufgerotzt wurde. Wenn das jetzt nochmal passiert, habe ich keines mehr und muss hemdsärmelig herumlaufen.
    Ich hasse Klinikdienst, aber heute sind wir einfach alle dazu verdonnert, weil so ein Ansturm an Rüsselpestkranken herrscht. Zumindest heute Vormittag. Ich hoffe, nach dem Lunch geht es ruhiger zu und es kommt noch ein interessanter Fall auf uns zu der den Einsatz einer Menge Hirnschmalz erfordert.

    Meine Kollegen verhalten sich übrigens wie immer. Chase hat seine Zusage für Mittwoch noch nicht kreischend zurückgezogen (und ich bin nicht sicher, ob er schon weiß, was gestern passiert ist), Cameron lächelt wie immer vor sich hin wenn sie mich sieht und Foreman hat mir bloß nochmal aufmunternd zugenickt, bevor er zum Klinikdienst verschwand - er hat ja schon einen...rührenden Kommentar hinterlassen hier.

    Immerhin habe ich es inmitten all des Heckmecks geschafft, James schnell eine Nachricht auf den Schreibtisch zu werfen, als auch er in der Klinik steckte.
    Jetzt muss ich mich beeilen, denn ich habe eine Verabredung...

    Ein langer Abend

    Statt zu baden hatte ich mich für eine Dusche entschieden. Es war einfacher für mich, aus der Dusche herauszuhumpeln als mich aus der Wanne zu hieven.
    Dann rasierte ich mich - es war wieder einmal bitter nötig - und legte das Album von James Blunt ein.
    Plötzlich kamen mir die Leinwand und die Acrylfarben in den Sinn und ich kramte sie hervor. Ich weiß, es ist keine große Kunst, aber es hat mich abgelenkt und etwas beruhigt:

    Gedankenverloren betrachtete ich das fertige Bild und goss mir einen Single Malt ein. Damit ließ ich mich aufs Sofa fallen und sah hinaus in die Dunkelheit. Ab und an wurde die Straße erhellt, wenn ein Auto vorbeifuhr und ich dachte kurz daran, die Vorhänge zu schließen, ließ es aber dann sein. So starrte ich einfach weiter hinaus und ließ meine Gedanken wandern.

    Ich konnte noch gar nicht richtig fassen, was heute passiert war.
    War das alles wirklich geschehen?
    Ich fühlte mich kurzzeitig wie in einer Seifenblase und fürchtete, sie könne zerplatzen. Die Erinnerung an James Lippen auf den meinen war zu lebendig um ein Traum gewesen zu sein.
    Ich wischte mir über die Augen und ließ den Kopf nach hinten hängen. Wo mochte uns das hinführen? Ich war mir nicht zu schade, vor mir zuzugeben, dass ich mein ganzes Leben mit James verbringen wollte. Aber wie stand es mit ihm? War es ein Zwischenspiel zwischen Ehe Nummer 3 und Nummer 4? Ein merkwürdiges Experiment?
    Ich betrachtete die Decke. Wohl eher nicht, wenn es stimmte, was er über seinen 'Jemand' sagte. Sein 'Jemand', der nun endlich einen Namen bekomme hatte. Meinen Namen.
    Ich verfluchte mich für diese unsicheren Gedankengänge. Sonst war ich doch auch immer so überlegen, wieso nicht auch in diesem Fall? Ich seufzte. Ich hatte ihm gesagt, dass ich ihn liebe. Hatte er das auch? Er hatte mir lediglich gesagt, ich sei der ominöse 'Jemand'.
    "Greg, hör auf mit dem Mist!", schalt ich mich im Geiste selbst. "Er hat verdammt nochmal oft genug gesagt, wie sehr er diesen 'Jemand' liebt. Sei kein Idiot!"

    Meine Gedankenkette wurde durch die Klingel unterbrochen. Erstaunt schaute ich auf, dann wanderte mein Blick zur Uhr. Es war erst halb 11. Der Blick durch den Spion zeigte mir James und mein Herz machte einen Satz, obwohl er aussah wie ein begossener Pudel. Ich öffnete die Tür und wurdes des Koffers gewahr, den er neben sich stehen hatte.
    Er schaute mich an und räusperte sich. "Kann ich für einige Zeit zu dir ziehen?"
    Sicher! Für den Rest unseres Lebens! Das sagte ich natürlich nicht, sondern nur: "Du hast es ihr gesagt?"
    James blickte auf seine Schuhe, als könne er dort die passende Antwort ablesen. "Sie hat es mir gesagt", antwortete er dann und ich konnte ihn nur voller Überraschung anstarren.
    "Sie ... nun du hattest wohl Recht, es geht wirklich alles um Sex, sie hat ... eine Affäre", fuhr er fort und blickte mich offensichtlich nervös von unten herauf an.
    Endlich trat ich einen Schritt zur Seite, um ihn einzulassen. "Möchtest du ein Bier?"

    James lächelte bloß und ging an mir vorbei ins Wohnzimmer, um sich dort aufs Sofa sinken zu lassen. Das hieß wohl 'Ja'.
    Also humpelte ich zum Kühlschrank und holte zwei Budweiser hervor. Als ich mich zu ihm setzte, reichte ich ihm eines und wir tranken eine Weile schweigend. Schließlich sah ich ihn von der Seite her an. "Wie geht es dir?"
    Humorlos zuckte er die Achseln. "Naja, wie geht es einem wenn man die dritte Ehe in den Sand gesetzt hat."
    Er gab sich schon wieder die Schuld, was mir ein Schnaufen entlockte. "Es war doch nicht ..."
    James hob die Hand und unterbrach mich damit. "Doch, ich hab es versaut, wie die anderen Male auch. Gut dieses Mal bin nicht ich fremdgegangen - noch nicht", fügte er leicht grinsend und errötend hinzu, "aber ich habe sie so vernachlässigt, dass ich sie ganz einfach in die Armen des anderen Typen getrieben habe."
    "Wo wäre ich jetzt, wenn du es nicht getan hättest?", fragte ich mich im Stillen. "Wären wir dann dort, wo wir jetzt stehen?"
    Ich nahm einen Schluck Bier. "Vielleicht sollte ich dankbar dafür sein", meinte ich schließlich laut, grinste ihn an und setzte mich ans Klavier, um Streets of London zu spielen.

    Den Rest des Abends tranken wir ein Bier nach dem anderen, sprachen, schwiegen, sahen fern und ich hatte den Eindruck, dass er eine große Dosis "Normalität" brauchte. Also rückte ich ihm nicht zu nahe und nichts ließ darauf schließen, dass sich irgendwas verändert hatte am heutigen Tage.

    Das änderte sich erst, als wir todmüde zu Bett gingen und James mich fest an sich zog, sich über mich beugte und mich küsste wie ein Ertrinkender. Hätte ich nicht bereits gelegen, ich wäre unweigerlich in mich zusammengesackt. Mit der Zeit merkte ich, dass er auf noch ganz andere Gedanken kam und stoppte ihn vorsichtig.
    "Das wäre heute keine gute Idee...", begann ich leise.
    Er schaute mich verwirrt an. "Was?"
    Ich merkte, wie mir die Röte ins Gesicht stieg. "Du weißt schon, was ich meine..."
    "Wieso nicht?"
    "Heute nachmittag hat dir der Gedanke noch zu schaffen gemacht und wir haben uns auf ein 'früher oder später' geeinigt..."
    "Na und? Dann eben früher!", kam es bloß atemlos von ihm und er beugte sich schon wieder zu mir runter.
    "James...nicht nach einem solchen Abend!", beharrte ich.
    Ein wenig säuerlich blickte er auf. "Was ist mit diesem Abend?"
    Ich seufzte und wusste, ich musste ehrlich sein, auch wenn ich mir lieber die Zunge abgebissen hätte. "Ich...würde mich fühlen wie eine Ablenkung von Julie..oder eher deinen Problemen mit ihr..."
    Lange sah er mir in die Augen, bevor er nickte. "Also gut", sagte er nur und legte seinen Kopf auf meine Brust. Ich kraulte durch seine Haare und so schliefen wir irgendwann endlich ein. Und ich kann nicht glauben, wie normal mir das erschien.

    Monday, October 23, 2006

    Er ist weg

    ...und die Wohnung kommt mir plötzlich furchtbar leer vor.
    Ich werde jetzt ein Bad nehmen, mich endlich rasieren und meinen Gedanken nachhängen.
    Und natürlich Jim die Daumen drücken, dass er nicht gevierteilt wird heute abend.
    Ich habe keine Ahnung, was er Julie sagen will.
    Ob er ihr die Wahrheit sagen wird?
    Was wird er ihr sonst erzählen?
    Heute früh wollte ich nicht mehr in meiner eigene Haut stecken, jetzt nicht in seiner.
    Mir ist es offen gestanden egal, was meine Kollegen nun über mich sagen. Ich weiß, dass ich nicht plötzlich ein anderer Mensch geworden bin. Und merkwürdig haben sie mich ohnehin alle schon gefunden.
    Mal sehen, wie sie mich morgen begrüßen werden. Vielleicht tun sie auch so, als ob nichts wäre.
    Vielleicht wissen sie auch tatsächlich noch nichts, weil sie es evtl. noch nicht gelesen haben. Vielleicht halten sie es auch für einen unserer kranken Witze. Wer weiß...Ich lasse mich überraschen.

    Foto

    James hat beim Italiener ein Foto gemacht.
    Wie (fast) immer etwas unglücklich...
    Und ich sehe, ich sollte mich wirklich mal rasieren.

    Lunch und Cuddy

    James wollte nicht breittreten, über was wir beim Lunch geredet haben.
    Aber ich wäre nicht ich, wenn ich's nicht täte, hm?

    Es war auch gar nichts schlimmes oder anstößiges...

    Ich holte James also in seinem Büro ab und wurde erst einmal zur Tür herein gezerrt und mit einem weiteren Kuss bedacht. Ich kann nicht sagen, dass mir das mißfallen hätte - so kann er mich nun immer begrüßen.
    Ich deutete grinsend auf sein Sofa. "Sollen wir wirklich zum Italiener, oder bleiben wir lieber hier?"
    James schnaufte und verpaßte mir einen Hieb auf den Hinterkopf. "Verführerisch, aber ich habe Hunger..."
    Also machten wir uns auf den Weg zum Italiener um die Ecke und ich widerstand der teenagermäßige Anwandlung, James Hand nehmen zu wollen.

    Ich selber merkte erst bei Hinsetzten, dass ich auch einen ziemlichen Hunge hatte. In meiner Verzweiflung hatte ich bislang bloß Vicodin und Kaffee zu mir genommen, so dass jetzt endlich Tagliatelle mit Rinderfiletspitzen in Cognacsauce fällig waren.
    Wir ertappten uns dabei, dass wir uns über den Tisch hinweg eine ganze Weile nur ansahen und mussten grinsen.
    "Ich kann das noch nicht glauben", seufzte James. "Ich habe das so lange mit mir rumgeschleppt und dann bist du es, der damit herausplatzt."
    Ich schwenkte den Wein in meinem Glas. "Und dabei wollte ich mich heute früh noch in den Hudson River werfen..."
    Wir sahen uns in die Augen und wurden beide etwas rot.
    James schüttelte den Kopf. "Oh Mann, Greg...Das sehen uns sicher alle hier an!"
    Ich grinste und nahm einen Schluck Rotwein. "Das wissen wir erst dann genau, wenn sie die Rechnung nicht trennen..."
    James zuckte die Achseln. "Na dann lassen wir uns mal überraschen."
    "Wir sehen sicher auch nicht anders aus als sonst", meinte ich nur trocken.
    "Da ist was dran", grinste James und wir machten uns über unser Essen her.
    Irgendwann griff James über den Tisch hinweg verstohlen nach meiner Hand und drückte sie kurz. "Erinnerst Du Dich an meine Einladung in dieses Restaurant Ende September?"
    "Wie könnte ich die vergessen?", grinste ich beim Gedanken an die roten Rosen, die ich ihm dorthin mitgebracht hatte.
    Er räusperte sich.
    "Den Abend vorher war ich fest entschlossen...Ich wollte es dir bei dem Essen sagen..."
    Ich unterbrach mein Futtern und sah auf. "Ach? Und dann hast du einen Rückzieher gemacht? Wieso?"
    "Wieso, wieso?", äffte James mich nach. "Wieso wolltest du dich heute Morgen noch ertränken?"
    Ich nickte. "Auch da ist was dran....Aber...ich hätte mich gefreut."
    James lächelte mich an. "Jetzt weiß ich das."
    Ich angelte nach einer Filetspitze. "Jetzt weiß ich auch, wieso deine Mutter so mächtig an diesem Abend interessiert war. Und wieso sie uns ständig allein gelassen haben."
    Er bedeckte die Augen mit der Hand. "Grundgütiger, war mir das peinlich! Und sie hatte auch noch verdammt Recht mit ihrer Vermutung."
    "Tja...vielleicht solltest du heute mal in Montréal anrufen", zwinkerte ich ihm zu.
    Den Rest des Essens plauderten wir noch über alles mögliche und verbrachten einen Großteil damit, uns über unsere Teller und Gläser hinweg anzustrahlen, so dass es mich nicht wunderte, dass die Rechnung nicht separiert wurde.
    Ich grinste und zahlte, während James versuchte, die Röte in seinem Gesicht zu verbergen.

    Zurück im PPTH kam er noch kurz mit in mein Büro und wir machten eine Uhrzeit aus, zu der wir uns über Cuddys neuem Fall zusammensetzen wollten. Da die Blenden nicht vorgezogen waren, schaute James sich schnell um, bevor er mir einen kurzen Abschiedskuss aufdrückte.

    Lange war er nicht aus meinem Büro verschwunden, als Cuddy mich anrief. "Houuuuuuuuuuse!", rief sie gedehnt in den Hörer hinein.
    "Cuddyyyyyyyyyyyyyyyyyyyy!", antwortete ich.
    Sie lachte kurz. "Kommen Sie bitte in mein Büro, ich habe was mit Ihnen zu besprechen!"
    James hat schon davon geschrieben, wie ich gelesen hatte. Ich konnte es mir nicht verkneifen... So weiß sie sicher eine Weile nicht, ob alles ein Witz war, auf den sie reingefallen ist oder nicht.

    In James Büro setzten wir uns dann mit dem Fall zusammen und tranken noch Unmengen Kaffee. Irgendwann sah James von der Akte auf und druckste herum. "Was du da eben bei Cuddy gesagt hast..."
    Ich blickte auf und grinste. "Ja?"
    "Erm...hast du...ich meine...also...ich habe keinen Schimmer wie..."
    "Früher oder später finden wie das auch noch raus...denke ich...", meinte ich bloß und wußte nicht, wo ich hinschauen sollte.
    James räusperte sich noch einmal verlegen. "Mhm...früher oder später..."

    Jetzt ist er nervös wegen Julie. Er hat ihr ja versprochen heimzukommen.
    Ich hasse den Gedanken, grade heute ohne ihhn zu sein. Aber es geht nicht anders.
    Zuerst kommt er noch mit zu mir und ich mag gar nicht daran denken, ihn dann an der Tür zu verabschieden.
    Jedenfalls weiß er, wo er hinkann, falls sie ihn rauswerfen sollte. Wir fahren jetzt.

    Eben noch...

    ...wollte ich sterben.
    Und jetzt?
    Jetzt kann ich kaum die Lunchpause abwarten - wir gehen essen.

    Ich war nicht eben erfreut, als Chase, Foreman, Cameron, Reid und Dorian in Wilsons Büro hereinplatzten. James sah auch nicht eben glücklich aus und ich denke, er hätte dieses Gespräch genauso gerne schnell hinter sich gebracht wie ich.
    Nun ja, dachte ich, jetzt müssen wir eben noch abwarten, bis wir das hier fertig haben und reden dann.
    Ich hatte nur nicht mit Cameron gerechnet.Sie blieb im Hinausgehen mit fragenden Augen in der Tür stehen. "Ähm, kommen Sie nicht Dr. House?"
    Bevor ich antworten konnte, schaltete James sich ein und sagte rasch "Dr. House und ich haben noch eine Besprechung."
    Sie schaute uns kurz an. "Ah, okay", und verschwand.

    Unbehaglich saß ich im Besucherstuhl, während James auf dem Gang nachschaute, ob die Luft rein war und abschloss. Er lehnte sich mit dem Rücken an die Tür und schaute mich an, während ich verlegen mit meinem Stock herumhantierte.
    Seltsam, dass er seine Sachen nicht haben wollte, dachte ich. Immerhin hatte nicht nur ich etwas dummes getan, sondern Julie wollte auch, dass er heimkam. Bitter grinsend dachte ich an Frank Sinatra und hatte die Zeilen
    And then I go and spoil it all
    By saying something stupid
    Like I love you

    im Ohr. Wie wahr...

    Unsicher kam James auf mich zugehumpelt - so in Ordnung ist sein Fuß immer noch nicht. Ich faßte mir ein Herz und stand auf.
    "Hör zu James, ich weiß ich habe dich damit überrascht und ich weiß, dass ist total hirnrissig. Aber ich kann dich wohl auch nicht davon überzeugen, dass ich lediglich einen Scherz gemacht habe, oder?"
    Er schaffte es tatsächlich, zu grinsen und antwortete bloß "Nein, das schaffst du nicht mehr."
    Mist!
    "Das hab ich mir gedacht."
    Ich ließ den Kopf hängen und wartete auf die unweigerlich folgende Tirade.
    Doch James legte bloß eine Hand auf meine Schulter und hob mit der anderen mein Kinn, damit ich ihn ansehen konnte. Mir wurde ganz anders, als er mich so ansah.
    "Greg...", wollte er beginnen, aber ich unterbrach ihn mit "Ach Scheiß drauf". Wenn er mich schon aus seinem Leben strich, sollte er auch richtig Grund dazu haben. Ich legte einen Arm um seinen Nacken und zog ihn an mich.
    Meine Stimme wollte nicht so wie ich, aber immerhin bekam ich etwas heraus.
    "Wenn du mich schon zum Teufel jagst, dann gleich richtig," meinte ich und drückte ihm rasch, ehe er sich bewegen konnte, einen Kuss auf.
    Ihn das erste Mal ohne einen dummen Witz zu machen zu küssen war gelinde gesagt unbeschreiblich. Punkte tanzten vor meinen Augen, meine Knie sackten leicht ein und ständig hatte ich die Angst im Nacken, er würde mich jeden Moment wegstoßen und mir eine kleben.
    Es dauerte eine Weile, bis ich realisierte, dass er mir seine Hand in den Nacken gelegt hatte und den Kuss sogar erwiderte. Überrascht hielt ich inne und trat zurück.
    "Du hast ... du bist gar nicht ..." stammelte ich mir zurecht.
    James grinste mich verlegen an und zuckte die Achseln. Dann versenkte sich sein Blick in meine Augen und mir wurde wieder ganz schwummerig zumute.
    "Weißt du jetzt endlich wer hier blaue Augen hat und mit 'G' beginnt?" fragte er mich leise.
    Ich starrte ihn eine Weile an, die Zahnräder in meinem Kopf ratterten und es machte plötzlich Klick! "Ich?", fragte ich ungläubig.
    James nickte. "Du...und ich dachte, verdammt, das ist so offensichtlich, das wirst du nie geheimhalten können...."
    Ich schluckte. "Das...war es nicht."
    Wir gingen mit unseren Kaffeetassen dicht nebeneinander auf den Balkon, stützten uns mit den Unterarmen ab und sahen dem umherwirbelnden Laub zu.
    "Und ich Idiot dachte, ich würde krank...", murmelte ich peinlich berührt in meine Tasse hinein, als ich einen Schluck nahm.
    James rückte ein Stück näher und lehnte sich an mich. "Und ich dachte, du willst mich ärgern..."
    "Ich war zu blöde, es zu merken...Oder es vor mir zuzugeben. Das...ich meine...es ist ja nicht erst seit letzter Woche so..."
    "Erinnerst du dich an Silvester?", fragte James plötzlich.
    "Welches genau?" Fragend blickte ich ihn an.
    "Das zum Millenium..."
    "Ah...unsere Pokerrunde...Du warst etwas verwirrt..."
    James nickte. "Was Wunder? Da habe ich es bemerkt..."
    Ich schaute ihn an und nahm jede Kleinigkeit wahr. Den goldenen Rand um seine Pupille inmitten dieser unglaublichen braunen Augen, die Strähne, die ihm ins Gesicht fiel und die der Wind in seine Augen wehte...
    Allzulange konnte ich nicht in der Betrachtung versinken, denn er packte mich am Aufschlag meines Sakkos, zog mich an sich und küsste mich. Erst zaghaft, dann immer intensiver, so dass mir plötzlich ziemlich warm wurde im Herbstwind.

    Ich glaube, ich war ziemlich weggetreten, doch plötzlich hörten wir vom Nachbarbalkon ein "Da sind Sie ja! Wieso habe Sie denn das Büro abgeschl..."
    Verstummen.
    Peinlich berührt drehten wir uns um und sagen Cuddy auf dem anderen Balkon stehen. Wir räusperten uns synchron, doch Cuddy begann schon wieder zu reden.
    "Ich sehe schon...Sie haben Ihre Probleme beigelegt. Vielleicht könnten Sie sich dann ja de Fall zuwenden, den ich Dr. House auf den Schreibtisch gelegt habe..."
    Damit verschwand sie nach drinnen und wir brachen in Gelächter aus, nachdem wir uns gefangen hatten.

    Bevor wir uns aber tatsächlich an dem Fall zu schaffen machen, gehen wir zum Italiener um die Ecke. Ich hole James jetzt in seinem Büro ab und fühle mich trotz Schmerzen im Bein wie auf Wolken. Jetzt weiß ich, was Foreman meinte.

    Besprechung bei James

    James hat mich in seinem letzten Blogeintrag unmißverständlich in sein Büro gebeten und ich konnte auch bereits lesen, dass er ziemlich nervlich angespannt ist.
    Wen wunderts?
    Ich könnte aus der Haut springen, aber ich wollte es einerseits auch hinter mich bringen. Als sagte ich zu, packte mir noch eine Flasche Bourbon unter den Arm (denn ohne den würde ich den Kaffee jetzt nicht trinken können) und machte mich auf den Weg in sein Büro.
    So lang wie heute ist er mir noch nie vorgekommen und ic fühlte mich wie ein Todeskandidat auf dem Weg zur Hinrichtung.
    An der Tür zögerte ich kurz, klopfte dann aber zaghaft an. Statt eines "Hereins" wurde die Tür geöffnet und ich sah mich James direkt gegenüber.
    Am liebsten wäre ich davongerannt, was aus diversen Gründen aber nicht ging - allen voran mein kaputtes Bein.

    Wir standen kurz im Türrahmen und starrten uns an, dann trat er einen Schritt beiseite. "Komm rein", meinte er mit leicht zittriger Stimme. Ich nickte und schlurfte an ihm vorbei, um mich in seinen Besucherstuhl zu setzen. Dort schnappte ich mir gleich die Kaffeekanne und goß mir einen Kaffee mit einem ordentlichen Schuß Bourbon ein.
    "Du auch?", fragte ich, ohne mich umzudrehen.
    "Gerne", erscholl es knapp hinter mir.
    Ich goß ihm ein und als ich die Flasche abstellte, legten sich plötzlich seine Hände auf meine Schulter, während er immer noch hinter mir stand. Ich hatte das Gefühl, mein Herz setze einen Schlag aus und hüpfe dann so hoch, dass es an meiner Pupille vorbeigeschossen kam.
    Ich legte den Kopf in den Nacken und blickte direkt in seine Augen. Immer noch konnte ich nicht einordnen, was ich da sah. Normalerweise war dies nie schwierig für mich, aber dieses Mal hatte ich wohl zu viel Angst, um klar denken zu können.
    Er schien selber mit sich auszumachen, was er als nächstes tun sollte und streichelte mir dann sanft den Nacken.
    Ich öffnete grade den Mund, um etwas zu sagen, als es an die Tür klopfte. James zuckte zurück und als er sich umdrehte, kamen die Entchen auch schon hereingetrabt.
    "Da sind wir! Wir haben House auf dem Weg zu Ihnen gesehen und dachten, die Besprechung geht schon los!"
    Na großartig...
    Ergeben deutete James auf sein Sofa und wir besprachen den Fall und die weitere Vorgehensweise.

    Abt-Letterer-Siwe-Syndrom

    Ich bin zurück in der Klinik.
    Noch hat mich niemand von meinen Kollegen schief angeguckt - gelacht hat auch noch niemand...
    Auf dem Tisch liegen Wilsons Testergebnisse. Ohne Notiz, ich solle seine Klamotten herschaffen. Auf meine Frage in seinem Blog hatte er nicht geantwortet, also bin ich nun ohne seine Klamotten hergefahren und hätte mich im Nachhinein dafür in den Hintern beißen können.
    Er hatte Julie gesagt, dass er heute heimkommt.
    Am besten bin ich ausgeflogen, wenn er die Sachen holt. Den Schlüssel hat er ja, also kein Problem.

    Die kleine Elizabeth Hawkins hat das Abt-Letterer-Siwe-Syndrom, die akute und disseminierte Verlaufsform der Histiozytose X. Sie ist die schwerste Form und macht etwa 10% der Langerhans-Zell-Histiozytosen aus. Foreman hat es den Eltern bereits mitgeteilt und das Kind wurde in die Onkologie aufgenommen. Chemotherapie und Stammzelltransplantation sind für den kleinen Körper sicher nicht leicht zu ertragen, aber die einzige Hoffnung auf Heilung.
    Es wird schwierig werden, da ich als behandelnder Arzt dann immer wieder in die Onkologie muss.

    Götterdämmerung

    Ja, ich glaube, die Welt geht unter.
    Wahrscheinlich fliegen draußen schon mit lauten jotohooo Walküren herum.
    Hier drinnen singt Sarah Brightman grade ein theatralisches Figlio Perduto und ich muss jetzt wohl oder übel in die Klinik zurück.
    In die Klinik, wo meine Kollegen sicher schon den unteren Eintrag gelesen haben, wie mir grade dämmerte, als ich ihn löschen wollte.
    Oh Gott...
    In die Klinik, in der Wilson sicher noch mehr Antworten haben will oder aber eine Notiz hinterlassen hat, ich solle ihm seine Klamotten vor seine Bürotür schaffen.

    Ich werde sterben!

    Oh mein Gott, oh mein Gott, oh mein Gott!
    Was habe ich getan?
    Ich glaube, ich stürze mich vom Balkon.
    Oder vor einen Zug.
    Oder in den Hudson River, an einer tiefen und reissenden Stelle.

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass James von heute an bloß noch Verachtung für mich übrig hat und mich von seiner Freundesliste streichen wird. Ein gefundenes Fressen für Mr. G am Mittwoch. Oh GOOOOOOOOTT!!! Ich bin sowas von erledigt!

    Wie sagt John Hobbes in Fallen?
    There are moments which mark your life. Moments when you realize nothing will ever be the same, and time is divided into two parts - before this, and after this.

    Dies ist einer dieser Momente. Und ich wünschte, ich könnte ihn rückgängig machen.

    Nachdem ich meinen Kaffee mit ihm hatte machte ich mich nochmal auf den Weg in sein Büro, weil ich vorhatte, mich zu entschuldigen. Ich bin nicht gut in sowas, aber ich wußte, ich musste das tun. Irgendwann wird mein Konto sonst gesperrt. (Was es nun ohnehin ist...ich hätte mir diesen Gang besser erspart.)

    Ich trat wie immer ohne zu klopfen ein - James saß an seinem Schreibtisch und ordnete ein paar Akten in dringend und kann noch warten, während vor ihm Debbie stand.
    "Also, überlegen Sie es sich noch? Ich würde mich freuen. Donnerstag, wenn Sie wollen. Und sagen Sie vorher Bescheid, was sie gerne essen."
    In meinem Kopf machte es schon wieder Pling! und ich war irrationalerweise gleich wieder überaus angepißt.
    James nickte nur abwesend, er hatte mich noch gar nicht in der Tür bemerkt.
    Debbie lächelte, verabschiedete sich mit einem "Also dann" und war überrascht, mich in der Tür stehe zu sehen. "Oh, hallo, Dr. House!", meinte sie im Rausgehen zu mir und lächelte mich liebenswürdig an.
    "Sie können mich mal!", entfuhr es mir - ihre Gesichtszüge entgleisten leicht und sie beeilte sich, von mir wegzukommen.

    James starrte mich an und ich hob unbehaglich eine Schulter. "Was?"
    Er schüttelte den Kopf. "Sag mal, geht's wohl noch?!"
    Ich trat drei Schritte weiter in sein Büro hinein. "Ähm....ich ...wollte nur fragen, ob ich noch einen Kaffee bekomme. Und ich wollte mich..."
    Weiter kam ich nicht, denn James unterbrach mich.
    "Bist du eigentlich von allen guten Geistern verlassen???", brüllte er mich an und ich zuckte zusammen. Er sah ziemlich wütend aus. Und für mich sah es nicht gut aus, würde ich sagen.
    "W...was...", stammelte ich mir zurecht, aber James wischte eventuelle Einwände mit einer eindeutigen Handbewegung beiseite.
    "Nein, jetzt bin ich mal dran! DU hältst die Schnauze!"
    Erschreckt sah ich ihn an, solche Worte hatte ich noch nie von ihm gehört. Zwar hatten wir uns schon oft gestritten, aber beleidigend war bislang immer nur ich geworden.
    Er blinzelte kurz, als er meinen Blick bemerkte und atmete tief durch.
    "Was um alles in der Welt ist los mit dir? Dieses Wochenende hatte so viele Stimmungsschwankungen wie der ganze letzte Monat nicht!"
    Ich schluckte, schwieg und starrte ihn bloß an.
    Er biß die Zähne zusammen und schüttelte den Kopf. "Du verhältst dich absolut unmöglich! Und was zum Teufel hat Debbie dir getan?!"
    Dabei knallte er die Faust auf den Tisch, dass seine Kaffeetasse hochsprang und ein wenig überschwappte. Ich hob bloß hilflos die Schultern, kaute auf meiner Unterlippe und starrte ihn weiterhin an.
    "Jetzt spiel nicht das Kaninchen vorm Dackel!", brüllte er und ballte die Fäuste. "Ich habe verdammt noch mal ein Recht darauf, zu erfahren, was los ist, wenn ich es bin, der ständig deine Launen abbekommt!"

    Unwillig blinzelte ich Tränen zurück. Ich fühlte mich wie ausgekotzt und diese Schwäche ärgerte mich mehr als alles andere. Wo waren die sarkastischen Bemerkungen jetzt, wo ich sie am meisten brauchte? Sonst konnte ich doch auch immer alles abkanzeln, herunterspielen und wegwerfen.
    "LOS! Maul auf!", herrschte er mich an und ich fragte mich, ob man ihn bis draußen hören konnte.
    "Ich...es geht nicht...", brachte ich heraus.
    "Sonst geht doch auch immer alles! Sonst bist du ganz groß darin, einem alle möglichen Sachen vor den Kopf zu knallen! Raus damit!"
    Mit zitternder Unterlippe sah ich ihn an, unfähig, etwas zu erwidern.
    "Das spielst du doch bloß!", meinte James schließlich aufgebracht. "Sag es! Was ist es, dass dich so anfrißt und dich dieses unmögliche Benehmen an den Tag legen lässt? Du bist sonst schon unmöglich, aber das toppt alles!"
    Ich trat die drei Schritte, die ich in den Raum gegangen war wieder zurück - rückwärts - und legte meine Hand auf die Türklinke.
    "Oh nein", zischte James. "Du haust nicht ab, bevor du es mir nicht gesagt hast!"
    Er fixierte mich und nagelte mich mit seinem Blick an der Tür fest.
    Ich wandte den Blick ab und stupste den Stock auf den Boden.
    "Ich...es ist...weil..."
    "Jaaaaaaaaaaaaaa? Du bist doch sonst nicht so um Worte verlegen!"
    Ich schloß kurz die Augen. Es hatte so oder so keinen Sinn.
    "Es ist weil...Ich liebe dich, James!"

