Friday, October 13, 2006

Gestern Abend

Mir ist grade aufgegangen, dass ich noch gar nichts zu gestern abend geschrieben habe.
Der Tag war nicht eben der prickelndste und James war schwer genervt von all den Leuten die ihn fragten, ob es ihm nicht gut ginge.
Ich war froh, dass er meinen Vorschlag angenommen hatte, schon gestern mit seinem Koffer vorbeizukommen. Dafür hatte er sogar eine Einladung zum Abendessen von Debbie ausgeschlagen. (Und ich wette, die Dame hat großes Interesse an ihm!)

Mit Zutaten für Chili, Corona und meinen neuen Boxershorts bewaffnet stand er schließlich in der Tür und lächelte mich müde an.
"Was für ein Tag! Ich bin vollkommen erledigt und habe die Nase bis oben hin voll!"
Ich hatte ein sehr schlechtes Gewissen, weil er auch noch meinen Klinikdienst übernommen hatte, aber er winkte ab und ging schnurstracks durch zur Küche.
"Das mache ich gern für dich. Ich bin froh, dass du dir mit mir die paar Tage Auszeit nimmst. Und ich bin auch froh, dass du den Abend gestern mit mir gemeistert hast."
Ich lehnte mich an die Spüle und sah ihm zu, wie er sich eine Schürze umband. "Das war doch selbstverständlich, schließlich gng es um uns beide. Und wenn es nur um dich gegangen wäre, wär ich auch nicht abgehauen."
Ich öffnete uns zwei Flaschen Corona und grinste ihn an. "Du hast dir eine Schürze mitgebracht?"
"Ja, Chili spritzt doch so. Da hab ich doch sofort mein Hemd versaut..."
Ich prostete ihm zu. "Sieht...niedlich aus."
Er scheuchte mich aus der Küche. "Lass mich lieber kochen, ich hab Hunger. Du kannst derweil bloggen, deine Microfasershorts waschen oder dir die Eier schaukeln!"
"Ähm...", meinte ich, "erstere beiden Optionen...", und humpelte ins Bad um die Waschmaschine anzuwerfen. Dann warf ich mich aufs Sofa und wühlte mich ein wenig durchs Internet, wobei die gestrigen Einträge entstanden.
Zwischendurch konnte ich nicht widerstehen, in die Küche zu schleichen und ihm schnell einen Kuss aufzudrücken (auf die Wange natürlich!), wie gesagt, er sah einfach zu schnucklig aus. Er ließ den Kochlöffel fallen und fluchte kurz.
"Mensch, Greg!"
Ich schaute ihn unschuldig an. "Ist was?"
Er reagierte nicht und ich trollte mich zur Anlage und legte "Amélie" auf. Ich war grade weggedöst, als James mich leicht bei der Schulter fasste und mir einen Teller dampfenden, duftende Chilis unter die Nase hielt. Ich blinzelte und legte den Kopf zurück, um ihn anzusehen.
"Hmmmmmm...ich liebe dich!"
Wortlos kam er ums Sofa herum und stellte die Teller ab. "Guten Appetit!"
"Das riecht himmlisch", schwärmte ich und konnte beim ersten Bissen nur noch "hmmmmmmmmmmmmm" von mir geben. James ist ein ganz hervorragender Koch, keine Frage.
Er wurde auch langsam fröhlicher und es lockerte ihn ungemein auf, als ich Vogler, Chase und Cuddy parodierte. Das Corona, Guinness und der Single Malt taten das ihrige und irgendwann lachte er fast Tränen. "Hör auuuuuuuf!", keuchte er als ich Chase bei der betriebsärztlichen Untersuchung nachmachte und hoch aufkiekste.
"Okay", grinste ich und machte mich auf den Weg ins Bad. "Dann check ich mal die neuen Shorts..."
Wilson stapfte hinterdrein und wollte sich schon abwenden, als ich mich meiner Jeans entledigte. "Keine Angst, du wirst nicht blind...", meinte ich bloß und zog die neue Shorts kurzerhand über die alte. Ich versuchte eine modelmäßige Drehung, was mit meinem Stock wohl nicht sehr elegant aussah.
"Und? Wie ist das?"
James hielt sich den Bauch vor Lachen. "Sehr schick! Besonders mit den Socken, dem T-Shirt und dem Hemd drüber. Sehr sexy..."
Ich verneigte mich dankbar und zog die andere Shorts über den Kopf. "Welche Farbe steht mir denn besser?"
Er saß schon auf dem Boden. "Beide! Keine Frage! Bleib so!"
Ich zog eine Braue hoch. "James, ich habe das Geühl, du nimmst mich nicht ernst..."
Er rappelte sic auf und wischte sich die Tränen weg. "Doch...klar!"
Ich legte die überflüssigen Shorts ab sowie Hemd, T-Shirt und die Socken.
James schaute mich an und schluckte. "Äh...und jetzt?"
"Jetzt werfe ich mich in meinen todschicken Pyjama, was sonst?"
"Gute Idee", meinte er nur und wuselte davon.

