Tuesday, October 17, 2006

Ein unfreiwilliges Bad

"Nächstes Mal behälst du die Hand bei dir und schiebst sie mir nicht in die Hose im Schlaf!", rief James aus der Küche, während er Kaffee aufsetzte.
Vor Überraschung ließ ich den Stock fallen und die Peinlichkeit rauschte heiß in meine Wangen.
Das war nicht möglich.
Das hätte ich doch gemerkt.
Nein, das hatte ich in keinem Fall getan!

Ich angelte meinen Stock wieder vom Boden auf und humpelte zaghaft in die Küche.
"Hab ich das getan?"
James drehte sich langsam um, sein Gesicht war unergründlich.
"Das weißt du nicht mehr? Jetzt bin ich aber enttäuscht!", versetzte er und schob in gespieltem Schmollen die Unterlippe vor. Es dämmerte mir, dass das mal wieder seine seltsame Art von Humor war - oder es zumindest sein könnte.
"Fuck you!", motzte ich und wollte mich schon umdrehen.
James verschränkte die Arme und blickte mir direkt in die Augen. "Hier? Jetzt? Willst du mir zu schauen?"
Ich bedachte ihn mit meinem Todesblick (den ich sehr selten auf ihn anwende) und schlurfte ins Schlafzimmer. Dort, so dachte ich, würde ich mich umziehen können und meine Ruhe haben.
Weit gefehlt.
Ich beugte mich grade zu meiner Jeans vor, als er sich in den Türrahmen lehnte und mich anstarrte.
"Starr mir nicht so auf den Arsch."
"Wieso nicht? Der ist doch süß, vorallem in dem schnuckligen Schlafanzug."
Ich schnaufte unwillig und richtete mich wieder auf. Unmissverständlich machte ich deutlich, dass ich daraufzusteuerte, mir die Hose runterzuziehen. Normalerweise trieb ihn sowas stets in die Flucht.
"Willst du mir etwa zuschauen?" fragte ich leicht genervt.
Zu meiner Überraschung lächelte er bloß süffisant. "Sind wir heute etwas schüchtern?"
"Gut! Dann bleib ich eben im Schlafanzug!", meinte ich und pfefferte die Jeans zu Boden. Jetzt brauchte ich erst einmal eine Vicodin.
Selbst dabei beobachtete er mich und als ich mich genervt an ihm vorbeidrängeln wollte, versperrte er mir mit seinem Arm den Ausgang. "Lass mich durch!", knurrte ich.
Mit dem gleichen süffisanten Lächeln wie eben fragte er "Wieso sollte ich?"
Das reichte. Ich holte mit dem Stock aus und versetzte ihm damit einen Hieb gegen sein Schienbein. "Au! Scheiße!", rief er aus und krümmte sich kurz zusammen.
"Darum!", kam es bloß von mir und ich humpelte an ihm vorbei in die Küche, wo ich mir einen Kaffee eingoß und seine Nachfragen, ob ich etwas mürrisch sei heute ignorierte.

Lustig wurde es wieder, als er Musik anstellte und I touch myself erklang. Ich konnte nicht anders, als ihn zu fragen, ob er mir irgendwas sagen wolle.
James lachte sich halb tot. "Gott, ich wusste nicht was da jetzt kommt!"
Die gute Stimmung nutzend fragte ich nochmal nach "Hab ich nun ...", kam abernicht weit, da James seinen daraus resultierenden Lachanfall auf der Veranda auskurieren wollte.

