Monday, October 09, 2006

Sonntags im Krankenhaus

Es war nichts mit einem ruhigen Sonntag.
Die Gang bestand darauf, dass ich auch gestern anwesend sein sollte.
Wir sind gestern nicht mehr weitergekommen und James war ziemlich sauer auf mich wegen meines letzten Eintrages.
Aber mir ist inzwischen auch aufgegangen, dass ein Teil der beschriebenen Abendgestaltung wahrscheinlich (James Worten nach 100%ig) gar nicht stattgefunden hat, sondern ein Vicodin meets Single Malt Traum war. Die sind bei mir ja bekanntlich sehr verdreht.
Wegen der nicht eindeutigen Symptome sind wir gestern trotz diverser Tests immer noch nicht weitergekommen, sondern konnten nur weiter abgrenzen, was es nicht ist. Heute früh um 4 ist mir aber die Erleuchtung gekommen:
Das Hypereosinophile Syndrom! Klarer Fall!
Der Patient wird gleich heute früh Mepolizumab, einen monoklonalen Antikörper aus der GlaxoSmithKline-Forschung, bekommen. Durch die Blockade des humanen Interleukin-5 verhindert es die Anhäufung und Aktivierung der Eosinophilen im Blut und letztlich im Zielgewebe – also in Haut, Lunge, Herz, Leber und Milz.
Das Zeug wird zwar bislang bloß in Studien verwendet, aber ich bin mir sicher, ich komme da irgendwie dran.
Nennen Sie mich Gott!

Als wir gestern aus dem PPTH verschwunden sind, ging James ziemlich wortkarg zu seinem Auto - offensichtlich immer noch sauer. Ich vermied es also, ihn zu fragen, ob er noch mitkommen wolle was trinken und fuhr ebenso wortlos nach Hause.
Auf dem Weg zur Kaffeemaschine trat ich auf Elektronikschrott und die zerhackte Minianlage fiel mir wieder ein. Beim Inspizieren wurde klar, dass die CD ebenso in Klump gehauen wurde. Ich seufzte, zog meine Jacke wieder über und fuhr zur Mall, um mir beides wieder neu zu besorgen.
Wieder daheim, riss ich erst das Telefonkabel heraus (heute lasse ich mir eine neue Nummer geben) und baute dann die neue Minianlage in der Küche auf. Zum Testen legte ich die neue CD (oder alte, aber neu gekaufte) ein, schnappte mir eine Flasche Oban, stellte meine Vicodin vor mir auf den Tisch und lehnte mich im Küchenstuhl zurück.
Das nagende, unangenehme Gefühl machte sich wieder breit und Schmerzen im Bein hatte ich ohnehin. Ich muss wohl auch ungenießbarer als sonst gewesen sein, denn Foreman warf mir gestern einige Male regelrecht besorgte Blicke zu und schien zu überlegen, was er getan hat. Dabei habe ich alle gleichermaßen wie ein Stück Scheiße behandelt. Vielleicht ist sein Schulz von Thun'sches Beziehungsohr ja groß derzeit. Mir war's egal.
Letztendlich wollte ich weder dieses Nagen, noch die Schmerzen länger ertragen. Kopfschmerzen meldeten sich auch bereits wieder und ich stellte Tear von den Pumpkins auf Endlosschleife. Dazu dann fünf Vicodin, ein paar ordentliche Schlucke Oban aus der Flasche und alles verschwamm und wirkte ganz weit weg. So saß ich zurückgelehnt mit herabbaumelnden Armen auf dem Küchenstuhl, schaute mir die Muster an, die sich an der Decke zu drehen begannen und lud nach, wenn ich wieder klar wurde. Tear ist der absolut perfekte Soundtrack dazu. So saß ich bis ca. 4 Uhr heute früh, als mir plötzlich die Lösung des Falles zufiel.

Ich gebe zu, ich sehe nicht sonderlich gut aus heute morgen. Meine Augen sind doch arg rot umrandet. Und dass die beiden Internisten aus Hollywood heute hier aufschlagen, hebt meine Laune auch nicht unbedingt.
Apropos Feier - ich war der Ansicht, dass Cuddy sich darum kümmert! Schließlich war es ihre Idee. Alkohol wird es schon geben, davon gehe ich mal aus. Stellt sich bloß noch die Frage, ob ich Foreman gemeinschaftlich mit den anderen abfülle oder ob ich ihn vor diesem Schicksal bewahre und mich von ihm heimfahren lasse.
Da ist sicherlich noch jemand anderes, der mich gerne nach Hause bringen würde, aber darauf verzichte ich besser.
Ich hoffe, James ist nicht mehr böse auf mich.

2 Comments:

Blogger Dr. James Wilson said...

Schwamm drüber Greg!

Und noch eins - du siehst echt bescheiden aus heute.

October 09, 2006  
Blogger Dr. Gregory House said...

Danke gleichfalls.
Schwamm drüber?
Hätte ich vor meinem neuen Eintrag lesen sollen und vor allem VOR der Mittagspause.

October 09, 2006  

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