    So schnell, wie ich es nie für möglich gehalten hatte, war ich aus seinem Büro raus und in meines gehechtet. Ich schnappte mir meine Tasche und wollte grade aus dem PPTH fliehen, als Cuddy eintrat.
    "House? Wollen Sie etwa schon gehen?"
    Ich blickte mich erschreckt um. "Ähm...ja...schon..."
    "Wie sehen Sie denn aus?", fragte sie mit einem forschenden Blick.
    Ich zuckte die Achseln und wollte mich an ihr vorbeidrängeln.
    Sie drückte ihre Hand gegen meine Brust und schob mich ins Büro zurück. "Kommt nicht in Frage! Sie werden schon nicht sterbenskrank sein! Hier!"
    Damit knallte sie mir eine Akte auf den Tisch. "Das ist wichtig und ich erwarte, dass Sie sich des Falls sofort annehmen."
    Ich nickte nur und setzte mich an den Schreibtisch. Ich konnte genausogut noch einen Fall bearbeiten, bevor ich umgebracht wurde.

    Es handelte sich um ein anderthalbjähriges Mädchen. Seine Haut wies an Bauch und Thorax seltsam schuppende Ekzeme auf, ebenso in den Kniekehlen, weswegen die Kleine von ihrem Hausarzt auf Neurodermitis behandelt worden war.
    Es besserte sich jedoch nichts und nun hatte sie auch noch Fieber, geschwollene Lymphknoten, gesteigerte Atemfrequenz und Husten.
    Ich stützte kurz den Kopf in die Hände - er hämmerte wie wild, mein Bein schmerzte und ich hatte einen dicken Stein im Magen liegen. Ich wollte bloß noch weg von hier und hoffte, wie ich noch nie etwas gehofft hatte, James möge glauben, ich säße im Büro und schüttete mich aus vor Lachen, weil ich ihn mal wieder drangekriegt hatte.

    Seufzend wandte ich mich zum Whiteboard und rief die Entchen zusammen.
    Als sie eintrudelten stand am Board schon Elizabeth Hawkins, 1,5 Jahre alt, schuppende, ekzematoide und seborrhoische Hautinfiltrate an Thorax, Bauch und Kniekehle, Lymphadenopathie, Tachypnoe, Husten.

    "Guten Morgen zusammen!", wandte ich mich um und schaute in betroffene Gesichter. Ich zog eine Braue hoch und sah fragend in die Runde.
    "Sie sehen...Geht es Ihnen gut?", fragte Cameron schließlich.
    Ich nickte bloß. "Sicher...."
    Mit besorgtem Blick setzte sie sich, die anderen folgten ihrem Beispiel.
    "Also...was habe wir hier?", fragte ich müde.
    Chase war erstaunlicherweise der erste, der sich meldete. "Kommt noch Otitis zu dem Symptomen hinzu?"
    Er schien es bereits geblickt zu haben.
    "Gut!", entgegnete ich bloß. "Da haben Sie Recht, Chase...."
    Die anderen schauten noch betroffener. "Sie ist noch so klein...", wisperte Cameron und zog die Stirn in Falten.
    "Ja, und deshalb sollten wir sie so schnell wie möglich behandeln!", meinte ich und sah auf. Vor dem Fenster stand Wilson, die Hände in den Kitteltaschen und der Blick unergründlich.
    Ich schaute rasch weg und wandte mich an "die rothaarige Psychopathin". "Granger, testen Sie bitte auf Hepatosplenomegalie."
    Sie nickte und stand bereits auf. James rührte sich nicht, als sie an ihm vorbeiging.
    "Cameron, bevor sie anfängt, aus jeder Pore zu bluten, testen Sie bitte auf Thrombozytopenie..."
    Cameron war schon aufgesprungen und hinaus, wo James immer noch stand.
    "Chase und Reid, Sie testen auf Granulozytopenie, Foreman und Dorian auf Splenomegalie."
    Sie nickten und machten sich auf den Weg. An der Tür drehte Chase sich nochmal um.
    "Der Onkologe steht schon auf dem Gang. Sollten wir ihn nicht auch hinzuziehen?"
    Ich schüttelte den Kopf. "Noch nicht..."
    Damit schloß ich die Tür, zog die Blenden vor und sperrte ab.
    Das Telefon stöpselte ich aus und stellte mein Mobile ab.


    Nachdem ich eine Stunde so mit dem Kopf auf den Armen am Schreibtisch verbracht hatte, klopfte es vernehmlich.
    "Dr. House? Wir sind es...die Tests sind fertig..."
    Ich blickte zerknautscht auf und humpelte benommen zur Tür.
    "Ähm...tut mir leid, ich war etwas...abgetreten", meinte ich und setzte mich wieder hin.
    Abwesend stubste ich mit einem Kugelschreiber auf die Tischplatte und hörte kaum zu.
    "House? Haben Sie das gehört?", fragte Foreman schließlich und fasste mich am Arm.
    "Wie?" Ich blickte auf und rieb mir über die Augen. "Entschuldigung, ich war nicht bei der Sache."
    Chase und Cameron sahen mich besorgt an, Reid und Dorian wussten nicht so recht, was sie davon halten sollten. "Sie sollten nach Hause gehen und eine Runde schlafen", schlug Chase vor.
    Ich nickte. "Das werde ich tun. Ich bin dann in ca. zwei Stunden wieder hier..."
    "Alle Tests waren positiv", meinte Dr. Reid zaghaft.
    "Das habe ich befürchtet. Foreman, könnten Sie Wilson hinzuziehen? Er sollte auf multifokale bzw. unifokale Tumore aus erosiv expandierenden und mehrkernigen Langerhans-Zellen testen...Und auf Eosinophile, Neutrophile, Lymphozyte und Plasmazellen."
    "Okay", nickte dieser und ich nahm meine Tasche.
    "Gut, dann bis später..."

    Auf dem Gang blickte ich mich verstohlen um, ob Wilson auch nicht in der Nähe war und machte mich dann so schnell es ging auf den Weg zum Parkhaus.

    Jetzt sitze ich hier zu Hause und kann immer noch nicht fassen, was ich da von mir gegeben habe. Ich hoffe, ich kann ihn überzeugen, es sei alles ein dummer Witz gewesen.
    Jetzt werde ich mich erstmal eine Stunde hinlegen und danach zurück ins PPTH fahren. Ich fühle mich, als hätte ich 48 Stunden durchgearbeitet.

    Botulismus

    Eben kam ein Fall hereingeflattert - kurz, nachdem James mich aus seinem Büro geworfen hat...
    Der Mann sieht doppelt, er hat Schluck- und Sprechbeschwerden und nach unserem Besuch begann sich vom Kopf aus eine Lähmung auszubreiten.
    Er war so dumm, eine verdorbene Wurstkonserve zu essen... Botulismus also.
    Gut, wir haben es ziemlich früh festgestellt - es war ein reizloser Fall, langweilig und so klar. Nun bekommt er ein Antitoxin, welches das frei im Blut zirkulierende Botulinustoxin der Typen A, B und E inaktivieren kann.

    James war auf jeden Fall ziemlich angepißt und hat gleich seinen Klinikdienst begonnen. Ich denke, er ist nun fertig damit und werde gleich mal vorsichtig den Kopf in sein Büro stecken.
    Vorher schaue ich in der Küche nach, ob noch jemand irgendwo Toast versteckt hat - ich habe große Lust auf einen Erdnußbuttertoast mit Marmelade.
    Drücken Sie mir die Daumen, dass James wieder besser gelaunt ist. Ich habe mein Konto bei ihm in der letzten Zeit ziemlich überzogen...

    Allenbys Laune

    Obwohl ich ihn vorgewarnt habe, wundert James sich über Allenbys Laune...
    Wahrscheinlich wird er mich gleich dazu befragen, wenn ich mir einen Kaffee bei ihm abholen gehe.
    Ich werde mal lieber schweigen, er kann es ja hier lesen. Dann bin ich außer Reichweite, wenn er mir meinen Stock entreißen will um ihn mir auf den Kopf zu schlagen.

    Najaaaaa....jedenfalls bin ich Allenby auf dem Heimweg noch begegnet, nachdem er versucht hatte, mich zu besuchen und mit mir zu reden. Ich stand grade bei Starbucks und genehmigte mir einen schnellen Espresso, als ich meinen Namen rufen hörte.
    "Gregoryyyyy!"
    Ich drehte mich um und wurde gewahr, dass Allenby auf mich zustürzte.
    "Hi, Louis", meinte ich bloß müde.
    Er sah mich mit dem Blick eines verletzten Rehkitzes an. "Ich habe eben versucht, dich zu besuchen...Aber es war ja nur Dr. Wilson zu Hause..."
    Ich zuckte die Achseln. "Offensichtlich...Ich stehe ja hier..."
    Bei dem Gedanken, dass James ihm geöffnet hatte, musste ich ein Grinsen unterdrücken.
    "Du gehst jetzt zu ihm nach Hause, nicht wahr?"
    Ich nickte. "Ja, ich habe endlich frei. Wieso?"
    Er druckste herum. "Najaaaa...ich...ich..."
    Ich atmete tief durch. Herr, gib mir die Gelassenheit...
    Schließlich brachte er es heraus. "Als ich neulich mit dir reden wollte, hat er doch nach dir gerufen..."
    Ich grinste. "Jaaaaaaa...und?"
    "Ich wollte...einfach wissen ob...ob Ihr..." Er seufzte tief. "Als, ob Ihr ein Paar seid..."
    Er sah aus, als wolle er am liebsten im Boden versinken und ich betrachtete ihn interessiert. "Wieso wolltest du das wissen?"
    Er zuckte hilflos die Achseln. "Nur...so?"
    "Und? Was hat er dir gesagt?"
    "Er war total baff...Und er hat mir gesagt, dass da nichts ist und erklärt, warum er bei dir ist."
    Gedankenverloren nahm ich einen Schluck Espresso und musste grinsen, als mir ein fieser Gedanke kam, der mir Allenby ein für alle Mal vom Halse schaffen würde.
    "Ach weißt du", begann ich, "er ist einfach nur schüchtern..."
    Allenby zuckte zusammen. "Was?!"
    Ich schaute ihn ernst an (was mir verdammt schwer fiel). "Er gibt es nicht gerne zu vor anderen Leuten...Also wäre ich dir auch sehr verbunden, wenn du es für dich behalten würdest."
    Es war unübersehbar, dass seine Augen sich mit Tränen füllten und er schluckte.
    "Wie...", begann er und musste sich dann erstmal über die Augen wischen. "Wie lange schon?"
    Ich tat, als würde ich nachdenken. "Och...nicht sooo lange...ein paar Wochen erst..."
    Er schniefte. "Dann hat sich für ihn ja alles zum Guten gewendet..."
    "Hm?"
    "Nichts..."
    Ich trank meinen Espresso aus und wandte mich zum Gehen. "War sonst noch was?"
    Er schüttelte verloren den Kopf und tat mir fast leid. Aber nur fast.

    Und wie ich später von James hörte, hat er ja nun einen Interessenten...Dieser Kerl vom Typ Ben Affleck, den er neulich behandelt hat.

    Frühstück

    ...wäre jetzt gut.
    Irgendwie habe ich plötzlich einen unglaublichen Hunger.
    Ich werde mal den Kühlschrank in unserer Küche inspizieren, vielleicht liegt ja was Nettes darin.
    Wenn ich mich hintraue, werde ich mir auch gleich bei James einen Kaffee abholen.
    Ich weiß ja nicht, welchen Konsum an Kaffee Ginger im Zentrallabor gewöhnt ist, aber er muss definitiv geringer gewesen sein als hier. Sie hat popelige 5 Tassen aufgesetzt und da sich alle anderen vor mir bedient hatten, war nur noch ein Rinnsal übrig, das grade mal den Boden meiner roten Tasse bedeckte.
    Noch ein Punkt, um meine Laune zu steigern.
    Ich habe eine ganze Kanne starken Kaffees aufgesetzt, brauche aber jetzt einen. Also werde ich mal zu meinem genervten Freund rüber gehen, der schon wieder meine Launen abbekommt.
    Aber...ich bin immer noch...angefressen. Und ich denke schon, dass ich Grund dazu habe.

    Back at PPTH...yet another Monday morning

    Uärks!
    Da ist er wieder!
    Montag!
    Wir hätten gut und gerne noch einen Tag blau machen können, aber James bestand darauf, zurück an die Arbeit zu gehen.
    Sein Fuß sein nicht mehr so geschwollen und er könne nicht verantworten, noch länger damit zu Hause zu bleiben.
    Ich könnte...

    Ich könnte auch grade den 8Ball durchs Fenster schlagen. Und ich würde dabei hoffen, dass er beim Aufprall unten jemandem den Schädel zertrümmert.
    Wäre ja nicht schlimm, die Notaufnahme ist nicht weit.
    Meine Laune ist bescheiden, ich bin innerlich unglaublich hippelig, mich stört die Fliege an der Wand und ich könnte jedem eine klatschen, der mir begegnet.
    Die armen Entchen tun mir jetzt schon beinahe leid.
    Nun, apropos Entchen, ich werde dann tatsächlich diese Woche mal mit Chase einen trinke gehen. Mittwoch wäre gut... Da hat doch auf der 5th Avenue... Aber egal. Hauptsache, er fängt bei mir nicht das Füßeln an, wie er es mit Foreman getan hat.

    Diese Tests, die Wilson und Cameron gemacht haben

    Ja, hier sind dann auch meine Ergebnisse.
    Ich frage mich wirklich, wer am PPTH so krank ist, solche Tests zu entwerfen...

    Dr. Gregory House
    80% Eccentricity, 55% Confidence, 5% Kindness

    Congratulations, you're the man himself, Dr. Gregory House! You're quite strange, and usually do your own thing regardless of what anyone else thinks. This is partially because a person with an ego as large as yours could not care less what anyone else thinks or feels about anything. Unless, of course, they're your patient and they're dying--but only if they're dying of something interesting! You're a definite asshole to most other people, but at least you know how to be one in style, with an awesome wit, comfortable sneakers, and a never ending variety of facial expressions.

    Link: The House, MD Personality Test written by freedomdegrees on OkCupid Free Online Dating, home of the The Dating Persona Test

    Which House M.D. Character Are You?

    You are Dr. Greg House!Yes, you are narcissistic, but you have reason to be. Youre smart, and on the top of your game. Who needs friends, emotions, and a social life when youre the best?
    Take this quiz!



    Tja, und hier kan man das Ergebnis nicht anzeigen, aber es war House/Wilson...ähem...

    Sunday, October 22, 2006

    Ein schöner Abend

    Später als ich dachte kam ich endlich nach Hause. Ich war überascht, als ich eintrat, alles von Kerzen erleuchtet zu finden - es war unglaublich gemütlich.
    Auf dem Tisch stand eine Flasche Single Malt, daneben zwei Gläser und eine Zigarre.
    Ich grinste. Sehr aufmerksam. Ohne es zunächst zu merken, seufzte ich auch leicht.
    Wie anders das war, nach Hause zu kommen und man wurde erwartet.
    Ich schaute mich um, nachdem ich meine Jacke weggehängt hatte. "James?"
    Keine Antwort.
    Bei näherem Hinsehen entdeckte ich, dass der Türspalt zum Badezimmer hin erleuchtet war und lächelte in mich hinein. "Da steckst du also", rief ich rüber und trat ins Bad ein.
    Immer noch keine Reaktion. James lag vollkommen gedankenverloren in der Wanne, auf der Ablage hatte er Rasierzeug bereitgelegt, um seinen verwegenen Drei-Tage-Bart zu entfernen.
    "Hallo?", meldete ich mich noch einmal. James rührte sich nicht und schien ganz weit weg zu sein.
    Also setzte ich mich auf den Wannenrand und wartete, dass er wieder auftauchte von wo auch immer er war. Ich betrachtete ihn und verspürte ein Ziehen im Magen. Leicht verwirrt wandte ich den Blick ab und schaute meine Fingerspitzen an.
    Ob ich diesen Traum doch nicht einfach so abtun sollte?
    Gedankenverloren schaute ich James wieder an, als er plötzlich zu seinem Rasierzeug griff und dabei an meine Hand stieß.
    Erschrocken riss er die Augen auf. "Greg!", rief er aus. "Gott, du hast mich zu Tode erschreckt!"
    Ich grinste ihn schief an. "Du warst so in Gedanken, da wollte ich dich lieber nicht stören."
    James griff sich theatralisch ans Herz. "Du hättest es fast geschafft, dass man mich hätte einliefern müssen."
    Achselzuckend meinte ich, dass dies nicht meine Absicht war. "Ich hab sogar deinen Namen gerufen, als ich heimkam. Aber du warst wohl zu abgetreten."
    James schien mich mit seiner Hand aus dem Bad wedeln zu wollen und meinte, ich solle verschwinden, er wolle sich nun rasieren.
    Im Rausgehen einigten wir uns noch auf chinesisches Essen und bevor ich mich aufs Sofa warf, bestellte ich schonmal.
    Dann goß ich mir zufrieden einen Single Malt ein, zündete mir eine Zigarre an, legte die Beine hoch und lehnte mich zurück.
    Wieso war ich eigentlich so zufrieden? Ich fühlte mich wie eine Katze, die sich in einem gemütlichen Haufen Decken eingerollt hat, dabei war ich doch grade dabei, herauszufinden, das auch ich einen solchen 'jemand' habe. Und dass es mir mächtige Probleme einhandeln würde, wenn ich es vor mir selber wirklich eingestehen würde.
    Aber das war mir momentan ganz egal und ich fühlte mich einfach nur wohl.
    Plötzlich wurden mir Glas und Zigarre aus der Hand genommen.
    "So...und jetzt müssen wir reden", sagte James und blickte mir direkt in die überraschten Augen.
    "Hähm? Worüber?"
    "Über das, was dich gestern so angefressen hat..."
    Ich winkte ab. "Ist schon okay. Da gibt es nichts zu erzählen...."
    "Ach? Dshalb hast du dich auch so eingeigelt, oder?"
    Der Lieferservice rettete mich und James humpelte zur Tür. Dass er auch bezahlte, lag eigentlich nicht in meiner Absicht, aber er tat es.
    Er verteilte alles auf Tellern und kam damit zum Tisch zurück.
    Ablenkend begann ich, von dem Fall heute zu erzählen, aber ich sollte nicht so leicht davonkommen.
    "Du solltest mir lieber erzählen, was los war mit dir..."
    Ich zögerte.
    "Ich...."
    James sah mich aufmerksam an.
    Ich schaute auf meine Gabel und spielte mit den gebratenen Nudeln.
    "Ich kann nicht..."
    "Du kannst!"
    "Ich kann nicht...bitte..."
    Etwas in meinem Blick muss ihm gezeigt haben, dass ich nicht bloß trotzig war.
    "Okay", seufzte er. "Später vielleicht?"
    Ich nickte. "Mhm...vielleicht..."
    Er nahm mich in der Arm und murmelte etwas Jiddisches das klang wie ikh hob dikh lib.

    Friday, October 20, 2006

    Es geht heim!

    Endlich!
    Soviel zu "So wie Sie aussehen gehen Sie nach Hause!"
    Zack! Geht der Pieper...
    Aber es war überaus interessant. Sooo oft kommt man nicht mit einer modifizierten Art der Pest in Berührung.
    Armer Kerl....sah fürchterlich aus.

    Eben habe ich bei James gelesen, dass er nervös ist. Dabei haben wir unseren Streit doch beigelegt - Gott sei Dank!
    Ob er mir böse ist wegen des merkwürdigen Traumes? Sowas passiert mir anscheinend öfter bei Vicodin und Alkohol.

    Irgendwie ein schönes Gefühl, heimzufahren und zu wissen, es ist jemand da.

    Gott!

    Jetzt ist es raus.
    Ich habe kurz überlegt, meine Antwort auf den Kommentar zum Post hierunter zu löschen, weil ich nicht zum Gespött des ganzen PPTH werden möchte, aber hey, kann sowas nicht jedem mal passieren?
    Ich bin bloß idiotisch gewesen, mich so darüber aufzuregen.
    Oder?

    Jim's Verdacht

    ...ich hätte von Stacy geträumt stimmt nicht.
    Ich habe das eben erst richtig gelesen bei ihm.
    Die Beschreibung seiner medikamenteninvozierten Halluzination hat mir erstmal kurz den Rest gegeben, weil sie ziemlich meinem Traum ähnelte - aber nein, es war nicht Stacy.
    Das hätte mich wohl kaum so aus der Fassung gebracht.
    Aber ich habe mich wieder einigermaßen gefangen, Vicodin helfen auch da ganz gut, und bin heilfroh - mir fallen immer noch dicke Steine vom Herzen.

    Die Stimmung ist nun etwas besser

    Ich habe mir ein Herz gefaßt und bin ins Schlafzimmer getreten. Vom Bett her hörte ich meinen Namen leise gemurmelt - gut, er war also wach und immerhin bereit, mit mir zu sprechen.
    Ich trat aufs Bett zu und war überascht, ihn doch noch schlafend vorzufinden.
    "James?", fragte ich sachte.
    Er bewegte sich leicht und knautschte mit einer Hand mein Kissen, das er an sich gedrückt hielt.
    Shit...es war noch verdächtig nass...

    "James?", fragte ich nochmal und rüttelte leicht an seiner Schulter.
    "Hmmmm?", kam es verschlafen von ihm als würde er aus tiefen Träumen auftauchen.
    "Hast du Hunger?"
    "Öh?", fragte er und blinzelte mir entgegen.
    Ich versuchte ein zaghaftes Lächeln.
    "Hallo..."
    "Hallo", erwiderte er nur.
    "Hm..also...hast du Hunger?"
    James richtete sich auf und starrte peinlich berührt auf mein Kissen, welches er unauffällig neben sich zu legen versuchte. Dann sah er auf und nickte. "Mordshunger..."
    Ich zog ihm die Decke weg. "Na dann...es ist angerichtet."
    Etwas unsicher tapste James mit Krücke und im Schlafanzug ins Wohnzimmer - der Anblick ließ mir das Herz zusammenkrampfen - und schaute staunend auf den gedeckten Tisch.
    "Du hast gekocht?", fragte er überrascht und setzte sich hin.
    Ich nickte leicht verlegen und legte wieder die Dido CD ein, bevor ich mich setzte. Ich war so froh, dass er relativ normal mit mir sprach.

    "Ich habe einiges wiedergutzumachen", murmelte ich und winkte mit der Weißweinflasche. "Meinst du, wir sollten uns das antun oder lieber nicht?"
    "Den Wein?", fragte er. "Klar, wieso nicht...er paßt zum Essen und schlimmer wird es nach den Tabletten sicher auch nicht mehr..."
    Ich goß uns also ein und ärgerte mich, dass meine Hand dabei leicht zitterte. Natürlich bekam James das mit und schaute mich forschend an.
    "Du siehst nicht gut aus", meinte er, als ich saß.
    "Danke...Ich bin ein Idiot." Ich studierte kurz meinen Teller und sah dann wieder auf. "Gut...dann hoffentlich guten Appetit..."

    Meine Sorge wegen des Essens war unberechtigt. Es war wirklich gut.
    "Greg, das schmeckt hervorragend", meinte James noch kauend und lächelte mir zaghaft zu.
    Ich versuchte ebenfalls ein Lächeln und schweigend aßen wir weiter. Dieses Mal war das Schweigen nicht so unangenehm wie im Auto, aber es war zu spüren, dass einiges unausgesprochen in der Luft lag.
    Mit unseren Gläsern und der Weinflasche zogen wir aufs Sofa um und hörten Dido zu, wie sie Thank you sang.
    "Dir habe ich auch zu danken...", begann ich unbehaglich und drehte das Weinglas in meiner Hand.
    "Zu danken?"
    Ich schluckte kurz. "Hmh...ja. Du hast mich nicht zum Teufel geschickt nach meinem Benehmen gestern. Obwohl du alle Grund gehabt hättest."
    James schaute mich nur an, sein Blick war unergründlich und seine Augen wirkten wie warme, tiefe Abgründe, in die ich mich fallenlassen wollte.
    Ich wandte den Blick ab und fuhr fort. "Das hat mir ziemlich zu schaffen gemacht...Ich hatte wirklich Angst davor."
    Ich war nicht gut in sowas und innerlich krümmte ich mich zusammen, weil ich nicht einfach eine ironische Bemerkung heraushauen konnte, wollte ich mich wirklich entschuldigen.
    James griff nach meiner Hand und abwesend verschänkte ich meine Finger mit seinen. Es fühlte sich erstaunlich gut an, obwohl ich so etwas normalerweise nie getan hätte.
    "Ich habe dir schonmal gesagt, dass ich dich nie zum Teufel jagen würde. Manchmal bist du ein Arsch und treibst mich fast in den Wahnsinn, aber du bist und bleibst mein bester Freund..."
    Ich sah in bloß schweigend an, er schaute eine Weile zurück und fragte dann "Möchtest du darüber reden, was dich gestern so fertiggemacht hat?"
    Ich zuckte die Achseln. "Ich bin nicht sicher, ob ich es selber so genau weiß...Ich bin einfach mit mir selber nicht mehr zurecht gekommen...."
    James nickte nur, zog mich mit meiner Hand näher zu sich heran und nahm mich in den Arm.
    Dieses Mal versetzte ich ihm keinen Stoß in die Rippen, sondern erwiderte die Umarmung. Sie war warm, angenehm und roch nach Wilson. Ich schloß die Augen und wir saßen eine ganze Weile so - und ich wußte, dass ich es nicht geschafft hatte, unsere Freundschaft kaputtzumachen. Der Stein, der mir vom Herzen fiel, hatte die Größe von Texas.

    Lachs mit grünen Bandnudeln

    Ich denke, ich habe es gut hinbekommen.
    Es riecht gut, und was ich bisher probiert habe, schmeckt auch gut.
    Ich habe auch versucht, den Tisch ein wenig herzurichten und hoffe, das besänftigt ihn ein wenig.

    Nun traue ich mich kaum, ihn zu wecken und im Hintergrund singt Dido Take my hand.
    Touch my skin and tell me what your thinking,
    take my hand and show me where we're going
    Lie down next to me,
    look into my eyes and tell me,
    oh tell me what you're seeing

    So sit on top of the world and tell me how you're feeling,
    what you feel is what I feel for you
    Take my hand and if I'm lying to you,
    I'll always be alone, if I'm lying to you

    See my eyes, they carry your reflection,
    watch my lips and hear the words I'm telling you
    Give your trust to me and look into my heart and show me,
    show me what you're doing

    So sit on top of the world and tell me how you're feeling,
    what you feel is what I feel for you
    Take my hand and if I'm lying to you,
    I'll always be alone, if I'm lying to you

    Take your time, and if I'm lying to you,
    I know you'll find that you believe me, you believe me, you believe me
    Feel the sun on your face and tell me what you're thinking
    Catch the snow on your tongue and show me how it tastes
    Take your time
    Take my hand and if I'm lying to you, I'll always be alone,
    if I'm lying to you
    Take your time and if I'm lying to you,
    I know you'll find that you believe me, you believe me

    Bevor das Essen kalt wird, begebe ich mich nun in die Höhle des Löwen...

    Wilson ist zurück

    Endlich habe ich eine Antwort erhalten. Sie besteht nur aus einem knappen 'OK', aber immerhin eine Antwort und keine Briefbombe.
    Bevor ich losfuhr, habe ich mir eine weitere Lexapro eingeworfen, dazu eine Vicodin und mir dann ein wenig Mut eingeredet.
    Auf der Fahrt wurde ich ein wenig leicht in den Armen, aber es ging mir besser.
    Mein Mut sank erst wieder, als ich in Wilson's Einfahrt parkte und zur Tür humpelte.
    Zögerlich klingelte ich mit dem Griff meines Stocks und überlegte kurz, gleich wieder wegzulaufen. Aber mit meinem Hinken wäre ich wohl nicht weit gekommen.

    Es dauerte ein Weilchen, bis er öffnete und ich dachte schon, er würde mich vor der Tür stehen lassen und war gerade dabei, mich umzuwenden, als die Tür schließlich aufging. Betreten sah ich ihn an - er sah ziemlich verheult aus und hatte offensichtlich auch Probleme mit seinem Fuß. Was Wunder nach einer Nacht im Wohnzimmer... Immerhin war er nicht mehr im Schlafanzug, aber ich konnte ihm kaum in die Augen sehen. Zum Teil, weil ich nicht wollte dass er meine erweiterten Pupillen wahrnahm, aber hauptsächlich, weil ich mich so schuldig fühlte.
    Zusätzlich fiel mir noch der Zettel in seinem Büro ein und ich verfluchte mich dafür, ihn nicht weggeworfen zu haben.
    So standen wir uns in der Tür gegenüber, schwiegen uns an, ich klopfte mit dem Stock auf den Boden und sah ihn ab und an von unten herauf an. Dabei bemerkte ich, dass er selber auch ziemlich abgetreten aussah - wahrscheinlich hatte er den Vicodin zugesprochen. Ich konnte es ihm nicht verdenken.
    Schließlich räusperte ich mich und brachte ein "Wollen wir?" heraus.
    James nickte, trat heraus und schloß die Tür.
    Immer noch schweigend gingen wir zu meinem Auto und ebenso schweigend fuhren wir zu mir nach Hause.
    Verdammt, warum ist es bloß so schwer, sich zu entschuldigen? Ich versuchte ein paar Mal zu beginnen, verschluckte die Worte aber gleich wieder.
    Auch James sah mich einige Male von der Seite her an, sagte aber kein Wort.
    Deprimierend, so ein Schweigen hatten wir noch nie.
    Sicher hatten wir uns schon oft gestritten, das bleibt bei mir einfach nicht aus. Aber meist haben wir mit einem blöden Kommentar alles wieder wettgemacht.
    Heute scheint das nicht zu klappen und ich habe Angst, etwas sehr Wertvolles zerbrochen oder zumindest angeknackst zu haben.

    Wortlos gingen wir ins Haus und als Wilson mich dann ansah und endlich den Mund öffnete, kündigte er bloß an, er müsse sich kurz hinlegen und humpelte mit einer Krücke in mein Schlafzimmer. Ich schickte ein kurzes Stoßgebet gen Himmel, mein vollgeheultes Kissen möge getrocknet sein und setzte Kaffee auf.

    Dann ließ ich mich aufs Sofa fallen und verfluchte die Lexapro, die einen Scheißdreck zu helfen schienen, außer meine Arme in ein schwebendes Gefühl zu versetzen. Ich hatte allerdings auch Angst, dass meine Gedanken wieder das Kreiseln begannen und fuhr kurzentschlossen in die Mall, um einzukaufen.

