Monday, October 09, 2006

Monday still sucks

Kaum zurück in meinem Büro und endlich mit dem ersten Kaffee bewaffnet, reagierte ich mich erstmal mit meinem Gameboy ab. Mit meiner Laune ist es heute nicht weit her und ich habe schon mehreren Ärzten, Schwestern, Pflegern und Patienten eine schmerzhafte Begegnung mit meinem Stock beschert, wenn sie nicht schnell genug zur Seite sprangen.
Kurz vor Level 5 klingelte mein Telefon. Zunächst ignorierte ich es, doch es bimmelte ohne Unterlass weiter. Im Display sah ich eine Nummer, die anscheinend aus Californien kam. Seufzend legte ich den Gameboy beiseite und meldete mich.
"Dr. Gregory House? Dr. Perry Cox hier..."
"Was wollen Sie?!"
"Oh, großartig, ein Mann, der gleich zur Sache kommt!"
"Ja, ich war kurz vor Level 5 und dank Ihnen kann ich gleich von vorne beginnen!"
"Wie unangenehm!", kam es ironisch zurück.
"Könnten Sie dann mal mit Ihrem Anliegen beginnen? Sie stehlen meine Zeit!", giftete ich in den Hörer.
"Ich sehe schon, die beiden werden sich bei Ihnen wohlfühlen...Ich wollte bloß fragen, ob unsere beiden Assistenzärzte schon da sind."
"Dorothy und Reid? Ähm...Dorian und Reid meine ich."
"Bleiben Sie ruhig bei Dorothy..."
"Okay. Nein, die treffen erst gegen 17 Uhr hier ein wurde mir mitgeteilt."
"Hmmm...würden Sie sie bitten, mich in der Klinik anzurufen, wenn sie hier sind?"
"Nein, ich bin um 17 Uhr nicht mehr da", entgegnete ich und legte auf.

Ich betrachtete kurz meinen Gameboy und überlegte, ob ich nochmal beginnen sollte, hatte aber keine Lust auf das ganze Level vom Neuen. So ein dämlicher Idiot, musste er mit seinem unwichtigen, kleinen Anliegen ausgerechnet mich anrufen? Ich lehnte mich im Ledersessel zurück und nahm einen Lolly aus meiner Schublade. Fix und fertig bin ich heute - inzwischen geht es ein ganz klein wenig besser.
Ich wollte also grade ein weig ausruhen, als es klopfte. Da ich die Jalousien nicht geschlossen hatte, konnte ich schlecht so tun als sei ich nicht anwesend. Und was schlimmer war: Allenby war der Anklopfende. Ich hob die Hand zum Zeichen er möge eintreten und stützte seufzend die Ellenbogen am Schreibtisch ab. Was wollte der denn jetzt? Missmutig nahm ich einen Schluck Kaffee und sah zu, wie er auf meinen Schreibtisch zukam.
"Hallo, Gregory", begann er mit einem verlegenen Lächeln.
Ich antwortete nicht, sondern nahm einen weiteren Schluck Kaffee.
"Ich...ich habe dich bloß eben von weitem gesehen und habe mir Sorgen gemacht. Du siehst ziemlich...schlecht aus heute."
Ich winkte ab. "Schon okay. Ich habe die Nacht bloß im Drogenrausch verbracht und daher nicht geschlafen."
Er schaute mich verdutzt an und schien auszumachen, ob er mir glauben sollte oder es als Scherz abtun wollte.
"Drogen?!"
"Vi-Co-Din...."
"Oh!", rief er erschrocken aus. "Hattest du solche Schmerzen?"
"Geht schon. Und nun wäre ich dir sehr verbunden, wenn du dich hier vom Acker machtest - ich habe zu tun!" log ich..
Er wurde leicht rot und nickte. "Stimmt ja, wie gedankenlos von mir. Die beiden Neuen treffen ja heute ein."
Damit wollte er sich umdrehen und schon gehen, aber es schien ihm noch ein Gedanke zu kommen. Zu meiner absoluten Überraschung beugte er sich über den Schreibtisch, strich mir über die linke Wange und drückte mir eine Kuss auf die rechte.
"Es tut mir leid, dass es dir so schlecht geht", meinte er im Hinausgehen und ich blieb mit dem Gedanken zurück, ob heute eigentlich alle übergeschnappt waren.

Ich ging in die Küche, um mir einen weiteren Kaffee zu genehmigen und schaute in den Kühlschrank - vielleicht waren ja irgendwelche Köstlichkeiten dort deponiert.
Ich wurde nicht enttäuscht...Ein Schokopudding mit Sahne stand verführerisch im zweiten Fach herum. Ich nahm ihn heraus und las das Post-It mit der Aufschrift Property of Robert Chase!!!
Mit einem Grinsen schaute ich mich um ob die Luft rein war und löffelte den Pudding ganz genüßlich aus. Den leeren Becher samt Post-It warf ich heimlich in den Mülleimer in Foremans Büro. Eine andere Möglichkeit, ihn unauffällig zu vernichten fiel mir nicht ein.

Wieder im Büro nahm ich mir eine neue Akte vor, die jemand in meinen Posteingang gelegt hatte. Meine Gedanken schweiften jedoch immer wieder ab und zu allem Überfluß hatte ich auch noch ständig den Refrain von Daphne descends im Ohr. Übellaunig knallte ich die Akte auf den Tisch und verschwand für eine Weile in der Lounge bei den Kreißsälen, wo ich auf dem Sofa ein kurzes Schläfchen hielt.