Guuuuut, sollte er. Heimlich schloß ich die Tür und wie es ihm draußen erging, kann man bei James nachlesen.
Jedenfalls dachte ich, es würde ihn besänftigen, wenn er das Bad und den Kaffee vorfand. Darüberhinaus wollte ich natürlich auch nicht, dass er durch die Kälte krank wurde. Er sah aber auch zu schnucklig aus, wie er da die Kaffeetasse umklammernd mit geschlossenen Augen im Schaumbad lag - die Nase noch ganz rot vor Kälte. Ich lehnte mich an den Türrahmen. "Du siehst süß aus", bemerkte ich leise, was dazu führte, dass er die Augen aufriss und sofort anfing, mich zu beschimpfen.
"Spinnst du? Raus!"
Ich dachte nicht daran und trat ganz ins Badezimmer ein.
"Greg, verpiss dich! Ich bin wirklich sauer auf dich!" keifte er aus der Wanne heraus, der Kaffee schwappte bedrohlich in seiner Tasse.
Innerlich verdrehte ich die Augen. Selbst ganz groß im Scherzen aber nicht imstande, die Retourkutsche zu ertragen. "Ach komm schon Jimmy, wir sind quitt!", brummte ich bloß und sah ihn an.
"Wir sind quitt wenn du halbnackt ums Haus gehumpelt bist!", nörgelte er. "Und jetzt verschwinde!"
Von wegen!
Ich setzte mich vorsichtig auf den Wannenrand und achtete darauf, mein Bein so auszurichten, dass ich nicht ins Straucheln kam. Hektisch stellte er die Kaffeetasse auf den Rand und häufte Badeschaum in Richtung seiner delikaten Körperteile.
"Stell dich nicht so an, du hast nichts was ich nicht kenne."
Jim reagierte bloß mit einem bösen Blick.
Ich zuckte die Achseln. "Ich war nur etwas angepisst"
"Klasse und dafür sterbe ich fast den Erfrierungstod!", schnappte er - immer noch sehr wütend auf mich.
Ich konnte nicht umhin, ihn zu mustern. Obwohl sein Gesichtsausdruck mich deutlich warnte, noch irgendwas zu sagen, war es auch schon raus. "Du siehst dafür noch sehr lebendig aus!"
"Ja und wie lebendig ich bin!", hörte ich bloß noch, als er mir um die Hüfte fasste und mich zu sich in die Wanne zog. Das Wasser klatschte um mich herum, schwappte über, ich verlor den Halt und lag mit einem "Waaaaaaaaaaaa!" bei ihm in der Wanne.
"Stell dich nicht so an, ist doch nur ein bisschen Wasser", flüsterte er mir ins Ohr und ich konnte genau hören, dass er dabei anscheinend breit grinste.
Mein Schlafanzug klebte nass an mir und James hielt mich fest umklammert.
Ich versuchte, mich frei zu machen, war aber ziemlich hilflos in meiner augenblickliche Lage. Der Stock lag neben der Wanne auf dem Boden, James hielt mich fest und ich konnte mich kaum rühren.
"Du bist ja krank!", rief ich wütend aus.
James kicherte bloß und blies mir ein Schaumbläschen an der Wange vorbei.
"Nein, dank deiner vorausschauenden Idee, mir ein heißes Bad einzulassen, werde ich nicht krank...."
Ich grunzte bloß aufgebracht und versuchte, mich zu befreien und aufzurappeln - keine Chance.
"Tststs", fuhr James fort. "Nun ist es hier so heimelig warm, das Schaumbad duftet und die Kerzen wirken so romantisch...Und du willst schon wieder weg?"
Ich versuchte, nach hinten auszuholen um ihm eine Kopfnuss zu verpassen, doch er hielt mich mit einem Arm weiterhin umklammert und schnappte mit dem anderen nach meinem Handgelenk.
"Wolltest du nach dem Kaffee greifen?", fragte er zuckersüß, ließ meine Hand los und reichte ihn mir nach vorne. "Du musst dich doch nicht so anstrengen...frag doch einfach...."
Resigniert griff ich nach der Tasse und nahm einen Schluck. Dann reichte ich ihn wortlos nach hinten und begann erneut zu zappeln, als er die Tasse abgestellt hatte.
"Rrrrrr, spielen wir heute den Schüchternen, Verschlossenen?", fragte James mit einem rauchigen Unterton in der Stimme.
Mitten in der heißen Wanne wurden mir die Knie weich - ich habe einen grippalen Infekt verschleppt, da können meine Mitarbeiter so viel lachen wie sie wollen. "Jetzt lass mich endlich hier raus! Sonst werde ich gleich krank!", fauchte ich ihn an und versuchte wieder, mich zu befreien, was lediglich das Bad weiterhin unter Wasser setzte.
James hauchte mir einen Kuss in den Nacken und schlagartig hörte ich das Zappeln auf. Trotz der Wärme des Wassers bekam ich eine Gänsehaut und wurde sehr, sehr wütend. "Jaaaaaaames", knurrte ich leise hinter zusammengebissenen Zähnen. "Du lässt mich jetzt raus oder..."
Er festigte seinen Griff um mich. "Oder was?"
Ich schlug wie ein Wilder mit meinen Unterarmen auf das Wasser ein, da ich sonst nichts bewegen konnte. "Oder ich raste total aus!!!!!
James kicherte und blieb ganz ruhig. Er schmiegte sein Gesicht in meinen Nacken und wisperte "Aber Schätzchen, was erregst du dich denn so? Genieß doch einfach die Romantik des Augenblicks..."
Ich wurde ruhig und mir kam ein Gedanke.
"So ist es doch schon viiiiieeeeel besser", ärgerte er mich mit sanfter Stimme weiter und knabberte kurz an meinem Ohrläppchen.
Ich wandte meinen Kopf. "Darf ich mich weigstens umdrehen, Honey?"
Er grinste mich anzüglich an und lockerte seinen Griff ein winziges bißchen. "Wenn du kannst..."
Ich konnte und lag nun bäuchlings in seiner Umarmung auf ihm drauf. Sein Gesicht zeigte mir schon, dass er merkte, wie das Blatt sich wendete. Er sollte sich noch wünschen, mich früh genug herausgelassen zu haben.
Meine Arme waren nun etwas freier und ich umfasste ihn, eine Hand in seinem Nacken, den anderen Arm um seinen Oberkörper geschlungen. Ich sah ihm tief in die Augen. "Du hast recht. Das ist wirklich sehr romantisch, Honey....", hauchte ich und näherte langsam mein Gesicht an.
Nun wurde es ihm peinlich und unangenehm, er schluckte und vergaß kurz zu atmen, konnte mich aber nur wir hypnotisiert anstarren. Genießerisch schloß ich die Augen und küsste ihn, schnurrte ein "Hmmmmmmmmmmmmmmm" und winkelte das Knie meines gesunden Beines so an, dass es unweigerlich gewisse Körperteile streifen musste. (Die übrigens auch prompt reagierten, wenn mich nicht alles täuscht... Die Enthaltsamkeit und seine Gedanken an 'jemand' machen ihn da wohl zu einem leichten Opfer...)
Zu meiner Überraschung wurde mein Kuss erwidert, wenn auch nur kurz. Für einen Moment wurde mir schwindelig und James spürte sicherlich, dass dies sein Moment war.
"Bist du vollkommen wahnsinnig????!!!!" brüllte er und stieß mich mit Wucht von sich.
Nun war es an mir, in mich hineinzukichern. "Du zerstörst aber auch jeden schönen Moment..."
"RAUS! Verschwinde! VERPISS DICH!"
Ich schaute ihn ernst an. "Ich kann nicht. Du musst mir dabei helfen...."
Er hatte schon eine gemeine Antwort auf der Zunge liegen, schluckte sie aber herunter, als sein Blick auf meinen Stock neben der Badewanne fiel.
"Okay", meinte er leise. "Dreh dich um und ich helfe dir auf."