    Jetzt bin ich zurück, mit Lachsfilet, grünen Bandnudeln, Crème Fraîche und anderen Leckereien und werde versuchen, gleich ein Entschuldigungsessen hinzubekommen. Ich habe zwar einen guten Weißwein dazu besorggt, weiß aber noch nicht, ob das bei unser beider Medikamentenkonsum heute das richtige wäre.
    Wir werden sehen.
    Vielleicht möchte James auch gar nicht mit mir essen und fährt lieber wieder heim.

    Eben saß ich kurz bei ihm am Bett und habe ihm alles mögliche erzählt, aber er hat tief und fest geschlafen.

    Konsultation bei Foreman und Happy Pills

    Ich habe meinen Gedanken in die Tat umgesetzt und bin zu Foreman rübergehumpelt.
    Der sah ziemlich überrascht von der Akte auf, die er gerade las.
    "House? Was tun Sie denn hier? Ich dachte, Sie und Wilson sollen erst heute Mittag anfangen..."
    Ich zuckte die Achseln und ließ mich in seinen Besucherstuhl fallen.
    "Sieht so aus als hätte ich Sehnsucht nach der Arbeit gehabt..."
    Er musterte mich eingehend. "Sieht momentan eher nach Todessehnsucht aus..."
    Ich stubste eine Weile meinen Stock auf den Boden, denn es fällt mir immer schwer, offen zu reden ohne mich hinter meinem Sarkasmus zu verstecken. Also blickte ich irgendwann auf und sagte bloß "Ja, es geht mir nicht sonderlich gut. Ich wollte Sie bitten, mal durchzuchecken, ob neurologisch gesehen alles in Ordnung ist mit mir."
    Foreman zog die Brauen hoch und schaute mich eine Weile bloß an. Schließlich nickte er.
    "Gut, mehr werden Sie mir wohl ohnehin nicht sagen."

    Wir waren dann ca. eine Stunde mit den verschiedensten Tests beschäftigt und Foreman bestätigte mir dann, dass soweit absolut alles in Ordnung sei. Allerdings presste ich noch ein Rezept für Lexapro aus ihm heraus. Er verschrieb es mir nur ungern, aber ich wollte diesen Zustand keine Sekunde länger hinnehmen und er wußte, dass ich mir sonst kurzerhand selber ein Rezept ausgestellt hätte.

    Schnurstracks lief ich zum Apotheker und holte es ab. Er schaute auf den Zettel. "Dr. Foreman hat das für Sie ausgestellt?"
    "Haben Sie ein Problem damit?!", herrschte ich ihn an und er beeilte sich, den Kopf zu schütteln.
    Bewaffnet mit dem Lexapro schlurfte ich zurück in mein Büro. Auf dem Weg kam ich bei Wilson vorbei und stand mindestens fünf Minuten unentschlossen vor der Tür. Schließlich rang ich mich durch und steckte zaghaft den Kopf zur Tür herein - aber das Büro war leer.
    Bevor mich der Mut verließ, Wilson zurückkam oder ich es mir anders überlegte, kritzelte ich ihm schnell ein Post-It.
    "Es tut mir leid. Ich vermisse dich."
    Es tut mir fast körperlich weh, so offene Worte von mir zu geben, und seien sie bloß auf ein Post-It gekritzelt. Ehe ich zu lange darüber nachdachte, den Zettel wieder wegzuwerfen, wandte ich mich um und ging zurück in mein Büro, wo ich erstmal eine Lexapro einwarf.

    Zurückgelehnt im Stuhl wartete ich auf die Wirkung, als Chase hereinschneite. Natürlich hatte er nicht angeklopft - er war ebenso wie Foreman davon ausgegangen, dass ic noch nicht da war.
    "Oh....Dr.House...Sie sind schon hier...Entschuldigung, ich wollte nur diese Akte..."
    Ich öffnete die Augen und unterbrach ihn.
    "Danke für die Mail, Chase."
    Wie vom Donner gerührt starrte er mich an. "Was?"
    "Danke für die Mail, Chase", wiederholte ich und spielte mit meinem Stock herum. "Ich hasse Sie nicht."
    "Tun Sie nicht?"
    Ich schüttelte den Kopf. "Nein."
    Chase fühlte sich offensichtlich unbehaglich. "Wissen Sie, das war nicht allzu leicht für mich, das zu schreiben."
    Ich seufzte. "Kann ich verstehen. Ich kann sowas überhaupt nicht. Nur im Herauspressen von anderen bin ich groß..."
    Chase runzelte die Stirn. "Alles in Ordnung? Sie sehen nicht gut aus."
    "Geht schon", winkte ich ab und lehnte mich wieder zurück und schloss die Augen.
    Chase verschwand leise mit der Akte, die er gesucht hatte. Sicherlich war es ihm unheimlich, wie ich mich verhielt und dass er nicht angepflaumt wurde.

    Ich denke mal, dass er Cuddy Bescheid gesagt hatte, denn eine Viertelstunde später klopfte es und sie trat ein.
    "Was tun sie hier, House?"
    Ich öffnete die Augen. "Ich mache nur eine kurze Pause und gehe gleich in die Klinik...."
    "Wo ist Wilson?"
    Ich richtete mich auf. "Er ist nicht hier?"
    "Neiiiin?", sagte sie gedehnt mit einem fragenden Unterton. "Sie sollten doch auf ihn achten!"
    Ich fuhr kurz mit der Hand über meine Augen. "Das hat nicht so gut geklappt...."
    Cuddy schnaufte. "Haben Sie es nun etwa geschafft, sogar ihn vor den Kopf zu stoßen? Wie sehen Sie eigentlich aus? So sollten Sie überhaupt nicht hier sein!"
    "Wie?", fragte ich leicht abgetreten, denn das Lexapro begann zu wirken.
    "Sie packen ihre Sachen und fahren heim! Und schauen sie nach Wilson!"
    "Okay....", meinte ich resigniert, nahm meine Tasche und humpelte an ihr vorbei.

    Ein weiterer Blick in James' Büro zeigte mir, dass er immer noch nicht am Platz war. War er am Ende überhaupt nicht hier? Hatte Cuddy Recht?
    Ich humpelte in mein Büro zurück und las in seinem Blog nach.
    Der Spinner.
    Im Schlafanzug nach Hause.
    Aber wenn ich lese, wie es ihm geht, finde ich meine eigene Stimmung plötzlich lächerlich.
    Ich habe gefragt, ob ich ihn abholen soll, habe aber noch keine Antwort erhalten. Ich bin unschlüssig, ob ich einfach hinfahren soll.

    Dido im Büro

    Ich liege im Sessel in meinem Büro, habe mir still und leise einen Kaffee genommen und bin noch niemandem begegnet hier.
    Die Blenden habe ich geschlossen und höre Dido.
    My lover's gone
    his boots no longer by my door
    he left at dawn
    and as I slept I felt him go
    Returns no more
    I will not watch the ocean
    My lover's gone
    no earthly ships will ever bring him home again
    bring him home again

    My lover's gone
    I know that kiss will be my last
    no more his song
    the tune upon his lips has passed

    I sing alone
    while I watch the ocean
    My lover's gone
    no earthly ships will ever bring him home again
    bring him home again

    Ein deprimierendes Lied. Ich könnte fast wetten, dass Cameron es auch auf ihrer CD hat.
    Ich sollte irgendwas Produktives tun, anstatt hier genauso elend abzuhängen wie zu Hause.
    Es geht mir ausgesprochen schlecht und ich erkenne mich selbst kaum wieder.
    Vielleicht sollte ich mich mal von Foreman durchchecken lassen.

    Er ist weg

    Ganz großes Kino...
    Wir haben ein paar angepißte Kommentare über die Blogs und deviantARt verschickt anstatt miteinander zu reden.
    Jetzt habe ich mich entschlossen, endlich meine "Insel" zu verlassen und sehe, dass er weg ist. Einen Zettel hat er mir hinterlassen. Ich sei ein Idiot und er wäre nun im PPTH.
    Ich muss wirklich ziemlich angefressen sein, denn ohne es wirklich zu merken habe ich schon wieder vor mich hingeheult.

    Gott, ich bin peinlich!
    Unerträglich!
    Ein selbstgefälliger Widerling.

    Einen Freund wie ihn habe ich ohnehin nicht verdient und all meine Gedanken von gestern und die Sorge, die sie mir bereitet haben, sollten sich nun langsam in Luft auflösen. Wenn wir uns nicht mehr sehen (oder kaum noch sehen), brauche ich mir auch keine Sorgen mehr machen.
    Momentan allerdings fühlt sich alles doppelt schlimm an und jede Faser meines Körpers tut mir weh.
    Ich habe nicht sonderlich gut geschlafen, mich im Schlaf verlegen, habe Kopf- und Halsschmerzen, vom Bein ganz zu schweigen.
    Ich werde jetzt mein Heldenfrühstück einnehmen, duschen und mich ins Krankenhaus trollen.

    Zur Abwechslung sollte ich mal etwas vernünftiges tun und Chase für seine Brief danken. Ohne dusselige Kommentare hinzuzufügen.
    Und dann ein paar Leben retten.

    Ich hab's versaut

    Ich habe mich benommen wie der hinterletzte Idiot!
    (Und ich höre fast, wie eine Menge Leute sagt 'Hey, das tut er doch immer!')
    Ich habe es geschafft, denke ich, den einzigen Freund, den ich habe, von mir wegzustoßen und ihn auf nimmer wiedersehen zu vertreiben.
    Und selbst, wenn ich mehr Freunde hätte, wäre er mir der wichtigste.
    Ich bin so ein dämlicher Hund!

    Und anstatt in die Küche zu gehen, wo ich ihn herumwuseln höre, liege ich zerknautscht auf dem Bett, höre Dido mit Here with me, hacke diesen Text in meinen Laptop und traue mich nicht heraus.
    Noch idiotischer, weil er seine Klamotten hier liegen hat und sich anscheinend auch besseres vorstellen kann, als zu mir hereinzukommen und sie zu holen.
    Was mich auch noch aufregt ist, dass ich grade merke, dass ich sogar geflennt habe. Ich! Sicherlich aus lauter Zorn auf mich selbst.

    James wollte mir nur helfen gestern abend und ich habe nichts besseres zu tun als ihn fortzustoßen und ihn mir zum Feind zu machen. Dabei kann er nichts für meine Stimmung. Zumindest nicht direkt.
    Irgendwann bin ich wie ein zorniges Kind aufgestanden, fluchend ins Schlafzimmer gegangen und habe die Tür geknallt. An James' Stelle wäre ich ziemlich überrascht gewesen.
    Im Schlafzimmer habe ich noch vor mich hingeflucht, meine Klamotten auf den Bode geschmissen und bin dann nur in meiner Boxershorts unter die Decke gekrochen. Den Kopf vergrub ich tief im Kissen und wollte einfach das Denken aufhören und die kreiselnden Gedanken anhalten.
    James hatte selbstverständlich nicht die leistese Ahnung, was hier gerade abging, da ich keinen Ton zu ihm gesagt hatte.
    Zu allem Überfluß habe ich damit sicherlich noch eine weitere zu den Sorgen gepackt, die er ohnehin schon hat.

    Leise öffnete sich die Schlafzimmertür und er setzte sich neben mich auf das Bett. Stur wie ich war/bin, tat ich so als hätte ich ihn weder gehört noch überhaupt bemerkt. Als er vorsichtig begann, mir durchs Haar zu streicheln setzte mein Herz einen Schlag aus und ich zog mir die Decke über den Kopf.
    Er wartete ein Weilchen ab, dann hörte ich, wie er sich umzog und sich schließlich ins Bett legte.
    "Greg?", fragte er leise und stubste leicht meine Schulter an, als ich mich von ihm wegdrehte. "Was ist los mit dir?"
    Ich grunzte bloß und gab keine Antwort. Die Augen hielt ich fest geschlossen und spürte, wie er sich über mich beugte. Ich glaube, eine Weile hat er mich bloß angeschaut, dann streichelte er mir über die Wange. "Möchtest du reden?"
    "NEIN!", preßte ich hinter den Zähnen hervor und der Großteil von mir wollte eigentlich nicht, dass er aufhörte, aber der andere Teil wollte sich bloß einigeln und in Ruhe gelassen werden.
    "Aber", begann er zögerlich, "es könnte dir doch helfen...Irgendwas beschäftigt dich und regt dich auf oder macht dich sogar traurig. Ich habe keine Ahnung, was es ist und dieses Verhalten macht mir Angst und Sorge..."
    "Lass mich zufrieden!", knurrte ich ihn an und zog feste die Decke um mich herum. Ich weiß, das das hart war und ihn verwirrte, wo er mir doch bloß helfen wollte.
    Plötzlich entschied er sich, mich in die Arme zu nehmen und ich stieß ihm abwehrend meinen Ellenbogen in die Rippen.
    "AUTSCH!", rief er aus und seitdem habe wir kein Wort mehr miteinander gesprochen.

    Ich denke, er hat auf dem Sofa geschlafen, denn er ging nach dem Hieb ins Wohnzimmer.
    Ich kann hören, dass er Frühstück macht, traue mich aber nicht heraus in die Küche.
    Mit Sicherheit ist er total angepisst und hat nicht die leiseste Lust, mich zu sehen und zu ertragen.
    Es wundert mich, dass er es überhaupt 10 Jahre als mein Freund ausgehalten hat und könnte es ihm kaum übelnehmen, wenn er nun geug hat.

    Thursday, October 19, 2006

    Gräßlich!

    Ich denke, ich höre jetzt auf, hier rumzusitzen und zu tippen.
    Ich sollte mich vielleicht ein wenig hinlegen und einen klaren Kopf bekommen.
    Dann weiß ich vielleicht eher, was los ist mit mir.

    Oder weiß ich es schon längst?
    Ist es bequemer und ungefährlicher, mich zu belügen?
    Verstoße ich damit am Ende gegen meine eigenen Grundsätze und auch gegen alles, was ich James dauernd predige?
    Ich weiß es nicht.
    Will ich es wissen?
    Will ich wirklich einen klaren Kopf und ungehinderten 'Blick' auf meine Gedanken und Gefühle, oder will ich mich lieber benebeln?

    Was für ein scheiß Tag.

    Es kreist und kreiselt und ziept und nagt und hört nicht auf...

    Anstatt mich darüber zu freuen, dem PPTH entkommen zu sein, sitze ich hier am Laptop, schaue ab und an (oder auch ziemlich oft) zu James herüber, der an seinem Laptop sitzt und schiebe wirre Gedanken vor mir her.

    Ich dachte, dass ich mich ablenken kann, aber das funktioniert nicht. Vielleicht sollte ich einfach keine Vicodin mehr nehmen heute, dann lenkt mich der Schmerz stärker ab als sonst. Oder ich genehmige mir noch ein paar Gläser Single Malt.
    Aber vielleicht sollte ich das auch lassen - wer weiß, was daraus würde.

    Dieser verdammte Traum geht mir nicht aus dem Kopf und ich frage mich wieso. Ich frage mich auch, wieso mir bei dem Gedanken daran schwindelig wird, der Magen sich verkrampft, mein Herzschlag sich beschleunigt und ich einen Kloß im Hals bekomme.
    Auf dem Weg in die Küche bin ich kurz eingeknickt, weil ich Gummiknie hatte - glücklicherweise blieb das unbemerkt.
    Meine Gedanke kreisen und manchmal nimmt etwas Gestalt an, das ich sofort wieder in die hinterste Ecke meines kranken Hirnes verbanne. Was für ein Tag! Wie soll der noch enden?
    Am besten denke ich einfach über ein paar Fälle nach und nicht über das, was eventuell mit mir selber los ist.

    Wobei das absolut unmöglich ist.
    Absurd.
    Abstrus.
    Verrückt.
    Nicht existent und vollkommen unmöglich.
    Und falls doch, sollte ich es so weit wie möglich von mir schieben.
    Das wäre ein absolut großes Problem.

    Verdammt, nun habe ich doch wieder zwei Vicodin genommen!
    Der Film, den James vorgeschlagen hat, ist keine sclechte Idee. Ich mag auch die Musik sehr und würde es mehr als begrüßen, mich einfach in schöner Musik, netter Handlung und Bildern englischer Landschaften zu verlieren.
    Dazu chinesisches Essen, Single Malt und Guinness - ja, das klingt gut.

    James kichert vor sich hin, er ist diese Tabletten wirklich nicht gewöhnt. Oder aber er hat eben Cameron entdeckt, die uns zu deviantART gefolgt ist.
    Seine Haare sind ihm ein wenig ins Gesicht gefallen und er sitzt ziemlich gemütlich mit hochgelegtem Fuß auf dem Sofa.

    Nach Hause geschickt

    Das muss ich rot im Kalender anstreichen!
    Cuddy hat mich nach Hause geschickt!
    Nunja...eigentlich hat sie James nach Hause geschickt. Aber da er ihr gesagt hat, dass er derzeit bei mir übernachtet und ihr vorlog, keinen Schlüssel zu haben, musste ich mit ihm heimfahren.
    Sie hat noch nichtmal über meinen Klinikdienst lamentiert.
    Und vor morgen Mittag will sie James nicht wiedersehen im PPTH und ich soll mich um ihn kümmern!
    Jauchzet! Frohlocket!
    Das bedeutet, dass auch ich bis morgen Mittag nicht ins PPTH kommen soll.
    Da hört das Nachgrübeln doch sogleich auf.

    Nachdenklich

    James hat heute ein diebisches Vergnügen daran, mich mädchenhaft zu nennen. Er schrieb in sein deviantART-Journal, ich sei 'bitchy', woraufhin ich natürlich diesen Ausdruck mokierte. Hätte ich es mal gelassen! Seitdem zieht er mich ständig auf und lacht bloß, wenn er sich einen bösen Blick dafür einfängt.
    Die letzte halbe Stunde bin ich ihm aus dem Weg gegangen, was derzeit nicht wirklich schwer ist.
    Erstens verläßt er mit den Krücken kaum sein Büro und zweitens erkennt man es gleich am schlurfenden, klackenden Geräusch, wenn er irgendwo um die Ecke kommt.

    Zum Lunch beim Italiener um die Ecke hat er mir von der Halluzination erzählt, die er gestern Abend oder Nacht anscheinend noch hatte. Nun, erzählt davon hat er nicht wirklich, denn er sagte lediglich, "sie hatte was mit Rumknutschen und Kuscheln zu tun".
    Natürlich habe ich mich über ihn lustig gemacht und ihm einen dummen Spruch gedrückt.

    Zurück im Büro, beim Kaffeetrinken und Lesen einer Patientenakte allerdings ist mir ganz plötzlich ein überaus seltsamer Traum eingefallen, den ich letzte Nacht hatte. Grob gesagt hatte er den gleichen Inhalt wie Wilsons Halluzination - nur weiß ich ja nicht, von wem er halluziniert hat.
    Eine Sekunde lang hing meine Hand mit der Kaffeetasse wie eingefroren vor meinem Mund und ich blinzelte kurz, um dieses Bild vor meinen Augen zu verscheuchen. Der Kaffee war noch sehr heiß, aber ich kippte ihn in einem Zug herunter und stand auf.
    Warum eigentlich? Ich setzte mich wieder hin und trommelte mit den Fingern auf meiner Schreibtischplatte herum.

    Mein Magen zog auf eine sehr unangenehme Art und ich lehnte mich in meinem Stuhl zurück, um meine Gedanken zu ordnen und die widerstreitenden und merkwürdigen Gefühle zu verscheuchen, welche die Erinnerung an den Traum auslöste.
    Beim weiteren Nachdenken fielen mir die diffusen Symptome ein, die derzeit immer mal wieder bei mir auftreten und die ich bislang stets auf einen verschleppten Infekt geschoben hatte.
    Was, wenn dies nicht der Fall ist?

    Vielleicht bin ich auch einfach überarbeitet.
    Andererseits war ich grade erst für ein paar Tage weg - also bin ich es auch vielleicht nicht.

    Das könnte bedeuten, dass ich in ernsthaften Schwierigkeiten bin.

    Eigentlich möchte ich nicht weiter darüber nachdenken.

    Sorge

    Ja, ich mache mir ein wenig Sorgen um Wilson.
    Nicht wegen seinem Fuß, der ist gut versorgt.
    Wegen seines 'Jemands'!
    Er weigert sich, mit mir darüber zu sprechen. Er weigert sich, überhaupt mit jemandem darüber zu sprechen und frißt alles in sich hinein.
    Eben waren wir essen (ja, ich habe sein Lunch geklaut, mea culpa) und zwischendurch war er regelrecht abgetreten.
    Er sah mich mitunter minutenlang an ohne etwas zu sagen und ich war nicht sicher, ob er mich noch wahrnahm oder ob sein Blick gleich durch mich hindurchging. Das kann nicht allein an seinen Tabletten liegen.
    Zwischendurch wird sein Blick traurig - aber nur, wenn er sich unbeobachtet wähnt.
    Das macht mir ziemlich zu schaffen, weil ich einfach nicht weiß, wie ich ihm helfen soll.
    Ich bin einfach da für ihn, er kann reden, wann immer er will oder einfach schweigen.
    Aber ich habe seine Gedichte gelesen, die er bei deviantART eingestellt hat.
    Und ich frage mich, wie er das alles auch nur eine Minute länger aushält.
    Aber er sagt es dieser Person nicht. Und so, wie er momentan reagiert, wenn ich das Thema anzusprechen versuche, wird er es ihr nie sagen.
    Ich wünschte, dieses scheiß Gewitter hätte den Rest seines Satzes nicht verschluckt, dann wüßte ich nun wenigstens, wer es ist und könnte mit Wilson darüber reden, ihm eventuell auch Mut machen.
    Aber er tut so, als sei allein der Gedanke, dass es jemals mit ihm und 'Jemand' klappen könnte, vollkommen absurd.
    Das verstehe ich nicht. Er ist doch nicht Quasimodo!
    Und er ist auch nicht...ich.
    Also, wovor hat er Angst?

    Entschuldige, James, das wollte raus. Wenn du möchtest, dass ich es lösche, sag es nur.
    Soll ich uns heute abend noch was zu essen machen? Ich hätte Lust auf Nudeln mit Pesto...

    "Kommst du gleich ins Bett?"

    Heute geht es mir gut!
    Ich könnte mich wegschmeißen vor Lachen und habe wirklich Tränen gelacht gestern Abend. Wenn ich daran denke, könnte ich immer noch in unkontrolliertes Gekicher ausbrechen - und das mag für manche Menschen, die mich kennen ein seltener und unheimlicher Anblick sein.

    Und dass, obwohl James sich weigert, sich heute krank zu melden und wir somit gleich abrauschen zum PPTH. Es wird sehr interessant werden dort, darauf könnte ich meinen Arsch verwetten.

    Also....
    Gestern Abend also.
    Ich weckte James, wir futterten die Pizza (und ja, sie ist gelungen), machten es uns auf dem Sofa bequem und schauten nun gemeinsam Dämon. (Und ich habe nun einen Ohrwurm von Time is on my side.)
    Irgendwann übermannten James wieder seine "Drogen" und er bat darum, im Bett weiter fernzusehen, da es da bequemer war, wenn er wegdämmerte. Ich zuckte die Achseln. "Von mir aus..."
    James schlurfte dankbar zu Bett und ich räumte das Geschirr weg.

    Ich war grade dabei, mir einen Oban einzugießen, als es klingelte.
    "Mist, wer ist das denn jetzt?"
    Da wer auch immer vor der Tür stand das Licht gesehen hatte, konnte ich schlecht so tun, als sei ich ausgeflogen. Mürrisch öffnete ich die Tür und sah mich einem derangierten Allenby gegenüber. Er sah aus, als habe er sich stundenlang die Haare gerauft und sehr wenig geschlafen.
    "Guten Abend, Greg. Kann ich kurz reinkommen?"
    Damit stand er auch schon im Wohnzimmer und ließ sich auf die Couch sinken.
    Ich zog eine Braue hoch. "Was, wenn ich nein gesagt hätte?"
    "Hättest du nicht...", meinte er müde und strich sich über die Augen.
    Dann sah er sich um und erblickte die beiden Gläser, die noch auf dem Tisch standen.
    "Oh...du hattest Besuch?"
    "Ja, hab ich auch schonmal. Also, was gibts?"
    Er schaute mich unsicher an und hektische Flecken bildeten sich auf seinen Wangen.
    "Ich...ich....ich..."
    "Jaaaaaaaaaaaa?" Langsam wurde ich ungeduldig.
    "Ich muss...mit dir reden..."
    Scheiße! Nein!

    Wie zur Rettung erscholl aus dem Schlafzimmer James' verschlafene Stimme. Wer nicht wusste, dass er zugedröhnt war, hätte annehmen können, es wäre die Stimme nach exzessivem Kuscheln oder gar noch ganz anderen Dingen.
    "Greeeeeeeeeg? Kommst du gleich ins Bett?"
    Allenbys Gesichtszüge entgleisten und er sprang auf.
    "War..ist...Ist das Dr. Wilson?"
    Ich nickte. "Ja, mein Besuch."
    Er stammelte eine Entschuldigung und war so schnell aus der Tür, dass ich kaum seine Bewegung wahrnahm.
    Mein schallendes Lachen hat er eventuell noch gehört.

    Ich bin sicher, einer von uns beiden wird heute Besuch von ihm bekommen.

    Wednesday, October 18, 2006

    Sonntag IV

    Wir sind heimlich zu Wilson nach Hause gefahren und er hat rasch ein paar Sachen zusammengepackt. Julie war glücklicherweise nicht da.
    Jetzt liegt er auf meinem Sofa und schläft noch eine Runde - er ist ziemlich ausgeknockt von seine Medikamentenmix. Mal sehen...je nachdem, wie es ihm morgen früh geht, melde ich uns beide kurzerhand krank.
    Die Pizza habe ich eben in den Ofen geschoben - es riecht wirklich schon gut und ich denke, sie wird schon gelingen. Auf dem Weg nach Hause habe ich noch ein paar Flaschen alkoholfreier Getränke besorgt - James sollte heute nicht auch noch Alkohol zu seinem Drogencocktail hinzufügen. Er sieht so friedlich aus auf dem Sofa. Es ist seltsam, dass ich immer wieder zu ihm rüberschauen muss.

    Aber weiter im Text zu Sonntag. Ja, ich habe die Bedienung bezahlt, um nicht mit Allenby zu reden. Ist das tatsächlich so schlimm? Was würden SIE denn tun, wenn ihnen in einem Kurzurlaub jemand begegnete, mit dem Sie nun überhapt nicht sprechen wollten?
    Genützt hat es leider gar nichts.

    Ich lugte unter dem Tisch hervor und sah, wie er sich genau drei Tische weiter mit einem Mann, der in etwa Wilsons Alter hatte hinsetzte.
    "Hey! Da sitzt er schon! Jetzt TUN Sie was!", zischte ich Norma zu. Diese aber zuckte nur mit einem Grinsen die Schultern.
    "Tut mir leid, das sind nicht mehr unsere Tische. Da kan ich nichts machen...."
    Aufgebracht rabschte ich ihr die 50 $ wieder aus der Hand.
    "Hey!"
    "Nichts hey! Sie haben das nicht verdient! Zahlen bitte!"
    Mürrisch rechnete sie zusammen, ich zahlte und wir versuchten, uns heimlich aus dem Staub zu machen.
    Versuchten wohlgemerkt!
    "Gregory?", hörte ich es keine 30 Sekunden nach unserem Aufbruch hinter uns herrufen.
    Ich stubste James in die Seite. "Lass uns abhauen...tun wir so, als hätten wir nichts gehört..."
    Zu spät. Ein srahlender Louis griff nach meinem Arm.
    "Gregory! Wie schön, Dich...ähm...Euch hier zu treffen!"
    Ich sagte nichts, dafür meldete sich James zu Wort.
    "Sind Sie nicht krankgeschrieben? Foreman hat uns sowas mitgeteilt...."
    Allenby wurde rot. "Hm...ja...schon...aber Dr. Cuddy meinte, ich solle mal raus, etwas anderes sehen. Und da mein Bruder sich überraschend gemeldet hatte, dass er hier ist, dachte ich mir, ich besuche ihn." Dabei wies er auf den Tisch, an dem er eben noch gesessen hatte.
    Mürrisch nickte ich dem winkenden Mann daran zu und merkte ganz genau, wie er mich von oben bis unten musterte.
    "Kommen Sie doch kurz zu uns, ich lade Sie beide ein!", schlug Louis vor.
    James und ich sahen uns kurz an, zuckten dann synchron die Schultern und setzten uns in Bewegung in Richtung des Tisches.
    Norma grinste mich im Vorbeigehen zuckersüß an und fing sich meinen Todesblick ein.

    "Das ist mein Bruder Chandler", stellte er den anderen Mann vor. Ich setzte mich hin, ohne ihm die Hand zu schütteln, und sah James dabei zu, wie er das stattdessen tat.
    "Hallo, Mr. Allenby. Ich bin James Wilson und das ist Gregory House."
    Dann setzte er sich neben mich und trat unter dem Tisch nach meinem Schienbein, was wohl bedeuten sollte, dass ich unhöflich war.
    "Das ist also der berühmte Dr. House...", begann Chandler grinsend und bedachte seinen Bruder mit einem zwinkernden Seitenblick. Louis lief rot an und ich zog eine Braue hoch.
    "Berühmt?"
    Chandler strich sich eine Strähne aus der Stirn. "Ja, Louis redet von kaum etwas anderem..."
    Da wollte wohl jemand seinen schlotternden Bruder dazu bringen, Nägel mit Köpfen zu machen. Jedenfalls sah Allenby plötzlich aus, als bereue er es, uns an seinen Tisch eingeladen zu haben.
    Ich lehnte mich zurück. "Ist das so?" und zog eine Braue hoch.
    "Ähm...", begann Louis, wurde aber von seinem Bruder unterbrochen.
    "Aber ja. Er hat einen richtigen Narren an Ihnen gefressen, glaube ich."
    "Kaum zu glauben", meinte ich trocken und bedachte James, der krampfhaft ein Lachen unterdrückte, mit einem strafenden Seitenblick. "Die meisten Leute gehen mir eher aus dem Weg..."
    "Oh, er vermisst Sie, sobald Sie einen Fuß aus dem Krankenhaus gesetzt haben!", vesetzte Chandler. Er schien mächtig Spaß an dem Schauspiel zu haben und stubste Louis in die Seite.
    Wir bestellten inzwischen Kaffee und ich schwor mir, die Tasse so schnell wie möglic leerzutrinken und den Abgang zu machen.
    "Er sollte besser Dr. Wilson hier vermissen", grinste ich. "Schließlich ist er sein Abteilungsleiter, nicht ich."
    Louis schluckte und sein Bruder sah mich mit funkelnden Augen an. "Er scheint Sie attraktiver zu finden!"
    "Attraktiv?!", fragte ich und runzelte die Stirn.
    Louis schien nach einem Loch im Boden zu suchen, in dem er verschwinden konnte und sein Bruder grinste breit. "Das war nur...Spaß. Aber er hält wirlich große Stücke auf Sie. Ich bin froh, Sie mal von Angesicht zu Angesicht zu treffen."
    James erwies sich als Retter in der Not und lenkte das Gespräch gekonnt auf den USA-Aufenthalt von Chandler Allenby. Ich warf Louis noch einen Todesblick zu und widmete mich schweigend meinem Kaffee.
    Als der endlich vernichtet war, stand ich auf und bedankte mich freundlich. Ich bedauerte heuchlerisch, dass wir nun gehen mussten und legte James eine Hand auf die Schulter.
    "Außerdem habe ich Lust auf ein Bad..."
    James verschluckte den Rest seines Kaffees und verabschiedete sich hustend.

