Thursday, October 26, 2006

Ein ereignisreicher Abend

Irgendwie habe ich es geschafft, bloß 10 Minuten zu spät zu kommen.
So wie es aussah, war Chase auch grade erst angekommen, denn er packte grade sein Portemonnaie ein, als ich aus dem Taxi stieg.
"Hi, House!", rief er mir zu und hob die Hand.
"Hi", antwortete ich und bezahlte den Taxifahrer.
Als ich schließlich fertig war, wurde ich Chase' Blicks gewahr.
"Was?"
Er musterte mich. "Sie sehen irgendwie...anders aus."
"Wie anders? Habe ich auf einmal drei Augen?"
Er schüttelte den Kopf. "Nein, ich kann nicht sagen, was es ist - aber Sie sehen anders aus..."
Ich hob die Schultern. "Was auch immer..."
Unser Blick fiel auf die Reklame am Kino gegenüber. Invasion of the Body Snatchers
"Wow!", entfuhr es Chase. "Den hab ich lang nicht mehr gesehen! Dass der hier im Kino läuft...."
Ich zog eine Braue hoch. "Sagen Sie bloß, Sie haben auch eine Vorliebe für kranke B-Movies..."
Chase grinste. "Bei Horrorfilmen auf jeden Fall!"
Kaum zu glauben - wir hatten eine Gemeinsamkeit gefunden.
Er sah mich zweifelnd an. "Hm...wollen wir?"
Jetzt war es an mir zu grinsen. "Aber sicher!"
Wir also nichts wie rüber zum Kino. Wir hatten Glück, der Film lief grade an und wir hatten lediglich die Werbung verpaßt. Chase trieb mich mit seinem Nacho-Gekaue zwar teilweise fast in den Wahnsinn, aber es war ziemlich lustig, den alten Schinken im Kino zu sehen. Es ist beinahe rührend, wie unfreiwillig komisch so ein damals sicherlich Angst und Schrecken auslösender Film wirkt.