Es muss ein Bild für die Götter gewesen sein, als er mit mir aufstand und mir aus der Wanne half. "Und dreh dich bloß nicht zu mir um!", zischte er, als ich vorsichtig aus der Wanne kletterte.
So würdevoll wie es mir in dem tropfnassen Pyjama und der Show eben nur möglich war, stapfte ich aus dem Bad, um mich umzuziehen.

9 Comments:

Blogger Dr. James Wilson said...

Reagiert?

Das hast du geträumt ... da hat nix reagiert!

October 17, 2006  
Blogger Dr. Gregory House said...

Sicher hat da was reagiert.
Oder ist er durch die entstandene Welle plötzlich an meinem Knie hochgeflutscht?

October 17, 2006  
Blogger Dr. James Wilson said...

Dann war das bei dir auch der Fall ...

October 17, 2006  
Blogger Dr. Gregory House said...

Wie kommst du denn auf diese Idee?

October 17, 2006  
Blogger Dr. James Wilson said...

Weil ich Nervenbahnen habe - und druckempfindlich bin! Lies es nach - wenn du mir nicht glaubst ... aber du weißt es ganz genau!

October 17, 2006  
Blogger Dr. Gregory House said...

Das sagst du jetzt nur, weil du dic ärgerst...

October 17, 2006  
Blogger Dr. Eric Foreman said...

Hach, ja, Nervenbahnen... Reagieren immer dann, wenn sie nicht sollen...

October 17, 2006  
Blogger Dr. Gregory House said...

Wollen Sie uns davon erzählen, Foreman?
Könnte die Stimmung des Mittwochs beträchtlich heben.
9:30 Uhr in meinem Büro?
Ich hab noch ein wenig Bourbon hier.

October 18, 2006  
Blogger Dr. Eric Foreman said...

Schade, dass ich das hier erst jetzt gelesen habe!
Sonst wäre ich heute morgen tatsächlich in Ihrem Büro aufgekreuzt! *g*

October 18, 2006  

Post a Comment

Links to this post:

Create a Link

<< Home