Saturday, October 14, 2006

Freitag der 13. und ein nettes Abendessen

Nun, im Nachhinein findet James das Abendessen vielleicht nicht mehr so nett...
Aber ich fand es auch nicht nett, dass er sich insgeheim königlich über mein Missgeschick am Strand amüsiert hat.
Es war verdammt unangenehm, auf der Plastiktüte sitzend mit triefend nasser Hose, nassen Schuhen und nassen Socken zurück zum Cottage zu fahren. Der Sand war bis in meine Socken hinein geraten - von meinen Boxershorts mal ganz zu schweigen.
Und James grinste immer wieder still in sich hinein, wenn ich unbehaglich an meiner Hose zupfte.
Als ich aus dem Auto stieg meinte er "Du gehst so komisch."
Ich drehte mich zu ihm um und meinte bloß "Ich hab Sand in den Shorts..."
Kurz sah er mich schweigend an und prustete dann los. Ein vernünftiges Wort brachte er nicht mehr heraus und ich schnitt ihm bloß eine Fratze und humpelte in Richtung Dusche. "Wenn du nicht aufhörst, schalte ich heimlich dein Handy an", knurrte ich noch, was ihn aber nicht beeindruckte.

Beim Duschen musste ich selber lachen, weil mir James Gesicht wieder einfiel als wir das "Schau mal Liebling! Wie zwei frisch Verliebte!" hörten. Viel lustiger war sein Gesicht allerdings, als ich ihn festhielt und ausrief "Oh Liebling, nicht so stürmisch!" Ich musste mir das Lachen verkneifen und das angezickte "Komm schon, die gehen zur Sache. Wirklich unerhört! Mitten in der Öffentlichkeit" des älteren Herrn klang mir noch lange im Ohr und entlockte mir immer wieder ein Grinsen.
James war sowas immer ganz furchtbar peinlich und ich nehme an, er wäre am liebsten im Erdboden verunken.
Also nahm ich mir vor, ihn zum Abendessen einzuladen als kleine Entschädigung und zog mir nach dem Duschen einen Anzug an und sprühte mir mein Halston auf. Auf die Krawatte aber verzichtete ich mal wieder gerne.

James ließ sich den Vorschlag nicht zweimal machen und löste mich auch gleich unter der Dusche ab. Ich schnappte mir in der Zwischenzeit den Flyer von Point Pleasant, der auf unserem Wohnzimmertisch lag und schaute nach empfehlenswerten Restaurants. Meine Wahl fiel auf ein recht gut beschriebenes Seafood-Restaurant und als James im Anzug, frisch gefönt und mit einer kleinen Wolke Fahrenheit vor mir stand, zeigte ich es ihm.
"Fisch war genau das, was mir vorgeschwebt ist!", meinte er ziemlich begeistert und beugte sich über den Flyer.
"Du riechst gut", grinste ich ihn von der Seite an.
Er grinste zurück. "Du aber auch."
Ich zuckte die Achseln. "Mir war am wichtigsten, dass der Sand verschwunden ist..."
James lachte schon wieder und klopfte mir auf die Schulter. "Na denn los. Ohne Sand in der Hose zum Essen."
Schon hatte er die Autoschlüssel geschnappt und warf mir meinen Stock zu. Ich schnappte ihn auf und betrachtete ihn eine Weile. (James, nicht den Stock.) Es war schön, ihn wieder so gelöst zu sehen nach diesem gräßlichen Mittwochabend. Er schien keinen Gedanken an Julie und ihre Eheprobleme zu verschwenden und seinen 'jemand' schien er auch ein langes Wochenende missen zu können.