    Statt zurück zum Haus zu fahren, schlenderten wir allerdings noch ein wenig durch den Ort und gönnten uns ein Schälchen Krebse und Muscheln. Mampfend lehnten wir uns an einen Zaun und ließen uns den Wind durch die Haare wehen.
    "Ein Bad also...soso", meinte James schließlich mit einem Seitenblick zu mir.
    Ich wandte mich ihm zu und grinste. "Ja, warum nicht?"
    "Was für eines stellst du dir denn vor?"
    Ich schaute nachdenklich in die Ferne und sah ihm dann wieder in die Augen.
    "Hm...."
    Er schaute nur zurück, ein großes Fragezeichen in den Augen.
    "Jaaaa...alsoooo...in etwa so eines wie heute früh. Nur nicht unbedingt im Schlafanzug...", grinste ich mit einem anzüglichen Augenaufschlag.
    Das brachte mir einen Schlag auf den Hinterkopf ein.
    "Du bist wirklich unmöglich!"
    Insgeheim musste er allerdings lachen und ich war froh, dass er diesen...Vorfall nun unter der Rubrik Kuriosum ablegen konnte.

    Bloss weg hier

    Ich habe eben eine ganze Weile auf James gewartet, aber er ist nicht aufgekreuzt.
    Als ich begann, mir Sorgen zu machen, schnappte ich meinen Stock und machte mich auf den Weg in sein Büro.
    Leise klopfte ich an, erhielt aber keine Antwort.
    Sachte öffnete ich die Tür und lugte in sein Büro - da lag er auf dem Sofa, ein Arm hing runter auf den Boden, der Kopf war leicht zur Seite gesunken und er schlief tief und fest. Irgendwie zog es bei diesem Anblick kräftig in meinem Magen - er tat mir unglaublich leid und ich bereute es, dass ich es war, wegen dem er gegen die Mauer getreten hatte.
    Leise schloss ich die Tür und humpelte auf das Sofa zu.
    Er bemerkte gar nicht, dass jemand in den Raum gekommen war und atmete gleichmässig weiter. Ich schaute ihn eine Weile an und setzte mich dann zu ihm auf den Rand des Sofas.
    "James?"
    Keine Reaktion. Ich seufzte und betrachtete ihn ein wenig. Er schien ganz entspannt, was mich ziemlich zufrieden machte. Hieß das doch, dass die Schmerzmittel wirkten. Wahrscheinlich fühlte er sich jetzt wie in Watte gepackt. Vorsichtig streckte ich meine Hand aus und streichelte ihm durchs Haar.
    Dabei verlor ich mich vollkommen in meinen Gedanken und schrak kurz zurück, als James die Augen öffnete.
    "Greg?"
    "Ich bins", antwortete ich und winkte ihm zu.
    Er blinzelte benommen. "Hab ich lange geschlafen?"
    Ich nickte. "Es ist fünf...."
    James richtete sich auf und rieb sich über die Stirn. "Mist...wir wollte doch essen gehen..."
    Ich legte ihm eine Hand auf die Schulter. "Hey...nicht schlimm. Ich mach dir einen Vorschlag. Wir beide humpeln jetzt zu meinem Auto, fahren zu mir nach Hause und ich backe uns eine Pizza."
    Er schaute mich zweifelnd an. "Du backst eine Pizza?"
    Indigniert schaute ich zurück. "Hey, einen Hefeteig bekomme ich hin...den Belag auch!"
    James nickte und ein Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. "Fein."
    Er stand unsicher auf und legte seinen Kittel ab. Dann nahm er seine Sachen und drehte sich noch einmal zögerlich zu mir um.
    "Meinst du...ich kann dann heute bei dir bleiben?"
    Ich nickte nur und wir machten uns auf den Weg ins Parkhaus.

    James

    Es hat eine ganze Weile gedauert, bis James in meinem Büro auftauchte, nachdem er angekündigt hatte, loszugehen.
    Ich hatte schon überlegt, ob er einen Umweg über Alaska genommen hatte, als es zaghaft an meiner Tür klopfte. Sehen konnte ich nichts, da ich die Blenden geschlossen hatte, aber ich dachte mir, das muss er jetzt wohl endlich mal sein.
    "Hm", brummte ich nur und schaute so desinteressiert wie möglich auf die sich öffnende Tür.

    Ich hatte jedoch die größte Mühe, meine Gesichtszüge nicht entgleisen zu lassen - James sah gelinde gesagt furchtbar aus. Er war weiß wie die Wand, die Auge waren gerändert und verdächtig verquollen. Gekleidet war er zwar adrett wie immer, hatte aber eine ungemein fertige Ausstrahlung.
    Grußlos deutete ich auf meinen Besucherstuhl und schaute ihm zu, wie er das Gesicht verzog, als er die paar Schritte ging. Halb hatte ich das Bedürfnis aufzustehen um ihm zu helfen, dann aber dachte ich bloß Hey, wer ist hier eigentlich der Krüppel? und blieb sitzen. Sein Fuß schien ihm große Schmerzen zu bereiten und er schien ihn kaum belasten zu können.

    Mit einem unterdrückten Seufzen ließ er sich in den Stuhl gleiten und schloß kurz die Augen. Ich sah ihn immer noch nur an und spielte mit meinem 8Ball.
    Er öffnete die Augen und schaute zurück. Dabei sah er so zerknirscht aus, dass ich einen Kloß im Hals bekam und ihn am liebsten umarmt hätte, aber natürlich blieb ich sitzen und bedachte ihn mit einem kritischen Blick. Dann schaute ich auf den 8Ball.
    "Sitzt grade ein sturköpfiger Hornochse vor mir?", fragte ich und schüttelte die Kugel. Die Antwort war Alle Anzeichen deuten auf Ja.
    Ohne eine Miene zu verziehen zeigte ich Jim die Antwort.
    Dann schüttelte ich die Kugel erneut. "Hat der Trottel vor mir gestern seine Frau gepoppt?"
    Auf gar keinen Fall las ich im Antwortfeld und reichte den Ball wieder an James weiter, der auf seiner Unterlippe herumkaute und mich ansah.
    Nach einem kurzen Blick darauf meinte er bloß: "Geradezu gespenstisch...Das Ding kennt ja alle Antworten..."
    Mein Herz machte einen winzigen Hoppler - also hatte er doch ein wenig auf mich gehört? Ich ließ mir aber nichts anmerken und lehnte mich mit aneinandergelegten Fingerspitzen im Stuhl zurück.
    "Du bist noch...sauer...oder?", fragte James mich mit einem Hundebaby-Augenaufschlag.
    Ich zuckte nur die Achseln und fixierte ihn weiterhin.
    Als seine Augen verdächtig nass wurden, bot ich ihm allerdings rasch einen Kaffee an.
    "Magst du einen?"
    Er atmete tief ein und nickte nur. Ich humpelte kurz in unsere Küche und kam mit einem Milchkaffee zurück. Wortlos stellte ich ihn auf dem Schreibtisch vor ihm ab und wollte grade weitergehen, als er mich an der Hand festhielt.
    "Greg...es tut mir so leid..." meinte er tonlos und sah mich von unten her an.
    Ich zuckte die Achseln. "Was denn? Du musst doch selber wissen, was du machst."
    Er schaute mich unverwandt an und streichelte abwesend mit seinem Daumen meine Handinnenfläche.
    "Ich habe dich mit meinem dämlichen Verhalten verletzt. Und es musste sicher den Anschein haben, als würde ich auf die Meinung meines Freundes so gut wie gar nichts tun. Ich habe dumme Sprüche gerissen und dich vor den Kopf gestossen..."
    Ich entzog ihm meine Hand und humpelte zu meinem Stuhl zurück.
    "Und du hast augenscheinlich deinen Fuß zertrümmert...", meinte ich und warf ihm eine Vicodin zu.
    Er sah kurz auf das randvolle Glas und wollte etwas sagen, was er sich aber verkniff. Gut so, ich hatte keine Lust auf Medikamentenkonsumdiskussionen.
    Die Vicodin nahm er nicht, sondern steckte sie in seine Kitteltasche.
    "Für den Notfall", murmelte er. "Geht schon."
    "Auch für den Notfall", meinte ich und schob ihm seinen Schlüssel für mein Appartment über den Schreibtisch.
    Sein Blick zeigte mir, dass er verstanden hatte, dass ich ihm damit die Friedenshand gereicht hatte und er lächelte kurz. "Danke...Dann hatte ich ihn wirklich bei dir vergessen. Kurz hatte ich schon geglaubt, Julie hätte ihn in den Müllschlucker geworfen."
    Er schlug die Beine übereinander und streifte dabei mit seinem Fuß meine Schreibtischkante, was ihm ein scharfes Zischen entfahren ließ. Er kniff die Augen zusammen und biß die Zähne aufeinander.
    "Nur geschwollen, hm?", meinte ich trocken und kam um den Tisch herum, um mich vor ihn auf den Schreibtisch zu setzen.
    "Ja, es geht schon...."
    Ich wedelte mit der Handin Richtung seines Fußes. "Schuh und Socken aus!"
    Er schaute mich kurz stur an, aber es reichte, dass ich eine Braue hob und er war folgsam.
    Als ich den Fuß sah, pfiff ich leise durch die Zähne. "Leicht geschwollen? Wie um alles in der Welt bist du in deinen Schuh hereingekommen?"
    James schaute mich verlegen an und hob hilflos die Schultern.
    Der Fuß war stark angeschwollen und auf dem Spann blau verfärbt. Vorsichtig tastete ich ihn ab und von Zeit zu Zeit zuckte James vor Schmerz zusammen.
    Entschuldigend sah ich ihn an. "Tut mir leid, ich gebe mir die größte Mühe, dir nicht wehzutun."
    Er nickte und seufzte.
    "Distorsion oder Fraktur...das musst du röntgen lassen..."
    "Muss das sein?"
    "Hast du Eis draufgepackt?"
    "Ja."
    "Und es ist nicht besser geworden...also ab zum Röntgen."

    Es stellte sich heraus, dass es eine üble Distorsion mit kleinsten Faserrissen an den Sehnen ist. So hat er einen Kompressionsverband bekommen, Schmerztabletten und ein Gel zum Einreiben. Einen Gips hat er selbstverständlich abgelehnt. Glücklicherweise waren keine Kapseln und Bänder betroffen.
    Er ist eben zurück in sein Büro gehumpelt - derzeit müssen wir ein sehr seltsames Bild abgegen, wenn wir zusammen durch die Gänge gehen. Am liebsten hätte ich ihn umarmt, habe mich aber zurückgehalten.
    Gleich reissen wir kurz aus, um beim Italiener um die Ecke essen zu gehen.

    Was für ein Morgen!

    Wie soll dieser Tag bloß weitergehen?
    Heute früh bin ich auf dem Weg zum PPTH in eine Kontrolle gekommen.
    Was soll der Scheiß denn morgens?
    Und da ich noch gut Restalkohol im Blut hatte und dank der Vicodin erweiterte Pupillen hatte, gab es prompt Ärger. Und da ich nicht eben charmant reagiert habe, dauerte der eine ganze Weile. Ich bin nun um einige Dollar ärmer, toll!

    Im Büro glotzte mich auf dem Schreibtisch gleich der mysteriöse Teddy an, der seit gestern früh (oder länger, das weiß ich nicht) dort sitzt. Normalerweise würde ich den gleich in der Schublade verschwinden lassen oder aber in die Pädiatrie bringen. Nur will ich wissen, wer den bei mir abgeladen hat. Und vor allem warum. Von meinem Team war es angeblich niemand, aber grinsen tun sie alle drei.

    In meinem E-Mail-Postfach wartete bereits seit 6 Uhr heute früh eine Mail von Cuddy auf mich, ich solle meinen Hintern sofort in ihr Büro schaffen, wenn ich da bin. Natürlich habe ich mir erstmal einen Kaffee gegönnt, wer bin ich denn?
    Ihr Blick drückte tiefstes Missfallen aus, als ich eintrat, an ihrem albernen Schreiberling einfach vorbei.
    "House!"
    Ich setzte mich. "Jaaaaaa?"
    Sie musterte mich. "Sie sehen schlimm aus. ist das noch von Ihrem gestrigen Trinkgelage mit dem Patienten, oder haben Sie zu Hause gleich weitergemacht?"
    Ich verdrehte bloß die Augen. Sie sollte voran machen, ich musste zur Apotheke.
    "Darum geht es auch gleich. Sie können sich einfach nicht erlauben, sich im Dienst zu betrinken!"
    Ich seufzte. "Cameron hat gepeheeeeetzt", sang ich mit Kindergartenstimme.
    Nun war es an Cuddy, die Augen zu verdrehen. "Und sie hatte vollkommen Recht damit!"
    Soll sie sich mit Stacy zusammentun...
    "Das hatte einen durchaus medizinischen Grund. Er hatte versucht, sich mit Tonerflüssigkeit das Leben zu nehmen."
    "Ach! Und da dachten Sie, betrunken geht er fröhlicher über den Jordan?"
    "Cuddy....", begann ich geduldig, als würde ich mit einem begriffsstutzigen Kind sprechen. "Ethanol - Alkohol?"
    Cuddy räusperte sich und schaute kurz aus ihrer Tür hinaus.
    "Sie mussten es trotzdem nicht übertreiben..."
    Ich stand auf. "Noch was?"
    Cuddy zögerte kurz. "Ehrlich gesagt...ja!"
    Seufzend setzte ich mich wieder. "Und das wäre?"
    Sie beugte sich vor. "Seit der Geschichte mit Vogler gibt es ziemliche Spannungen zwischen Chase und Ihnen...."
    Ich hob die Schultern. "Ja und?"
    "Das kann so nicht weitergehen. Sie sollten sich mal aussprechen."
    Genervt ließ ich den Kopf nach hinten hängen. "Er will mir einen Brief schreiben..."
    "So....Und wenn der nicht kommt, dann sollten Sie mal einen mit ihm trinken gehen."
    Mein Kopf schnellte hoch und ich sah sie an wie eine Geisteskranke. "Was?! Quatsch!"
    "Ich könnte Ihnen in dem Fall die dienstliche Anweisung geben, es zu tun."
    "Könnten Sie nicht, einen trinken gehen ist Privatleben!"
    Sie lächelte mich süffisant an. "Wissen Sie, ich bin sicher, meine Rechtsberatung findet da einen Ausweg...."
    Wortlos stand ich auf und ging.

    Mein Kopf hämmerte, in meinem Magen lag ein dicker Klumpen Irgendwas und ich hatte bloß noch zwei Vicodin. Die Leute machten alle, dass sie mir so schnell wie möglich aus dem Weg gingen, als ich in Richtung Apotheke humpelte. Wilsons Büro machte deutlich, dass er auch bereits hier war, denn ich hörte leise Musik. Die Blenden waren allerdings zugezogen und ich verspürte auch keine große Lust, hineinzugehen und mir die Geschichte von gestern Abend anzuhören.

    Wenigstens der Apotheker stellte mir keine Fragen, als ich ihm wortlos mein Rezept hinknallte und ihn mit einem meiner besten Blicke bedachte. Er huschte bloß um die Ecke und kam innerhalb der gleichen Minute mit einer neuen Dose Vicodin zurück. Ich grabschte gleich danach und ließ sie in meiner Tasche verschwinden.

    Ein Dienstagabend, der aus dem Kalender gestrichen gehört

    Eigentlich wollte ich gestern Abend noch über Sonntag weiterberichten. Aber ich war zu schlecht gelaunt, maulig und auch...ja, verletzt.
    Heute früh wollte ich auch davon berichten, aber es ist mir einfach noch nicht möglich. Der Abend war zu beschissen und ich muss mich darüber erst hier auskotzen, wenn ich verhindern möchte, gleich den ersten Menschen zu erwürgen, der mir im PPTH begegnet.
    Die Sache mit dem arme Teufel in der Todeszelle war für einen beschissenen Tag eigentlich schon genug. (Cameron wird mir jetzt widersprechen und ihre neu gewonnene Freundin anführen.) Stacys Versprechungen kann man weiterhin in der Pfeife rauchen und mein bester Freund will sich von mir nicht helfen lassen, sondern mit einer schnellen Nummer daheim alle Probleme lösen.
    Die Menschen würden doch nur noch poppen, wenn das so einfach wäre. (Tun das die meisten eigentlich auch so?)

    Bevor ich mich auf den Heimweg machte, habe ich James noch angepiept und ihn aufs Dach gebeten. Aber er tat vollkommen cool und war stur wie zuvor. Dumme Sprüche hat er auch noch gemacht, also bin ich einfach abgehauen.
    Ich hätte nicht mehr mit dem Auto fahren sollen und bin auch prompt geblitzt worden. Immerhin kam ich in keine Kontrolle.

    Daheim warf ich mich aufs Sofa, warf einige Vicodin ein, schnappte mir eine Flasche Talisker und drehte die Musik auf. Irgendwann versicherte mir Mick Jagger, dass die Zeit auf seiner Seite sei und das brachte mich auf die Idee, Dämon anzuschauen, aber ich konnte mich nicht auf den Film konzentrieren.
    Ich musste immer wieder daran denken, was James wohl grade machte, schaltete den Film aus und drehte die Musik wieder auf. Vielleicht würde er ja noch vorbeikommen, dachte ich, aber das geschah nicht.

    Irgendwann war die Flasche halb leer, meine Vicodin fast aufgebraucht (der Apotheker wird heute wieder blöde Fragen stellen), mein Gesicht nass und ich wußte nicht warum und mein Whiskyglas an der Wand zerschmettert.
    Als die Flasche ganz leer war, bin ich irgendwo auf dem Weg zum Schlafzimmer in mich zusammengefallen und vor einer Stunde dort aufgewacht. Dementsprechend sehe ich auch aus.

    Ich denke, ich werde jetzt zur Arbeit fahren und irgendwem das Leben schwer machen.

    Tuesday, October 17, 2006

    Sonntag III

    Gott, Wilson hat wirklich Ideen!
    Ich könnte grade platzen!
    Aber er muss wissen, was er tut, schließlich ist er schon groß.
    Ich kann ihm nur meinen Rat anbieten, ob er den annimmt oder ausschlägt, liegt bei ihm.

    Aber was solls. Weiter im Text, eine neue Tasse Kaffee und nicht dran denken.

    Nachdem wir aufgestanden und uns wieder ausgehfein gemacht hatten (zumindest James - ich trug wieder Jeans, T-Shirt, ein langweiliges Hemd und ein graues Sakko) setzten wir uns ins Auto und fuhren in den besagten Fischerort. Das Wetter war herrlich, es war kaum zu glauben, dass es in der Nacht noch so geschüttet hatte.
    Wir setzten uns draußen an der Promenade hin und orderten Espresso und Cappucino. James hat hier ein etwas seltsames Foto von mir gemacht, aber immerhin sieht man das Meer im Hintergrund. Ich überlege anscheinend grade irgendwas.

    Wahrscheinlich die Frage, ob ich einen weiteren großen Espresso will oder doch lieber ein Stück "laufen" möchte.
    Wir plauderten entspannt, lehnte uns in den Stühlen zurück und machten uns über Passanten lustig. Einen Moment später gefror mir das Lachen im Gesicht und im Nu war ich unter dem Tisch verschwunden.
    "Häh?", fragte James und lugte zu mir unter den Tisch.
    "Shhhhht!", zischte ich. "Komm runter! Da hinten ist Louis!"
    "Was?!"
    Ich packte ihn am Ärmel und zog ihn unter den Tisch. Sein Kopf machte an der Kante kurz Klonk! und er fluchte leise.
    "Scheiße, was macht der denn hier?", fragte er und schaute mich groß an.
    "Weiß ich es denn? Ich dachte, er sei krank!"
    James grinste. "Naja...liebeskrank...Er ist sicher auf der Suche nach einer gewissen Person..."
    Ich schaute ihn mit schmalen Augen an. "Wage es nicht! Wage es ja nicht! Wage es nicht, zu lachen!!!"
    James hielt sich die Hand vor den Mund und kniff die Augen zusammen.
    "Soll ich unten servieren?", fragte eine grinsende Bedienung mit einem Blick unter den Tisch.
    "Pscht! Nicht so auffällig!", zischte ich sie an. "Ja, bitte!" Damit nahm ich meinen Espresso entgegen und James mit einem entschuldigenden Achselzucken seinen Cappucchino. Norma (so hieß sie) drehte sich mit suchendem Blick um.
    "Handelt es sich um den gutaussehenden jungen Mann dort hinten, der grade auf unsere Bestuhlung zusteuert?" fragte sie und deutete auf Allenby.
    "Verdammt! Können Sie ihn wegschicken?" fragte ich.
    Sie schüttelte bedauernd den Kopf. "Wie sollte ich? Es ist noch genug frei..."
    "Sagen Sie einfach, es sei reserviert!"
    "Das geht doch nicht!"
    "50 $!"
    Sie schaute mich überrascht an. "70!"
    "50!"
    "65!"
    "50!!!"
    "Okay....", sie streckte die Hand aus und schnappte sich den Schein.

    Sonntag II

    Ohmann...da schreibe ich grade über den miesen Beginn von Sonntag und nebenbei fliegen schon wieder Kommentare mit Wilson hin und her.
    Ich glaube, er ist schon wieder ziemlich sauer auf mich, dafür habe ich die letzte Tage ein echtes Talent.
    Bislang war es immer so gewesen, dass er wenigstens gelassen blieb, mich zetern, toben und beleidigend sein ließ und mich irgendwann zurück auf den Boden brachte. Aber nun... Ich scheine seine derzeitige Stimmung überzustrapazieren - dabei sollte ich zur Abwechslung ihm mal eine Hilfe sein.

    Selbst Foreman und Chase haben es heute geschafft, sich zu vertragen. Soooo schlimm ist der Ausdruck Down Under Hair Wonder doch nun auch wirklich nicht.

    Ich brauche jetzt erstmal einen Kaffee. Moment.

    Gut, dass ich den Kaffee hatte...ein paar Kommentare weiter, ein kurzer Besuch von James und schon hat sich unsere kindische "Ähräwääääh-Stimmung" wieder gelegt.
    Ich weiß auch nicht, was momentan los ist...Manchmal komme ich mir selber schon richtig zickig vor.
    Meine Kollegen werden stimmungsmäßig wenigstens kaum einen Unterschied bemerken - ich war heute schlecht gelaunt. Wann bin ich das nicht? Dazu müsste ich mal in Foremans Büro gehen und nachsehen, welche Tage er im Kalender rot umkringelt hat.

    James hat ja schon geschrieben, dass wir es doch noch geschafft haben, am Sonntag miteinander zu reden. Es war sogar noch ziemlich lustig, als wir rekapituliert hatten, wie viele Begebenheiten während unserer Freundschaft in die Rubrik 'Dumme Aktionen' abzulegen waren. Das ganze Reden und Lachen machte müde und wir entschlossen uns, uns nochmal ein Stündchen hinzulegen (das Schläfchen war ausgesprochen gemütlich) und dann ein paar Orte weiter in ein kleines Fischerörtchen zu fahren, dort herumzustromern, uns den Seewind um die Nase wehen zu lassen und in einem der kleinen Restaurants gut zu essen.


    Davon berichte ich nach dem nervigen Patienten, den Cuddy mir soeben aufs Auge gedrückt hat. Sie hat sich übrigens entschuldigt dafür, dass sie mir gesagt hat, ich solle mich von Allenby fernhalten.
    Es geschehen noch Zeichen und Wunder....

    Der Sonntag begann...nicht so gut

    Während ich mich abtrocknete und anzog, konnte ich James im Bad noch vor sich hinschimpfen hören.
    "Jetzt hör endlich auf! Du bist es doch selber schuld!", rief ich in Richtung Bad. Ohne Erfolg, die Tirade war zwar gedämpft, weil sie zwischen den Zähnen hervorgestoßen wurde und nicht zu verstehen, aber sie ging weiter.
    "James, leg dich einfach in die Wanne und genieße den Rest deines Bades! Aufwischen können wir gleich gemeinsam!"
    "Ich mache heute GAR NICHTS mit dir gemeinsam!", keifte es aus dem Bad und ich seufzte tief. Was wollte er eigentlich? Er hatte mich schließlich herausgefordert.
    Sowohl vor dem Aussperren als auch vor dem Kuss in der Badewanne.
    Ich verkniff mir eine weitere Bemerkung, weil ich das Gefühl hatte, das würde alles bloß unnötig aufschaukeln. Also zog ich schweigend mein rotes Hemd über ein schwarzes T-Shirt und humpelte die paar Schritte nach draußen zum Bäcker.
    So viel Auswahl....womit konnte ich ihn wohl besänftigen? Ich nahm Croissants, Milchbrötchen und normale Brötchen, zusätzlich noch eine Mohnschnecke und hoffte auf dem Heimweg, dass er sich etwas beruhigt hatte.

    Mein Wunsch schien erfüllt zu werden, denn ich hörte nur ab und an ein Plantschen aus dem Badezimmer. Während ich so leise wie möglich Frühstück vorbereitete und sogar Milch aufwärmte und aufschäumte, um uns Latte Macchiato zu machen hörte ich, wie Bewegung ins Bad kam. Der Trotzkopf schien alleine aufzuwischen. Danach war der Fön zu hören und im Augenwinkel sah ich ihn dann mit einem Handtuch um die Hüften im Schlafzimmer verschwinden.
    Kopfschüttelnd verteilte ich Rührei und Speck auf zwei Teller, stellte die Lattes dazu und setzte mich an den Tisch. Im Hintergrund hatte ich den Soundtrack von Amélie aufgelegt und hoffte, das würde zur Entschärfung der Situation beitragen.

    Ich nippte abwesend an meinem Latte und schaute nach draußen, als er in die Küche kam. Er schnaufte abfällig und setzte sich an den Tisch.
    Ich zog es vor, nicht zu reagieren und schaute in meinen Becher.
    James hatte sich derweil ein Croissant genommen und machte sich über Ei und Speck her. Das Schweigen war ziemlich gespannt und ich schaute unangenehm berührt auf meine Finger. Im Augenwinkel konnte ich sehen, dass James mich immer wieder ansah, nur sagte er nichts.
    Irgendwann seufzte er. "Bist du nicht hungrig?"
    Ich schüttelte den Kopf und sah weiterhin nach draußen.
    "Das Ei ist aber gut...Nimm wenigstens so ein Milchbrötchen..."
    Ich fühlte mich viel zu elend zum Essen, da die gespannte Stimmung mir an die Nieren ging und ich mir bewußt war, dass ich es übertrieben hatte. Die Art, auf die er nachher noch im Bad herumgeschimpft hatte, ließ keinen Zweifel offen und ich dachte mir, dass er mich am liebsten mit einem kräftigen Tritt in den Hintern zurück nach Plainsboro befördern würde. Nach dem, was er mir noch zugerufen hatte, konnte ich anscheinend froh sein, dass er noch an einem Tisch mit mir saß.
    Und dass nach seiner schlimmen Stimmung, die ihn gestern bzw. heute früh noch herausgetrieben hatte. Der Rest des Abends oder eher der Nacht war so schön gewesen und ich hatte es mal wieder versaut.
    Ich schüttelte den Kopf und nahm einen Schluck Latte. James starrte zu mir rüber und analysierte sicher, ob es ungesund war, nicht zu essen, ob ich zu viele Tabletten genommen hatte und was auch immer sonst noch.
    Ich hasste mich selber für den plötzlichen Stimmungsumschwung. Eben noch war ich selbstgefällig und überzeugt gewesen, James sei alles selber Schuld. Und nun hatte ich eine kindische Angst, er könne dieses Mal zu sauer auf mich sein und es vorziehen, mich nie mehr wieder zu sehen. Unwillig kippte ich den Rest des Kaffees hinunter und nahm mir eine weiteren, dieses Mal einen normalen.

    Ein unfreiwilliges Bad

    "Nächstes Mal behälst du die Hand bei dir und schiebst sie mir nicht in die Hose im Schlaf!", rief James aus der Küche, während er Kaffee aufsetzte.
    Vor Überraschung ließ ich den Stock fallen und die Peinlichkeit rauschte heiß in meine Wangen.
    Das war nicht möglich.
    Das hätte ich doch gemerkt.
    Nein, das hatte ich in keinem Fall getan!

    Ich angelte meinen Stock wieder vom Boden auf und humpelte zaghaft in die Küche.
    "Hab ich das getan?"
    James drehte sich langsam um, sein Gesicht war unergründlich.
    "Das weißt du nicht mehr? Jetzt bin ich aber enttäuscht!", versetzte er und schob in gespieltem Schmollen die Unterlippe vor. Es dämmerte mir, dass das mal wieder seine seltsame Art von Humor war - oder es zumindest sein könnte.
    "Fuck you!", motzte ich und wollte mich schon umdrehen.
    James verschränkte die Arme und blickte mir direkt in die Augen. "Hier? Jetzt? Willst du mir zu schauen?"
    Ich bedachte ihn mit meinem Todesblick (den ich sehr selten auf ihn anwende) und schlurfte ins Schlafzimmer. Dort, so dachte ich, würde ich mich umziehen können und meine Ruhe haben.
    Weit gefehlt.
    Ich beugte mich grade zu meiner Jeans vor, als er sich in den Türrahmen lehnte und mich anstarrte.
    "Starr mir nicht so auf den Arsch."
    "Wieso nicht? Der ist doch süß, vorallem in dem schnuckligen Schlafanzug."
    Ich schnaufte unwillig und richtete mich wieder auf. Unmissverständlich machte ich deutlich, dass ich daraufzusteuerte, mir die Hose runterzuziehen. Normalerweise trieb ihn sowas stets in die Flucht.
    "Willst du mir etwa zuschauen?" fragte ich leicht genervt.
    Zu meiner Überraschung lächelte er bloß süffisant. "Sind wir heute etwas schüchtern?"
    "Gut! Dann bleib ich eben im Schlafanzug!", meinte ich und pfefferte die Jeans zu Boden. Jetzt brauchte ich erst einmal eine Vicodin.
    Selbst dabei beobachtete er mich und als ich mich genervt an ihm vorbeidrängeln wollte, versperrte er mir mit seinem Arm den Ausgang. "Lass mich durch!", knurrte ich.
    Mit dem gleichen süffisanten Lächeln wie eben fragte er "Wieso sollte ich?"
    Das reichte. Ich holte mit dem Stock aus und versetzte ihm damit einen Hieb gegen sein Schienbein. "Au! Scheiße!", rief er aus und krümmte sich kurz zusammen.
    "Darum!", kam es bloß von mir und ich humpelte an ihm vorbei in die Küche, wo ich mir einen Kaffee eingoß und seine Nachfragen, ob ich etwas mürrisch sei heute ignorierte.

    Lustig wurde es wieder, als er Musik anstellte und I touch myself erklang. Ich konnte nicht anders, als ihn zu fragen, ob er mir irgendwas sagen wolle.
    James lachte sich halb tot. "Gott, ich wusste nicht was da jetzt kommt!"
    Die gute Stimmung nutzend fragte ich nochmal nach "Hab ich nun ...", kam abernicht weit, da James seinen daraus resultierenden Lachanfall auf der Veranda auskurieren wollte.