Zurück im Büro stand ein dampfender Becher Caramel Latte auf meinem Schreibtisch an dem eine Karte mit der Aufschrift Just Smile lehnte. Ob sie von Wilson war? der Schrift nach hätte es sein können, aber bei der Laune, die er gestern noch auf mich geschoben hatte, war das ziemlich unmöglich. Außerdem hatte er sich den ganzen Tag noch nicht gemeldet und ich war ihm bislang auch erfolgreich aus dem Weg gegangen.
In der Mittagspause schlich ich mich in die Caféteria, um mir ein Sandwich zu holen. Beim Bezahlen sah ich ihn in der Tür auftauchen und machte einen Abgang über die Terrasse. Insgeheim fühlte ich mich überhaupt nicht gut dabei, denn ich wollte nicht, dass er sich so sehr über mich ärgerte wie er es anscheinend tat. Aber reden konnte man in der Caféteria wohl auch schlecht darüber, also zog ich es vor, ihm weiterhin aus dem Weg zu gehen.

Als mein Sandwich verspeist war, warf ich meine letzten zwei Vicodin ein - ich habe wohl gestern eine ganze Menge davon genommen... Seufzend machte ich mich auf den Weg zum Apotheker.
"Einmal Vicodin bitte", meldete ich mich an der Theke.
Er sah mich erstaunt an. "Sie haben doch erst vorletzte Woche ein Glas geholt."
Ich wedelte ungeduldig mit dem leeren Schraubglas vor ihm rum. "Und jetzt ist es leer, also ein neues bitte!"
"Von wem ist das Rezept?", fragte er und las es. "Das haben Sie ja selbst ausgestellt. Können Sie das überhaupt?"
Ich schnaufte. Der Kerl raubte mir noch den letzten, angefressenen Nerv!
"Was steht denn drauf?", fragte ich betont ruhig und liebenswürdig.
Er las vor. "Vicodin, 1 x. Unterschrieben mit Gregory House..."
"Da sehen Sie doch, dass ich das kann! Und jetzt lassen Sie endlich das Zeug rüberwachsen!"
Ich bedachte ihn mit meinem Todesblick und er beeilte sich, die Vicodin für mich zu holen. Ich steckte sie grade in die Jackentasche und wandte mich zum Gehen, als James hinzutrat.
"Hallo, Greg...."
Ich hob bloß die Hand und wollte mich aus dem Staub machen. Er ging allerdings neben mir her.
"Was hast du da bestellt?", wollte er wissen.
"Einen Sechser Nuggets mit Barbeque-Sauce. Wird in mein Büro geliefert", entgegnete ich knapp.
James sah mich von der Seite her an. "Du hast dir doch nicht schon wieder Vicodin geholt?!"
Ich schnaufte. "Du bist ja ein Schnellmerker!"
James blieb abrupt stehen. "Greg! Du hast erst vorletzte Woche neue bekommen!"
Ich drehte mich entnervt zu ihm um. "Führst du darüber Buch?"
Er nickte und ich war fassungslos. "Wie um alles in der Welt können die jetzt schon leer sein, Greg?"
Ich zuckte die Achseln und humpelte weiter. "Ich verschenke sie gerne an schmerzleidende Patienten. Apropos - hast du nicht ein paar von denen grade? Du solltest deren Medikation überwachen, nicht meine! Ich bin Arzt und weiß durchaus, was ich tue!"
"Vielleicht bist du ja auch ein süchtiger Arzt, der nicht immer weiß, was er tut!"
Ich bleib kurz stehen und funkelte ihn an. "Vielleicht bist du ja auch ein Arschloch, das mir mit seinen spitzfindigen Klugscheißereien auf den Sack geht!"
Damit wandte ich mich wieder zum Gehen.
James starrte mich verletzt an. "Fahr doch zur Hölle!", rief er aus.
"Da komm' ich grade her", versetzte ich leise und ging in mein Büro. Ich dachte nicht, dass er es gehört hatte, doch er folgte mir.
"Was hast du eben gesagt?", fragte er mich, als ich mich in meinen Sessel setzte.
"Gar nichts", log ich und verzerrte kurz vor Schmerz das Gesicht, als sich mein Bein wieder meldete.
"Ich habe es aber gehört", meinte er und setzte sich in den Besucherstuhl. "Was ist los mit dir?"
Ich stützte die Ellenbogen auf und verbarg kurz müde das Gesicht in meinen Händen. Ich erzählte ihm dann von gestern Abend, von den Schmerzen, dem nagenden Gefühl, der kaputten Anlage und meinen angespannten Nerven.
Betroffen schaute er mich an. "Es ging dir so mies, dass du dich total zugedröhnt hast? Wieso hast du mich nicht angerufen?"
Ich zuckte die Achseln. "Du machtest nicht eben den Eindruck, als ob du Wert auf meine Gesellschaft legen würdest."
"Greg! Du bist mein Freund! Ich bin nicht sauer. Naja, nicht mehr... Glaubst du etwa, ich hätte dich zum Teufel gejagt?"
Ich entgegnete nichts sondern starrte auf den Screensaver meines Bildschirms.
"Das hat sicher auch noch an dir genagt, oder?", fragte Jim leise.
Ich schüttelte fast trotzig den Kopf und schaute ihn nicht an.
Er trat hinter mich und legte mir eine Hand auf die Schulter. "Du kannst mich nicht vergraulen, Greg. Egal, was du machst, ich bin dein Freund. Ich weiß, wie es in dir aussieht und wieso du die Menschen vor den Kopf stößt."
Damit war er aus dem Raum und ich war froh, dass er die Schmerzensträne nicht mehr sah, die mir grade aus dem Augenwinke rann.

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