Als ich im Wohnzimmer wieder anlangte saß er schon mit angezogenen Beinen in Pyjama und dicken Wollsocken auf dem Sofa.
"Du siehst extrem gemütlich aus", meinte ich und schenkte und Single Malt ein.
"Du aber auch", grinste er und griff gleich nach seinem Glas.
Bevor ich mich zu ihm aufs Sofa setzte, wollte ich ihm noch mein neuestes eingeübtes Stück vorspielen. Nachdem ich ihn mit dem unsagbaren Steffi-Graf-Song bereits gequält hatte, sollte noch was ordentliches her und ich spielte "The closest thing to crazy".
Ganz weggetreten sah er mich an als ich mich zu ihm setzte. "Du singst wirklich nicht schief", nuschelte er.
Ich grinste. "Nun, an Katie Melua kommt es aber auch nicht heran."
"Ich bin froh, dass du Greg House bist und nicht Katie Melua", antwortete James und sah mich an.
Ein wenig verlegen grinste ich ihn von unten herauf an. "Wenn das mal kein Kompliment ist."

Zufrieden saßen wir den Rest des Abends auf dem Sofa, hörten Musik, erzählten oder schwiegen, sahen uns an oder dösten. Als mein Kopf in Richtung James' Schulter abklappte, rüttelte er mich leicht.
"Zeit fürs Bett..."
Er stand auf und rollte unbehaglich die Schultern.
Aufmerksam sah ich ihn an. "Der Tag hat dich ganz schön verspannt, hm?"
Ich schnappte mir die Corrs-CD und deutete in Richtung Schlafzimmer. "Ab ins Bettchen!", grinste ich. "Du wirst massiert!"
So schnell habe ich James selten irgendwohin verschwinden sehen. Als ich hinterhergehumpelt kam hatte er schon sein Oberteil auf den Boden gefeuert und lag bäuchlings auf dem Bett.
Wortlos setzte ich mich auf seine Beine und machte mich ans Werk, was ihm geradezu ein Schnurren entlockte. "Hrrrrrrrrrrmmmmmmmmmmm....danke, Greg...."
"Gerne", meinte ich bloß und schluckte einen weiteren Wattebausch hinunter.

5 Comments:

Blogger Dr. James Wilson said...

Du meinst also Debbie hat Interesse?

Übrigens sollen wir heute mal Hustenbonbons kaufen gehen? Oder wieso hast du einen Frosch im Hals?

October 14, 2006  
Blogger Dr. Gregory House said...

Keine Ahnung, ich sage doch schon lange, dass ich wohl krank werde.

October 14, 2006  
Blogger Dr. Eric Foreman said...

Dr. Wilson, vielleicht sollten Sie Dr. House doch mal untersuchen.
Für mich klingt das irgendwie nach einer verschleppten Grippe.

October 14, 2006  
Blogger Dr. Allison Cameron said...

Differentialdiagnose, meine Herrschaften, was fehlt unserem Patienten? *grins*

October 15, 2006  
Blogger Dr. Gregory House said...

Ich sage schon Ewigkeiten, dass ich einen latenten grippalen Infekt mit mir herumschleppe.
ABER: Mich nimmt ja keiner ernst!
Wilson keift, ich solle den Scheiß lassen und SIE grinsen vor sich hin.
DANKE!

October 15, 2006  

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