Trotz Plastiktüte war der Beifahrersitz ein wenig feucht geworden, so wurde die Fahrt zum Restaurant ein klein wenig unangenehm für mich. Dieser Umstand brachte James allerdings wieder zum Grinsen.
"Gut, dass dein Anzug schwarz ist...du hättest sonst sicher gleich einen feuchten Kringel am Hintern!"
"Den habe ich auch so gleich", brummte ich. "Nur sieht man ihn nicht. Aber du kannst ihn ja nach dem Aussteigen gleich erstmal trockenrubbeln."
"Das könnte dir so passen, was?", griemelte James und parkte vor dem Restaurant.
Ich beugte mich nach dem Aussteigen vor und schwenkte den Hintern. "Na los!"
James schaute sich hektisch um. "Greg! Also wirklich! Weißt du, wie das mal wieder aussieht?!"
Ich unterdrückte ein Grinsen und zog eine Braue hoch. "Wie denn?", fragte ich mit meinem allerunschuldigsten Gesicht.
Jim schnaubte bloß und zog mich am Ellenbogen ins Restaurant.
Das war wirklich mehr als nett und als ich die Kerzen auf den Tischen sah, musste ich wieder grinsen. "Cameron würde jetzt wieder sagen, dass wir beide ein Date haben."
James zog es vor zu schweigen und uns wurde ein Tisch zugewiesen. Ich schaute mich um und wandte mich ihm dann wieder zu. "Zu schade, dass ich keine Rosen für dich habe in dieser stilvollen Umgebung..."
James schaute mich von unten herauf an und konnte sein kleines Grinsen nicht verhindern. Ich mag es, wie seine Augen blitzen, wenn er richtig gut gelaunt ist.
"Naja", fuhr ich fort, "vielleicht kommt ja gleich jemand um die Tische 'wolle Rose kaufe'..."
"Dann untersteh dich...", drohte James mir.
"Diese Menschen müssen auch ihren Lebensunterhalt verdienen", entgegnete ich achselzuckend und nahm die Speisekarte von der Bedienung entgegen.
"Hoffentlich hat deine Karte keine Preise, Honey", sagte ich noch wie beiläufig, als ich sie aufschlug und James seine gereicht bekam. Er erstarrte kurz in seiner Bewegung, nahm die Karte dann aber entgegen und lächelte die Bedienung an - eine gewisse Sharon, ihrem Namensschild nach -, welche uns mit hochgezogenen Brauen musterte.
Als sie sich vom Tisch entfernt hatte, zischte er mir leise zu "Du bist ein Drecksack, Greg!"
Ich schob die Unterlippe vor. "Also, Jim...nett ist das nicht. Da lade ich dich hier ein und werden zum Dank beschimpft..."
"Hast du ihren Blick nicht gesehen?", beugte er sich vor.
"Dohoooch, hab ich. Hübsch die Kleine, nicht? Zu schade, dass sie nun denkt, wir seien schwul... Bist du deshalb sauer? Hast du schon mit deinem Schwanz gedacht?"
James musterte mich kurz und grinste dann. "Du bist unmöglich. Aber dafür wird es mit dir auch nie langweilig."
Ich schenkte ihm mein bezauberndstes Lächeln und suchte mir eine gemischte Fischplatte aus.
"Dafür nehme ich jetzt den Hummer!", grinste James. "Und noch was...würde ich tatsächlich mit meinem Schwanz denken, hätte ich meinen 'jemand' schon lange angefallen."
Zwischenzeitlich bestellten wir einen Weißwein und James ließ es sich nicht nehmen, derjenige zu sein, der ihn probierte. Als wir eingeschenkt bekamen und Sharon wieder abgedampft war stützte ich mein Kinn auf die verschränkten Hände.
"Da ist wohl was dran...Aber das impliziert doch wohl nicht, dass deine Sehnsucht nach dieser Person, deren Name nicht genannt werden darf, rein sexuell motiviert ist?" Erwartungsvoll zog ich eine Braue hoch.
James schlug kurz die Augen nieder. "Nein, das impliziert es nicht. Ich...", er seufzte tief, "ich liebe diesen Menschen."
Als ich nichts entgegnete, sondern ihn weiterhin aufmerksam ansah stahl sich ein Lächeln in seine Augen. "Du hast es schon wieder geschafft, das Thema dorthin zu lenken. Du bist schlimmer als ein altes Tratschweib!" Er drohte mir scherzhaft mit dem Finger und Sharon, die grade unser Essen servierte grinste, weil sie der Meinung war, wir schäkerten. Sie flötete uns ein "Guten Appetit" zu und entfernte sich mit einem Augenzwinkern.
Ich grinste. "Es scheint die Leute irgendwie zu freuen..."
James seufzte resigniert und schickte sich an, seinen Hummer zu zerlegen. "Dafür freu ich mich, hiermit deine Brieftasche zu plündern..."
"Darüber komme ich hinweg, Darling. Ich verdiene ein Schweinegeld."

Das Essen war absolut hervorragend und ich gab von Zeit zu Zeit peinliche kleine Entzückenslaute von mir, was James zunehmend auf die Nerven ging. Ich wollte es nicht ganz ausreizen und stoppte just in dem Moment, als der Tisch neben uns besetzt wurde.
"Oh nein", stöhnte James leise uns barg kurz die Augen hinter der Hand. Neugierig schaute ich auf - neben uns saß das Ehepaar vom Strand. Bingo!, dachte ich im Stillen. Der Abend versprach noch sehr lustig zu werden.
Die Frau nickte uns freundlich zu, ihr Mann jedoch sah aus, als hätte er auf eine Zitrone gebissen.