    Guuuuut, sollte er. Heimlich schloß ich die Tür und wie es ihm draußen erging, kann man bei James nachlesen.
    Jedenfalls dachte ich, es würde ihn besänftigen, wenn er das Bad und den Kaffee vorfand. Darüberhinaus wollte ich natürlich auch nicht, dass er durch die Kälte krank wurde. Er sah aber auch zu schnucklig aus, wie er da die Kaffeetasse umklammernd mit geschlossenen Augen im Schaumbad lag - die Nase noch ganz rot vor Kälte. Ich lehnte mich an den Türrahmen. "Du siehst süß aus", bemerkte ich leise, was dazu führte, dass er die Augen aufriss und sofort anfing, mich zu beschimpfen.
    "Spinnst du? Raus!"
    Ich dachte nicht daran und trat ganz ins Badezimmer ein.
    "Greg, verpiss dich! Ich bin wirklich sauer auf dich!" keifte er aus der Wanne heraus, der Kaffee schwappte bedrohlich in seiner Tasse.
    Innerlich verdrehte ich die Augen. Selbst ganz groß im Scherzen aber nicht imstande, die Retourkutsche zu ertragen. "Ach komm schon Jimmy, wir sind quitt!", brummte ich bloß und sah ihn an.
    "Wir sind quitt wenn du halbnackt ums Haus gehumpelt bist!", nörgelte er. "Und jetzt verschwinde!"
    Von wegen!
    Ich setzte mich vorsichtig auf den Wannenrand und achtete darauf, mein Bein so auszurichten, dass ich nicht ins Straucheln kam. Hektisch stellte er die Kaffeetasse auf den Rand und häufte Badeschaum in Richtung seiner delikaten Körperteile.
    "Stell dich nicht so an, du hast nichts was ich nicht kenne."
    Jim reagierte bloß mit einem bösen Blick.
    Ich zuckte die Achseln. "Ich war nur etwas angepisst"
    "Klasse und dafür sterbe ich fast den Erfrierungstod!", schnappte er - immer noch sehr wütend auf mich.
    Ich konnte nicht umhin, ihn zu mustern. Obwohl sein Gesichtsausdruck mich deutlich warnte, noch irgendwas zu sagen, war es auch schon raus. "Du siehst dafür noch sehr lebendig aus!"
    "Ja und wie lebendig ich bin!", hörte ich bloß noch, als er mir um die Hüfte fasste und mich zu sich in die Wanne zog. Das Wasser klatschte um mich herum, schwappte über, ich verlor den Halt und lag mit einem "Waaaaaaaaaaaa!" bei ihm in der Wanne.
    "Stell dich nicht so an, ist doch nur ein bisschen Wasser", flüsterte er mir ins Ohr und ich konnte genau hören, dass er dabei anscheinend breit grinste.
    Mein Schlafanzug klebte nass an mir und James hielt mich fest umklammert.
    Ich versuchte, mich frei zu machen, war aber ziemlich hilflos in meiner augenblickliche Lage. Der Stock lag neben der Wanne auf dem Boden, James hielt mich fest und ich konnte mich kaum rühren.
    "Du bist ja krank!", rief ich wütend aus.
    James kicherte bloß und blies mir ein Schaumbläschen an der Wange vorbei.
    "Nein, dank deiner vorausschauenden Idee, mir ein heißes Bad einzulassen, werde ich nicht krank...."
    Ich grunzte bloß aufgebracht und versuchte, mich zu befreien und aufzurappeln - keine Chance.
    "Tststs", fuhr James fort. "Nun ist es hier so heimelig warm, das Schaumbad duftet und die Kerzen wirken so romantisch...Und du willst schon wieder weg?"
    Ich versuchte, nach hinten auszuholen um ihm eine Kopfnuss zu verpassen, doch er hielt mich mit einem Arm weiterhin umklammert und schnappte mit dem anderen nach meinem Handgelenk.
    "Wolltest du nach dem Kaffee greifen?", fragte er zuckersüß, ließ meine Hand los und reichte ihn mir nach vorne. "Du musst dich doch nicht so anstrengen...frag doch einfach...."
    Resigniert griff ich nach der Tasse und nahm einen Schluck. Dann reichte ich ihn wortlos nach hinten und begann erneut zu zappeln, als er die Tasse abgestellt hatte.
    "Rrrrrr, spielen wir heute den Schüchternen, Verschlossenen?", fragte James mit einem rauchigen Unterton in der Stimme.
    Mitten in der heißen Wanne wurden mir die Knie weich - ich habe einen grippalen Infekt verschleppt, da können meine Mitarbeiter so viel lachen wie sie wollen. "Jetzt lass mich endlich hier raus! Sonst werde ich gleich krank!", fauchte ich ihn an und versuchte wieder, mich zu befreien, was lediglich das Bad weiterhin unter Wasser setzte.
    James hauchte mir einen Kuss in den Nacken und schlagartig hörte ich das Zappeln auf. Trotz der Wärme des Wassers bekam ich eine Gänsehaut und wurde sehr, sehr wütend. "Jaaaaaaames", knurrte ich leise hinter zusammengebissenen Zähnen. "Du lässt mich jetzt raus oder..."
    Er festigte seinen Griff um mich. "Oder was?"
    Ich schlug wie ein Wilder mit meinen Unterarmen auf das Wasser ein, da ich sonst nichts bewegen konnte. "Oder ich raste total aus!!!!!
    James kicherte und blieb ganz ruhig. Er schmiegte sein Gesicht in meinen Nacken und wisperte "Aber Schätzchen, was erregst du dich denn so? Genieß doch einfach die Romantik des Augenblicks..."
    Ich wurde ruhig und mir kam ein Gedanke.
    "So ist es doch schon viiiiieeeeel besser", ärgerte er mich mit sanfter Stimme weiter und knabberte kurz an meinem Ohrläppchen.
    Ich wandte meinen Kopf. "Darf ich mich weigstens umdrehen, Honey?"
    Er grinste mich anzüglich an und lockerte seinen Griff ein winziges bißchen. "Wenn du kannst..."
    Ich konnte und lag nun bäuchlings in seiner Umarmung auf ihm drauf. Sein Gesicht zeigte mir schon, dass er merkte, wie das Blatt sich wendete. Er sollte sich noch wünschen, mich früh genug herausgelassen zu haben.
    Meine Arme waren nun etwas freier und ich umfasste ihn, eine Hand in seinem Nacken, den anderen Arm um seinen Oberkörper geschlungen. Ich sah ihm tief in die Augen. "Du hast recht. Das ist wirklich sehr romantisch, Honey....", hauchte ich und näherte langsam mein Gesicht an.
    Nun wurde es ihm peinlich und unangenehm, er schluckte und vergaß kurz zu atmen, konnte mich aber nur wir hypnotisiert anstarren. Genießerisch schloß ich die Augen und küsste ihn, schnurrte ein "Hmmmmmmmmmmmmmmm" und winkelte das Knie meines gesunden Beines so an, dass es unweigerlich gewisse Körperteile streifen musste. (Die übrigens auch prompt reagierten, wenn mich nicht alles täuscht... Die Enthaltsamkeit und seine Gedanken an 'jemand' machen ihn da wohl zu einem leichten Opfer...)
    Zu meiner Überraschung wurde mein Kuss erwidert, wenn auch nur kurz. Für einen Moment wurde mir schwindelig und James spürte sicherlich, dass dies sein Moment war.
    "Bist du vollkommen wahnsinnig????!!!!" brüllte er und stieß mich mit Wucht von sich.
    Nun war es an mir, in mich hineinzukichern. "Du zerstörst aber auch jeden schönen Moment..."
    "RAUS! Verschwinde! VERPISS DICH!"
    Ich schaute ihn ernst an. "Ich kann nicht. Du musst mir dabei helfen...."
    Er hatte schon eine gemeine Antwort auf der Zunge liegen, schluckte sie aber herunter, als sein Blick auf meinen Stock neben der Badewanne fiel.
    "Okay", meinte er leise. "Dreh dich um und ich helfe dir auf."

    Es muss ein Bild für die Götter gewesen sein, als er mit mir aufstand und mir aus der Wanne half. "Und dreh dich bloß nicht zu mir um!", zischte er, als ich vorsichtig aus der Wanne kletterte.
    So würdevoll wie es mir in dem tropfnassen Pyjama und der Show eben nur möglich war, stapfte ich aus dem Bad, um mich umzuziehen.

    Verpeilt, müde und wieder im PPTH

    Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie überaus glücklich ich bin, wieder hier zu sein!
    Natürlich ist das gelogen!
    Ich bin müde, missgelaunt, habe gleich zusammen mit Dr. Allenby einen Termin bei Cuddy (und habe keine Ahnung, um was es geht), fand einen Teddy auf meinem Schreibtisch vor, habe zwei zerstrittene Mitarbeiter, Kopfschmerzen und wünsche mich zurück in das Cottage.
    Zusammen mit Wilson.
    Auf der Couch.
    Mit Lumumba.
    Im Gewitter.
    Oder....in der Badewanne.

    Aber ich will Sie nicht mit meinen miesen Stimmungen langweilen - ich besorge mir nun einen Kaffee, schaue, ob ich mich zwischendurch zum Einkaufen wegstehlen kann und melde mich dann mit Berichten von Sonntag und Montag zurück. (Und bin gespannt, ob ich von James auch noch was lesen werde oder ob er den Mantel des Schweigens über die Aktion in der Badewanne breiten wird....)

    Monday, October 16, 2006

    Samstagnacht die Zweite

    Es wurde wieder nass auf seiner Wange, das konnte ich deutlich sehen, weil es plötzlich im Sternenlicht glitzerte.
    Trotzig wischte er die Nässe weg und starrte weiter vor sich hin.
    Ich hob die Hand und fuhr ihm durchs Haar. Kurz reagierte er nicht, wandte dann aber den Kopf und sah mich an.
    Ich schaute stumm zurück und kraulte ihm weiterhin leicht durch die Haare. James schloß kurz die Augen, sah mich dann aber wieder an und schluckte.
    "Vielleicht", begann er und verstummte wieder.
    Ich sah ihn aufmerksam an. "Vielleicht", fuhr er fort, "sage ich es dir doch...."
    Da keine Antwort von mir kam atmete er einmal tief durch. "Okay...ich werde dir sagen, wer mein 'jemand' ist...."
    "Das musst du nicht", antwortete ich leise. "Du willst es doch eigentlich gar nicht sagen."
    "Doch, das möchte ich nun", antwortete er und beugte sich über mich.
    "Greg, ich liebe...."
    Der Rest wurde ärgerlicherweise in einem ohrenbetäubenden WOMM!!!! verschluckt, gleichzeitig blitzte es und ich fuhr erschreckt hoch wie ein Kastenteufel, nur knapp mit meinem Kopf James' Kinn verfehlend.
    "Heiland! Was war das denn????"
    Wie zur Antwort prasselte sogleich der Regen hernieder und wir machten, dass wir auf die Beine kamen. Die Decke hielten wir halb über uns und "eilten", so schnell es mir mit meinem Humpeln möglich war zum nächsten Baum, wo wir kurz stehenblieben.
    Es blitzte und donnerte wie verrückt und der Regen wurde immer stärker. Ich schaute hinauf.
    "Ich denke nicht, dass es sich lohnt, hier stehenzubleiben. Es hört sicher so schnell nicht auf..."
    James nickte bloß und wir gingen weiter. Unterwegs trat er mit aller Kraft gegen eine Mülltonne, so dass sie zerbeult umfiel und der Inhalt durch die Gegend flog.
    "So eine verdammte Scheiße kann aber auch bloß mir passieren!", brüllte er und ballte eine Faust.
    Ich legte unter der Decke meinen linken Arm um seine Hüfte und drückte ihn beruhigend. "Du kannst es mir gleich im Trockenen auch noch sagen."
    Er schüttelte den Kopf, während wir weiterstapften und biss die Zähne zusammen.
    "Nein, jetzt hat mich der Mut wieder verlassen. Es soll wohl noch nicht sein, sonst hätte das scheiß Wetter mir keinen Strich durch die Rechnung gemacht..."
    Wir waren inzwischen tropfnass, die Decke um uns herum war vollkommen durchweicht und es machte auch keinen Sinn mehr, sie als Regenschutz über unsere Köpfe zu halten.
    "Wir hätten einfach mit dem Arsch im Bett bleiben sollen", meinte ich trocken und James schaute mich von der Seite her an.
    "Was müssen wir nur für ein Bild abgeben?", fragte er und musste grinsen. So glücklich war ich selten, ihn endlich wieder lächeln zu sehen. Er hatte so mitgenommen gewirkt eben.
    Ich grinste zurück und zuckte mit den Schultern. "Wenn jetzt ein Kind nach draußen schaut denkt es, das Monster unter seinem Bett mache einen Ausflug..."
    Wir hielten kurz inne, als wir hinter uns ein Juchzen und Kreischen hörten.
    "Eeeeeeve, jetzt KOMM endlich! Wir werden sickenass!!!"
    Meine Augen weiteten sich. "Scheiße!"
    James zog mich rasch hinter den nebenstehenden Busch und wir kauerten uns dahinter, was für mein Bein sagenhaft unbequem war.
    Es war tatsächlich Cameron! Was um alles in der Welt tat sie denn hier? Sie zerrte an einer albern kichernden Freundin herum, die es sich in den Mund regnen ließ. Unglücklicherweise blieben sie direkt vor "unserem" Busch stehen.
    "Eve, verdammt!!"
    Eve kicherte weiter. "Ich komm erst weiter, wenn du mir von ihm erzählst!"
    "Da gibt es nichts zu erzählen!", schoss Cameron zurück.
    "Ich dachte, ihr hattet ein Daaaaate?"
    "Das Date war schrecklich!"
    Es wurde mir immer unbequemer und ich hoffte sehr, sie würden endlich verschwinden.
    Plötzlich fiel mir ein Gespräch zwischen Cameron und Chase ein, das ich mit halbem Ohr mitbekommen hatte. Sie meinte dabei, dass sie schreckliche Angst vor Das Schweigen der Lämmer hätte.
    Ein diabolisches Grinsen machte sich auf meinem Gesicht breit und James schaute mich von der Seite her an. Bevor er etwas tun konnte, krächzte ich mit verstellter Stimme aus dem Gebüsch "Es soll sich mit der Lotioooooon einreiben!"
    Beide verstummten in ihrem Gespräch und James hielt mir die Hand vor den Mund, weil mich ein unkontrollierter Lachanfall zu übermannen drohte.
    Cameron kreischte auf und die beiden rannten fort, was das Zeug hielt - ihre Schreie waren noch eine ganze Weile zu hören. Mir liefen inzwischen schon die Tränen aus den Augen und endlich nahm Jim die Hand von meinem Mund. Ich prustete los und er lachte aus vollem Hals mit.
    "Was müssen die bloß gedacht haben?", japste er.
    Ich war rückwärts mit dem Hintern in eine Pfütze gefallen, musste aber immer noch lachen. "Keine Ahnung!", keuchte ich und hielt mir die Rippen. "Ich kann nicht mehr!"
    James half mir grinsend auf. "Dein süßer Hintern wird ganz nass..."
    Von Zeit zu Zeit immer mal wieder von Lachanfällen unterbrochen schlichen wir zurück zum Haus.

    Drinnen angelangt trockneten wir uns erstmal notdürftig ab und nahmen dann jeder eine heiße Dusche. (Nacheinander!)
    Ich kam im Pyjama zurück ins Wohnzimmer, rubbelte mir schnell die Haare trocken und sah James schon auf dem Sofa sitzen. Er hatte ein paar Kerzen angezündet und es lief Tonight, wahrscheinlich von meiner CD. Das allerschönste waren die zwei dampfenden Tassen Kakao mit Sahne, die auf dem Tischchen vor dem Sofa standen. (Oder aber James mit zerzausten und leicht feuchten Haaren, da kann ich mich schlecht entscheiden...)
    "Hmmmmm...Liebling, du kannst ja Gedanken lesen", schnurrte ich und kuschelte mich an ihn. Statt meckernd abzurücken blieb er erstaunlicherweise so sitzen, lächelte bloß und reichte mir eine der Tassen. Also blieb ich auch so sitzen und wir schlürften einträchtig unseren Kakao und wärmten uns weiter auf.
    "Hast du da einen Schuß Rum reingetan?", fragte ich nach kurzem Nachschmecken.
    James nickte. "Mir war so nach Lumumba..."
    Ich hielt die Tasse mit beiden Händen fest, genoß die Wärme, die sich in mir ausbreitete und legte meinen Kopf an seine Schulter. Normalerweise bin ich eigentlich nicht so anhänglich (glaube ich).
    James bewegte leicht den Kopf und schmiegte kurz seine Wange an meinen Kopf. "Du bist ein schmusiger Krüppel", meinte er auf unser Gespräch am Nachmittag anspielend und ich konnte das breite Grinsen in seiner Stimme hören. "Vielleicht möchte dich ja doch mal einer haben."
    "Einen wüßte ich schonmal", meinte ich trocken ohne den Kopf zu heben. James giggelte leise und legte seinen Arm um mich. Ich nahm noch einen Schluck Kakao und schloß die Augen. Das war unglaublich angenehm und ich wollte meine Position nicht so schnell wechseln.
    Ich dachte darüber nach, wie wir vor dem Gewitter am Strand gesessen hatten und draußen donnerte es immer noch und der Wind pfiff ziemlich stark ums Haus.
    "Riecht das Meer nachts eigentlich anders?", fragte ich nach einem weiteren Schluck Lumumba.
    "Wieso?"
    "Es kam mir so vor. Vielleicht, weil keine Autos rumfuhren, aber es roch irgendwie frischer und sauberer."
    James verbarg kurz sein Gesicht in meinen Haaren und mir wurde etwas schwummerig zumute. Seltsam, dass mir das bißchen Rum so schnell in den Kopf zu steigen schien.
    "Hmmmm....zumindest DU riechst nachts anders..."
    Ich hob kurz den Kopf und sah ihn leicht verwirrt an. "Äh?"
    "Ja...nach Seife, Zahnpasta und Weichspüler..."
    "Weichspüler?" fragte ich und hob erneut kurz den Kopf.
    James zog mich ein wenig enger an sich und eine neue Woge von Schwindelgefühl überrollte mich.
    "Ja, riech ich ganz deutlich...Von deinem Pyjama..."
    "So", meinte ich bloß und trank meinen Kakao aus. "Jetzt ist sicher noch Schoko-Sahne dazugekommen...."
    "Ja, da kann man sich dran gewöhnen", entgegnete James nur und wir schauten dann schweigend aus dem Fenster auf die Terrasse hinaus, wo die Bäume sich im Wind bogen und es von Zeit zu Zeit hell aufblitzte.
    Irgendwann schlief ich so ein.

    Waking up in the middle of the night

    Da sich James dem Samstag verschrieben hat, wenn ich dem Fortsetzung folgt Glauben schenken darf, berichte ich über die Nacht zum Sonntag.
    Nein, nicht was SIE jetzt alle vielleicht denken!

    Aber bevor ich loslege...
    Übrigens, Foreman, wir mögen vorhersehbar sein, aber nicht so vorhersehbar. Natürlich habe ich Single Malt gekauft. Aber auch einen Fino und die Zutaten für Tandoori Huhn. (Noch was anderes? Ich weiß nicht mehr...)

    Und Down Under Hair Wonder Chase, ich habe mir die Story mit der versehentlich bei mir gelandeten MMS nochmals durch den Kopf gehen lassen. Dabei ist mir eingefallen, dass diese ja anonym über einen PC verschickt wurde. Da trifft dann meine Idee mit dem Adressbuch und einer Freundin die mit "H" beginnt, kaum noch zu, oder?
    Da muss man die entsprechende Nummer schon wissent- und willentlich eingeben.
    Wollten Sie mich ärgern und mich glauben lassen, sie sei von Dr. A.?
    Aber ich begrüße es sehr, jetzt mehr von Ihnen zu lesen und bin schon sehr gespannt auf Ihre kommenden Berichte.

    An Foreman und Chase: Wie machen sich die Neuen?

    Und nun zu meinem eigentlichen Bericht. Halt, doch noch nicht! Wilson hat eben Kaffee aufgesetzt, da nehme ich mir erstmal einen. (Wirke ich heute irgendwie...unentschieden?)

    Jetzt aber. (Sehr aufmerksam. Er hat seine wunderbaren, unvergleichlichen Pfannkuchen gebacken - also tippe ich mal schneller...)

    Mitten in der Nacht wachte ich auf, da eine Woge Schmerz von meinem Bein aus durch meinen ganzen Körper rauschte. Benommen griff ich nach dem Glas mit den Vicodin auf meinem Nachttisch und nahm gleich zwei heraus, um sie trocken zu schlucken. Vorsichtig schaute ich zur Seite um mich zu vergewissern, dass James es nicht gesehen hatte. (Er macht immer ein riesen Thema aus meinem Vicodin-Konsum.) Aber - Überraschung - er war gar nicht da. Dabei war er definitiv da gewesen, als ich eingeschlafen war, denn die Rückenmassage, die ich von ihm bekam hatte ich nicht geträumt. Ich runzelte die Stirn und setzte mich auf.
    Die kleine Anlage auf Jims Nachttisch lief sehr leise und grade endete Daphne descends um sofort wieder vom neuen zu beginnen.
    "James?", fragte ich leise in Richtung Wohnzimmer.
    Keine Antwort.
    "James?", fragte ich nun etwas lauter, erhielt aber immer noch keine Antwort.
    Mühsam kletterte ich aus dem Bett, nahm meinen Stock und humpelte ins Wohnzimmer hinein. Das Haus war dunkel, leer und ziemlich kalt, so dass ich - lediglich mit meiner Pyjamahose bekleidet - sogleich zu frieren begann.
    Ein Blick in die Diele zeigte mir, dass der Hausschlüssel fort war und ich runzelte erneut die Stirn. Was veranlasste James, nachts um 3 Uhr hinauszugehen? Das konnte doch nur wieder kreiselnde Gedanke sein.
    Seufzend zog ich mir Jeans und Rolli über, schlüpfte in meine Sneaker, warf den Mantel über und klemmte eine Decke unter meinen linken Arm. Ich machte mir ein wenig Sorgen und wollte James suchen gehen, bevor er draußen zum Eiszapfen wurde.

    Draußen entdeckte ich vor meinem Mund die ersten "Ich sehe tote Menschen"-Wölkchen des Jahres und schauderte kurz vor Kälte. Glücklicherweise war James nicht mit dem Auto weg, also konnte er so weit nicht fort sein.
    Ich hinkte ein Stück die Straße hinunter und äugte in jede Seitenstraße hinein - keine Spur von ihm. Sicher war er zum Strand hinunter. Also lenkte ich meine Schritte dorthin.
    Am Strand war es ziemlich dunkel und ich brauchte erst eine Weile, um meine Augen daran zu gewöhnen. Der Mond war zu einer Sichel geschrumpft und die Sterne gaben nicht wirklich viel Licht, also wartete ich zwei Minuten, bevor ich weiterging.
    Zunächst war weit und breit nichts von James zu sehen, bis ich ihn endlich auf einem Stück Treibholz sitzend entdeckte.
    Er starrte auf das Meer hinaus und schien mich gar nicht wahrzunehmen. Vor Kälte hatte er die Schultern hochgezogen und seine Wangen waren verdächtig nass, was mir einen Stich versetzte.
    "Hey", sagte ich leise, setzte mich zu ihm und legte die Decke um uns beide. Er zuckte ein wenig zusammen und sah mich an.
    "Ich...hab dich gar nicht gehört..."
    "Und auch nicht gesehen, ich hab gleich vor dir gestanden", meinte ich und wischte ihm über die Wange.
    Er wischte sich rasch das Gesicht trocken und murmelte "Das war die Gischt. Du standest vor mir? Ich dachte, ich hätte mir das eingebildet."
    Ich schaute ihn prüfend an und er zog die Decke enger um sich.
    "Lass deinen Diagnostikerblick", kam es schneidend von ihm.
    Ich seufzte und schaute aufs Meer hinaus. Er hatte anscheinend eine sehr seltsame Laune und schien sich nicht unbedingt über meine Gesellschaft zu freuen.
    "Gut", begann ich und rappelte mich auf. "Wenn du hier weiterhin alleine rumsitzen möchtest, behalte aber wenigstens die Decke. Und gib mir bitte den Schlüssel, ohne den komm' ich jetzt nicht mehr rein."
    James schaute auf und schluckte. Dann hielt er die Decke auf. "Nein, bitte. Setz dich wieder."
    Achselzuckend setzte ich mich wieder zu ihm und er legte die Decke mit um mich herum - den Arm beließ er dann um meine Schulter.
    Eine ganze Zeit schwiegen wir nur. Das Meer rauschte, ab und an hörte man eine verschlafene Möwe und ein leichtes Läuten von den Schiffen am Hafen. Ich legte den Kopf zurück und sah mir die Sterne an. James würde schon anfangen, wenn er reden wollte.
    "Du wirst noch eine Nackenstarre bekommen, wenn du weiterhin so nach den Sternen schaust", bemerkte er und brach die Stille. Ich wandte ihm den Kopf zu und er lehnte sich kurz an mich, um dann gleich wieder abzurücken und seinen Arm von meiner Schulter zu nehmen.
    "Danke für die Decke", meinte er dann leise. "Und...danke für deine Gesellschaft. Wieso bist du aufgewacht?"
    Ich schaute zu Boden und malte mit dem Stock Spiralen in den Sand. "Ich weiß nicht. Vielleicht weil die Smashing Pumpkins mir dauernd das gleiche vorgesungen haben..."
    Nun war es an James, mir forschend ins Gesicht zu sehen. "Du hattest Schmerzen, oder?"
    Ich schaute ihm direkt in die Augen. "Nicht so starke, dass sie mich mitten in der Nacht an den Strand getrieben hätten...."
    Eine Weile blickte James zurück, wandte dann aber die Augen ab und seufzte.
    "Ich weiß auch nicht...das Lied ist wirklich...Du hast Recht. Ich brauchte einen klaren Kopf, es hat nur so gewimmelt von Gedanken."
    Er schaute in den Himmel und sah mich dann wieder an. "Wenn wir die Decke in den Sand legen, können wir uns drauflegen und ohne Nackenstarre in den Himmel schauen..."
    Gesagt - getan. Die Decke war glücklicherweise groß genug, dass wir uns trotzdem noch einigermaßen darin einwickeln konnten, sonst wäre ich sicher den Kältetod gestorben.
    "Mir ging so viel im Kopf rum...Mein Magen hat auch ganz fürchterlich gezogen und ich musste einfach raus", fuhr er fort.
    "Ist es wegen Julie?", fragte ich leise.
    Er schüttelte den Kopf. "Nein, ich habe mich damit abgefunden, dass unsere Ehe kaum mehr zu retten ist."
    "Du hast ihr gesagt, du liebst sie", erinnerte ich ihn an das Dinner-Fiasko.
    Er seufzte. "Wie kann ich das, wenn es doch diesen 'jemand' gibt?"
    Ich wandte den Kopf und sah ihn an, entgegnete aber nichts.
    Er wandte ebenfalls den Kopf und schaute mir in die Augen. "Ich habe soviel an diese Person gedacht. Und...wie wohl ich mich mit ihr fühle. Und wie schön es ist, wenn ich ihr nahe bin...und wie unerträglich gleichzeitig so manches Mal."
    "Unerträglich?", fragte ich mit hochgezogener Braue.
    Er nickte. "Sicher unerträglich. Stell dir vor, du darfst jemandem die ganze Zeit nicht zeigen, wie sehr du ihn liebst..."
    Ich schaute zurück in den Sternenhimmel und atmete tief durch. In meinem Magen zog es nun ebenfalls und ich musste schlucken.
    "Quälst du dich da nicht vielleicht völlig unnötig? Es verbietet dir doch niemand, es zu zeigen."
    "Wenn ich es zeige, dann weiß 'jemand' es. Wobei...manchmal frage ich mich auch, ob er es nicht anders interpretieren würde und vollkommen arglos bliebe."
    "Was wäre so schlimm daran, wenn 'jemand' es wüßte?"
    Ein tiefes Seufzen war die Antwort. "Es würde einfach alles ändern. Und ich könnte es nicht ertragen, wenn dieser Mensch sich von mir entfernte. Und...ihm würde ich damit auch etwas nehmen - und das könnte ich noch sehr viel schwerer ertragen."
    "Was würdest du der Person denn nehmen?", fragte ich kopfschüttelnd.
    "Eine Konstante in ihrem Leben. Vielleicht sogar die einzige."
    Ich runzelte die Stirn. "Das ist doch Unsinn. Und schau dich doch mal an! Meinst du im Ernst, du könntest deinen 'jemand' dermaßen verschrecken, wenn du endlich deine Gefühle eingestehst? So kannst du doch nicht ewig leben."
    Stur entgegnete er nur "Doch! Kann ich!"
    Er richtete sich auf, stützte sich auf den Ellenbogen und starrte weiterhin auf das Meer hinaus. Ich betrachtete ihn eine Weile, wie der Wind durch sein Haar fuhr und fühlte beinahe körperlichen Schmerz, weil es mir so leid tat, wie er sich quälte.

    Fortsetzung in ein paar Minuten - die Pfannkuchen duften zu arg...

    Sunday, October 15, 2006

    Samstag und die Laune steigt wieder

    Freitagabend wurde in Single Malt ertränkt...
    Wir sprachen recht wenig, hörten eigentlich nur Musik und kippten ein Glas Whisky nach dem anderen.
    Ich hatte einerseits ein schlechtes Gewissen, dass ich so kindisch gewesen war, tatsächlich Wilsons Mobile wieder einzuschalten. Aber ich konnte doch nicht ahnen, dass so ein Schwachmat anrufen würde um ihn zu beschimpfen. Ich dachte eher an seine Mutter oder nervige Nachfragen aus dem PPTH.
    Als ich ihm das sagte, winkte er bloß ab, schwieg weiter in sich hinein und kippte den nächsten Lagavulin herunter.

    Dementsprechend fertig waren wir auch Samstag früh bzw. am späten Vormittag. Ich blinzelte grade meinen ersten Blick in die Sonne, als James sich zu mir umdrehte und mich mit verquollenen Augen ansah.
    "Kaffee?", fragte ich nur und bekam ein müdes Nicken zur Antwort.
    Ich wuchtete mich aus dem Bett, tastete nach meinem Stock und humpelte ins Bad. Ich sah auch nicht sonderlich gut aus. Blass, rote Ringe um die Augen und so stoppelig, dass ich sogar nach dem Rasierer griff.
    Nach dem Duschen fühlte ich mich etwas menschlicher, zog mir meinen schwarzen Rolli und die schwarze Jeans über und trollte mich in die Küche, um Kaffee aufzusetzen. Ich schluckte grade zwei Guten-Morgen-Vicodin, als ich James im Bad jammern hörte, er fühle sich, als habe ein Kamel seine Notdurft in seinem Mund erledigt.
    Das brachte das erste Grinsen des Tages auf mein Gesicht und ich rief ihm zu "Siehst du, ich habe dir doch gesagt, du sollst nicht aus der Toilette trinken, nachdem du draufgesessen hast!"
    Aus dem Bad klang nur ein Grunzen und dann hörte ich die Dusche rauschen.

