Thursday, October 12, 2006

Weiter im Text

Nachdem eine peinliche Stille eingetreten war meinte ich, ich müsse mir mal kurz mein Bein vertreten und machte mich auf den Weg auf den Balkon. Dort zündete ich mir schonmal eine Zigarre an und schaute in die dunkle Stadt hinaus. Julie wollte Bescheid geben, wenn sie das Hauptgericht servierte und ich war insgeheim ein wenig froh, den prüfenden Blicken entkommen zu sein.
Ich hörte dem Wind und dem vorbeirauschenden Verkehr zu und besah mir die Bäume im Licht der Straßenlaternen. Armer James, in seiner Haut wollte ich heute abend nicht stecken. Wie auf Stichwort öffnete sich bei diesem Gedanken die Balkontür und er trat zu mir heraus.
"Hey", meinte er leise und lehnte sich an die Brüstung.
"Hey", grüßte ich zurück und zog eine Zigarre aus der Innentasche meines Sakkos. "Auch eine?"
Er nickte müde und streckte die Hand aus. "Gerne. Was für ein seltsamer Abend. Ich komme mir vor wie ein Ausstellungsstück in irgendeiner Schaufensterauslage."
Er nahm einen Zug von der Zigarre und pustete einen Kringel in die Luft.
Ich musste kurz grinsen. "Ja, das ist schon ziemlich kurios, was die Damen hier abziehen. Ich sage dir, hier ist was im Busch..."
Das lange sitzen mit angezogenem Bein war nicht spurlos an mir vorübergegangen und ich konnte nicht verhindern, scharf die Luft einzuziehen, als der Schmerz zu heftig wurde. Ich griff nach den Vicodin in meiner Jackentasche und warf zwei auf einmal in die Luft, um sie mit dem Mund aufzufangen.
"Du solltest mal im Zirkus damit vorsprechen", meinte James trocken und ich lachte kurz.
"Wenn mir der Job im Krankenhaus zum Halse heraushängt überleg ichs mir mal..."
Zum Scherzen war mir allerdings weniger zumute, da ich am Tisch versucht hatte so zu sitzen, dass mein Bein ein wenig entlastet wurde. Der Erfolg waren nicht nur Schmerzen im Bein, sondern auch ziemlich schlimme Rückenschmerzen. Es fühlte sich an, als hätte ich mir an einem der unteren Wirbel etwas verrenkt und ich bewegte mich unbehaglich zur Seite.
James schaute mich besorgt an. "Dein Rücken? Julie ist wirklich gemein, dir diesen Platz zuzuweisen."
Ich beugte mich kurz vor. "Wird schon gehen. Wir wollen ihr doch nicht den Triumph gönnen und ihr sagen, dass es mir nicht gut geht damit..."
James legte seine Zigarre ab und trat hinter mich. "Du bist ein Sturkopf!"
Damit umfasste er mich von hinten, zog kurz die Arme an und es gab ein Knacken.
"Haaaaaaah", entfuhr es mir. "Danke, ich bin wieder eingerenkt."
James ließ seine Arme um mich herum und lehnte sich gegen meinen Rücken, den Kopf auf meiner linken Schulter. "Ich wünschte, der Abend wäre schon vorbei...", murmelte er.
In meinem Magen zog es und ich antwortete bloß "Wir können ja über die Brüstung klettern und uns in die nächste Kneipe setzen!"
James wandte den Kopf und schmiegte seine Stirn an meine Wange. "Klar...du kletterst hier runter..."
Mir wurde ein wenig schwindelig und ich war froh, dass er mich unfasst hielt - so kam ich nicht ins Straucheln.
"Nicht sehr nett, mich immer an mein Gebrechen zu erinnern", maulte ich und atmete erneut Fahrenheit ein. "Ich mag Fahrenheit", fügte ich hinzu.
James bewegte den Kopf und nun war es seine Nase, die meine Wange berührte. Als er sprach, konnte ich seinen Atem an der Wange spüren und sah kurz ein paar Sternchen.
"Das hast du erkannt?"
"Mhmmmm", machte ich nur und wandte zögerlich den Kopf. Ich sah, dass James die Augen geschlossen hatte und als sein Mund durch meine Kopfbewegung grade an meinem Mundwinkel angelangt war, ließ er mich abrupt los und trat einen Schritt zurück - denn es waren klappernde Absätze auf dem Weg zum Balkon zu hören.
Ich nahm äußerlich unbewegt einen Zug von meiner Zigarre und schaute in die Stadt hinaus, als Julie auf den Balkon trat.
"Wir könnten dann weiteressen..."
Wir nickten ihr zu und gingen hinein.
Was um alles in der Welt war das eben gewesen?

Wieder am Tisch nahm ich einen guten Zug von meinem Wein und versuchte mich so bequem wie möglich hinzusetzen. Langsam begann mir das Spielchen Spaß zu machen und ich ließ mich auf die Konversation am Tisch ein und tat arglos dabei. Natürlich merkte ich mir jeden Blick und jede Geste, analysierte das verhalten der drei Frauen und lachte mir insgeheim ins Fäustchen. Sollte sie sich in Sicherheit wiegen - ich würde sie nach dem Essen ganz direkt auf ihr Vorhaben ansprechen.

Wie der Abend weiterging kann man ja bei James lesen... es war...ausgesprochen fröhlich.

2 Comments:

Blogger Dr. James Wilson said...

Mich würde nur noch interessiere was ihr geredet habt als ich draussen war ... das hast du mir bisher verschwiegen.

Und ich mag mal sagen, deine Stimmer war doch ziemlich erhoben gewesen.

Sry für den Vorfall auf dem Balkon ich war total in Gedanken gewesen ...

October 12, 2006  
Blogger Dr. Gregory House said...

Wieso sorry?

Was wir geredet haben?
Ich habe ihne gesagt, dass sie totale Idioten sind und was sie sich dabei denken, dich bzw. uns so vorzuführen.

October 12, 2006  

Post a Comment

Links to this post:

Create a Link

<< Home