James zuliebe blieb ich ganz "normal" und wir unterhielten uns, als ob nichts sei. Allzulange hielt ich das aber nicht durch und schon saß der kleine Teufel wieder auf meiner Schulter und flüsterte mir eine Idee ein.
Ich grinste kurz in mich hinein und James sah mich forschend an. "Was?"
Ich schaute unschuldig von meinem Lachs auf. "Nüüüchts.."
Seine Augen verschmälerten sich. "Greg, ich kenne dieses Grinsen. Du führst was im Schilde..."
Ich plinkerte ihm lächelnd zu und schlüpfte heimlich aus meinem rechten Schuh.
Als James sich wieder seinen Essen zugewandt hatte und sich in trügerischer Sicherheit wiegte, ließ ich meinen Fuß unter sein Hosenbein gleiten.
James erstarrte kurz in seiner Bewegung, sagte aber nichts und zerlegte seinen Hummer weiter.
Am Nachbartisch stubste die ältere Dame ihren Mann an und lächelte verstohlen. Von ihrem Göttergatten kam bloß ein Schnauben. "Unmöglich!"
Ich rutschte ein Stück tiefer in den Stuhl und wanderte mit meinem Fuß sein Bein hinauf. Bewundernswert, wie ruhig und unbewegt er blieb.
Sein Pech, dass mich das weiter herausforderte. Ich konnte es nicht lassen, ihn mit den Zehenspitzen kurz in den Schritt zu pieken.
"Hey!", kam es vom Nachbartisch und ich schlüpfte mit einem entschuldigenden Lächeln wieder in den Schuh und setzte mich grade hin.
James war purpurrot angelaufen, hatte kurz die Augen geschlossen und atmete tief durch. Ich wußte, er war sauer und konnte über seinem Kopf beinahe "21, 22..." lesen.
Auf unsere Tischnachbarn könnte dieses Verhalten allerdings auch anders gewirkt haben.
Den kurzen Rest des Abends im Restaurant riss ich mich zusammen und zahlte dann.

Auf dem Parkplatz wurden wir von Sharon aufgehalten. Sie drückte mir eine Flasche Pommery in die Hand. "Von der Dame an Ihrem Nachbartisch! Schönen Abend noch!", zwinkerte sie und eilte wieder hinein.
James starrte ihr fassungslos hinterher und ich schwenkte grinsend die Flasche. "Es bringt uns immer etwas ein, wenn ich uns in solche Situationen bringe..."
Wortlos wurde ich ins Auto geschubst und stieß mir den Kopf an.
"Autsch!"
"Geschieht dir recht!",knurrte James.
Auf halbem Weg zum Cottage brachen wir beide in schallendes Gelächter aus.

8 Comments:

Blogger Dr. Eric Foreman said...

Es ist wirklich erstaunlich, wie manche Leute auf Ihr Verhalten reagieren! Ich meine, der größte Teil scheint es richtig süß zu finden!

Viel Spaß weiterhin!

October 14, 2006  
Blogger Dr. Gregory House said...

Das sind auch sicher keine Neurologen, Foreman.
Neurologen würden mich dafür hassen, oder?
Spaß werden wir noch haben, da bin ich sicher. Die Laune ist wieder ziemlich gelöst.

October 14, 2006  
Blogger Dr. Allison Cameron said...

Tja, Frauen scheinen so etwas fast immer "süß" zu finden, Kerle eher unmöglich...ist wohl so! *lach*
Ich finde ihr verhalten interessant und amüsant!

October 14, 2006  
Blogger Dr. Eric Foreman said...

'Interessant' ist das richtige Wort, Allison! *g*

Hm, nein, Neurologen würden Sie nicht dafür hassen.
Neurologen würden versuchen, Ihr Verhalten zu analysieren und unbewusste Gefühle aufzudecken.
Denke ich.

October 14, 2006  
Blogger Dr. Robert Chase said...

Hast du bei deinen ganzen Versuchen, das Verhalten deiner Mitmenschen zu analysieren und unbewusste Gefühle aufzudecken, überhaupt noch Zeit nachts zu schlafen?

Und wer sagt dir überhaupt, dass du mit deien Theorien recht hast?

October 14, 2006  
Blogger Dr. Eric Foreman said...

Was?
Es ist Samstag Abend und DU bist nicht auf der Piste?!?

October 14, 2006  
Blogger Dr. Robert Chase said...

Ich muss morgen ARBEITEN. Zusammen mit DIR. Schon vergessen?

October 14, 2006  
Blogger Dr. Gregory House said...

Streitet Euch doch nicht, meine kleinen Entchen.
Das verspricht ja noch interessant zu werden, Foreman.
Ich bin gespannt auf Ihre Theorien.

October 15, 2006  

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