    Als er in der Küche auftauchte, trug er eine Jeans und einen Pulli seiner Universität und sah schon wieder gut aus. Wie macht er das nur? Ich fühlte mich trotz Rasur immer noch wie ein Waldschrat.
    Er schnappte sich den Schlüssel vom Häuschen und rief mir über die Schulter zu, er wäre rasch Brötchen holen. Ich machte mich in der Zeit daran, ein Rührei zu zaubern und deckte den Tisch.
    Kurze Zeit später hörte ich den Schlüssel in der Tür und das Frühstück konnte beginnen.
    Dankbar ließ James sich einen Kaffee eingießen und trank ihn zur Abwechslung schwarz. Ich schaute ihn ab und an verstohlen an und sagte lieber erstmal gar nichts - schließlich wußte ich immer noch nicht, wie er mir gegenüber gelaunt war heute.
    Als ich grade nach dem Zucker greifen wollte, langte er plötzlich über den Tisch hinweg nach meiner Hand, drückte sie kurz und hielt sie fest. Überrascht schaute ich auf und blickte in entschuldigende braune Augen.
    "Greg, es tut mir leid..."
    "Was denn? Ich war derjenige, der den Abend versaut hat...", antwortete ich ziemlich kleinlaut, was mir nun einen überraschten Blick von James einbrachte. So kannte er mich nicht unbedingt. So kannte nicht einmal ich selbst mich.
    Er schüttelte den Kopf. "Du hast doch Recht...Du konntest nicht ahnen, dass der Kerl mich anruft. Das wolltest du doch auch nicht."
    Ich schaute in meine Kaffeetasse und wußte nicht, was ich nun mit meiner Hand anstellen sollte, die er immer noch festhielt. "Nein, das wollte ich nicht...Ich dachte allenfalls...an nervige Fragen aus der Onkologie oder sowas..."
    Plötzlich leuchtete James' Gesicht auf und er grinste. "Weißt du, an sowas dachte ich auch...Anrufe von Allenby beispielsweise...Du...äh...solltest eventuell mal schnell Dein Handy ausschalten."
    Ich zog eine Braue hoch. "Du hast es wieder eingeschaltet?!"
    James giggelte in sich hinein. "Gleich, nachdem wir angelangt waren...Als du beim Auspacken warst..."
    "Du bist doch...", brachte ich nur hervor und entzog ihm endlich meine Hand. Grinsend humpelte ich in den Flur und besah mir mein Handy. Ich hatte tatsächlich eine Nachricht bekommen - im Suff hatten wir das gestern wohl gar nicht gehört.
    Eine anonym über einen PC verschickte MMS blickte mir entgegen. Ein Bär, der ein "I miss you"-Herz in den Tatzen hielt.
    Schallend lachend kam ich zum Frühstückstisch zurück. Wortlos hielt ich ihm das Handy unter die Nase und schaltete es dann gleich aus.
    "Von wem das bloß kommt?", sinnierte James, als er sich sein zweites Brötchen butterte.
    Ich grinste. "Hast du mal in Camerons Profil geschaut? Ihre Interessen? Evtl. ist es ja gar nicht unbedingt von Allenby..."
    James zwinkerte. "Es riecht aber nach ihm. Cameron hätte irgendwas in rosa verschickt."
    Lachend beendeten wir unser Frühstück und ich war froh, dass es James wieder gut ging.

    Saturday, October 14, 2006

    Wirklich...ich brauche jetzt drei Kannen stärksten Kaffees!
    Wie unglaublich peinlich!
    Ich Hirn, wieso verlinke ich die Seite auch hier?
    Da musste es doch so kommen.

    James hat meine deviantART-Seite gefunden.
    Und natürlich die "bedeutenden Werke" Wilson heart House und Stop resisting. Was denkt er denn nun von mir?

    Immerhin hat er nach der Aktion mit seinem Handy seine gute Laune heute wiedergefunden, wenn auch mit Brummschädel. So hat er dann auch bloß gelacht, aber ich wünsche mir, es möge sich unter mir ein Loch im Boden auftun.

    Freitag der 13. und ein nettes Abendessen

    Nun, im Nachhinein findet James das Abendessen vielleicht nicht mehr so nett...
    Aber ich fand es auch nicht nett, dass er sich insgeheim königlich über mein Missgeschick am Strand amüsiert hat.
    Es war verdammt unangenehm, auf der Plastiktüte sitzend mit triefend nasser Hose, nassen Schuhen und nassen Socken zurück zum Cottage zu fahren. Der Sand war bis in meine Socken hinein geraten - von meinen Boxershorts mal ganz zu schweigen.
    Und James grinste immer wieder still in sich hinein, wenn ich unbehaglich an meiner Hose zupfte.
    Als ich aus dem Auto stieg meinte er "Du gehst so komisch."
    Ich drehte mich zu ihm um und meinte bloß "Ich hab Sand in den Shorts..."
    Kurz sah er mich schweigend an und prustete dann los. Ein vernünftiges Wort brachte er nicht mehr heraus und ich schnitt ihm bloß eine Fratze und humpelte in Richtung Dusche. "Wenn du nicht aufhörst, schalte ich heimlich dein Handy an", knurrte ich noch, was ihn aber nicht beeindruckte.

    Beim Duschen musste ich selber lachen, weil mir James Gesicht wieder einfiel als wir das "Schau mal Liebling! Wie zwei frisch Verliebte!" hörten. Viel lustiger war sein Gesicht allerdings, als ich ihn festhielt und ausrief "Oh Liebling, nicht so stürmisch!" Ich musste mir das Lachen verkneifen und das angezickte "Komm schon, die gehen zur Sache. Wirklich unerhört! Mitten in der Öffentlichkeit" des älteren Herrn klang mir noch lange im Ohr und entlockte mir immer wieder ein Grinsen.
    James war sowas immer ganz furchtbar peinlich und ich nehme an, er wäre am liebsten im Erdboden verunken.
    Also nahm ich mir vor, ihn zum Abendessen einzuladen als kleine Entschädigung und zog mir nach dem Duschen einen Anzug an und sprühte mir mein Halston auf. Auf die Krawatte aber verzichtete ich mal wieder gerne.

    James ließ sich den Vorschlag nicht zweimal machen und löste mich auch gleich unter der Dusche ab. Ich schnappte mir in der Zwischenzeit den Flyer von Point Pleasant, der auf unserem Wohnzimmertisch lag und schaute nach empfehlenswerten Restaurants. Meine Wahl fiel auf ein recht gut beschriebenes Seafood-Restaurant und als James im Anzug, frisch gefönt und mit einer kleinen Wolke Fahrenheit vor mir stand, zeigte ich es ihm.
    "Fisch war genau das, was mir vorgeschwebt ist!", meinte er ziemlich begeistert und beugte sich über den Flyer.
    "Du riechst gut", grinste ich ihn von der Seite an.
    Er grinste zurück. "Du aber auch."
    Ich zuckte die Achseln. "Mir war am wichtigsten, dass der Sand verschwunden ist..."
    James lachte schon wieder und klopfte mir auf die Schulter. "Na denn los. Ohne Sand in der Hose zum Essen."
    Schon hatte er die Autoschlüssel geschnappt und warf mir meinen Stock zu. Ich schnappte ihn auf und betrachtete ihn eine Weile. (James, nicht den Stock.) Es war schön, ihn wieder so gelöst zu sehen nach diesem gräßlichen Mittwochabend. Er schien keinen Gedanken an Julie und ihre Eheprobleme zu verschwenden und seinen 'jemand' schien er auch ein langes Wochenende missen zu können.

    Trotz Plastiktüte war der Beifahrersitz ein wenig feucht geworden, so wurde die Fahrt zum Restaurant ein klein wenig unangenehm für mich. Dieser Umstand brachte James allerdings wieder zum Grinsen.
    "Gut, dass dein Anzug schwarz ist...du hättest sonst sicher gleich einen feuchten Kringel am Hintern!"
    "Den habe ich auch so gleich", brummte ich. "Nur sieht man ihn nicht. Aber du kannst ihn ja nach dem Aussteigen gleich erstmal trockenrubbeln."
    "Das könnte dir so passen, was?", griemelte James und parkte vor dem Restaurant.
    Ich beugte mich nach dem Aussteigen vor und schwenkte den Hintern. "Na los!"
    James schaute sich hektisch um. "Greg! Also wirklich! Weißt du, wie das mal wieder aussieht?!"
    Ich unterdrückte ein Grinsen und zog eine Braue hoch. "Wie denn?", fragte ich mit meinem allerunschuldigsten Gesicht.
    Jim schnaubte bloß und zog mich am Ellenbogen ins Restaurant.
    Das war wirklich mehr als nett und als ich die Kerzen auf den Tischen sah, musste ich wieder grinsen. "Cameron würde jetzt wieder sagen, dass wir beide ein Date haben."
    James zog es vor zu schweigen und uns wurde ein Tisch zugewiesen. Ich schaute mich um und wandte mich ihm dann wieder zu. "Zu schade, dass ich keine Rosen für dich habe in dieser stilvollen Umgebung..."
    James schaute mich von unten herauf an und konnte sein kleines Grinsen nicht verhindern. Ich mag es, wie seine Augen blitzen, wenn er richtig gut gelaunt ist.
    "Naja", fuhr ich fort, "vielleicht kommt ja gleich jemand um die Tische 'wolle Rose kaufe'..."
    "Dann untersteh dich...", drohte James mir.
    "Diese Menschen müssen auch ihren Lebensunterhalt verdienen", entgegnete ich achselzuckend und nahm die Speisekarte von der Bedienung entgegen.
    "Hoffentlich hat deine Karte keine Preise, Honey", sagte ich noch wie beiläufig, als ich sie aufschlug und James seine gereicht bekam. Er erstarrte kurz in seiner Bewegung, nahm die Karte dann aber entgegen und lächelte die Bedienung an - eine gewisse Sharon, ihrem Namensschild nach -, welche uns mit hochgezogenen Brauen musterte.
    Als sie sich vom Tisch entfernt hatte, zischte er mir leise zu "Du bist ein Drecksack, Greg!"
    Ich schob die Unterlippe vor. "Also, Jim...nett ist das nicht. Da lade ich dich hier ein und werden zum Dank beschimpft..."
    "Hast du ihren Blick nicht gesehen?", beugte er sich vor.
    "Dohoooch, hab ich. Hübsch die Kleine, nicht? Zu schade, dass sie nun denkt, wir seien schwul... Bist du deshalb sauer? Hast du schon mit deinem Schwanz gedacht?"
    James musterte mich kurz und grinste dann. "Du bist unmöglich. Aber dafür wird es mit dir auch nie langweilig."
    Ich schenkte ihm mein bezauberndstes Lächeln und suchte mir eine gemischte Fischplatte aus.
    "Dafür nehme ich jetzt den Hummer!", grinste James. "Und noch was...würde ich tatsächlich mit meinem Schwanz denken, hätte ich meinen 'jemand' schon lange angefallen."
    Zwischenzeitlich bestellten wir einen Weißwein und James ließ es sich nicht nehmen, derjenige zu sein, der ihn probierte. Als wir eingeschenkt bekamen und Sharon wieder abgedampft war stützte ich mein Kinn auf die verschränkten Hände.
    "Da ist wohl was dran...Aber das impliziert doch wohl nicht, dass deine Sehnsucht nach dieser Person, deren Name nicht genannt werden darf, rein sexuell motiviert ist?" Erwartungsvoll zog ich eine Braue hoch.
    James schlug kurz die Augen nieder. "Nein, das impliziert es nicht. Ich...", er seufzte tief, "ich liebe diesen Menschen."
    Als ich nichts entgegnete, sondern ihn weiterhin aufmerksam ansah stahl sich ein Lächeln in seine Augen. "Du hast es schon wieder geschafft, das Thema dorthin zu lenken. Du bist schlimmer als ein altes Tratschweib!" Er drohte mir scherzhaft mit dem Finger und Sharon, die grade unser Essen servierte grinste, weil sie der Meinung war, wir schäkerten. Sie flötete uns ein "Guten Appetit" zu und entfernte sich mit einem Augenzwinkern.
    Ich grinste. "Es scheint die Leute irgendwie zu freuen..."
    James seufzte resigniert und schickte sich an, seinen Hummer zu zerlegen. "Dafür freu ich mich, hiermit deine Brieftasche zu plündern..."
    "Darüber komme ich hinweg, Darling. Ich verdiene ein Schweinegeld."

    Das Essen war absolut hervorragend und ich gab von Zeit zu Zeit peinliche kleine Entzückenslaute von mir, was James zunehmend auf die Nerven ging. Ich wollte es nicht ganz ausreizen und stoppte just in dem Moment, als der Tisch neben uns besetzt wurde.
    "Oh nein", stöhnte James leise uns barg kurz die Augen hinter der Hand. Neugierig schaute ich auf - neben uns saß das Ehepaar vom Strand. Bingo!, dachte ich im Stillen. Der Abend versprach noch sehr lustig zu werden.
    Die Frau nickte uns freundlich zu, ihr Mann jedoch sah aus, als hätte er auf eine Zitrone gebissen.

    James zuliebe blieb ich ganz "normal" und wir unterhielten uns, als ob nichts sei. Allzulange hielt ich das aber nicht durch und schon saß der kleine Teufel wieder auf meiner Schulter und flüsterte mir eine Idee ein.
    Ich grinste kurz in mich hinein und James sah mich forschend an. "Was?"
    Ich schaute unschuldig von meinem Lachs auf. "Nüüüchts.."
    Seine Augen verschmälerten sich. "Greg, ich kenne dieses Grinsen. Du führst was im Schilde..."
    Ich plinkerte ihm lächelnd zu und schlüpfte heimlich aus meinem rechten Schuh.
    Als James sich wieder seinen Essen zugewandt hatte und sich in trügerischer Sicherheit wiegte, ließ ich meinen Fuß unter sein Hosenbein gleiten.
    James erstarrte kurz in seiner Bewegung, sagte aber nichts und zerlegte seinen Hummer weiter.
    Am Nachbartisch stubste die ältere Dame ihren Mann an und lächelte verstohlen. Von ihrem Göttergatten kam bloß ein Schnauben. "Unmöglich!"
    Ich rutschte ein Stück tiefer in den Stuhl und wanderte mit meinem Fuß sein Bein hinauf. Bewundernswert, wie ruhig und unbewegt er blieb.
    Sein Pech, dass mich das weiter herausforderte. Ich konnte es nicht lassen, ihn mit den Zehenspitzen kurz in den Schritt zu pieken.
    "Hey!", kam es vom Nachbartisch und ich schlüpfte mit einem entschuldigenden Lächeln wieder in den Schuh und setzte mich grade hin.
    James war purpurrot angelaufen, hatte kurz die Augen geschlossen und atmete tief durch. Ich wußte, er war sauer und konnte über seinem Kopf beinahe "21, 22..." lesen.
    Auf unsere Tischnachbarn könnte dieses Verhalten allerdings auch anders gewirkt haben.
    Den kurzen Rest des Abends im Restaurant riss ich mich zusammen und zahlte dann.

    Auf dem Parkplatz wurden wir von Sharon aufgehalten. Sie drückte mir eine Flasche Pommery in die Hand. "Von der Dame an Ihrem Nachbartisch! Schönen Abend noch!", zwinkerte sie und eilte wieder hinein.
    James starrte ihr fassungslos hinterher und ich schwenkte grinsend die Flasche. "Es bringt uns immer etwas ein, wenn ich uns in solche Situationen bringe..."
    Wortlos wurde ich ins Auto geschubst und stieß mir den Kopf an.
    "Autsch!"
    "Geschieht dir recht!",knurrte James.
    Auf halbem Weg zum Cottage brachen wir beide in schallendes Gelächter aus.

    Friday, October 13, 2006

    Gestern Abend

    Mir ist grade aufgegangen, dass ich noch gar nichts zu gestern abend geschrieben habe.
    Der Tag war nicht eben der prickelndste und James war schwer genervt von all den Leuten die ihn fragten, ob es ihm nicht gut ginge.
    Ich war froh, dass er meinen Vorschlag angenommen hatte, schon gestern mit seinem Koffer vorbeizukommen. Dafür hatte er sogar eine Einladung zum Abendessen von Debbie ausgeschlagen. (Und ich wette, die Dame hat großes Interesse an ihm!)

    Mit Zutaten für Chili, Corona und meinen neuen Boxershorts bewaffnet stand er schließlich in der Tür und lächelte mich müde an.
    "Was für ein Tag! Ich bin vollkommen erledigt und habe die Nase bis oben hin voll!"
    Ich hatte ein sehr schlechtes Gewissen, weil er auch noch meinen Klinikdienst übernommen hatte, aber er winkte ab und ging schnurstracks durch zur Küche.
    "Das mache ich gern für dich. Ich bin froh, dass du dir mit mir die paar Tage Auszeit nimmst. Und ich bin auch froh, dass du den Abend gestern mit mir gemeistert hast."
    Ich lehnte mich an die Spüle und sah ihm zu, wie er sich eine Schürze umband. "Das war doch selbstverständlich, schließlich gng es um uns beide. Und wenn es nur um dich gegangen wäre, wär ich auch nicht abgehauen."
    Ich öffnete uns zwei Flaschen Corona und grinste ihn an. "Du hast dir eine Schürze mitgebracht?"
    "Ja, Chili spritzt doch so. Da hab ich doch sofort mein Hemd versaut..."
    Ich prostete ihm zu. "Sieht...niedlich aus."
    Er scheuchte mich aus der Küche. "Lass mich lieber kochen, ich hab Hunger. Du kannst derweil bloggen, deine Microfasershorts waschen oder dir die Eier schaukeln!"
    "Ähm...", meinte ich, "erstere beiden Optionen...", und humpelte ins Bad um die Waschmaschine anzuwerfen. Dann warf ich mich aufs Sofa und wühlte mich ein wenig durchs Internet, wobei die gestrigen Einträge entstanden.
    Zwischendurch konnte ich nicht widerstehen, in die Küche zu schleichen und ihm schnell einen Kuss aufzudrücken (auf die Wange natürlich!), wie gesagt, er sah einfach zu schnucklig aus. Er ließ den Kochlöffel fallen und fluchte kurz.
    "Mensch, Greg!"
    Ich schaute ihn unschuldig an. "Ist was?"
    Er reagierte nicht und ich trollte mich zur Anlage und legte "Amélie" auf. Ich war grade weggedöst, als James mich leicht bei der Schulter fasste und mir einen Teller dampfenden, duftende Chilis unter die Nase hielt. Ich blinzelte und legte den Kopf zurück, um ihn anzusehen.
    "Hmmmmmm...ich liebe dich!"
    Wortlos kam er ums Sofa herum und stellte die Teller ab. "Guten Appetit!"
    "Das riecht himmlisch", schwärmte ich und konnte beim ersten Bissen nur noch "hmmmmmmmmmmmmm" von mir geben. James ist ein ganz hervorragender Koch, keine Frage.
    Er wurde auch langsam fröhlicher und es lockerte ihn ungemein auf, als ich Vogler, Chase und Cuddy parodierte. Das Corona, Guinness und der Single Malt taten das ihrige und irgendwann lachte er fast Tränen. "Hör auuuuuuuf!", keuchte er als ich Chase bei der betriebsärztlichen Untersuchung nachmachte und hoch aufkiekste.
    "Okay", grinste ich und machte mich auf den Weg ins Bad. "Dann check ich mal die neuen Shorts..."
    Wilson stapfte hinterdrein und wollte sich schon abwenden, als ich mich meiner Jeans entledigte. "Keine Angst, du wirst nicht blind...", meinte ich bloß und zog die neue Shorts kurzerhand über die alte. Ich versuchte eine modelmäßige Drehung, was mit meinem Stock wohl nicht sehr elegant aussah.
    "Und? Wie ist das?"
    James hielt sich den Bauch vor Lachen. "Sehr schick! Besonders mit den Socken, dem T-Shirt und dem Hemd drüber. Sehr sexy..."
    Ich verneigte mich dankbar und zog die andere Shorts über den Kopf. "Welche Farbe steht mir denn besser?"
    Er saß schon auf dem Boden. "Beide! Keine Frage! Bleib so!"
    Ich zog eine Braue hoch. "James, ich habe das Geühl, du nimmst mich nicht ernst..."
    Er rappelte sic auf und wischte sich die Tränen weg. "Doch...klar!"
    Ich legte die überflüssigen Shorts ab sowie Hemd, T-Shirt und die Socken.
    James schaute mich an und schluckte. "Äh...und jetzt?"
    "Jetzt werfe ich mich in meinen todschicken Pyjama, was sonst?"
    "Gute Idee", meinte er nur und wuselte davon.

    Als ich im Wohnzimmer wieder anlangte saß er schon mit angezogenen Beinen in Pyjama und dicken Wollsocken auf dem Sofa.
    "Du siehst extrem gemütlich aus", meinte ich und schenkte und Single Malt ein.
    "Du aber auch", grinste er und griff gleich nach seinem Glas.
    Bevor ich mich zu ihm aufs Sofa setzte, wollte ich ihm noch mein neuestes eingeübtes Stück vorspielen. Nachdem ich ihn mit dem unsagbaren Steffi-Graf-Song bereits gequält hatte, sollte noch was ordentliches her und ich spielte "The closest thing to crazy".
    Ganz weggetreten sah er mich an als ich mich zu ihm setzte. "Du singst wirklich nicht schief", nuschelte er.
    Ich grinste. "Nun, an Katie Melua kommt es aber auch nicht heran."
    "Ich bin froh, dass du Greg House bist und nicht Katie Melua", antwortete James und sah mich an.
    Ein wenig verlegen grinste ich ihn von unten herauf an. "Wenn das mal kein Kompliment ist."

    Zufrieden saßen wir den Rest des Abends auf dem Sofa, hörten Musik, erzählten oder schwiegen, sahen uns an oder dösten. Als mein Kopf in Richtung James' Schulter abklappte, rüttelte er mich leicht.
    "Zeit fürs Bett..."
    Er stand auf und rollte unbehaglich die Schultern.
    Aufmerksam sah ich ihn an. "Der Tag hat dich ganz schön verspannt, hm?"
    Ich schnappte mir die Corrs-CD und deutete in Richtung Schlafzimmer. "Ab ins Bettchen!", grinste ich. "Du wirst massiert!"
    So schnell habe ich James selten irgendwohin verschwinden sehen. Als ich hinterhergehumpelt kam hatte er schon sein Oberteil auf den Boden gefeuert und lag bäuchlings auf dem Bett.
    Wortlos setzte ich mich auf seine Beine und machte mich ans Werk, was ihm geradezu ein Schnurren entlockte. "Hrrrrrrrrrrmmmmmmmmmmm....danke, Greg...."
    "Gerne", meinte ich bloß und schluckte einen weiteren Wattebausch hinunter.

    Endlich raus!

    Ja, wir sind da und haben unser Cottage bezogen.
    James hat gleich Hemd, Pullunder, Krawatte und Anzughose gegen Jeans und Rugby-Shirt getauscht (Ich sage Ihnen, bei dem Shirt werde ich neidisch! Es ist von Guinness!), wir hören unsere "Wochenend-CD" und lungern für eine halbe Stunde erstmal bloß auf dem Sofa rum.
    Gleich werden wir einen Spaziergang durch den Ort unternehmen und ich würde mich gerne was ans Meer setzen.
    Eben haben wir uns schon herzlich über Voglers Profil amüsiert. Er hat nicht nur sein Blog verändert, sondern auch die Worte "Ich bin ein sympathischer Junggeselle aus reichen Haus,intelligent,witzig,charmant und reich..." seinem Profil hinzugefügt. Wir haben wirklich Tränen gelacht.
    Sicherlich zum Großteil, weil wir schon die ganze Zeit in alberner Stimmung sind als hätten wir einen Joint geraucht - aber das ist einfach nur die Spannung, die abfällt.

    Als wir in Richtung Parkhaus verschwanden, standen Cuddy und Stacy an der Rezeption und diskutierten irgendwelche juristischen Langweiligkeiten. Cuddy rief uns ein "Viel Spaß dann!" hinterher, wir winkten und im Hinausgehen kniff mich James doch tatsächlich in den Hintern! Die Blicke der beiden Damen waren Gold wert und ich musste mich arg beherrschen, nicht gleich loszuprusten.
    Im Auto (James wollte mit seinem Auto fahren, er meintem in meinen roten Flitzer ginge nicht genug Gepäck bzw, genug Guinness) konnte ich dann nicht mehr.
    James wandte sich mir grinsend zu. "Glaub nicht, sowas kannst nur du..."
    "Jim, wir arbeiten hier", kicherte ich atemlos.
    Er zuckte die Achseln. "Mir war grad danach."
    Ich sreichelte mit einem lasziven Augenaufschlag über sein Bein. "Rrrrrr, dann war das hoffentlich ein Versprechen fürs Wochenende..."
    In dem Moment klopfte es ans Beifahrerfenster. Ich wandte den Kopf, sah in Allenbys fassungsloses Gesicht und ließ die Scheibe herunter.
    "Ist noch was, Louis?"
    Er wurde rot, biß auf seiner Unterlippe herum und begann dann endlich. "Ja...also...hm...ich wollte fragen, ob du dein Handy dabei hast....Und James natürlich auch."
    Ich zog eine Braue hoch. "Wieso das denn?"
    "Ja, falls irgendwas sein sollte..." Er trat von einem Bein auf das andere.
    "Es wird aber nichts sein. Wir sind bloß einen Nachmittag und den Montag nicht im Krankenhaus. Das Wochenende hätten wir ohnehin frei. Also kann das PPTH die paar Stunden verdammt nochmal ohne uns auskommen!"
    Allenby schlug die Augen nieder. "Tschuldigung", murmelte er. "Ja, dann ein paar schöne Tage."
    "Werden wir haben", entgegnete James und startete den Motor.

    Als wir auf der Straße waren schüttelte ich den Kopf. "Das kann doch nicht wahr sein. Ich werde mein Handy das ganze Wochenende nicht anschalten!"
    "Gute Idee! Kannst du meines aus der Jackentasche holen und auch schonmal ausmachen? Ich komm grad nicht dran."
    Ich fingerte also in Wilsons Jackentasche herum, aber sie war leer.
    "Nein, die linke!"
    Na großartig, wie sah das denn aus? Wir standen grade an der Ampel, als ich mich über ihn beugte und das Mobile in der linken Jackentasche suchte. Der Autofahrer neben uns zwinkerte mir vielsagend zu und ich grinste bloß. "Habs!"
    "Oh mann, ist das peinlich", quetschte James hinter den Zähnen hervor, als wir weiterfahren konnten.
    Ich grinste ihn fröhlich an. "Sehr unwahrscheinlich, dass das mal ein Patient von dir wird."
    "Auch wieder wahr", entspannte er sich und grinste auch wieder. "Heute ist alles egal, wir kommen hier raus."

    Kuriose Suchbegriffe

    Ich habe mir grade mal angeschaut, durch welche Suchbegriffe die Leute so auf mein Blog stoßen.
    Die Mehrheit sucht explizit nach mir, es gibt aber auch kuriose Highlights:

  • "ich habe vicodin tabl. bekommen fuer meine schmerzen kann man dann auch schlafen"

  • "mascarpone+balsamico"

  • "sitze im büro und unterdrückte pinkeln"

  • "warum ist der house gehbehindert"


  • Grade beim letzten schüttle ich den Kopf. Wieso fragt mich derjenige das nicht selbst sondern sucht danach im Internet?

    Uralte Patienten

    Es wäre doch zu schön gewesen, den Vormittag einfach vorbeigammeln zu lassen.
    Cuddy suchte mich eben auf - natürlich in erster Linie, um über die Granger zu reden.
    "Wegen mir, wenn es Foreman glücklich macht, setzen Sie sie vorübergehend bei uns ein!"
    Cuddy stutzte kurz. "Was hat das denn mit Foreman zu tun?"
    Ich grinste nur und antwortete nicht, was mir ein Augenverdrehen einbrachte. Dann warf sie mir eine Akte auf den Tisch.
    "Hier habe ich noch etwas für Sie, bevor Sie nach Point Pleasant verschwinden!"
    Ich schaute kurz drüber.
    "Versteifung der Gliedmaßen...Moment....der Mann ist 98 Jahre alt! Sind Sie sicher, dass das nicht die Leichenstarre ist?!"
    Cuddy seufzte angenervt. "House, bis eben war er noch sehr lebendig."
    Ich zog eine Braue hoch. "Vielleicht muss ihm nur mal einer sagen, dass er schon tot ist..."
    Sie wischte meine Worte mit einer ungeduldigen Geste beiseite. "Rufen Sie einfach Ihr Team zusammen und schauen Sie, was Sie für ihn tun können!"
    Damit war sie aus der Tür.
    Ich lehnte mich zurück und hörte erst einmal We might as well be strangers von Keane zuende und verlor mich in Gedanken. Ein furchtbar deprimierendes Lied irgendwie, aber auch sehr schön.
    Das Lied ging in One von U2 über und ich entschied mich, dann doch mal eine Besprechung einzuberufen.

    Als die alten und neuen Entchen eintrafen, stand auf dem Whiteboard bereits Ichabod Yardley, darunter die Symptome Spasmen, Muskelversteifung, Rückenschmerzen, Schluckbeschwerden und Schwindelgefühl.
    "Mein Gott, der Mann ist ja uralt!", rief Chase aus, als er in die Akte sah.
    "Immerhin wüsste er mit Sicherheit, dass ich mich nicht an seinem Pudding vergriffen habe!", giftete Foreman ihn an und die beiden warfen sich kurz böse Blicke zu.
    Madness schickten sich im Hintergrund an, fröhlich It must be love zu singen und ich besah mir das amüsante Schauspiel dazu ein Weilchen. Cameron warf mir einen bedeutungsvollen Blick zu.
    "Noch so ein Lied, Dr. House..."
    "Ja, noch so eines", meinte ich bloß und schaute in die Runde. "Was fällt Ihnen dazu ein?"
    Dr. Dorian meldete sich und ich nickte ihm zu. "Ja?"
    "Da entdeckt jemand, dass er sich verliebt hat."
    Ich runzelte die Stirn. "Und deswegen hat er Spasmen? Klar kann sowas in dem Alter überraschend sein, aber ich halte es nicht für die Ursache seiner Symptome..."
    "Oh", meinte Dorian peinlich berührt. "Ich dachte, Sie fragen uns zu dem Lied..."
    Ich knallte mit der flachen Hand gegen meine Stirn und enthielt mich eines Kommentars, Chase jedoch kicherte los.
    Cameron warf ihm einen strafenden Blick zu und schlug vor "Epilepsie?"
    Ich zuckte die Achseln. "Wäre etwas einfach."
    Ich dachte nach. "Wir sollten den alten Furz mal besuchen gehen und schauen, wie er auf Geräusche reagiert. Und wir sollten schauen, wie sein Gang aussieht."
    Also machten wir uns alle auf in das Zimmer von Mr. Yardley.