Nach dem Kino gingen wir dann rüber ins Hemingway's, etwas später als geplant und es war rappelvoll. Chase blieb im Eingang stehen. "Stylish", meinte er und sah sich um, was wohl ein Kompliment für den Laden war. Die ersten weiblichen Gäste verrenkten sich den Hals nach unserem Down Under Hair Wonder und ich musste grinsen.
"Ja, es ist nett hier", entgegnete ich und suchte den Ort nach einem freien Platz ab.
Chase war drauf und dran, auf die Bar zuzusteuern, hielt aber mit einem Blick auf mein Bein inne. "Das wär' wohl nicht so gut, wenn Sie den Rest des Abends stehen müssten, oder?"
Ich zuckte die Achseln. "Ich denke, es wäre auszuhalten..."
"Aushalten ist nicht meine Definition für einen gelungenen Abend..." Damit hob er den Kopf und versuchte, auf die Galerie zu spähen. "Ich glaube, da oben ist was frei", meinte er schließlich und deutete mit dem Finger in Richtung des Platzes.
Also kämpften wir uns durch die Menge - einige der weiblichen Gäste im Schlepptau - und nahmen auf der Galerie Platz.
Verwunderlich, dass der Tisch noch frei war. Er war gleich am Geländer, so dass man runterschauen konnte und das Getümmel unten perfekt beobachte konnte. Wahrscheinlich waren die Leute, die zuvor dort saßen, eben erst gegangen. Ich spähte nach unten, während Chase die Karte zur Hand nahm. "Gut! Hier gibts auch Burger! Ich habe noch nichts gegessen seit heute Mittag!"
Ich nickte. "Keine schlechte Idee. Mir geht's nicht anders."
Er blickte verwundert auf. "Aber Sie sind doch relativ früh gegangen?"
Ich zuckte die Achseln und war dankbar, dass man bei den vorherrschenden Lichtverhältnissen wahrscheinlich nicht sah, dass ich ein wenig rot wurde. "Hrm...ja..äh..ich hatte irgendwie keine Zeit zum Essen. Ich denke aber auch oft nicht dran."
Also bestellten wir erst jeder einen dicken Burger mit Fries und side salad, dazu ein Bier. Beim Essen gingen wir die B-Movies durch, die wir kannten und erinnerten uns an Swamp Thing, The Thing from another World, grauenvolle japanische Godzilla-Filme, It - The terror from beyond space, Wasp Woman und diverse Zombiefilme.
Ich kann es kaum glauben - ich saß da mit Chase und wir kamen tatsächlich aus dem Lachen kaum heraus. In Anlehnung an Dawn of the Dead nahmen wir von der Galerie aus Leute aufs Korn und bedachten sie mit Namen von Schauspielern, denen sie entfernt ähnelten. Und immer, wenn Chase nicht darauf achtete, klaute ich ihm einige Fries.
Als die Burger vernichtet waren und von einer Bedienung weit und breit nichts in Sicht war, erbot Chase sich, eben an er Bar was zu trinken zu holen. Das hieß zwar, dass er dort auch gleich bezahlen musste, aber wenn er gerne wollte, würde ich ihn nicht aufhalten. Ich orderte also einen Mojito (wenn die Bar schon Hemingway's heißt...) und er kämpfte sich nach unten durch.
Während ich ihm dabei zusah, glaubte ich kurz, James gesehen zu haben, war mir aber nicht ganz sicher.
Als Chase mit zwei Mojitos die Treppe heraufbalancierte, sah sein Gesicht hochkonzentriert aus und ich musste kurz lachen, weil ich an die Willkommensfeier für die beiden Austauschärzte dachte. "Verschütten Sie bloß nichts", ermahnte ich ihn und erntete einen Hahaha-Blick.
"Was ist los mit Ihnen, Chase?", fragte ich ihn, als er sich wieder zu mir setzte und einen Mojito vor mir abstellte. "Sie beklagen sich darüber, immer alleine schlafen zu gehen und ziehen hier einen wahren Rattenschwanz an interessierten Damen hinter sich her...Gelegenheit hätten Sie genug." Ich zog eine Braue hoch und grinste ihn an.
Er zupfte an dem Minzzweig in seinem Cocktail herum und hob unbehaglich eine Schulter. "Ja...ich weiß auch nicht...", meinte er dann mit einem Blick nach unten.
"Was ist eigentlich mit den beiden Neuen?", wechselte ich das Thema. "Kommen Sie Drei mit denen zurecht?"
"Hm...schon...allerdings verkrümeln sie sich auch oft, wenn sie uns sehen."
"Seltsam", meinte ich nachdenklich. "Ich bin ja gewohnt, dass sich die Leute verkrümeln, wenn ich auftauche, aber Sie?"
Chase zuckte die Achseln. "Manchmal sind sie was komisch...Sie scheinen irgendwie Angst vor uns zu haben."
Ich grinste fies. "Ich für meinen Teil hätte eher Angst vor Typen, die mit toten Hunden zusammenwohnen..."
Chase schauderte kurz. "Mann, der ist vielleicht freaky! Total unheimlich...sieht komisch aus..."
"Vielleicht", dachte ich nach, "sollten wir mal alle zusammen mit ihnen einen Abend weggehen..."
"Was ist los heute? Werden Sie sozial?"
"Ich habe bloß das Gefühl, dass sie was aushecken. Und dazu will ich ihnen keine Gelegenheit geben."
Chase grinste kurz. "Stimmt...Naja, ich war schon öfter mit Cameron und Foreman weg...warum nicht die beiden, Sie und Wilson noch dazu packen?"
Als er "Sie und Wilson" sagte wurde er ziemlich rot, so dass ich es selbst in dem Dämmerlicht der Bar erkennen konnte.
"Ja, warum nicht?", meinte ich nur.

Wir verlegten uns aufs Krankheiten raten, dichteten den Gästen alle möglichen Symptome an und unterhielten uns über Gott und die Welt.
"Du bist mit Chase hier und er Abend ist nett", wunderte ich mich nochmal.