    Der winkte uns erstaunlich fröhlich entgegen. "Oh, gleich so viele Ärzte! Tach auch! Mir gehts beschissen!"
    Ich musste grinsen und stellte uns vor. Er betrachtete mich forschend und meinte dann: "Junge, eins hab ich dir voraus. Ich kann immer noch alleine gehen!"
    "Fein", entgegnete ich. "Vielleicht würden Sie uns das mal kurz zeigen."
    Er stand von der Liege auf und ging ziemlich steifbeinig durch den Raum.
    "Na hopp, schneller!", forderte ich ihn auf und sein Gang wurde zunehmend seltsamer.
    "Okay", meinte ich schließlich. "Setzen Sie sich wieder."
    Ich zückte ein Klemmbrett und fragte ihn, ob er bei den Versteifungen schwitze.
    "Junge, solche Versteifungen sind das nicht mehr", entgegnete er mit einem breiten Grinsen.
    Seufzend fragte ich weiter. "Augenzucken?"
    "Jo, manchmal."
    Ich schaute seine Augen an und leuchtete kurz hinein. "Mydriasis", wandte ich mich an die anderen und kritzelte den Befund auf meinen Block. Nachdem ich seinen Puls fühlte fügte ich hinzu "Tachykardie".

    Eine Weile später waren wir wieder in meinem Büro und auf dem Whiteboard standen außer den eben genannten weiteren Befunden noch Verlust der Bauchhautreflexe, arterielle Hypertension, Ataxie, Subluxationen und Angstattacken.
    "Ja, das war ja nicht schwer", meinte ich just als Wilson mit einer Tasse Kaffee für mich eintrat.
    "Oh, Ihr seid beschäftigt..."
    Ich lächelte ihm entgegen. "Setz dich ruhig dazu...Und danke für den Kaffee!"
    Reid und Dorian schauten schnell zwischen uns hin und her und tuschelten kurz zusammen.
    "Habe ich dann auch Ihre Aufmerksamkeit wieder, Reid und Dorothy?", ließ ich mich vernehmen.
    Schuldbewußt erröteten sie und schauten aufmerksam nach vorne.
    "Das war nicht schwer?", fragte Reid mit Kulleraugen.
    "Nein, wars nicht... ich schlage vor, Sie machen den ersten Test. Schauen Sie, ob die Elektrostimulation beliebiger Nerven generalisierte Spasmen mit kurzer Latenz, so ca. 50–80 ms, evoziert. Cameron, Sie überprüfen sein Blut auf die intrathekale Produktion von GAD-Antikörpern. Chase, Sie prüfen ebenfalls sein Blut, aber auf Antikörper gegen Thyreoperoxidase. Foreman und Dorothy, Sie arbeiten zusammen und testen auf mikrosomale Schilddrüsenantikörper, TSH-Rezeptor-Antikörper sowie Parietalzellantikörper."
    Sie schaute mich alle an, als warteten Sie noch auf etwas.
    "Na los, hopp hopp", rief ich und gestikulierte zur Tür.

    Als alle verschwunden waren, grinste James mich an. "Haben wir hier einen Stiff-Man?"
    Ich nickte. "Und was für einen. 98 Jahre alt! Ich habe erst Leichenstarre vermutet, aber sein Mundwerk funktioniert noch recht gut."
    "Leichenstarre", griemelte Wilson kopfschüttelnd und setzte sich auf meinen Schreibtisch. Ich setzte mich mit meiner Kaffeetasse neben ihn, wir hörten Whitesnake mit Is this love und ließen einträchtig die Beine baumeln.
    Allenby kam am Büro vorbei und starrte durch das Fenster hinein. Synchron winkten wir ihm zu und grinsten uns dann an.
    "Das ist übrigens die CD, die ich noch zusammengestellt habe", meinte ich mit einer Handbewegung zur Anlage.
    "Schön", antwortete James und schaute mich an. "Wir könnten sie auch auf der Fahrt schon hören. Anderthalb Stunden noch und wir sind unterwegs."
    "Herrlich!", seufzte ich und eine Weile sahen wir uns bloß an und ließen weiterhin die Beine baumeln.
    Allenby kam von der anderen Richtung her wieder am Büro vorbei und im Augenwinkel sahen wir, dass er uns wieder anstarrte. Mein mühsam unterdrücktes Lachen brach sich in einem lauten Prusten Bahn als er außer Sichtweite war.
    "Was für ein Idiot", schüttelte ich den Kopf.

    Die Abreise rückt näher

    Ich liege in meinem Ledersessel, höre Rain von Patty Griffin und warte auf Mittag. Um Punkt 12 Uhr haben wir geplant, den Abgang zu machen. Es sind zwar bloß 50 Meilen nach Point Pleasant, aber man weiß ja nie, was unterwegs alles los ist und wir müssen schließlich vor 14 Uhr "einchecken".

    Eben habe ich mir wieder einen dieser wunderbaren Schoko-Sahne-Puddings genehmigt, die Chase sich immer im Kühlschrank bunkert. Den leeren Becher habe ich erneut bei Foreman entsorgt. Apropos Chase - er hat endlich begonnen, in sein Blog zu schreiben. Er scheint ein wenig angezickt zu sein wegen unserer Einträge und besteht darauf, dass unsere Darstellungen unwahr sind.
    Foreman wird mir zustimmen wenn ich sage, dass es immer wieder erstaunlich ist, wie weit Selbst- und Fremdwahrnehmung auseinander liegen können. Er mag nichtmal die Fotos, die ich hier eingestellt habe...
    Aber gut, Chase, wenn Sie sich unbeliebt fühlen und über die Fotos protestieren, dann habe ich hier noch etwas für Sie:
    Sie lachen sogar mit Ihren Kollegen.

    Schon vergessen?

    Und hier schaue ich Sie doch beinahe liebevoll an.

    Geht es Ihnen nun etwas unzickiger?

    Ein Blick aus dem Fenster zeigt mir, dass der Liedtitel hervorragend zu Wetter paßt, aber das ist mir egal. Trotzdem switche ich gleich zu Perfect Day und hoffe, dass wir auch pünktlich hier rauskommen.
    Wilson hat sich unterschwellig beschwert, weil ich ihn schnucklig genannt habe... Er käme sich vor wie ein Teddybär. Aber, ich kann mir nicht helfen, manchmal ist er tatsächlich ein Teddybär.
    Und was soll das "Kein Wunder, dass die Leute denken was sie denken"? Es dachte bislang bloß Julie etwas....quer. Mir ist es ohnehin ziemlich Hupe, was die Leute von mir denken. Es kann mich sowieso niemand leiden. Oder fast niemand.

    Ich mache kurz Pause und hole mir einen Kaffee.

    Thursday, October 12, 2006

    Was für ein wunderbarer Abend!

    Haaaaach, ist das schöööööön!
    Nur noch eine kurze Meldung von mir, dann mache ich die Kiste aus.
    James' Chili schmeckt hervorragend!
    Gute Getränke sind auch da (außer dem Corona):

    Was will man mehr? Es ist ausgesprochen...kuschlig.

    Die Sonne meines Herzens

    Doch, Chase, selbstverständlich sind SIE auch dabei.
    Der Beweis:




    Sie sehen fast aus als wollten Sie mich küssen...


    Reizend, wie Sie sich freuen, dass endlic jemand anderes meinen Zorn abbekommt.

    Nathan ruft an

    Kurz bevor James losgefahren ist zu mir, klingelte mein Telefon und Nathan versuchte nochmal sein Glück.
    Ich war wirklich neugierig, was er von mir wollte und ich musste auch nicht lange warten. Nathan hält sich nicht lange mit Smalltalk auf, telefoniert absolut ungern und kommt gleich zur Sache.
    "Ruth macht mich wahnsinnig!" begann er gleich.
    "Hmmmm? Wieso?"
    "Sie quält sich rum wegen James und seinem 'jemand'!"
    Ich grinste. "Damit ist sie nicht alleine..."
    Er schnaufte in den Hörer. "Dann hat sich meine Frage auch schon erledigt. Er hat es dir nicht gesagt, oder?"
    "Hat er nicht."
    "Okay, dann machs gut", sagte er und hatte schon aufgelegt.

    Ich musste grinsen, nahm mir aber vor, James bloß davon zu erzählen und ihn nicht wieder mit Fragen zu nerven. Das kann er dieser Tage wirklich nicht brauchen, denke ich.

    Jetzt ist er hier und werkelt in der Küche am Chili herum. Die Boxershorts sind schon in der Waschmaschine und Jim sieht schnucklig aus mit der Schürze, die er sich umgezogen hat.
    Ich werde mal hingehen und ihm einen Kuss auf die Wange drücken. Mal sehen, ob ihn das aus dem Konzept bringt.
    Er hat sogar noch Corona mitgebracht.
    Ich liebe ihn!

    Seltsame Fotos

    Wie angekündigt, sind hier nun die erwähnten Bilder.
    Das hier ist ganz frisch...Ich gebe Cameron grade einfühlsam ihren Irrtum in der Diagnose des Tripper-Typen bekannt:



    Und wo wir schon bei Cameron sind, hier noch eines. Manchmal ist die Gute leicht hektisch:



    Mit Cuddy...Ich zeige ihr am Bett eines Patienten, dass ich immer noch hopsen kann (und ich glaube, sie ist eher an meinem Hintern interessiert...):



    Wilson hat mich heute dabei ertappt, das Essen eines meiner Entchen aufzufuttern:



    Foreman erzählt uns vom Zahnarzt:



    Foreman meint, ich bekomme nicht mit, was er hinter meinem Rücken treibt:



    Und er liebt mich doch irgendwie:



    James erzählt mir ernste Dinge zu einem Patienten:




    Ich gebe vor, von Foreman bedroht zu werden:



    Lachen diese Patienten oder schreien und weinen sie vor Furcht?



    Die Arbeit in meiner Abteilung macht Spaß!



    Ohne Worte:



    Smoking-Fotos

    Ich habe eben noch ein paar Fotos von Montréal gefunden.
    James war anscheinend ab und an mit meiner Kamera unterwegs.

    Er hat sich köstlich amüsiert, als ich den Vorrat an Whisky gesehen habe.
    Jetzt weiß ich auch warum...

    Ich war eben wirklich erfreut...
    Die beiden hier sind immerhin besser:



    Das hat James abends auf der Bank im Garten gemacht:



    Ich habe noch eine Menge kurioser Fotos von der Arbeit gefunden, die die verschiedensten Leute gemacht haben. Mal sehen...eventuell stelle ich sie noch ein.

    Die Buchungsbestätigung ist da!

    Boten sind doch eine hervorragende Erfindung.
    Und ich sehe, dass meine Kamera doch noch in Ordnung ist.



    Jim, am liebsten würde ich jetzt schon fahren.

    Weiter im Text

    Nachdem eine peinliche Stille eingetreten war meinte ich, ich müsse mir mal kurz mein Bein vertreten und machte mich auf den Weg auf den Balkon. Dort zündete ich mir schonmal eine Zigarre an und schaute in die dunkle Stadt hinaus. Julie wollte Bescheid geben, wenn sie das Hauptgericht servierte und ich war insgeheim ein wenig froh, den prüfenden Blicken entkommen zu sein.
    Ich hörte dem Wind und dem vorbeirauschenden Verkehr zu und besah mir die Bäume im Licht der Straßenlaternen. Armer James, in seiner Haut wollte ich heute abend nicht stecken. Wie auf Stichwort öffnete sich bei diesem Gedanken die Balkontür und er trat zu mir heraus.
    "Hey", meinte er leise und lehnte sich an die Brüstung.
    "Hey", grüßte ich zurück und zog eine Zigarre aus der Innentasche meines Sakkos. "Auch eine?"
    Er nickte müde und streckte die Hand aus. "Gerne. Was für ein seltsamer Abend. Ich komme mir vor wie ein Ausstellungsstück in irgendeiner Schaufensterauslage."
    Er nahm einen Zug von der Zigarre und pustete einen Kringel in die Luft.
    Ich musste kurz grinsen. "Ja, das ist schon ziemlich kurios, was die Damen hier abziehen. Ich sage dir, hier ist was im Busch..."
    Das lange sitzen mit angezogenem Bein war nicht spurlos an mir vorübergegangen und ich konnte nicht verhindern, scharf die Luft einzuziehen, als der Schmerz zu heftig wurde. Ich griff nach den Vicodin in meiner Jackentasche und warf zwei auf einmal in die Luft, um sie mit dem Mund aufzufangen.
    "Du solltest mal im Zirkus damit vorsprechen", meinte James trocken und ich lachte kurz.
    "Wenn mir der Job im Krankenhaus zum Halse heraushängt überleg ichs mir mal..."
    Zum Scherzen war mir allerdings weniger zumute, da ich am Tisch versucht hatte so zu sitzen, dass mein Bein ein wenig entlastet wurde. Der Erfolg waren nicht nur Schmerzen im Bein, sondern auch ziemlich schlimme Rückenschmerzen. Es fühlte sich an, als hätte ich mir an einem der unteren Wirbel etwas verrenkt und ich bewegte mich unbehaglich zur Seite.
    James schaute mich besorgt an. "Dein Rücken? Julie ist wirklich gemein, dir diesen Platz zuzuweisen."
    Ich beugte mich kurz vor. "Wird schon gehen. Wir wollen ihr doch nicht den Triumph gönnen und ihr sagen, dass es mir nicht gut geht damit..."
    James legte seine Zigarre ab und trat hinter mich. "Du bist ein Sturkopf!"
    Damit umfasste er mich von hinten, zog kurz die Arme an und es gab ein Knacken.
    "Haaaaaaah", entfuhr es mir. "Danke, ich bin wieder eingerenkt."
    James ließ seine Arme um mich herum und lehnte sich gegen meinen Rücken, den Kopf auf meiner linken Schulter. "Ich wünschte, der Abend wäre schon vorbei...", murmelte er.
    In meinem Magen zog es und ich antwortete bloß "Wir können ja über die Brüstung klettern und uns in die nächste Kneipe setzen!"
    James wandte den Kopf und schmiegte seine Stirn an meine Wange. "Klar...du kletterst hier runter..."
    Mir wurde ein wenig schwindelig und ich war froh, dass er mich unfasst hielt - so kam ich nicht ins Straucheln.
    "Nicht sehr nett, mich immer an mein Gebrechen zu erinnern", maulte ich und atmete erneut Fahrenheit ein. "Ich mag Fahrenheit", fügte ich hinzu.
    James bewegte den Kopf und nun war es seine Nase, die meine Wange berührte. Als er sprach, konnte ich seinen Atem an der Wange spüren und sah kurz ein paar Sternchen.
    "Das hast du erkannt?"
    "Mhmmmm", machte ich nur und wandte zögerlich den Kopf. Ich sah, dass James die Augen geschlossen hatte und als sein Mund durch meine Kopfbewegung grade an meinem Mundwinkel angelangt war, ließ er mich abrupt los und trat einen Schritt zurück - denn es waren klappernde Absätze auf dem Weg zum Balkon zu hören.
    Ich nahm äußerlich unbewegt einen Zug von meiner Zigarre und schaute in die Stadt hinaus, als Julie auf den Balkon trat.
    "Wir könnten dann weiteressen..."
    Wir nickten ihr zu und gingen hinein.
    Was um alles in der Welt war das eben gewesen?

    Wieder am Tisch nahm ich einen guten Zug von meinem Wein und versuchte mich so bequem wie möglich hinzusetzen. Langsam begann mir das Spielchen Spaß zu machen und ich ließ mich auf die Konversation am Tisch ein und tat arglos dabei. Natürlich merkte ich mir jeden Blick und jede Geste, analysierte das verhalten der drei Frauen und lachte mir insgeheim ins Fäustchen. Sollte sie sich in Sicherheit wiegen - ich würde sie nach dem Essen ganz direkt auf ihr Vorhaben ansprechen.

    Wie der Abend weiterging kann man ja bei James lesen... es war...ausgesprochen fröhlich.

    Das Grauen hat nicht nur einen Namen

    Nein, es hat sogar drei!
    Julie.
    Jen.
    Nan.

    Der Abend gestern war wirklich vollkommen bezaubernd. So etwas sollte jede liebende Ehefrau ihrem Göttergatten zumindest einmal im Leben bescheren. Es geht James auch so gut nach diesem netten Beisammensein, dass ihn jeder darauf anspricht, wieso er heute so strahlt.

    Bevor ich weiter darüber berichte, brauche ich erstmal einen Kaffee. Und ich denke, die Roseninenschnecke, auf deren Bäckereitüte in großen Lettern FOREMAN!!!! steht, werde ich mir dazu genehmigen. Eine seltsame Idee, eine Rosinenschnecke zu benennen, oder? Ich bin gleich zurück....

    So, da bin ich wieder. Die Schnecke sieht nicht nur appetitlich aus, sie schmeckt auch sehr gut... Nun noch ein wenig Zucker in meinen Kaffee und weiter geht es.

    Also, ich nahm vorsichtshalber 3 Flaschen Reserva mit, wer wußte schon, wieviel die Frauen tranken? Dazu eine Zigarre für mich und drei für Wilson - irgendwie hatte ich das Gefühl, er würde sie evtl. noch brauchen. Sogar herausgeputzt hatte ich mich - nun ja, für meine Verhältnisse:

    (Ich glaube, meine Kamera macht nicht mehr lange. Die Farben wirken doch arg...komisch. Ich sollte mir vielleicht in Point Pleasant eine neue zulegen.)
    Ich hasse es, eine Krawatte zu tragen, aber ich weiß, dass Julie auf sowas steht und dann meint, man habe sich mehr Gedanken um die Einladung gemacht als wenn man keine trägt. Das bleibt auch sicher nicht aus, wenn man mit einem notorischen Schweifträger verheiratet ist. (Einem notorischen süßen Schweifträger...)

    Mit dem Taxi ließ ich mich dann zum Hause Wilson bringen - schließlich glaubte ich nicht, den Abend gänzlich ohne Alkohol zu überstehen. Ich weiß, dass Julie mich insgeheim...sagen wir mal...verabscheut (okay, wer tut das nicht?) und ahnte voraus, dass sie mir einige kleine Gemeinheiten in den Abend flechten würde.
    Ich wollte den Fahrer schon anhalten lassen, als ich im letzten Moment Allenby mit James vor der Tür bemerkte. Hektisch gestikulierte ich ihm, um Himmels Willen weiterzufahren.
    Der Abend begann ja schonmal blendend! Zwei weitere Runden später war er dann endlich verschwunden und ich konnte aussteigen.
    "Interessant!", grinste ich ihm entgegen und fing mir dafür ein "Feigling!" ein. James sah nicht besonders fröhlich aus, muss ich sagen, aber meinen Vorschlag, uns aus dem Staub zu machen schlug er aus. Als wir eintraten hörte ich schon aus dem Wohnzimmer ein Rufen. "Jim?" Innerlich musste ich grinsen. Wen erwartete Julie denn noch alles?
    "Ja, wir sind es...", rief er zurück und nahm mir den Mantel ab.
    Kaum ins Wohnzimmer eingetreten, wurde ich auch schon von Jen und Nan (klingt das nicht wie zwei Comicfiguren?) unter Blickbeschuss genommen. Nein, das war mit Sicherheit keine ganz normale Einladung zum Abendessen. Irgendwas suchten die Damen, da war ich mir sicher.
    Das Essen selbst verlief relativ normal. Wenn man es als normal ansieht, dass Julie mir einen Platz gleich am Tischbein zugewiesen hatte, so dass ich mein Bein nicht ausstrecken konnte...Aber ich hatte ja schon vorausgeahnt, dass etwas in der Art kommen würde. Auf der einen Seite neben mir saß James, auf der anderen Jen.
    Immerhin war das Essen hervorragend (aber nie im Leben von Julie...).
    Peinlich war mir ein wenig, dass gleich nach der Vorspeise mein Handy klingelte. Entschuldigend blickte ich in die Runde und meldete mich.
    "Ja, hallo?"
    "Greg? Hier ist Nathan."
    "Nathan?", fragte ich ungläubig zurück.
    James sah mich fragend an und Julie sah aus, als hätte sie eine Zitrone gelutscht.
    "Ja, ich wollte kurz mit dir plaudern."
    "Ääääähm", zögerte ich, "das ist grad ein schlechter Zeitpunkt. Julie hat zum Abendessen eingeladen und die Vorspeise ist grade rum..."
    "Ah, du bist bei James! Grüß ihn von mir! Ich melde mich dann ein anderes Mal."
    Schon war ein Besetztzeichen zu hören und ich legte auf.
    "Viele Grüße von Nathan", wandte ich mich zu James.
    "Nathan?!", fragte Julie und sah mich mit kalten Augen an. "James' Stiefvater ruft dich an???"
    Ich zuckte die Achseln. "Sieht so aus."
    "Hat er mich ganz eventuell auch grüßen lassen?"
    Ich schüttelte den Kopf und hätte Nathan am liebsten auf die Schulter geklopft.

    Grade muss ich zu einem Fall...ich schreibe gleich weiter.

    Kann es denn so schwer sein, Tripper nachzuweisen?

    Heute früh fiel mein Blick auf die Akte, die Wilson eigentlich Cameron gegeben hatte.
    Sie hatte immer noch darauf beharrt, dass alle Tests negativ gewesen seien und der Mensch einfach einen Harnleiterinfekt hat. Die Arthritis sei dann eben ein sonderbarer Zufall, aber eben doch bloß ein Zufall.
    Ich war dan sogar bei besagtem Patienten im Zimmer und habe ihm "einfühlsam" auf den Zahn gefühlt. Klar, dass er vehement leugnete, sich in den Hintern poppen haben zu lassen... Bei der Frage nach Oralverkehr war er schon zugänglicher. (Also, ich habe nicht danach gefragt, sondern ob er...Wir verstehen uns?)
    Also versuchte ich es (nochmal?) mit einem Nukleinsäureamplifikationstest und fand nur nach größter Anstrengung tatsächlich eine verschwindend geringer Erregeranzahl.
    Seltsam ist es manchmal, wie verschieden Krankheiten ausgeprägt sein können. Eine Entzündung des Enddarms untermauerte die Diagnose und der arme Teufel bekommt jetzt ein stinknormales Antibiotikum.

    Der Morgen danach

    Der gestrige Abend war - gelinde gesagt - weniger schön.
    Aber davon werde ich berichten, wenn ich wieder zu Hause bin.
    Oder auch zwischendurch auf der Arbeit...

    In jedem Fall habe ich eben schon einen Kommentar von James gelesen, dass er gerne wegfährt am Wochenende. (Und eine Mail und eine SMS.) Also werde ich als erste Amtshandlung heute in Point Pleasant anrufen und buchen. Freitag bis Montag, denke ich - wir haben beide noch Spielraum mit Urlaubstagen und irgendwie bekomme ich Cuddy schon überredet, uns frei zu geben.

    Herrlich, ich freue mich darauf. Ich werde auch extra früh anfangen heute und schnell buchen, damit James keinen Rückzieher mehr macht. Drei Tage weg von allem, das ist genau das richtige. Nicht nur für ihn, mir tut es auch gut.

    Gestern konnte ich nicht schlafen, also habe ich eine CD zusammengestellt, die ich mit einpacken werde. So, und nun will ich mal.
    Bis später, werte Kollegen und Leser.

    Wednesday, October 11, 2006

    Ich habe ansteckend gute Laune

    ...wenn ich mich unter meinen Mitarbeitern so umsehe.
    Cameron ist furchtbar zickig und haut einen bitchigen Kommentar nach dem anderen raus.
    Foreman, Chase, Reid und Dorian zeigen sich gar nicht erst nach meinem Ausbruch heute früh.
    Und James...
    James tut mir leid. Ihm geht wohl einiges durch den Kopf heute. Ich finde es aber auch vollkommen unmöglich von Julie, dieses seltsame Treffen einzuleiten und dann noch seltsamere Fragen zu stellen. Ich bin mir sicher, James freut sich schon mächtig auf seine Heimkehr heute.
    Wenn er gleich wegen des Falles, den er eigentlic Cameron gegeben hatte, hier aufschlägt, werde ich ihm den Vorschlag mit Piont Pleasant nochmal machen und ihm auch gleich das Haus zeigen.
    Eben habe ich nochmal angerufen und vorreserviert. Wenn ich bis morgen früh bescheid gebe, bekomme wir es.
    Das wäre ja schon...schön.

    Ich könnte diese Auszeit auch gut brauchen, denn ich komme aus dem Grübeln und den seltsamen Stimmungen gar nicht mehr heraus. Mehr als einmal habe ich mich bereits nach Montréal zurückgewünscht heute.
    Eben hörte ich grade This must be love, als Cameron hereinschneite und Zucker verlangte. Sie bedachte mich mit einem Seitenblick und fragte, ob diese ganzen Lieder heute etwas zu bedeuten hätten (das Ganze mit einem überaus zickigen Unterton in der Stimme...).
    "Schon wieder diese Frage? Nein, ich denke nicht an Stacy Warner!"
    Sie schaute mich prüfend an.
    "Aber an irgendwen denken Sie!"
    Ich verdrehte die Augen. "Ich höre bloß Musik!"
    "Ja, aber was für welche!"
    "Reiner Zufall, die Auswahl..."
    "Klar! Ich habe Sie durchschaut, das habe ich Ihnen gestern schon gesagt. Sie können lieben..."
    Ich schnitt eine Grimasse. "Ja, danke für Ihr Zutrauen. Noch was oder kann ich mich jetzt dem Fall hier zuwenden?"
    "Welchem Fall?", zickte sie. "Ich sehe da nur ein Klatschmagazin!"
    "Verschwinden Sie einfach!", herrschte ich sie an und hatte endlich Erfolg.
    Doch an der Tür drehte sie sich nochmal kurz um und bedachte mich mit einem Grinsen. "Wenn ich's mir recht überlege, dann gibt es hier sogar jemanden, mit dem Sie regelrecht flirten...Schon über Jahre."
    Ich faltete die Hände und stützte das Kinn auf. "Sie kennen mich noch keine Jahre. Und ich flirte nicht."
    Sie grinste bloß noch einmal und rauschte ab.

    Kopfschüttelnd wandte ich mich der Musikanlage zu. Was jetzt? Ich kramte durch die CDs und blieb doch immer wieder an den bereits gehörten Schallplatten hängen. Das ließ mich innehalten. Ich horchte in mich hinein und fand heraus, dass ich tatsächlich die ganze Zeit an jemanden dachte. Und es war wirklich nicht Stacy.
    Es war...
    "Blödsinn! Jetzt fängst du an zu spinnen!", sagte ich mir selbst und hieb mit der Faust auf den Tisch.
    Ich wählte Tear von den Smashing Pumpkins aus und schaute nochmal in die Blogs, wo sich Cameron und Wilson grade um den Fall stritten. Wir machten aus, dass wir uns in meinem Büro zur Besprechung trafen, was noch ein paar zickige Kommentare von Cameron herausforderte.
    Kaffee ohne Zucker scheint sie unausstehlich zu machen.

    Wie die Fallbesprechung verlaufen ist, kann man ja bei James lesen. Ich könnte wetten, dass Cameron nun noch stinkiger ist. Als sie herausstolziert war wandte ich mich an James.
    "So und nun zu dir!", kündigte ich ihm an und sah ihm fest in die Augen.
    James' Augen weiteten sich. "Zu mir? Was hab ich denn getan?"
    Ich stieß mit dem Stock auf den Boden. "Du läufst hier durch die Gegend und verbreitest schlechte Laune!"
    Das brachte mir einen ungläubigen Blick ein. "Ach und das ist nur dir vorbehalten oder was? Darf ich nicht auch mal schlechte Laune haben?"
    Ich stützte mich auf meinen Stock und sagte bloß "Nein!"
    "Bitte?!"
    "Nein darfst du nicht! Es sei denn, du lässt dir einen Drei-Tage Bart stehen und schaffst dir einen Stock an. Ach die Schmerzen nicht zu vergessen ..." Dabei warf ich mir zwei Vicodin ein. Wilson war so baff, dass er das nichtmal bemrkt hatte.
    Er sah, dass ich es nicht ernst meinte und murmelte bloß "Arsch!"
    "Ja, hab ich einen. Und wie du mir versichert hast sogar einen hübschen!", grinste ich und wies auf den Besucherstuhl.
    James seufzte, musste aber ebenfalls grinsen und setzte sich.

    "Ich wollte dich auch noch etwas fragen...", begann ich zögerlich.
    James sah mich aufmerksam an. Die Herbstsonne fiel genau auf sein Gesicht und ließ seine braunen Augen leicht bernsteinfarben aufleuchten. Fasziniert sah ich mir das Schauspiel an und verspürte einen leichten Stich in der Herzgegend.
    Nach einer Weile räusperte Jim sich. "Ja?"
    Ich blinzelte kurz. "Äh...ja....wegen dem Wochenende..."
    "Deine Idee mit Point Pleasant?"
    Ich nickte. "Ja, komm mal rum."
    Er schob seinen Stuhl neben meinen und ich rief die Internetseite des Hauses auf, bei dem ich angerufen hatte. Er beugte sich vor und schaute mir über die Schulter - ich konnte dezent Fahrenheit riechen und etwas anderes, was wahrscheinlich einfach nur Wilson war.
    "Was?", fragte er plötzlich und sah mich an.
    Verständnislos blickte ich ihm ins Gesicht. "Wie, was?"
    "Du hast geseufzt..."
    Ich runzelte die Stirn. Hatte ich? Achselzuckend wandte ich mich dem Bildschirm wieder zu. "Keine Ahnung. Was hältst du von dem Haus? Es ist noch frei am Wochenende und würde dich eventuell auf andere Gedanken bringen. Oder es schafft den Abstand, ohne allzugroß involviert zu sein über alles zu reden."
    James schaute auf die Bilder und fuhr sich durch die Haare. "Klingt verführerisch. Und sieht gut aus..."
    Ich lehnte mich vertraulich an seine Schulter. "Wir könnten das ganze Auto mit Guinness vollpacken..." und grinste ihn an.
    Er grinste zaghaft. "Und es stört dich nicht, dass es da nur ein kingsize Bett gibt?"
    Ich zwinkerte ihm zu. "Das ist genau der Grund, aus dem ich es ausgewählt habe."
    Zu meinem Erstaunen errötete er leicht. Er zupfte an seinem Kinn und dachte nach.
    "Am liebsten würde ich sofort Ja sagen. Aber...lass uns heute Abend abwarten, okay?"
    Ich sah ihn an. "Okay."
    Er schaute zurück und dieses Mal sah ich die Sonne auf seine Haaren. Wir sahen uns eine ganze Weile bloß an, ohne dass einer einen Ton sagte. Plötzlich beugte er sich vor und gab mir einen Kuss auf die Wange. "Du bist ein wirklicher Freund", meinte er mit einem tiefen Blick und beeilte sich plötzlich sehr, aus dem Büro zu kommen.
    Ich blieb verdutzt zurück und hatte das Gefühl, eine Wattebausch im Hals zu haben.

    Point Pleasant die Zweite?

    Ich weiß, es ist sicher unklug, wenn James am Wochenende die Biege macht.
    Aber - schön wäre es schon.
    Es geht mir ja schon seit gestern Abend bzw. schon seit Montagabend im Kopf herum und ich wollte ihn eigentlich heute fragen, ob wir am Wochenende irgendwo hinfahren sollten.
    Nun, jetzt ist Julie wieder hier.
    Und was mache ich?
    Trotzdem nach einer Unterkunft suchen - ich Idiot. Wozu das?
    Ich habe sogar schon dort angerufen. Frei wäre es am Wochenende.
    Steepleview Cottage

    Verwirrt

    Was ist mit James los?
    Er hat auf meinen letzten Beitrag so einen seltsamen Kommentar geschrieben...
    Ans Telefon geht er nicht - vielleicht hat er einen Patienten.

    Mein Plattenspieler läuft immer noch, diesmal liegt eine Single von R.E.O. Speedwagon auf, Can't fight this feeling.
    Ich höre es jetzt schon zum dritten Mal und bis eben lag ich dabei noch auf dem Sofa rum. Allerdings überkommt mic dabei nun ein noch seltsameres Gefühl als bei Daphne descends und ich bin öfter mal versucht, mit meinem Stock den Plattenspieler wegzufegen.
    Fragen Sie mich nicht wieso - ich weiß es nicht. Streß vermute ich.
    I can't fight this feeling any longer
    And yet I'm still afraid to let it flow
    What started out as friendship, has grown stronger
    I only wish I had the strength to let it show
    I tell myself that I can't hold out forever
    I said there is no reason for my fear
    Cause I feel so secure when we're together
    You give my life direction
    You make everything so clear

    And even as I wander
    I'm keeping you in sight
    You're a candle in the window
    On a cold, dark winter's night
    And I'm getting closer than I ever thought I might

    And I can't fight this feeling anymore
    I've forgotten what I started fighting for
    It's time to bring this ship into the shore
    And throw away the oars, forever

    Cause I can't fight this feeling anymore
    I've forgotten what I started fighting for
    And if I have to crawl upon the floor
    Come crushing through your door
    Baby, I can't fight this feeling anymore

    My life has been such a whirlwind since I saw you
    I've been running round in circles in my mind
    And it always seems that I'm following you,
    Cause you take me to the places that alone I'd never find

    And even as I wander I'm keeping you in sight
    You're a candle in the window on a cold, dark winter's night
    And I'm getting closer than I ever thought I might

    And I can't fight this feeling anymore
    I've forgotten what I started fighting for
    It's time to bring this ship into the shore
    And throw away the oars, forever

    Cause I can't fight this feeling anymore
    I've forgotten what I started fighting for
    And if I have to crawl upon the floor
    Come crushing through your door
    Baby, I can't fight this feeling anymore


    Ich habe es glaube ich auch noch auf dem Rechner. Ich werd's James mal eben rübermailen - sicher gefällt ihm das auch.

    Oder klick mich einfach.

    EDITIERT:
    Ich bin darauf aufmerksam gemacht worden, dass der Link nicht funktionert.
    Der auf dieser Seite geht aber. Unter dem Text...

    Der gute, alte Plattenspieler läuft

    ...und ich höre Whitesnake mit Is this love.
    Dabei schaue ich mir auf dem Computer Fotos von Montréal an und hänge meinen Gedanken nach.
    Eben schaute Cameron kurz herein, um noch etwas zu fragen. Sie lauschte auf das Lied und fragte vorsichtig, ob ich an Stacy denke würde.
    "Äh?", fragte ich und zog eine Braue hoch. Dann schüttelte ich den Kopf. "Nein, an Wilson."
    "...!..."
    "Was denn?"
    "Wilson?!"
    Ich nickte. "Ja, ich wollte ihn ursprünglich fragen ob wir übers Wochenende irgendwo dem Streß entfliehen."
    Sie schaute mich mitfühlend an. "Das kann ich verstehen, dass Sie zur Zeit hier rauswollen..."
    Damit war sie aus der Tür und ich schob den Tonarm wieder auf den Anfang des Liedes.

    Das Video ist armselig, aber das Lied ist...klasse.

    Kaffee mit Julie

    Ich saß noch immer grüblerisch am Schreibtisch, als die Gang wieder eintrat.
    "Wir haben alles gefunden, was Sie uns gesagt hatten", begann Dr. Dorian.
    "Nicht gut für Mr. Norton", meinte ich trocken und blickte zu Chase. "Chase, wollen Sie Ihren Kollegen mitteilen, was Sie aus all diesen Ergebnissen schließen?"
    Chase richtete seine Krawatte und machte sich unbewußt ein paar Zentimeter größer.
    Publikumswirksam schaute er in die Runde bevor er sich äußerte. "Es ist das Gerstmann-Sträussler-Scheinker-Syndrom!"
    "Scheiße!", rief Foreman aus.
    Ich nickte und nahm einen Schluck aus meiner Tasse. "Aber da der Typ ohnehin nicht mehr sprechen und lesen kann, macht ihm das vielleicht nicht mehr allzuviel aus. Cameron, würden Sie es bitte seiner Frau mitteilen?"
    Cameron schluckte. "Was genau?"
    "Dass ihr Mann bald keinerlei Interaktion mit seiner Umwelt mehr führen wird und in nicht allzu ferner Zukunft an Dezerebration stirbt."
    Sie starrte mich an ohne etwas zu sagen.
    Foreman legte ihr die Hand auf die Schulter. "Komm, gehen wir zu zweit hin..."
    Damit waren sie aus dem Raum und ich winkte den anderen zu, damit sie sich auch verkrümelten.

    Ich warf mir meinen Mantel über, hängte mir meine Tasche um und stahl mich an Cuddys Büro vorbei nach draußen. Das Café war nicht weit vom Krankenhaus, also konnte ich zu Fuß hinhumpeln. Als ich eintrat und mich umschaute, sah ich Julie schon an einem Tisch am Fenster sitzen. Sie hob die Hand, um auf sich aufmerksam zu machen. Ich nickte ihr zu, ließ meinen Mantel auf die Bank gleiten und setzte mich ihr gegenüber.
    "Hallo, Gregory", grüßte sie mich.
    "Hallo, Julie. Was ist das für ein seltsames, konspiratives Treffen?"
    Julie winkte nach der Bedienung und schüttelte den Kopf. "Es ist weder seltsam noch konspirativ. Allenfalls überraschend für dich."
    Ich schnaufte. "Und für Jim! Er wundert sich schon, dass wir uns hier treffen und er nichtmal wusste, dass du zurück bist."
    Wir bestellten unseren Kaffee und Julie schaute mich aus schmalen Augen an. "Du hast es ihm gesagt?"
    Ich zuckte die Achseln. "Was erwartest du denn? Er ist mein Freund."
    Sie seufzte und rührte kurz nachdenklich in ihrem Kaffee. "Ja, er ist dein Freund..."
    Ich nahm wortlos einen Schluck meines doppelten Espresso und wartete darauf, dass sie damit herausrückte, was sie eigentlich wollte.
    Plötzlich beugte sie sich so weit vor, dass sie fast meine Stirn berührte. "Welche Art Freund ist er?"
    Ich runzelte die Stirn. "Hähm? Was meinst du? Er ist mein bester Freund. Hm...und eigentlich mein einziger."
    Sie lehnte sich wieder zurück und trommelte mit den Fingernägeln auf der Tischplatte.
    "Julie, das nervt..."
    Sie sah mich fest an und trommelte weiter. Also nahm ich meinen Stock und stupste ihn ohne Unterlass auf den Boden und starrte zurück. Nach ca. 2 Minuten hatte sie die Nase voll und gab auf. (Die Gäste an den umstehenden Tischen hatten schon lange die Nase voll davon...)
    "Du weißt sicher, dass es mit unserer Ehe nicht zum besten steht", begann sie dann.
    Ich nickte bloß.
    "Wir verbringen nicht sehr viel Zeit miteinander."
    "Er ist Arzt - er hat nunmal nicht viel Zeit", entgegnete ich.
    Sie schaute hinaus. "Ja, das war mir von Beginn an klar. Aber...ich habe das Gefühl, dass seine Prioritäten ohnehin anders liegen. Sein Job ist ihm sehr wichtig, ich weiß. Aber...das bist du auch."
    Ich sah sie nachdenklich an. "Was erwartest du? Er ist mein bester Freund, das sagte ich schon."
    Julie stürzte den Rest ihres Kaffees hinunter und bestellte sogleich einen neuen. Ich orderte bei der Gelegenheit auch gleich einen Cortado.
    Bis die beiden Kaffee kamen, sagte keiner von uns was und wir schauten auf das Treiben auf der Straße. Als wir beide versorgt waren, atmete ich erst einmal tief den Kaffeeduft ein und schaute sie dann abwartend an.
    "Ich habe die Tage mit seinen beiden Exfrauen gesprochen. Und weißt du was?"
    Ich antwortete nicht sondern nahm einen Schluck Kaffee und sah sie über den Rand meiner Tasse hinweg an.
    "Sie waren alle beide ihre ganze Ehe hindurch eifersüchtig auf dich!"
    Ich verschluckte mich und musste kurz einen Hustenanfall niederkämpfen. Mit tränenden Augen krächzte ich "Sind die nicht bei Trost? Ist er auch eifersüchtig auf deine beste Freundin?"
    Julie schaute mich an und schüttelte den Kopf. "Natürlich nicht."
    "Aha...da siehst du es."
    Sie schien zu überlegen ob sie weitersprechen sollte. "Ich habe jedenfalls jemanden getroffen, der mir nicht stets das Gefühl gibt, hinter dem großen Greg House und einem verantwortungsvollen Job zurückstehen zu müssen..."
    Verblüfft starrte ich sie an. "Das ist nicht dein Ernst..."
    "Das weiß ich noch nicht."
    Betroffen ließ ich den Kaffee in meiner Tasse von einer Seite zur anderen schwappen. Ich weiß zwar nicht, wieviel Jim an ihr liegt - er spricht selten darüber und es gab mir schon zu denken, dass er an Weihnachten lieber zu mir rüberkam als mit seiner Frau und deren Besuch zu essen - aber ich bin mir sicher, dass er nicht noch eine Ehe zerstört sehen wollte.
    Die Worte seiner Mutter fielen mir wieder ein. 'Rettete' er sich tatsächlich von einer Ehe zur nächsten, bloß um nicht zu bekennen, wen er wirklich liebte? Ich nahm einen Schluck Cortado und schloß kurz die Augen. 10 Jahre ging das nun so (auch wenn es ihm nicht immer bewußt war), wenn er nicht gelogen hatte. Warum sollte er auch lügen?
    "Du solltest mit James darüber sprechen - nicht mit mir...", begann ich. Vielleicht würde er ihr wenigstens sagen, wer sein 'jemand' war. Von allen Leuten hatte sie vielleicht sogar das größte Recht darauf, es zu erfahren. Aber - ich seufzte still in mich hinein - dieses Geheimnis würde der Sturkopf mit Sicherheit mit in sein Grab nehmen.
    Julie schaute mir in die Augen. "Das werde ich auch, denke ich. Ich dachte nur, dass du ihn am besten kennst. Ist da jemand anderes?"
    "So wie bei dir? Nein! Und wenn da jemand ist, dann kenne ich seinen Namen nicht."
    Sie nickte. "Okay. Hör mal, ich habe James gesagt, dass wir heute abend Gäste haben. Einer davon bist du, die anderen sind meine beiden besten Freundinnen."
    "Klingt...nett. Danke für die spontane Einladung. Wie komme ich dazu?"
    Sie schaute mich nachdenklich an. "Vielleicht möchte ich uns bloß einmal alle zusammen sehen..."
    "Gut, okay...Sind deine Freundinnen hübsch?", grinste ich um die Stimmung ein wenig aufzulockern.
    Sie lächelte kurz. "Ja, ich finde schon. Aber mach dir keine Hoffnungen - sie sind beide verheiratet."
    "Toll...", maulte ich und trank meinen Cortado aus.
    Wir bezahlten und Julie schärfte mir ein, bitte um 19 Uhr einzutreffen und Hunger mitzubringen.

    Mrs. Julie Wilson bittet zu Tisch

    In der Zeit, in der die Gang beschäftigt war, setzte ich mich an den Computer und stellte schließlich den aktuellen Header fertig.
    Ich wollte grade ein Kreuzworträtsel lösen, als sie wieder zurückkamen.
    "Es ist nicht Wilson", eröffnete Chase mir.
    Ich nickte. "Ich weiß..."
    Damit erhob ich mich und ging an Ihnen vorbei aus meinem Büro hinaus. In der Tür drehte ich mich um. "Kommen Sie, machen wir noch einen letzten Test."
    Zögerlich folgten sie mir, als ich zum Zimmer von Mr. Norton humpelte. Seine Frau saß bei ihm am Bett und sah mich fragend an.
    "Wer sind Sie?"
    "Dr. House, der behandelnde Arzt Ihres Mannes", erwiderte ich knapp. "Die anderen hier kennen Sie ja sicher bereits..."
    Dann klatschte ich schnell dicht am Ohr ihres Mannes so laut ich konnte in die Hände, was blitzartig ablaufende Zuckungen seiner Muskulatur zur Folge hatte.
    Ich drehte mich um und ging hinaus - eine fassungslose Mrs. Norton hinterlassend und verwirrte Mitarbeiter im Schlepptau.

    Im Büro goß ich mir einen weiteren Kaffee ein und schrieb Myoklonie zu den Symptomen an die Tafel.
    Ich schaute in die Runde. "Und? Ist es nun klarer?"
    Dr. Reid schaute mich zweifelnd an. "Gehört das zu seiner Epilepsie?"
    Ich schüttelte den Kopf. "Nein, das war ein Reflexmyoklonus - ausgelöst durch das laute Geräusch. Wir hätte ihn mit Sicherheit auch blenden können, um das gleiche Ergebnis zu erzielen."
    "Creutzfeldt-Jakob?", fragte Chase zaghaft.
    Ich verdrehte die Augen. "Wollten Sie das gestern nicht schon Warner andrehen?"
    Foreman versuchte es auch nochmal. "Subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie?"
    Ich schüttelte wieder den Kopf. "Dann hätte er auch Diabetes und würde sich ständig einpissen. Aber Enzephalopathie ist schonmal nah dran... Nur welche Form?"
    Keinerlei Antwort.
    Ich seufzte. "Gut, dann sagen Sie eben nichts... Aber machen Sie bitte eine Hirnbiopsie und suchen Sie nach Astrogliose und GFAP. Und achten Sie auf Vakuolenbildung." Mit dem letzten Wort machte ich eine Geste, die sie aus meinem Büro entließ.
    Chase zögerte beim Hinausgehen und drehte sich nochmal zu mir um. "Das Gerstmann-Sträussler-Scheinker-Syndrom?"
    Ich applaudierte ihm. "Exakt!"
    Er nickte und folgte den anderen.

    Ich ließ mich derweil in meine Ledersessel sinken und hörte Daniel Poulter. Sehr amüsant, das Lied Jimmy gets high...
    Gestört wurde ich durch das Klingeln des Telefons.
    "House", bellte ich in den Hörer.
    "Hallo, Greg. Hier ist Julie."
    "Julie? Hallo. Bist du wieder in der Stadt?"
    "Ja, ich bin eben heimgekommen. Und...ich wollte dich fragen, ob du dich gleich mal eine Stunde freimachen kannst."
    "Tsts, Julie", grinste ich. "Soll sich nicht lieber dein Mann für dich ausziehen?"
    Sie seufzte. "Witzig, Gregory... Also, hast du Zeit?"
    Ich schaute in meinen Kalender, über meine Akten und dann auf die Uhr.
    "Ja, ich denke schon...Aber wofür?"
    "Ich würde mich gerne auf einen Kaffee mit dir treffen und über James reden."
    "Über ihn? Wieso nicht mit ihm?"
    "Kommst du nun oder nicht?"
    Ich ließ mich breitschlagen und wir machten ein Café aus.
    Als ich auflegte, zupfte ich nachdenklich an meiner Unterlippe. Was wollte sie nur? Und wieso sprach sie nicht mit James selbst? Frauen - die verstehe wer will.

    Patientenleid

    Der heutige Morgen begann kurz hektisch, da ein junger Mann mit diffusen Symptomen eingeliefert wurde.
    Der Anamnese nach begann alles recht harmlos mit Schlafstörungen. Darüber hatte der Mann sich keine Gedanken gemacht, da er es auf Streß und sogar den Mond schob. Es gesellten sich unruhige Träume hinzu und schließlich halluzinierte er.
    Sogar das schob der Gute noch auf die angespannte berufliche Situation (demnach wäre ich nur noch am Halluzinieren) und beruhigte seine besorgte Frau.
    Mittlerweile leidet er aber an Aphasie und sogar Alexie - ist nix mehr mit Comics lesen...
    Ich hatte da bereits eine Idee, wollte meine lieben Mitarbeiter aber auch noch grübeln lassen und berief eine Besprechung ein.

    Als sie eintraten, stand ich bereits mit meiner roten Tasse am Whiteboard, hatte Michael Norton daraufgeschrieben und die bislang bekannten Symptome. Als erstes drückte sich Dr. Dorian herein.
    "Guten Morgen, Dr. House. Wir...sind ja noch allein..."
    "Ängstigt Sie das?", fragte ich mürrisch zurück.
    Er beeilte sich, den Kopf zu schütteln und goß sich peinlich berührt einen Kaffee ein, als die anderen alle auf einen Schlag eintrudelten.
    "Wie schön!", rief ich ihnen mit falscher Freundlichkeit entgegen. "Zumindest Dorothy hat es geschafft, pünktlich hier aufzukreuzen!"
    "Dorian...", kam es leise von links neben mir.
    "Hm?" Ich zog eine Braue hoch.
    "Mein Name ist Dorian...."
    "Habe ich das nicht gesagt?", fragte ich mit einem fiesen Grinsen.
    'JD' zog es vor, nichts mehr zu antworten sondern suchte sich eine Platz weit weg vom Whiteboard und mir.
    Die anderen hatten sich bereits gesetzt und saßen mit gezückten Stiften an ihren Klemmbrettern. Mir fiel auf, dass Chase eine normale Krawatte trug und ich machte ein anerkennendes Zeichen in seine Richtung. Er räusperte sich und wußte nicht, ob er grinsen oder auf sein Klemmbrett schauen sollte.
    "So, wenn Sie nun alle mit Kaffee versorgt sind, sammeln wir mal weiter...", begann ich und trommelte mit dem Stift gegen die Tafel.
    "Sammeln?", fragte Dr. Reid und kaute an einer Haarsträhne.
    Cameron sah sie unbehaglich an, denn sie wußte, was nun folgte.
    Mit einem liebenswürdigen Lächeln beugte ich mich vor. "Jaaaaaa, sam-meln!"
    "Was denn?", fragte sie mit großen Kulleraugen. Foreman rieb sich peinlich berührt über die Augen und sah mich von unten herauf an.
    "PILZE!!!", brüllte ich und hieb mit meinem Stock auf meinen Aktenschrank. Alle fuhren hoch und schauten mich verschreckt an. Dr. Reid sah aus, als wolle sie gleich weinen und die Haarsträhne flutschte ihr aus dem Mund. Dr. Dorian tätschelte leicht ihre Hand und ich starrte sie nieder.
    Leise fuhr ich fort "Symp-to-me. Was um alles in der Welt sonst?"
    "Tut mir leid", antwortete sie tonlos und klammerte sich an ihrem Block fest.
    Ich schloss kurz die Augen und atmete tief durch.
    "Okay, jetzt, wo wir das geklärt haben, können wir ja endlich anfangen! Der Patient wird uns eventuell dankbar sein."
    "Lähmungen und Tremor", meldete Foreman sich sachlich zu Wort und ich kritzelte die Worte auf das Whiteboard.
    "Schön, und weiter?"
    "Epileptische Anfälle", fügte Cameron hinzu.
    "Zerebellare Ataxie", meldete sich Chase. "Und..ähm...Chorea."
    "Nicht das Land", meinte ich mit einem Seitenblick zu Dr. Reid und wandte mich dann an alle. "Gut, das scheint ziemlich klar zu sein, oder?"
    "Scheint es?", fragte Dr. Dorian.
    Ich kaute auf dem Ende des Stiftes und nickte. "Ja, ist es! Was fällt Ihnen denn zum Beispiel zu den Symptomen ein? Und jetzt sagen Sie bitte nicht Epilepsie..." Erwartungsvoll schaute ich ihn an und bemerkte im Augenwinkel, wie Cameron unruhig auf ihrem Stul hin und her rutschte. Am liebsten hätte sie ihm jetzt sicher beruhigend den Kopf getätschelt.
    Er überlegte fieberhaft und fragte schließlich mehr als er feststellte "Huntington?"
    Ich nickte bedächtig. "Das würde zumindest die unkontrollierten Zuckungen erklären. Durch die Muskelsteifheit kann es auch zu Lähmungen kommen, unter anderem auch der Zungenmuskulatur, was seine Aphasie erklärte... Nicht so schlecht, Dorian. Aber das ist es nicht."
    Stille.
    Chase meldete sich. "Wilson?"
    Reid schaute sich um. "Der...ist doch gar nicht hier?"
    Ich lächelte sie liebenswürdig an. "Morbus Wilson..." Dann wandte ich mich an Chase. "Nur wegen des Tremors?"
    "Najaaaaa....", begann er. "Die Art der psychiatrischen und neurologischen Störungen können sehr vielfältig sein wie wir wissen, wie z. B. starke Gefühlsschwankungen, zittrige Hände oder eine verwaschene, undeutliche Aussprache."
    Ich nickte. "Dann hätte er also Wilson und zusätzlich Epilepsie... Möglich. ich denke trotzdem, dass es was anderes ist."
    "Vielleicht sollten wir erstmal Wilson ausschließen, bevor wir weitersuchen", meinte Cameron und war bereits aufgestanden.
    Ich zuckte die Achseln. "Gut....suchen wir nach Kayser-Fleischer-Kornealringen in der Cornea. Sind die nicht da, prüfen Sie die Werte für Caeruloplasmin im Blutserum..."
    Alle standen da und blickten mich an.
    "Ist irgendwas unklar?", fragte ich genervt.
    Jeder schüttelte den Kopf.
    "Ja, worauf warten Sie dann noch?"
    Fluchtartig verließen sie den Raum und ließen mich kopfschüttelnd zurück.

    Das Bildbearbeitungsprogramm und ich

    Ich habe mir das Programm auf den Rechner in meinem Büro installiert und habe heute früh schon eifrig damit herumprobiert.
    Von außen sieht es so aus, als arbeitete ich angestrengt, dabei probiere ich lediglich an Headern für mein Blog herum.
    Den hier habe ich auch noch zur Auswahl:
    Klick mich gefälligst an!

    Tuesday, October 10, 2006

    Der gestrige Abend IV

    Ja, es geht noch weiter.
    Als wir wieder hereinkamen, waren auch bereits Chase und Reid wieder zurück und ich sah, dass Wilson große Augen machte, als er sie in ihrem roten Kleid da stehen sah.
    Ich piekte ihm in die Seite. "Mund zu!"
    James schaute mich fragend an. "Der war zu!"
    Ich zog bloß eine Braue hoch und flüsterte ihm zu, er solle daran denken, dass er verheiratet ist und zu allem Überfluß auch noch seinen geheimnisvollen 'Jemand' hat.
    "Ich denke an nichts anderes", flüsterte er lächelnd zurück und trat auf Dr. Reid zu, um Süßholz zu raspeln.
    Sie schien völlig gefangen von seinem Charme und kaute verlegen auf einer Strähne, die ihr ins Gesicht fiel. Irgendwie verursachte mir das schlechte Laune und ich starrte bloß hin. Irgendwann trat ich zu den beiden, legte James eine Hand auf die Schulter und warnte sie scherzhaft vor dem notorischen Schwerenöter. James meinte bloß, ich solle wen anderes beißen gehen und schubste mich von sich.
    Gut, dann konnte ich ja noch Foreman das Leben schwer machen, dachte ich mir und kippte ihm noch schnell heimlich einen Martini in seinen Orangensaft. Während wir uns unterhielten, wanderte mein Blick immer wieder zu James - ich konnte das gar nicht verhindern. Ihm schien es allerdings nicht anders zu ergehen, denn auch er sah immer mal wieder verstohlen zu mir herüber, bis er irgendwann grinste und kaum merklich den Kopf schüttelte.
    Aha, das war also sein Zeichen für mich, dass er sie wirklich lediglich nett fand. Innerlich sackte ich erleichtert zusammen und wunderte mich über mich selbst. Vielleicht wäre ja so eine nette, kleine Affäre am Rande das Richtige gewesen, um ihm von dem Streß mit Julie abzulenken und vor allem von seiner Liebe zu dieser geheimnisvollen, unbekannten Person.

    Cuddy jedenfalls machte mir kurz darauf einen Strich durch die Pizzarechnung, indem sie den Abend auflöste, weil es ja schon sooooo spät war und die Kinder morgen alle zur Schule mussten. Es war grade mal 22 Uhr und ich hatte furchtbar Spei auf eine Pizza mit viel Mozzarella, Thunfisch, Mais, Artischocken, Peperoni usw.
    Cuddy meinte sarkastisch zu mir, ich könne mir ja auf dem Heimweg eine holen.

    Seufzend zog ich mir meinen Mantel über das Jacket als Jim zu mir trat und mir zuflüsterte "Sollen wir dann? Ich hab Hunger!" Mit meinem schönsten Augenaufschlag lächelte ich ihn an. "Ich liebe dich, Jim!"
    Er lachte. "Ich weiß!"
    Damit winkten wir den anderen noch zu und ließen einen verwirrt dreinschauenden "JD" zurück. Ich grinste in mich hinein, als ich dachte, dass er sicherlich bloß mitbekommen hatte, dass James mir was zugeflüstert hatte und ich ihm daraufhin "Ich liebe dich!" sagte.
    Auf dem Weg zum Auto fragte ich James, ob er noch mit zu mir käme.
    "Ich dachte schon, oder? Schließlich wollte ich nicht im Auto die Pizza essen."
    "Gut", nickte ich bloß, warf meinen Mantel auf den Rücksitz und setzte mich ins Auto.

    Auf der Fahrt hörten wir nochmal schweigend "Hallelujah" und hielten dann an einer Pizzeria an. Wie das roch...Ich hatte unglaublichen Hunger und war froh, als wir bei mir angelangt waren.
    Ich warf den Mantel übers Sofa und legte die Pizza in der Küche ab.
    "Messer und Gabel oder soll ich sie grad schneiden?", rief ich zu James ins Wohnzimmer.
    Der hängte grade sorgsam meinen Mantel weg. "Schneiden!"
    Cameron hatte übrigens Recht mit dem windigen Rückweg. James hatte sich vor der Pizzeria noch köstlich amüsiert, wie ich im Wind rumstand und meinte ich könne ohne weiteres als Mafioso durchgehen. Ein Foto hat er auch gemacht und man kann sehen, dass der Pizzaladen nicht unbedingt in der besten Gegend liegt...

    Von heute morgen hat er übrigens auch noch zwei Fotos, wobei ich auf einem mächtig zufrieden aussehe, weil ich einen Kaffee bekomme habe. Das andere...nun ja, da habe ich auch Kaffee, schaue aber etwas seltsam nach Jim.
    Im Hintergrund ist noch das wunderbare Vorstellungsfoto zu sehen, das Cuddy den Austauschärzten gezeigt hat:


    Ich glaube, hier hatte James grade ein vertieftes Gespräch mit Reid:


    Ich schnitt also die Pizza bloß in Ecken und kam mit den Schachteln ins Wohnzimmer zurück, wo James es sich schon auf dem Sofa bequem gemacht hatte. Er hatte den Soundtrack zu Oscar Wilde eingelegt und döste ein wenig vor sich hin. Das Dösen währte nicht lange, als ihm der Pizzaduft in die Nase stieg.
    Zufrieden futterten wir vor uns hin und schwiegen.
    Als die Pizza beinahe vernichtet war bat James, doch einmal The Light will stay on zu hören, da der Link bei ihm irgendwie nicht funktioniert hatte. Ich legte also die CD ein, setzte mich wieder zu James aufs Sofa und startete das Lied per Fernbedienung.
    "Auf geht's", sagte ich, lehnte mich zurück und wandte mich ihm lächelnd zu.
    Ich liebe die Akustikversion des Songs einfach. James wandte mir den Kopf zu und erneut sahen wir uns bloß an und lauschten der Musik. Es ist erstaunlich, wie unpeinlich ein solches Schweigen mit ihm ist. Bei jedem anderen hätte man das Bedürfnis, wegzuschauen oder etwas zu sagen. Irgendwann merkte ich, dass er seine Hand auf meine gelegt hatte und als die letzten Töne des Liedes verklangen meinte er bloß "Wie schöööööööön."
    Ich nickte versonnen und er bemerkte seine Hand auf meiner, "Ups...", und nahm sie weg. Ich streckte mich.
    "Wie sieht es aus? Magst du das von den Corrs auch noch hören?"
    "Von dir oder auf CD?"
    "Von mir natürlich!"
    "Gerne! Leg los!"
    Das ließ ich mir nicht zweimal sagen.
    James schien vollkommen weggetreten, als ich mich ihm wieder zuwandte.
    "War was nicht in Ordnung?", fragte ich, als ich mich wieder zu ihm setzte.
    "Doch...klar", entgegnete er als würde er grade wach werden.
    "Fein. Wie sieht es mit einem Bier aus?"
    James schüttelte den Kopf. "Ich fürchte, dann werde ich hier wieder versacken."
    Ich grinste ihn an. "Das macht doch nichts."
    Er hob die Schultern. "Ich habe keine Klamotten für morgen dabei..."
    Ich beugte mich zu ihm vor und sah ihm tief in die Augen. "Dann hol sie dir doch grade, Darling...Ich mache es inzwischen gemütlich hier...", hauchte ich ihm mit einem Augenaufschlag zu.
    James grinste. "Hmmmm....Okay!"
    Damit war er auch schon fast raus und flitzte seine Sachen holen.
    Ich hielt mein Versprechen und zündete in der Zwischenzeit ein paar Kerzen an. Dazu stellte ich schon zwei Pint Guinness bereit und holte eine neue Flasche Oban hervor.
    Lecker ist das Zeug:
    Als James zurückkam, öffnete er sich zum ersten Mal selber die Tür mit dem Schlüssel, den ich ihm mal gegeben hatte und winkte mir mit einem Sixpack Kilkenny zu. "Ich dachte, ich bring nochwas mit, wenn du es uns schon gemütlich machst..."
    Ich grinste ihm entgegen. "Wunderbar! Immer her damit!"
    Wir leerten etliche Flasche Kilkenny, Guinness und Gläser Single Malt und hörten irgendwann The Lights will stay on auf Endlosschleife. Als ich mich wieder einmal zu James wandte, nahm er plötzlich mein Kinn in seine Hand, strich mit seinem Daumen ganz leicht über meinen Mund und sah mich an.
    Mein Magen meldete sich mit einem ganz ausgesprochen merkwürdigen Ziehen und ich war froh, dass ich nicht stand weil mir sicher die Knie versagt hätten. Ich schaute ihn eine Weile bloß an und wollte dann sagen, dass es mir nicht gut ging, bekam aber keinen Ton heraus. Es war wohl bereits etwas zu viel Alkohol, wenn ich mich schon so wacklig auf den Beinen fühlte.
    James schien zu glauben, dass ich fragen wollte, warum er das gemacht hatte. "Du hattest da was", nuschelte er und wir wandten uns einem weiteren Pint zu.

    Der gestrige Abend III

    "Du hast schon recht, Jim, allerdings stell dir doch mal vor, du würdest einer Person dein Herz über 'jemanden' ausschütten und dieser Jemand würde es mit anhören. Das wäre doch sicherlich auch nicht wirklich prickelnd, oder?", fragte ich James und schaute zu ihm hoch.
    "Das mag schon sein", entgegnete James nach einem kurze Zögern. "Da ich aber nie über Jemanden reden würde, könnte mir das auch nicht passieren."
    Ich schaute zu ihm hoch und atmete tief durch. "Mit gar niemandem? Gar nie?", blinzelte ich ihn an, was ihm ein kurzes Lachen entlockte. "Nein, mit gar niemandem