Irgendwann zwischendurch sah ich James und Dr. G die Treppe hochkommen. Letzterer hatte den Arm um James gelegt, was ich mir mit schmalen Augen besah. Sie hatten sich anscheinend auch irgendwo hier oben einen Platz gesucht und ich dachte nicht daran, "zufällig" an ihnen vorbeizulaufen. So unterhielten Chase und ich uns einfach weiter, bis nach einiger Zeit plötzlich ein Tumult ausbrach.
"Ich glaub, da gibt's 'ne Schlägerei!", meinte Chase und ich stand auf, da ich jemanden kannte, der das Talent hatte, manches Mal dumme Situationen wie magisch anzuziehen. Ein Blick über die Köpfe der anderen Gäste hinweg zeigte mir einen riesigen Typen, der James in den Magen boxte und ich sah rot.
Warte, Freundchen...
Ich kämpfte mich zum Ort des Geschehens durch - James hatte mich inzwischen gesehen und war nicht mehr der Punching Ball, sondern hatte dieses Schicksal endlich an seinen widerlichen Studienkumpel abgegeben, der mich bei deviantART seit einiger Zeit mit unverschämten Kommentaren nervt.
Nichtsdestotrotz schwang ich meinen Stock und liess ihn schwungvoll in das Gesicht des Angreifers sausen. Es gab ein ekelhaftes, knackendes und irgendwie schmatzendes Geräusch, das Arschloch fiel um und gab den Blick auf seine gebrochene Nase frei. Ich widerstand der Versuchung, über meinen Stock zu pusten wie über einen Revolver und sah James fragend an. Es schien ihm relativ gut zu gehen, denn er nickte nur.
Ich humpelte zu ihm herüber, fasste ihn am Arm und half ihm auf.
"Du solltest schon darauf achten, in welche Gesellschaft du dich begibst", flüsterte ich ihm ins Ohr. Damit schoß ich noch einen Todesblick in Richtung Mr. G, der sich grade aufrappelte, während die Rausschmeißer den Kerl mit der zerschmetterten Nase in Schach hielten.
Inzwischen hatte sich Chase zu uns durchgekämpft. "Was ist passiert?" fragte er und sah zu meinem Stock, von dem ich mit dem Tischtuch grade etwas Blut wischte.
"Oh...Teatime...nichts sonst, Chase...Arme Socke, hast den ganzen Spaß verpaßt..."
"Und wir sprechen uns zu Hause noch", wisperte ich dann James zu, der nur benommen nickte.
Die Türsteher legten uns nun nahe, zu verschwinden. Wir nickten bloß und James bedankte sich doch tatsächlich bei seinem Kumpel Daniel...
"Ich wars nicht, der den Tag gerettet hat", knurrte der nur.
"Nein, es war der Krüppel, der dir den Arsch gerettet hat!", schoß ich in seine Richtung und erinnerte mich an eine ausgesprochen fiese Bemerkung seinerseits.
"Sicher!", grunzte Daniel zurück. "Einen Typen von hinten niederzuschlagen ist auch überaus edelmütig!"
"Ich hätte ihn auch gerne dabei belassen, deine Fresse zu Brei zu schlagen", dachte ich nur bei mir, blieb aber stumm.
James seufzte und sah zu Chase rüber. "Lasst uns gehen, bitte."
Daniel und ich sahen uns an und öffneten gleichzeitig den Mund, wurden aber von James gestoppt, der meinte, wir sollten uns nicht wie zwei Gockel im Hühnerhaus benehmen. Was auch immer er damit meinte.

Draußen verabschiedete sich Mr. G und ich riet dem blaß gewordenen Chase, sich auch ein Taxi zu rufen. "Das nächste Mal suchen wir uns eine Lokalität mit weniger asozialen Gästen", grinste ich ihm noch zu als er ins Taxi stieg.
James wandte sich um und war überrascht, mich alleine zu sehen.
"Und jetzt, Mr. Punching Ball?", fragte ich ihn. "Ab in die nächste Bar, eine weitere Schlägerei anzetteln?"
"Wo ist Chase?", fragte er nur.
"Ach weißt du, zuviel Aufregung ist nicht gut für ihn - ich habe ihn nach Hause geschickt. Also, was ist? Nächste Bar? Irgendjemanden zusammenschlagen? Ich müsste mein Handicap verbessern." Mit diesen Worten schwang ich meinen Stock wie einen Golfschläger.
Aber James wollte bloß noch nach Hause und ich dachte darüber nach, wie ich ihm den Abend wohl noch versüßen konnte.

6 Comments:

Blogger Dr. James Wilson said...

Dein Abend klang ja wirklich sehr nett - bisher hast du mir ja nur gesagt: Ja war ganz nett.

Im Kino wart ihr auch?

Übrigens - danke fürs "versüßen", obwohl du dir die Standpauke davor hättest ersparen können.

October 26, 2006  
Blogger Dr. Gregory House said...

Du solltest wirklich darauf achten , in welcher Gesellschaft du herumläufst... Und vor allem, von wem du dich betatschen lässt!

Das Kino war zum Schreien - wirklich gut.

October 26, 2006  
Blogger Dr. James Wilson said...

Betatschen? Ich lass mich von niemandem betatschen!

October 26, 2006  
Blogger Dr. Gregory House said...

Okay...von wem du dir den Arm umlegen lässt...

October 26, 2006  
Blogger Dr. James Wilson said...

Nur von Freunden ...

Übrigens - du fehlst mir! Lust auf Kaffee?

October 26, 2006  
Blogger Dr. Gregory House said...

Auf Kaffee und mehr.
Japp.

October 26, 2006  

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